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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-17 · Heft 4 (17.2.1922) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 4 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 lebendigen Ueberzeugung ansipricht, das; der Glaube und das Gottvertranen einen unendlichen Wert für die Menschenfeele haben und den Mittelpunkt alles inneren Erlebens darstellcn: alle diese Ideen in ihrer wundersamen Einheit sind die (Grundgedanken des ^uDeatum*, dl). der reinen Religion. Tie Propheten ab^r führen gleichsam mit logischer und ethischer Uoniequenj den absoluten Monotheismus za seiner letzten Höhe, die sich im Messianismus aufrichtet. Tarin wird der einzige Gort zum Gott der Weltgeschichte. In dieser Verkündigung liegt die erhabene religiöse Hoffnung, das; die Menschheit einer neuen Zeit entgegengeht, die keinen Weltuntergang bedeutet, sondern die Verwirklichung des (Rottesreiches. der Idee der Sittlichkeit auf Erden. Messianismus ist nicht das goldene Zeitalter, das den Menschen wehmütig in die Vergangenheit znrnckblicken läßt und die (beschichte zu einer, rückläufigen Bewegung verurteilt, sondern eine ideale Zukunft, zu der das Menschengeschlecht in auffteigeader Linie sich entwickelt. To entbehrt der messianische Gedanke jedes jenseitigen, eschatologi scheu Eharakters, und in ihm liegen als das Ziel aller Weltpolitik der Weltfrieden und der wahre Völkerbund auf der Grundlage der sozialen Ethik beschlossen. Diese Idee birgt ferner die Froheit und sittliche Tchafsinsenergie.. den echten Lptimismns in sich, von dem die Propheten trotz der düsteren Gegenwart sich getragen fühlten, weil ein rnessianisches Gcmür die Hoffnung auf die einstige Realisierung der ethischen Gedanken niemals anfgibr. Und aus dem Glauben an die sittliche Ordnung der Welt folgt die :>io:-' Wendigkeit der Verhöhnung, die der sch aus eigener -kraft mit feinen Brüdern und mit Gott herstelleu niuft. Es ist die heilige Ausgabe. \\i der die Religion ihn aufrust. sich ein neues Herz zu schaffen, und er erreicht feine sittliche Erneuerung nicht auf dem Gnadenwege oder durch einen Mittler, sondern durch selbständige Hinwendung znm Ideal aller Vollkommenheit. Ties ist der gewaltige Tinn des Vec söhnungstages, wn\: der heilige Gott geheiligt wird durch Gerechtigkeit. Tas Judentum-rftt"dnrch den Prophetismus zu einer stultnrreligion geworden, und da seine mächtigen Gedanken: der ethische Monotheismus, der sittliche Fortschritt der Menschheit zum Messianismus, der Ilniversalismns der erhu'chttt Idee noch nicht Gemeingut aller Völker sind, hat es seine unbestreitbare Tastinsberechttgnng auch für die Gegenwart und für alle Zukunft. Israel ist der Bote der Einzigkeit Gottes und der Einheit der Menschheit. . Tas ist der ganze Tinn seiner Auserwählung. Ter Gottesbegriff des .Judentums hätte nie die Bedeutung eines jüdischen Rationalgottes, ioiift wäre es nicht eine Religion.gewesen- Ter reine Glaub? bat die dauernde Aufgabe, jene prophetischen Gedanken mit allen Konsequenzen in sich .zum vollendeten Bewußtsein zu bringen und den Zusammenhang mit der Philosophie nicht zu verlieren. Tenn Philosophie des Judentums ist Westn des Judentums. Rur durch die wissenschaftliche Begründung seiner Ideen wird sein ewiger Bestand und seine lebendige Entwicklung bedingt. Tie Verbindung mit der echten philosophischen Erkenntnis wird eine stetige Verinnerlichung und Vergeistigung zur Folge haben, die zugleich eine wissenschattliche Auseinandersetzung mit den Gedanken des Ehristenrums ermöglicht. Tie .Klarstellung des Verhältnisses der beiden Religionen zueinander wird 'ans als ein Akt der Verteidigung aufgedrängt, erzeugt aber notwendig eine Läuterung der eigenen religiösen Ideen. Es muß das ist Eohens entschiedene Forderung immer wieder ausgesprochen werden, das; die Uugleichartigkeir der Religionen ans der Fassung des Gottesbegriffs