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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-17 · Heft 4 (17.2.1922) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 4 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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Aber tfibt es wirklich irgendwelche Möglichkeiten. Wauut für uns zu finoen. ohne andere zn verdrängend Einige Zahlen iverden am wirkungsvollsten di.sen Zweifel zerstreuen. Wenn wir den Teil der Lberfläche Palästinas, der für Bebauung geeignet ist. auf 2<> Millionen Tunam lca. l,s Millionen Nektar) schätzen und die Zahl der landwirtsck)astliel)en Siedlungen in Palästina auf *<>* bis 100 ooo wenn wir ferner bedenken, daß das Gelände, das für jede Siedlung notig ist. 100 £ umint betragt, la tverden wir finden, daß mindestens!0 Millionen Tunam für jüdische Siedlung frei sind. Bei derselben Schätzung: 100 Tunam so Hektar) pro Siedlung würde das für Familien genügen. Bei Anwendung von intensiven Methoden könnte diese Zahl bedeutend vergrößert werden. Wem gehört nun dieses Land, und ist es möglich, einen beträchtlichen Teil davon für unsere Kolonisation zu erwerben? Bei Betrachtung dieser Frage können wir den Boden Palästinas in vier verschiedene st lassen einteilen: a vaxiD ohne Besitzer. i. Befetztes. aber nichtkatastriertes Lund. « Staatsbesitz. - . «1. Vanb in Privatbcsitz.;\:x a>: ilntei der« türkischen besetz konnte das herrenlose Land eo:t ledern i t Besitz genommen werden, der es bearbeiten wollte. Wai,c»ä,eilUich nstrd d««s o'-efetz von der gegenwärtigen Regierung mehr euvm&ert werden.;',u I»:: un Hinncht mit die zweite Klaffe Land, das bereits in <'eütz genommen, aber noch nicht katastriert ist. kann mau eine Vien* derung erwarten. ‘Jinr dierenraen Bentzer nämlich, die ihren Boden bearbeitet hatten, aber die Konen der Katastrierung nicht bell reiten tonnten, werden in ihrem Bentz bestätigt werden. diejenigen -^andereren aber. d:r .regen Aichtbearbeitung nicht kataitriert worden nnd. n-erden zum Erwerb ireistehen. Ties werden etwa Z.i:u\u\ <>eNo.rt fein. Tre dritte Klane Land, der Staatsbesitz, beträgt J 2 ■M'.'Mii. Wenn die Hälfte davon dem Staate verbleibt, so werdea Tunam 'nr uns zur Bearbeitung frei werden. BTir rer trauen darauf, da st d:e Ulegiernng uns in jeder Weist bei stellen wird, dies Land;:r -Kauf oder liiere \\i erhalten.;\n <1 : Hs must zugegeben werden, da»; das diesen drei Klanen zugehörige Land < ungefähr u-jr« imm Tnnam gleich etwa 1*uo<».» v-ittinvfast ansfebliestlich von geringerer Tualitat ist. wohingegen das gute Land meistens nur ans Privathand erworben werden kann. Um indeneu die Preise in veriiiinitiger Höhe zn holten, .ist es unbedingt erforderlich, dast der Laudkanf gut organisiert und. roenn mögliett. von einer einzigen Körperschaft dnrchgeführt wird. Es wird daher der Grundsatz der jüdischen Lundpolitik tu Pulästinu feilt müssen, du st ulles von Inden bearbeitete Lund schliestlich Allgemeinbesitz des jüdischen Volkes werden soll. Tus Lrgun zur Turchführung der Bvdenenverbspvlitik ist der jüdische Aationalfcmds. 3cine Zwecke sind, den Boden Pulüstinus für den Besitz der jü di schert Gesamtheit zn erwerben, das Lund ausschließlich in (Erbpacht und Erbbaurecht \n vergeben, und die Ansiedlung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter auf eigenem Grunde zu fördern, die regelmäßige Bearbeitung des Bodens zu kontrollieren, Bodentpekulationen zri bekämpfen und die jüdische Arbeit zu schützen. Tamit der Äntionalionds alle diele Ausgaben erfiUIen kann, toll er Anleihen aufnehinen. deren Zinsen mtd Amortisationen durch feine Erbpacht betrüge avgezahlt tverden sollen. Ter Aationaltonds soll ohne Z.nrückstellnng einer Reserve den Hstfumtbetrug seiner Gelder in Palästina investieren. Tie erste Aufgabe nach dem Kau io des Landes ist die Borbereitnng zur Bebauung. Hierfür besteht ein besonderes Lrgan. die ..Palestine