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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-03 · Heft 3 (3.2.1922) · p. Seite 33

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 3 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
Seite 33 (sequence 12)
Language
German
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Herz geschrieben find und jeder Memch nach dem Grade seiner geistigen Vollkommenheit sie finden und begreifen kann. So ist es mit der Wurde Gottes unvereinbar, die Anweisung rum glückseligen Leben, ohne die daS Dasein ein leeres Puppenspiel wäre, nicht unmittelbar der Menschheit zugänglich »u machen. Historische Wahrheiten allein, wie die Tatsache der Befreiung Israels au- Aegypten mit allen ihren sittlichen Konsequenzen, hat Gott durch einen wunderbaren Akt gelehrt und beglaubigt. Das Dasein des Schöpfers kann durch die Vernunft schlüssig bewiesen und sein Wesen vom Geschöpf, dessen Verhältnis zu ihm Religion heißt, erkannt werden durch Erfassung der reinen Vollkommenheiten, die er in höchster Polen; in sich vereinigt. Tenn das Judentum betont nicht bloß die Erhabenheit Gottes über die Welt, sondern auch seine Herablassung zu ihr. Aus diesem Gedanken bericht der Glaube an die Vorsehung, ohne den alle notwendigen Güter des .Lebens eitel mvd nichtig sind, und der uns zwingt, ein Leben nach dem Tode als B-en-eis für eine ausgtcichende Gerechtigkeit an zu nehmen Gott, Vorsehung und Unsterblichkeit sind die Grundpfeiler der natürlichen Religion und die vernunftgemäße Basis der Vereinigung für alle Menschen. Ihr Ziel ist die Hinaufentwicklung zur Humanität, wenngleich ein Fortschritt inmiet mir bei den Individuen sichtbar und erreichbar wird. Mendelssohn fehlte nach eigenem Geständnis jeglicher Sinn für Geschichte, und der Gedanke Lessings von der Erziehung des ganzen Menschengeschlechts war für ihn nnvollziehbar. 'Worauf es ankonunt. das sind die unablässige Betonung der Gemeinsamkeit der höchsten menschlichen Interessen und die ZnrückDrängung alles Trennenden. Tiew Aufgabe kann nur aur Boden der unbeschränkten Tenk- und Gewissensfreihcir realisiert werden, deren Anerkennung in gleicher Weise vom Staat wie von der Religion gefordert werden muß. Beide Mächte haben besondere Ziele und verschiedenartige Wege zur Ersiillung der Humanitär. Jcncm obliegt die Ucberwachun.z des Gehorsams gegen die Gesetze: seine Tätigkeit bezieht sich ausschließlich auf das Handeln feiner Bürger, und dazu stehen ihm Zwangsmittel zur Verfügung. Diese aber geht auf die Veredlung der Gesinnung aus: durch die Macht der Liebe muß sie Einfluß auf die Herzen suchen, jede Gewaltanwendung und Verketzerung und Ausstoßung ist mit ihrem Wesen und ihrem Ziel unv.'reinbar. Tiefem Ideal religiöser Duldsamkeit und Gewissensfreiheit kommt das Judentum am nächsten, weil es keine Dogmen kennt und den entscheidenden Wert immer nur auf die moralische und praktisch-religiöse Betätigung des Menschen gelegt hat. Es ist nicht geoffenbarte Religion, sondern geosfenbarte Gesetzgebung. Tie Weisheit Gottes hat Israel eine besondere Lebensordnung vvrgefchrieben, damit es durch dieselbe überall und zu allen Zeiten die reine Gottesrdee in der Menschheit verkünde und erhalte und nie wieder ein Rückschritt zum Polytheisnnrs möglich sei. Dieses Zeremomalgefetz ftcirt den unendlichen Vorzug des Judentums dar und gehört notwendig zu den Hauptfundamenten, auf denen die natürliche Religion die Moralität der Menschen verwirklichen will. Es ist allerdings nur für die Judenheit bestimmt und bildet für sie das notwendige Band, durch das alle wahren Bekenner des Monotheismus die Mächte des Wahns und des Aberglaubens. Dazu schützt cs uns gegen