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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-03 · Heft 3 (3.2.1922) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 3 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
Seite 34 (sequence 13)
Language
German
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eurem hemDcherr Beten und Fasten, fcami hätte er euch wohl . längst heimgesandt mit all den törichten Gebräuchen und hirnverbrannten Gesehen. . / „Schweige, verfluchter Grieche/ fuhr in witdem Grimme Menaffe auf, „wie kannst du es wagen, unsere erhabenen Lehren, die Gesetze, die Gott der Herr selbst auf dem Sinai gegeben, zu schmähen! Vernähme dich der Fürst, dann wäre es um dich geschehen und um deine glatte Zunge . - . „Ha, ha, ha! Der Herr, unser erlauchter Agrippa, der schert sich viel um die Gebräuche, der lacht ihrer bloß . . / „Das lügst du. elender Grieche!" brauste Menaffe auf: „niemals noch hat unser junger Fürst den Glauben feiner Väter mißachtet, wie könnte er auch, der Svroffo des großen jüdischen Königshauses, der Gesetze seines Volkes vergessen?" „Tn bist ein Narr. Menaffe, Gesetze gibt'» bloß für uns Sklaven, für die Herren und Gebieter hat's derlei nie gegeben und wird s nicht geben, solange Rom besteht/ „Schwätze doch nicht so törichtes Zeug. Melos, wir Juden haben von Moses die Gebote Gottes überkommen und denen müssen wir uns unterwerfen, ob wir nun Könige sind oder „Oder kindische Tröpfe, wie du einer bist: glaubst du wirklich. daß unser junger Gebieter sich viel um deine von Mose übernommenen Gebote kümmert.. . . Denkt sich denn dein hohles Gehirn nicht, daß derlei Narrheiten einem solch hohen Herrn gar nichts bedeuten und er in Gesellschaft schöner Weiber und seines hohen Freundes, des jungen Eajus. ihrer spottet. . / „Wenn deine Zunge die Wahrheit spricht, dann wäre es wohl Zeit, an die Heimkehr zu denken, ehe den Herrn die Strafe de» Allmächtigen trifft . . / „Gehe mit deinem Allmächtigen, das ist bei mir kein Gott, von dem es keine Bildsäulen gibt, das ist kein Gott, das ist ein . . / „Schweige, verfluchter Grieche, kreideweißer Hund' Wie lange ist'» denn her. seit du mit eingekreideten Füßen nach Rom gekommen, seit unser großer Agrippa dich ankaufte, und nun wagst du es. über seine Religion zu spotten, die doch die allein wahre und heilige ist . . / „Und aus der er sich blutwenig macht", unterbrach ihn Melos nn* hämischem Spotte. „Gin Blick au» den Augen der schönen Tänzerin Fallstina gilt dem Fürsten mehr denn alle deine von Mose auf dem Sinai" äffte er Menaffe nach' - „gegebenen Gebote, und für einen Kuß von ihren Lippen zsibt er auch deinen Gott, den Allmächtigen, her." „Daß du verreckest, elender Sklave!" „Sklave? Sklave! Tu jüdischer Auswürfling, du aussätziges Vieh, du nennst mich Sklave . . / „Tu bist wohl ein Herr!" --Zar. ja/ riefen die anderen dazwischen, „seht in Melos den Patrizier, ha. ha, ha!" Und ein wildes Gelächter erhob sich unter der Tienerschar. „Ha, ha, ha! Ein erlauchter Patrizier!" Wutschnairbend kehrte sich Melos gegen die Spötter. Schon hatte seine kräftige Faust mit derbem Schlage die Wange de» zunächst Stehenden getroffen, der Caut anfkrcischend davonlief, als mitten in das tolle Gelächter und das wüste Geschimpfe hinein mit lautem Klang der Ton einer Schelle hörbar wurde. Schnell hatte Melos sich gefaßt. „Wartet nur, ich vergeffe euch den Patrizier nicht, und all eure Frechheit: ihr büßt mir schon dafür, beim Pluto!" Tann eilte er in die Richtung hin. aus der der Schellenton gekommen, und war im nächsten Augenblick hinter den purpllrnen Vorhängen verschwunden. die die Räume de» Gebieters von der Vorhalle