Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 4 (17.2.1922)
- Date
- 1922-02-17
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
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Ein mite* Beispiel für die Popularität des jüdischen Hochschlitz gedankens bildet eine spende, die ein in Mecklenburg (Deutschland» ansässiger Justizrat den für die Errichtung der jüdischen Universität zuständigen Institutionen neuerdings überwiesen hat. Dieser freund der jüdischen Kultur hat nämlich den gesamten Erlös aus dem Vorkauf eines größeren Landstrcifens zur Berfügung gestellt, um so die Errichtung eines neuen Forschungsinstituts innerhalb der medizinifclren Fiiknltät zu ermöglichen. Z. K. * Professor Dr. Alvert wohlauer. r. Breslau, 5. Februar. Tie weite Halle des Friedhofes an der Löheftraße vermochte am 2. d. M. kaum die außergewöhnlich große Trauerversammluug zu fassen, die erschienen ivar. um ihrer »vehmütigen Anteilnahme für den Heimgang eines der besten Burger unserer städr und Gemeinde Ausdruck zu.geben. Zeugnis abzulegen sür die hohe Werkschützung. der sich Professor Albert Wohlauer in den wei'.esten Kreisen erfreute. WaruU^erzig. lebensvoll und lebenswahr schilderte Rabbiner Dr. B o ge l stein die Persönlichkeit und das Wesen des Berewigtcn. deffeu Leben reich an Arbeit, aber auch reich an Ehren und Erfolgen, an Vtebc und Freundschaft gewesen, wie selten ein Menschenleben. Ein Lehrer und Führer der Jugend seit Jahr.zchnten an der Anstalt, der er selbst seine wissenschaftliche Bildung verdankle. verstand er in einzig-eigenartiger Weile 'einer in begeisterter Liebe ihm anhängenden Schülerschur den reichen schaß 'einer Kenntnisse zu erschließen, dieser insbesondere die ihn selbst beseelende glühende Hingebung für das deutsche Vaterland und die deutsche Geschichte einzuflvßen. Unentwegt seine Kraft und Zeit dem Dienste der Stadt und Gemeinte weihend, den Traditionen -einer Familie nachlevend. ein treuer Sohn ''einer Glaubensgemeinichmir. das geliebte und verehrte Familienhaupt, dem sein Hans alle zeit heilig war. der hochgeschätzte Mittelpunkt eines großen Kreises von Freunden und Gesinnungsgenossen, denen er stets mit seiner Erfahrung ratend zur Seite stand, der wertvolle Mitarbeiter des Lehrkörpers der stärke seiner Wirksamkeit, des Johannes Gymnasiums wie zahlreicher Behörden und Organisationen, wird Albert Wohlaners Andenken nnvergesicn. vorbildlich und zur Nacheiferung anfeuernd, über die Grenzen seines Familienkreises hinaus, bei allen, die ihn gekannt, in dankbarer Erinnerung fortleben und feine Angehörigen mögen Trott finden in dem, was er ihnen gewesen und stets bleiben wird. Herr Rabbiner Tr. Hoffui a n n sprach in ühnliäiem sinne und betonte namentlich, daß er. obgleich erst »eit kurzer Zeit hier, im Zusammenwirken mit dem Verewigten doch genug Gelegenheit gehabt habe, dessen Arbeitskraft und Arbeitssreudigteit wie die Lauterkeit seines Eharakters kennenzulernen. Ter Abschiedsgruß des Johannes-Gymnasiums, seiner Lehrer und Schüler. den Tirektvr Gabriel tiefbewegt brachte, klang in dem Tichterwvrt aus.- „Höchstes Glück der Erdenkinoer Ist doch die Persönlichkeit/ Geh. Justizrat Goldfeld sprach für den Vorstand der Synagogengemeinde. Justizrat Perser für das Repräsentantenkollegium, während stadtverordnetenvorstel)er Geh. Justizrat Tr. H e i l b e r g Abschiedsworte der städtisclren Behörden widmete. Aufrichtige Trauer rnn einen unersetzlichen Verlust zitterte durch alle diese Reden und die einmütige Empfindung: „er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, wir werden seinesgleichen nimmer sehen!" Harmoniumklänge hakten die erlebende Feier eingeleitet und beendet. Auf dem Wege von der Halle bis zur letzten Ruhestätte bildeten die Schüler de» Johannes-Gymnasiums -Spalier, mrr dem -zzclrclttcrr Lehrer und väterlichen Freund noch einen letzten Scheidegruß zu geben. Dann wurde, was sterblich an Albert Wohlauer