die Verführung zum Abfall und hält dauernd die Erinnerung an Gott und das Streben, ihn wahrhaft zu erkennen, unter uns wach. Einem so reinen Gesetz gegenüber in unbedingter Gehorsam geboten, der freilich niemals durch Gewalt erzwungen werden darf. Eine Aufhebung dieser Gesetzgebung durch Menschen kommt nicht in iyrage; nur Gott kann sie durch einen ebenso feierlichen, öffentlichen Akt außer Alraft setzen, wie er sie durch einen solchen verkündet hat. Tie übrige Menschheit aber kann auch ohne das Ritualgefetz zur Glückseligkeit gelangen durch Anerkennung und Verwirklichung des ans der natürlichen Religion fließenden Movalprinzrps. Trotz starker innerer Widersprüche und Inkonsequenzen hat Mendelssohns System der Religion und des Judentums eine machtvolle Befreiung seiner Glaubensgemeinschaft nach außen und nach innen zur Folge gehabt. Er hat Schule gemacht. nicht nur in dem Sinne, daß er Freunde und Jünger mit seinem Geiste erfüllte, die seine Ideen, zumeist freilich inc liessten Gegensatz zur Anschauung des Meisters, propagierten: vielmehr hat Weltmdentum von ihm gelernt, die eigene jüdische Ueberzeugung mit Bewußtsein zu wahren und dabei der Lebensgemeinschaft der allgemeinen Kultur und Gesittung mit ganzer Kraft und Wärme sich hinzugeben. Lhne es vielleicht zu wollen, ist er durch fein Schaffen wie durch seine j Persönlichkeit der große Reformator des Judentums geworden,! so daß mit Recht an ihn die neueste Phase der jüdischen Gej schichte anknüpft. Wenn er auch Problemlösungen gegeben I hat, über die das moderne Bewußtsein zum Teil hinwegl gegangen ist. so war er doch immer der kraftvolle Anreger und \ hat auch bedeutsame Gedanken der jüdischen Lebensansicht klar herausgestellt und zum unverlierbaren Besitz des modernen Juden gemacht: dazu gehört die Auffassung, daß das Judentum nicht den Glauben gebietet, sondern die religiös-sittliche Tat. daß es außer Vernunftauch Geschichtswahrheiten kennt, und daß die Religion über keinerlcr Erkommunikationsrecht verfügt. So kann besonders die deutsche Judenheit nicht oft genug daran erinnert werden, daß aus ihrer Mitte ein Mann wie Maies Mendelssohn hcrvvrgcgangeir.ist. hW&Qij 5m IBannhnis der Cäfarm. Oiftorifctjc Erzählung von E a r o l a B u u, h c i in. l >Aütt)dri:ck verboten. ahn Du Den Eumchos nicht?" wahrlich, mit keinem einzigen Auge gewahrte ich ihn ..." „Sh. du Schasskopf, mir wie vielen Angen sichst du denn in die Welt? Hätten du ihn mit einem Auge gesehen, dann, beim Zeus, hätte er sicher auch deinem anderen Auge sichtbar werden müssen, aber mit keinem einzigen Auge sah er ihn . . „Rein, glaube mir . . „Geh' doch, du Tropf, siehst du denn nicht, daß der Grieche dich narrt?" „Daß ihn die Unterwelt verschlinge! Und daß uns Pluto von seinem Anblick erlöse . . ..Hüte deine Zunge: Du kennst seine gewalttätige Art." „Mag er mir doch nahen, ich will ihm schon seinen Tropf heimzahlen." „Ten Schafskopf desgleichen, und den Tropf und was sonst noch auf dich paßt." warf lachend Melos dazwischen. „Run ja, so schlau und so betrügerisch wie ein Grieche zu sein, ist nicht leicht. . . darum sind aber deine Landsleute hier so gerne gesehen ..." „Das will ich meinen." blähte sich Melos stolz. ..wer ist es denn als wir. von denen die feine -Kunst und Sitte stammt, woher denn als von uns ans Hellas . . . Wohl gar von euch Germanen, die ihr ungeschlachten Bären gleicht . . / ..Und Die Den Staub küssen. Den Der Fuß eines Freigelassenen soeben aufgewirbelt . . ..SDcr gar von euch JuDäern. Die unser erhabener Gebieter ivohl nur ans Gnade hier um sich duldet, und wüßte er davon, wie Ihr euch vor unseren Speisen schenk, und von all

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