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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-03 · Heft 3 (3.2.1922) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 3 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
Seite 25 (sequence 4)
Language
German
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- 25 Unerträglichkeit. Xu* tragische (beschick des schemtz»r-sür die Ewigkeit verankerten deutschen Reiches zeigte die Folgen einer verhängnisvollen Lstmarkenpolitik, die nun den von Haft und Rachsucht entflammten Polen ohne Rücksicht auf Stand und Parteizugehörigkeit der groftpvinischen Propaganda der Lat in die Arme trieb, so daft nach sorgfältiger und heimlicher Vorbereitung mit einem Gewaltakt die Loslösung Posens vor, der preußischen Monarchie bewerkstelligt werden konnte. Am -7. Dezember 1018 ertönte nach Eintritt der Dunkelheit auf dem Wllhelmplatz in Posen das Geknatter von Maschinengewehren, das jedes deutsche Lhr mit hangen Befürchtungen erfüllte, die schon tags darauf durch Tatsachen noch übertroffen werden sollten. In den Vormittagsstunden des Dezember eilten Hunderte von bewaffneten Polen der Synagoge am Wronker Platz zu, unterließen'jedoch den vefürchteten Sturm au, diese und statteten dem Pfarrhaus der Ureuzkirche in der Grabcnftraße einen unenoünschten Besuch ob. Das auf das Gebäude abgegebene Salvenfeuer verbreitete ringsum in der Unterstadt Angst und Schrecken. Polnisch Patrouillen, aus Gesindel zusammengesetzt, drangen meist in die Wohnungen von Juden ein und nahmen hier Durchsuchungen nach Waffen vor. Schmuck- und wertvolle Gevrauchsgegenstände wurden einfach von den begeisterten Batertandsbefreiern als willkommene Beute annektiert, Widerstand durch Drohungen und nötigenfalls mit Geroalt gebrochen-'Alsrin jüdischer Kaufmann von einer militärischen Räuberhorde gestohlene Schmuckgegenstände zurückforderte, wurde er einfach medergeschossen, das erste Lpfer polnischer verbrecherischer Fanatiker. Ja dieser Rot grüudeleu cinsichtsvolle Männer den I u o i1 ch cu Volksrat, der seinen Verstand nach Mvglichteit den bedrängten Glaubensgenossen, denen das Lduun des Hakattsrnns anyaftete, widmete; aber das von unheilvollen .'trafren getriebene Rad eines böjen Verhängnisses rollte mi5 zernurlmender Gewellt über menschliche Schicksale hinweg. Wochenschau. Berlin, 1". Januar. »t 2!. d. M. ist Papst Benevitt XV. nach kurzem Verden in das Reich der Ewigkeit abberufen worden. Die Trauerbotschaft hat über die Grenzen der katholischen Welt hinaus in den weitesten Kreisen,- ohne Unterschied des rellgwien Beleuntnisfes, herzlichstes Bedauern und innigste Tertnahme erregt. Man schätzte und ehrte in dem Heimgegangenen einen Friedensfürsten im edelsten Sinne des Abortes, dessen Leben im Dienste der Menschenliebe und der Vindcrung seelischer Rot stand. In der Sitzung des Reichstages vom 22. d. M. gedachte Reichstagspräfident L ö v e der Verdienste des großen Toten in folgendem Rachruf: Benedikt XV. wurde am K>. September 11*14, während der ersten Rrcfenfchlachten des Weltkrieges, zum Papste gewählt. Bevor Europa ein wirtlicher Friede beschievcn ist, ist er dahingegangen. In dieser .Zeit der Kämpse. die in seine Regierung siel, hat er die volle moral ijche Macht seines Amtes und alle seine Kräfte eingesetzt für die Linderung menschlicher Leiden, für die Beschwichtigung des Hasses und die Versöhnung der Völker. Von allen Leiten drangen die Aufgaben auf ihn ein. Es galt zunächst, das Los der Kriegsgefangenen zu bessern, die Jahr für Jahr fern von der Heimat in Unfreiheit gehalten wurden. Es galt, das Schicksal der Zivilgefangenen in allen, Ländern zu lindern: seine priesterliche Fürbitte bei allen Mächten und Völkern hat nie versagt. Leine Hilst' war immer da, ob es um» galt, ihre materielle Lage zu erleichtern, oder ihre seelische Rot zu lindern. Tie Hilfsorganisationen der trieg führenden Staaten wurden von ihm freigebig unterstützt, und es ist rhm nvd) in seinen letzten Tage», eine Freude gewesen, daß er von der französischen Regierung die Mitteilung