trennten, in welcher der erbitterte Streit der Diener getobt hatte. Noch hatten die anderen f von ihrem Schrecken sich nicht erholt, als Melos wieder mit * der gleichgültigsten Miene der Welt unter sie trat. ^Nun. was?tcl)t ihr da?" herrschte or^eHkl IMächk^ daß ihr fortkommt, beeilt euch, oen Euthchos zu finden, und wenn ihr ihn treffet, dann bringt ihn allsogleich vor das Angesicht des Herrn. Habt ihr gehört? Schafsköpfe. Einfaltspinset, verhungerte Judäer, fort mit euch auf die Suche nach dem Säumigen!" „Nun ja, wir gehen schon. Und Melos", nahte sich ihm der Jude, „du zürnst nicht, es war ja alles nur Scherz/ „Gewiß, wir wollten dich ja nicht kränken", beeilten sich die anderen, den Griechen milder zu stimmen. Allein auch sein Zorn war schon verflogen, jetzt galt es bloß, den verhaßten Eutychos vor das Angesicht des Herrn zu bringen. Daß seiner nichts Gutes wartete, das merkte und hoffte er. Tenn war einmal der hinterlistige Eutychos verdrängt aus der Gunst des Herrn, dann war seine Zeit gekommen, dann war er. Melos, der Günstling des Herrn und ihm so unentbehrlich, wie es jetzt der arglistige Eutychos war. Lh, und wenn er erst durch feine Dienste, durch feine Treue und feine Klugheit, dem jungen Fürsten in allem zu dienen, so weit war, da? dieser ihm feine Freiheit wiedergab, wie wollte er den Göttern danken, wie wollte er frohlocken, der niedrigen Sklaverei ledig zu sein und heim zu eilen nach fernem. gclirbten goldenen Hellas. Lh, wie wollte er darben und geizen, keinen Tropfen feiner durstigen Kehle vergönnen, bloß um dies eine Ziel zu erreichen, die Gestade seines Heimatlandes zu erblicken, wo die Sonne strahlender schien, wo . . . (Fortsetzung folgt.) Sücherkinlsus. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurnchendung der Buch.r fiuber in keinem g^alle statt. Tas jüdische Problem in Palästina. Vortrag, gehalten vor Mit gliedern des Nlubs des sozialwiffenfchastlichen Vereins und de- Bundes Neues Vaterland von Tr. Alppons H. Sußnitzki aus Jerusalem. ULI. Verlag von Georg Stille (Berlin'. Tie Zukunft, der altteftamentlielren Wissenschaft. Von Rudolf Nittel, ordentlicher Professor an der Universität Leipzig, tfin Vortrag, gepalten auf dein Erften deutschen Lrieutalistentag m Leipzig. Sondertagung der altteftanrentlichen Forscher am 2'.». September!921. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen. Ein Vorläufer Fein. Von Hermann G u n k e l. Verlag Seidwhla, Bern. Zwischen zwei Zeiten. Erzählung von Lvnis Ascher. r*22, Philo- Verlag. Berlin SW. Tas Wesen des Judentums. Von Leo V a c cf. Zweite, neubearbeitete Auflage. 1922, I. Kauffmann Verlag. Frankfurt a. M. Gut Purim. Ein neues Purimbuch von E. F l a n t e r . Berlin 1922, Verlag von Louis Lamm. Jehuda Halevi. Ein Divan. Uebertragen und mit einem Lebens bitb versehen von Emil Bernhard. Erich Reiß Verlag. Berlin. 1922. Sprrchlasl. Warnung. 1. Brunner, Joseph, 32 Jahre. Schlächter, aus Wien, bereits früher gemeldet, reist wieder ziellos umher; angeblich nervenkrank. 2. B l u m e n f e i d, Moritz oder Albert oder Alfons oder Arthur, zuletzt Kurt sich mit Vornamen nennend, aus Emmerich, der von uns seit über einem Jahrzehnt immer wieder gemeldet wird, gelingt cs trotz aller mul, in den Zeitungen erscheinenden Wärmungen ans Grund seiner Nrankenattesle Mitleid .\u erregen und sich größere Beträge zu erschwindeln. Wir ersuchen die ProvinzialtaNen. die ihnen allgeschloffenen Gemeinden vor dem bereits mehrfach vor bestraften schwindelhaften Schnorrer eingehend zu warnen. deutsche Z c n t r a l st e 1 l e für jüdische Wa n dc r a r me u f ü r s o r g e.

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