Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 3 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 2 (sequence 15)
- Language
- German
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der deutschen Juden und—ftflbrtaripn?rr" uhrtrrrjrtint Juden ni London. ns. Memel, int Januar. Ter rcljährigc. Kit drei Jahren erblindete Geheime sanitatsrat Tr. Artur Mittel t Königsberg), ein Nichtjude, veröffentlicht jetzt seine Reminiszenzen Landarzt in Preußisch-Litauen (1869 bis 1W6t". Tas Bereich dieser langjährigen ärztlichen Praxis ist der Marktflecken R u ß (Ostpreußen. jetzt Memelgebiet). wo der Verfasser außer feiner beruflictren Wirksamkeit noch als fortfchrittlict-er Politcker und hervorragender Bürger sich ersprießlich betätigte (1881 bis 1882 preußifckrer Landtagsabgeordneter für Memel-HeyDekrug). Leute Erinnerungen entrollen wichtige Kulturbilder und Wandlungen über Land und Leute, darunter auch einzeltte wohlwollende hochinteressante Mitteilungen über den redlichen Anteil der Juden an der Entwickelung von Handel und Wandet, welche äußerst bemerkenswert sind, hier wiedergegebctt zu werden: ..Zähe Tatkraft und starker Unternehtmtngsgeist vereinte die jüdischen russischen Holzhändler. sie kauften staatlich und private Waldungen und ermöglichten bei der großer: Anspruchslosigkeit der Arbeiter die Ueberführung der gewaltigen Holzmassen aus den hundert Meilen entfernten großen russischen Forsten über Ruß nach Memel, usw." ..Manchmal wurde ich in eine Lchafferne (Holzhaus auf einem größeren Holztransport) eingeladen, wobei uns dec Lchaffer (Führer) gab: ,.A Ball, a Ent mit Bulwis. Jauch und schwarzbier." Tiefe jüdisch-deutsckten Worte bedeuten: Ter schaffet: gab eine Gesellschaft, einen Entenbraten mit Kartoffeln. Tunke und englischern Porter. Biele Bücher und Tageszeitungen ersäzeinen in jiddischer spräche, die für uns Teutfche nach kurzem Aufenthalt verständlich und erlernbar ist." „Tie in Ruß wohnenden jüdischen schncidemühlenbesitzer, ZLaufleute. Holzmakler, Gasthokbentzer und Händler führten ein musterhaftes Familienleben, sie unterhielte!: ein Bethaus und Frauenbad. unterstützt durch ihre rufsifckren Glaubensgenossen, die int svmmer als Holzhändler dorthin tarnen. Als beste Patienten hielten sie sich an die ärztlichen Vorschriften und trieben keine Kurpfuscherei, sie waren wohltätig gegen Juden und Christen. Für arntc jüdische Vkädchett legten sie die Aussteller zur Hochzeit zusammen. Ein Makler, der als Kvchjungc bariuß aui einer Trist nach Ruß kam und durch Tüchtigkeit und Fleiß reich geworden war. jragte in Memel feinen alten Freund.- ..Nathan, warum heiraten deine Töchter nicht"" Auf die Antwort: „Tas weißt du ja." legte er WM) Mark auf den Tisch. „Gib jeder die Hälstc." Nach drei Monaten waren beide glückliche Frauen. — Viele Juden gehörten unseren Vereinen an. doch konnten sie mt nuferem Festessen nicht teilnehmen. da sie streng orthodor lebten und durch Nichtachttmg der Speisegebote bei ihren russischen Glaubensgenossen in Mißachtung geraten wären, usw." — Es ist manches seit früher anders geworden. r. Brests», 27. Januar. Tie Witwe Julius Rodend e r g s . Frau Justina Rodenberg, hat der Universität Marburg 1-VMiOO Mark als Vermächtnis zum Andenken an ihren verewigten Gatten überwiesen. der anläßlich seines achtzigjährigen Geburtstages von der Marburger Universität zum Ehrendoktor ernattnt worden tvar und als geborener Hesse feiner Heimat und der statte, an der er einstens seinen Studien oblag, stets die treueste Anhänglichkeit bewahrt tmtte. Tie rühmlichst bekannte Musikwissenfck-aftlertn Fräulein Nannh stern hielt am 11. Januar in der hiesigen Lesung-Loge einen Vortrag über Jacques Osfenbach. mit musikalischen Erläuterungen am Klavier, der ungemein beifällig ausgenommen wurde. L. Brest»», im Januar'). Am 29. November v. I. trat die Ortsgruppe Breslau der zionistischen Partei B i n i a n h a a r e z zum ersten Male mit einer größerett Veranstaltung vor die Oeffentlichkeit. Tie Person des Redners, Herr Tr. Klee aus Berlin, das Thema „Tie Einheitsfront des deutschen Judentums" und nicht in letzter Linie die Erwartung, daß Binjan haarez. seinem Programrn getreu, statt die trennenden Momente ztt betonen. Zionismus iut versöhnlichen Geiste propagierett und unbeschwert von dem Ballast sernliegender Theorien einem reinen Zionismus der Tat das Wort reden werde, hatte in den dichtgefüllten saal auch zahlreiche Hör, r gelockt, die man tonst nicht in zionistischen Versammlungen zu sehen gewohnt war. Ueberraschen kann dieses Interesse aber um fp weniger, als ja gerade in unseren Tagen fast alle maßgebendetr Orgamsa tionen in eindeutigen Erllärnngen ihre Pflicht, für Palästina \\t V tiniirb verspätet. Arbeit unserer Führer