war. in die Erde gesenkt und das große Trauer gesoige. in dem sich zahlreiche Vertreter von Behörden und Lrganifationcn. denen der Verklärte angebörle, befanden, verließ tiefergriffen den Lrt des Friedens. während leiser Schnee auf den frischen Hügel niederrieselte. Albert Wohlaners Name bleibt für alle Zeiten eng verknüpft mit der Geschichte der Stadt Breslau, der Jüdischen (^meinde und des JvhannesGymnasittms. * Lalidwirtlchaktliche Kolonisation in Oalältina'). ie Produktionskraft Palästinas liegt heute fast ausschließlich in der Landwirtschaft — die städtische Bevölkerung ist meisten» unproduktiv - lind die Landwirtschaft al» gesunde Grundlage jeder Volkswirtschaft wird ihre zentral? Bedeutung auch dann behalten, wenn die industrielle Entwicklung Palästinas sich so schnell vollzieht, wie man-wünscht. Die Ausbreitung de» jüdischen landwirtschaftlichen Besitze» hat i l Palästina neben der volkswirtschaftlichen ein? politische Bedeutung. Nur mittels zahlreicher landwirtschaftlicher Siedlungen' werden die Juden imstande sein, sich schnell über das ganze Land zu verbreiten. Eine eini/itige Entwicklung von städtischem und industriellem Eharatter würde nur zur BLWung von jüdischen Komplcren führen, die von arabisch)?:! Besitz mgen umgeben wären, und nie ein jüdisches Palästina »chaffen. 'Thne zu versuch'n, genaue Zahlen festzusetzen, kann man behaupten, daß eine landwirtschaftliche Bevölkerung, die etwa 40 dis '»0 Prozent der Gesamtbevvlkerung beträgt, als eine normale und wünschenswerte in der Kolonisation Palästinas anrzesehe»? werd ar kann. Im Jahre 1014, vor dem Ausbruch des Kruges, gab es 4 l jüdische Kolonien in Palästina, di: 4t>s 742 Xunani (zirka 41000 Hektar) Land und etwa 12 000 Einwogner enthielten. Der Gesamtrvert der Pflanzungen betrug rs40uoo Pfund Sterling. Der Wert des urbaren, aber nicht kolonisierten Land:» kann auf 060 OOO Pfund Sterling geschätzt werden. Außerdem ivaren Gebäude und aller Art Vorräte 6M»0uo Pfund Sterling ivert. so daß da» Gesamtkapital, das in der jüdischen Landwirtschaft in Palästina investiert war. im Jahre!!»!4 2 100 000 Pfund Sterling - 46 Millionen Gvldmark be-rug. Das ist alles, was in dreißigjähriger Arbeit erreicht wurde. Jetzt stehen wir neuen Ausgaben gegenüber. Die nengeschafsenerv politischer Bedingungen einerseits und die kritische Stellungnahme eines großen Teils unseres Volkes anderseits machen-es uns zur Pflicht, mit einer Methode und Schnelligkeit zu arbeiten, di? sehr von der bisher geübten verschieden ist. Diese Erkenntnis hat zur Bildung des Keren H a j e f s o d geführt. Der Keren Hajesfod (Palästinawerk» hat es sich zur Aufgabe gestellt, eine den heutigen Verhältnissen und den daraus entspringenden Aufgaben gerecht werdende Kolonisation Palästinas durch eine großzügige Finanzierung zu ermöglichen. Tie gewaltigen Möglichkeiten, die dem jüdischen Volke durch die Balwur-Teklaration und ihre Aufnahme in den türkischen Friedensvertrag in Palästina gegeben worden sind, können nur ausgenuht werden, wenn das Volk dazu selbst di? Mittel zur Verfügung stellt. Ter Erfolg des Keren Hajesfod, der im Laufe von fünf Jahren 25 Millionen Pfund Sterling aufbringen zoll, wird beweisen, ob das jüdische Volk die Möglichkeiten und di? daraus erwachsenden Aufgaben, die in Palästina gegeben sind, begreift und auszunüheu versteht. In der ersten Reihe der neuen Aufgaben steht der Ausbau der tandwirtschaftlicheu Kolonisation. Fassen wir zunächst die Frage des Laudenverbs ins Auge, so muß festgestellt werden, ob es Land gibt, das erworben werden kann, ohne die ursprünglichen Besitzer, die arabischen Fellachen, zu verdrängen. Denn e» muß ein feststehendes Prinzip bleiben, daß wir uns nicht dadurch Platz in Palästina schaffen wollen. daß wir andere von ihrem Platz verdrängen, sondern durch Schaffung von neuen Möglichkeiten. '» Aus einet demnächst erscheinenden Broschüre des Keren Hajesfod tür Deutschland.