beruht. Tie Gemeinsam, fest der ethnckzen Nelerzengungen wird in Theorie llnd Praris von der völlig verschiedenen Begründung durch die Gottesidee in wesentlicher Art beeinträchtigt. In dem Gottesgedanken aber liegt ein unausgleichbarer Gegensatz zwischen Judentum und Ehristentum. Und im eigenen Lager müssen diejenigen, die nur die jüdische Tittenlehre gelten lassen, aber die religiösen Prinzipien abstosien wollen, bedenken, das; ohne Gott die Tittlichkert ihren Grund, ihre Bürgschaft und ihre Vollendung verliert. Zudem ist im Judentum jeder Unterschied zwischen Denken und Handeln aufgehoben: in ihm ist Glaubenslehre Tittenlehre und umgekehrt Ethik identisch mit Religion. Tie Zeremonien aber bedeuten nichts anderes als praktische Tittlichkeit und sollen der Befestigung im Guten dienen. Tie Erhabenheit des jüdischen Gottesbegriffs hat bewirkt, das; dasJudentum die einzige Religion ist. die nicht die geringsten mythischen Bestandteile, d h. keine Versinnlichimgen und Verbildlichungen des Göttlichen aufzuweisen hat. Während der Mythos nach dem Woher der Welt fragt, konzentriert sich im jüdischen Glauben das ganze Interesse auf das Wohin, d. h. auf den Zweck der Tchöpfung. der der Kausalität gegenüber vorherrscht. Ter Gedanke Mendelssohns. dasi das Judentum keine Togmen kenne, ist nahaltbar. und dazu wäre das Fehlen solcher aufbanenden Gedanken in einem Lehrgebäude nicht etwa ein wertvoller Vorzug, da sie j die Grundpfeiler des religiösen Tnstems bilden. J Tie ganze philosophische Begründung des Iudentuals durch Eoheu beweist zur Genüge feine wiederholt auch ausdrücklich ausgesprochene Neberzeugnug. da»; er in ihm lediglich eine R e l i g i o n sieht, die als solche einen berechtigten und notwendigen Typus in der geistigen Ttrnktnr der Völker bedeutet. Tie sogenannte Indensrage kann nur aus dieser Aufsassnug heraus richtig begriüen werden. Tenn Jude sein heisst, den Tinn des Lebens und der Welt in dem einzigen Gott erkennen und bekennen. Tamit find die Rassentheorie des Indenhastes und die nationale Wertung des Judentums innerhalb unserer Gemeinschaft selbst abgenoiesen. Wir gehören mit unserem ganzen Tein der allgemeinen Kultur an und rühren ausschließlich im Religiösen eine eigene Eristcnz. Ter deutsche Jude ist deut'ch. weil er deutsch lein will und weil er sich mit den geistigen und sittlichen Tendenzen der echten deutschen Wesensart verwandt und verwachsen fühlt. Und wir haben als mestianifche Menschen die unausrottbare Hoffnung, die wir uns trotz der Fortdauer des Judenhasses nicht rauben lasten, daß einmal doch die wahre ethische Gesinnung sich durchsetzen und zur Anerkennung oes gewaltigen Anteils führen wird, den das Judentum an der Erzeugung der Weltkultnr har und haben wird, solange es selbst seiner höchst eigenen Tchöpfung. dem absoluten, sittlichen Monv- ' lheismus, treu bleibt. Tie Philosophie der jüdischen Religion in ihrer Vollendung und .Lebensfülle steht in dem geistigen Tchaffen Cohens vor der Teele des modernen Juden und vereinigt alle wertvollen Motive der jüdischen Tenker zu einem geschloffenen Tystem. Mit der leidenschaftlichen Glut eines wahrhaft religiösen Gemütes erfaßt Cohen das Wesen des Judentums und seine Widerspiegelung in der allgemeinen Kultur. Und in seiner Persönlichkeit sprechen uns alle jüdischen Ideen mit der Gewalt der LSahrheit und Innerlichkeit an: der Idealis- : mus nnd Optimismus, das soziale Empfinden und die macht-! volle Einheit von Religion, Wissenschaft und Tlttliclzteit.! Eohens Philosophie ist Prophetismus. iu Begriffe gefasst, und > mit der unwiderstehlichen ethischen -straft eines modernen! Tehers weist er dein Judentum den Zukunfsweg- Tabei hält! er die Kontinuität mit dem geistigen Besitz der Vergangenheit I aufrecht, indem er feine Gedanken in den Quellen unseres > Glaubens wiederfindet und die Worte der Bibel und des

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