Land Tevelopment_Eontpanu" P L. T. E.l. die das vorbereitete Land zum Selbstkostenpreis mit einem lnastigeu Zttsthlag für Nutzen mld Risiko wieder j verkaufen soll. Tiefe Gesellschaft muß jetzt stark vergrößert! . werden, damit sie das Hauptinstrumcnt einer gesteigerten! .Kolonisation des Landes werden kann. Sie soll in engem > Zusammenhang mit Arbeitsgemeinschaften arbeiten, die bej reits ihre Fähigkeiten in der Urbarmachung des Bodens für! Siedler erwiesen haben. I i ' I Henriette GollllchmMt. Beit Den Tagen der Nahet Ävin ist keine dendsche Jüdin irr Wort und Schrift, im Leben wie nach ihrem Heim- ' gange so gefeiert worden wie Henriette Goldschmidt. Während jedoch die geistreiche Berlinerin den angestammten (Glauben l verließ und sich erst ans dem -Sterbebette des Vorzuges bewußt - wurde, als Jüdin geboren zu fein, hat Henriette Goldschmidt, die? begeisterte Schiller-Verehrerin, die Schiller, Lessing und (Goethe ' ihre Erzväter (sie!) nannte und schon als junges Mädchen 1*47 die Emanzipation der Juden mit froher (Genugtuung begrüßtei sich allzeit treu zum Judentum bekannt und die Tradition! ihrer Vater heilig gehalten. Fraglos ist Henriette Goldschmidt die bedeutendste Frau der deutschen Frauenbewegung, aber auch die bedeutendste Frau gewesen, die das Judentum in der zweiten Hälfte des lst. Jahrhunderts hervorgebracht 'r hat. Und nun, da sich ihr Todestag zum zweiten Male jahrt. j hat sie auch ihre Biographen gefunden'). Henriette Gold- * schmidt hat Atrizeichnungen hintcrlasfen. doch sind diese nur lückenhaft geblieben. Aus Niedergefchriebenem, Erinnerungen. ' Erzähltem und Gesprächen ist das vor uns liegende kurze E Lebensbild gewoben. Ihr Lebens- und Werdegang, ihre Entwicklung leitet hinüber, bildet die Brücke zu ihrem Schaffen und Wirken. Tie überzeugte Temvkratin, die alte Achtundvierzigerin. diese starke, lebendige, tatenfrohe! Persönlichkeit wurde eine begeistert? Pionierin der deutschen Frauenbewegung. Bon dem glühenden Wunsche beseelt, ihrem Geschlecht zu dienen und zn nützen, stellte sie sieh begeistert in den Tienst der neuen Ideen und hat bis zum Ende ihrer Tage immer und immer wieder den Gedanken zum Allsdruck gebracht: ..Tie Arbeit ist die Grundlage unterer .Kultur, die Arbeit ist daher Pstichr und Ehre des weiblichen Geschlechts, alle Hindernisse müssen befeitigt werden, die dem im Wege stehen/ Mutig und tapfer ist sie für die Rechte der Frauen in Gemeinde und Staat eingetreten: oft und gern hat sie die Worte wiederholt: ..Wir haben Väter der Stadt, wo ab?r sind die Mütter?" Tie Franenfrage bedeutete ihr eine I Kulturfrage. Insbesondere hat sie mit der ganzen ihr j innewohnenden geistigen Energie und mit vornehmster! Hingabe ihr Lieblingswort: „Ter Erziehungsberuf! ist der.Kulturberuf der Frau" in die Tat rungesetzt, indenz,sie j eine jüngere Generation zu Tausenden und aber Tausenden i im Sinne und Geiste ihres Meisters Friedrich Fröbel, „vom j Kindergarten zur Hochschule für Frauen" für ihre „mensch- - heitpflegende Bestimmung" heranbildete. Mit vorbildlicher! Arbeitsfreudigkeit und Tüchtigkeit hat sic unbeirrt die Auf-! gäbe, die sie sich gestellt. durckzgeführt. - Tie Begründung der Hochschule für Frauen in der Stadt,; die ihr länger als sechzig Jahre Heimat gewesen, bedeutete die; Krönung ihres Lobenswertes. Inmitten der Wirren des Weltkrieges war es ihr vergönnt, ungebeugt von der Last der Jahre, : \'M:> die fünfzigjährige Jubelfeier der Bewegung, an der sie so ' lebhaften Anteil hatte, wie ihren Geburtstag zu begehen. - Und nun sollte der Abend für dieses reiche Fraltendasein herembrechen! Ihre letzten Lebensjahre trübten tiefe Schatten. *i ..Henriette Goldschmidt. Zhr Leben und ihr schaffen." Targestellr von ^o'ephine siebe nn> Tr. Zchannes Prüfer. Lber- «tud endirektor. Mir .pvei Bildern. Akademi'che Berlagsgesellschaft m. b. H., Leipzig. lOLL.

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