erlitten konnte, daß die letzten, unserer Kriegsgefangelren iu Avignon citMidj cnllnffcn wären. Ader er wollte mehr als die Leiden des Krieges lindern, er wollte einen Frieden im Linne der Völkerverständigung eintreten lassen, che es zu spat war. Leine Friedenstätigkeit vom Jahre 1917 ist uns allen in Erinnerung. Als dann dieser Krieg durch einen Frieden der Gewalt beendet war und neue Leiden für Europa begannen, hat er sich aufs neue mit ungebrochenem Mut dafür eingesetzt. um die endliche Versöhnung der Völker herbcizusühren. lieberall. wo Rot war. wirkte seine hilfreiche und liebevolle Hand, ohne daß er dabei je nach konfessionellen Gegensätzen gefragt hätte. Man müßte alle Länder Europas nennen, um sein Hilfswerk näher zu beschreiben. Ich darf daran erinnern, daß er bemüht war, die Hungerblockade über Deutschland schneller zu Ende zn bringen, und daß er noch jetzt in Washington für Gerechtigkeit und Bölkerversöhnung eingetreten ist. Biele Tausende deutscher Kinder sind durch seine Vermittlung in den Stand gesetzt worden, sich warm zu bekleiden, sich zu sättigen, und noch in letzter Zeit ist es seiner Mitwirkung gelungen, daß lungenkranke deutsche Studenten im Süden Heilung finden. Ich darf sagen, das deutsche Volk nimmt tiefschmerzlichen Anteil an dem srirlfen Tode dieses großen und verdienten Mannes. .. ' Das PalLstinawerr der deutsche» Juden. Ter kürzlich von hervorragenden Berliner Juden erlassene Aufruf zur UnterstützuP des Palästinaaufbaues hat die erwartete Ausnahme gefunden: aus allen deutschen Städten sind Zustimmungen eiilgcgangen, deren Zahl und Inhalt von der Bereitschaft der deutschen Juden für Palästina zeugen. Aus Dessau wird berichtet, daß die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Kultusgemeinde auf Antrag ihres Vorstandes ein lokales Keren Hajesjod-Konütee gewählt hat. Ein gleiches Komitee hat die Jüdische Gemeinde in Eöthen ins Leben gerufen, und, wie wir hören, sind verschiedene Gemeinden im Reiche bei der Arbeit, eigene Paläsnna-Aufbau- Komitees zu gründen. m Hauptversammlung der „Vereinigung für liberales Judentum". Am ll. und 4. Jakmar tagie in Berlin nach langer, durch den Krieg bedingter Pause die Hauptversinmnlung der „Vereinigung für liberales Judentum tu Deutschland". Ihr voraus ging eine Konferenz der ArbeitsgeiULmschast der indisch liberalen Jngendvereine. die jetzt'ins zehnte Jahr ihres Bestehens treten und ihre Gruppen gut cnsgebaut Imben. Rach inler.u c Beratung im Kreise des erweiterten Vorstandes j wurde der neue Satzungsenrwurf angenommen und die Wahlen vollzogen. Herr Rechtsanwalt Ltcrn. der schon in den letzten Jahren die Vercinignng geführt hat, behält den Vorsitz, und ebenso bleibt der größere Teil der bisherigen Mitglieder im Amt, doch wird der Kreis durch jüngere Kräfte zur vollen Zahl ergänzt. Ten Gegenstand der Verhandlungen bildeten Lrganisationsjragen und die Referate der Herren Rabbiner Tr. Satzberger ^Frankfurt a. M.) über „Unseren Gottesdienst", Erich Bayer (Breslau) über „Unsere Jugend" und Tr. Breslauer jr. (Berlin) über „Gemeindepvtitik". Tie aus dem ganzen Reiche gut beschickte Tagung verstärkte den Wert dieser Ausführungen durch eine hochstehende Be fprechuug, von der die Vereinigung erfolgreiche Arbeit für ihre Ideen und für das Wohl der Gesamtjudcnschaft erhofft. Wesentlich zum Gelingen der Hauptversammlung trug auch die öffentliche Kundgebung in der „Gesellschaft der Freunde" bei. Hier sprachen Frau Iustizrat Lllendorf (Breslau) über „Frauenpflichten", Herr Rabbiner Tr. Seligmann (Frankfurt a. M.» über „Lebendiges Judentum" und andere Redner. Die Vereinigung will daher diese gedankenreichen Vorträge und Referate und auch die Ansprache, die Herr Rabbiner Tr. Baeck (Berlin) vor Eintritt in die Verhandlungen to* zweiten Tages hielt, zu gelegener Zeit veröffentlichen. * DaS LOjährige BcrufsjubUäum des Herr» Benas Levy. Das seltene Jubiläum, "»ä Jahre in ein und demselben Gcsck>äft tätig zn sein und dasselbe 4U Jahre als Ehef zu leiten, gestaltete

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