die politischen Voraussetzungen zur Errich tuttg einer Heimstätte für das jüdische Volk gegeben sind, die eiuigettde Basis der Zusammenarbeit aller Parteien. Tiefe Arbeit des Aufbaues muß in einer doppelten Weife geschehen: Turch Beiträge znm Keren Hajeffod müssen wir die Grundlagen für die Entstehung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina schaffen, aber über dieses Ziel hinaus mitB jeder einzelne von uns versuchen, an dem Wirtschaftsleben von Erez Israel persönlichen Anteil zu nehnten. Ein jeder prüfe ernsthaft die Frage, wie er. selbst Geld verdienend. Beziehungen auf dem Gebiete des Handels, der Industrie, des Verkehrswesens usw: zu Palästina anknüpfen könne. Erst eine solche, vorerst vielleicht noch lockere Verknüpfung wirtschaftlicher Jttteressen mit dem werdenden jüdischen Gemeinwesen wird bei jcDeitt von selbst die Grundlage engerer seelifck^r Verbundenheit mit dem Lande tmierer Väter^ werden. Tiejenigen aber, die selbst nach Palästina zu gehen beabsichtigen, sollen wohl itmerhalb ihres Berufes sich beizeiten auf die besonderen Erfordernisse ihrer künftigen Heimat einstcllen. aber-eine „Beruksumschichtung". wie sie seit Jahren von ofsizieller seite propagiert wird, ist in keiner Weise notwendig: denn dic wachsende palüstinensifche Siedlung wird die Vertreter aller Berufe für sich brauchen. so ist jeder, tvelcher Partei und welchent Berufe er auch angehören utöge. in der Lage und verpflichtet, feine Kräfte in den Tteuft oer großen Aufgabe des Au'batuverkes zu stellen. Jtn Anschluß an den mit großem Beifall anfgenommeneu Vortrag ergriffen führende Männer der verschiedenen Parteien und Gruppen des hiesigen Gerneindelcbens. so der Präsident der Loge. Tvzeut Tr. Levkowitz. ein Vertreter der Agudas Jisroel, Bankier Levi, eiti Orthvdorer. Tr. simonsibn. und ein Liberaler. Herr Rechtsanwalt Tr. spitz, das Wort. Jeder von .hucu beleuchtete das Palästina-Aufbauprobletu veu feinem besonderen Standpunkte, alle aber ftmmitcn überein in dem Willen, itad) besten Krä'teit an dett, gemeinsamen Werke mitzuarbeiten und in der Anerteunung des Ver tuches von Binjan haare; eine Verwlmungspvlitit der jüdi'ck^n Tat zu treiben. — Dresden, im Januar. Ein Prozeß tvegen Beleidigung trud Preßvergehen fand kürzlich vor dem Tresdener Schöffengericht feine Erledigung. Ter senior des Bankhauses Gebrüder Arnhold (Tresdett». der Geheime Kommerzienrat A rnhold. hatte den Verleger und Schriftleiter der ..Tresvner Rundtchatt". einer anti semitischen Wock-enschrift. wegen verleumderischer Beleidigung ver klagt. Es handelte sich, besonders im zweiten Teil der Anklage, tmt den Verkauf des Radeberger Feuerwerkslaboratoriums. In diesem Falle drehte es sich um ein Lbjekt von rund 15. Millionen Mark. ' Tic „Rundschau" schrieb dazu. Arnhold und seine Helfershelfer hätten j bei diesem (Geschäft Hunderte von Millionen verdient. In der Ver! Handlung mußte sich der Angeklagte sagen lassen, daß ein schneller! Verkant geboten erschien. Für daS sachsenwerk war es anderseits j noch ein gewisses Risiko, weil Arbeitettnd Wirtschaftstninisterittm j darauf bestanden, daß 8*50 Arbeiter und 2ri<) Beamte weiter ztt de! ichäftigen seien, dartmtcr allein *M\ Pförtner und Wächter. Obgleich nun die sächsischen Minister seinerzeit mehrfach im Landtage Ans klärung gegeben haben, blieb die „Rundschatt" bei ihren Behauptungen. Ter Prozeß endete mit einem Vergleich, auS dem ersichtlich ist. wie schwer die „Rundschau" mit ihren Artikeln hereingefallen ist. ,Jn dem Vergleich erklärt die „Rundschau", daß ihre Behauptungen jeder Grundlage entbehren, daß sie sie mit dent Ausdruck des Bedauerns z u r ü ck n i m m t ttnd daß sie attch die K o st e n des Verfahrens tragt, sie verpflichtet sich ferner, diesen Vergleich im eigenen Blatt zum Abdruck ztt bringen, und bewilligt die Verön'ent lichung in drei anderen Zeitungen durch Herrn Arnhold ans ihre Kosten. Hoffentlich ist diese Niederlage ein abschreckendes Beispiel für die übrigen reaktionären Verleumder? A. II. Köln, 27. Januar. Ter Ausschuß des Provittsialverbandes rheintscher synagvgengemeinden befaßte sich in feiner letzte^ Sitzung! am 15». d. M. mit der Frage der Zentralisation der iüdisi-l^n Wahl! fahrtspsiege im Rheinlande. In einem einleitenden Referate skizzierte nibeitcnr’fcslgeleg! tuPcTT—*XW Tk."K i e t sührke "enva" folgen' des ans: Ter gefühlsmäßige Zn'ammeuhang mit Palästina ist in allen Kreisen des positivint Judentums vor.tandert. Ter Liberale, der die Ethik der Propheten zu scl-även tveiß. anerkennt damit Palästina als einen lebendigen Kultnnoert, der Gesetzestreue ist mit tattsend Fäden der Tradition, der Zionist durch seine gesamte Willenrichttmg gefesselt, so bildet cs hettte. nachdem dank der trefflichen .27 Jahre