Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 3 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 26 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229509-3229512--76569-3289188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
—iid) zn einer großen Ehrung fitt-fcctrn Benas Levy.-La den Deputationen. die aus kaufmännischen Krer.cn dei dem bekannten Daum» wollwarenfabrikanten erschienen, um dem Jubilar ihre Glückwüsche darzubringen, gesellten sich Vertreter des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung sowie zahlreicher wissenschastlicl)er und wohltätiger jüdifcl)er Vereine. Im Namen der Berliner Handelskammer kamen die Herren Tr. ZamesSimon und BertholdTietz und überreichten. Herrn Benas Levy mit einer Ansprache eine Adresse. Für den Verband der Nord- und Westdeutschen Baumwollwaren-Ausrüster erschienen die Mitglieder des Geschästsführenden Ausschusses. und Herr Syndikus Tr. Leon Zeitlin hob die Verdienste hervor, die sich Herr Benas Levy um den Verband. den er mitbegründete, erworben hat. Ter Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hatte dem Jubilar eine Adresse übersandt, in der es heißt. Sehr geehrter Herr Levy! An dem Feste, das Sic heute aus Anlaß des fünfzigsten Jahrestages Ihres Eintritts in die von Ihnen geleitete Firma feiern, nehmen wir herzlichen Anteil. Mit Stolz und Befriedigung können Sie auf einen Lebens' weg zurückblickerr, der Sic aus den tLeinsten AnKingen zu der einsllchreichen und bedeutsamen Stellung geführt hat. die Sie heute dank Ihrer hervorragenden Gaben in der GeschLjtsivelt einnehmen. Tie Jüdische Gemeinde ist in besonderem Maße berechtigt, sich d§n Glück- und Segenswünschen, die Ihnen heute von allen Seiten Zuströmen, anzuschließen, fn Sie zu ihren verdienstvollsten Mitgliedern zahlen. Neben Ihrem Berufe haben Sie jahrelang Ihre besten Krane dem Wohle und den Arbeiten der Gemeinde gewidmet, in der Repräsentanten» Versammlung und in den verschiedensten Verwaltungskommissionen in hervorragender Weise sich betätigt. Wir benutzen deshalb auch gern diesen Anlaß, um Ihnen den Ausdruck unserer Wertschätzung und uufcrcL aufrichtigen Tankes für alles, was Sie der Gemeinde geleistet haben, darzudringen. Möge Ihnen, der Sie noch hellte in der Vollkraft Ihrer Leistungsfälligkeit stehen, auch fernerhin vergönnt sein, durch Ihr großzügiges Wirken in der Ccrfeirtliditeit wie bisher den Namen der jüdischen Gemeinschaft zu Ehren zu dringen, möge Ihre Kraft auch fernerhin unserer Gemeinde erhalten bleiberr. mögen. Ihnen dis in das späteste Atter viele glückliche Stunden im Kreise der Ihrigen beschicdeu sein! In ausgezeichneter Hochachtung V o r fr a n d der I ü d i fche n G entei 11 de. Julius Stern. Tie Reprüfentautcuverfammlung sandle ein Glückwunschtelegramm. Ter erste Vorsitzende des Vorstandes. Herr Geheimrar Tr. Julius Stern, sowie der Vorsitzende der Repräsentanten. Herr Gewerberat Emil Plotke, erschienen persönlich, um ihre Glückwünsche darzubringen. Herr Raddiner Tr. I. Bergmann kam an der Spitze einer Abordnung des Vorstandes des Vereins .Synagoge Fasancnstraßc" und feierte mir schwungvollen. herzlichen Worten den Vorsitzenden dieses Vereins. Herrn Benas Levy, der für die Synagoge Fasanenstraße, für- Mt Gemeinde und besonders für deren wissenschaftliche Institute mit hervorragender Tüchtigkeit und Aufopferung stets gewirkt hat. Er gehörte zu den Mitbegründern der Lesehalle und der Freien jüdischen Volkshochschule. Für alles, was er Gutes und Schönes für die Gemeinde geschaffen hat. dankte er dem Jubilar, und er sprach über ihn den Segen unserer Religion ans. Im Namen des Vorstandes der Synagoge Fasanenstraße und als perfönlick)cr Freund beglückwünschte Professor Tr. S. K a l i s ch e v seinen larnKährigen Mitarbeiter und Kollegen, der die Synagmze von Anfang an förderte und mit Eifer und Umsicht leitete. Im Nanren der Beamten der Synagoge leierte Llvrkanwr Magnus Tavidsohn den Vorsteher Herrn Benas Levy. der es verstanden hat. die Liebe und die- Freundschaft aller Beamten, die an, der Synagoge tätig sirrd. sich .;u enverben. Für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur hatte sich eine Teputatim, gebildet, die neben Professor Tr. I. El bogen Redakteur Albert K a tz. Gustav S p i c r k o w s k i. Geheimrat Professor Tr. R o s i n sowie Professor Tr. Ludwig Stein umfaßte, und der Vorsitzende . Professor Tr. Eibogen^idy.ldertc m längerer Arüprack^ wie Herr Berras Levy in den letzten L5 Jahren für den Litera tu rve re in seine besten Kräfte eingesetzt hat. io daß er für den Verein die festeste Stütze geworden ist. Als Iubiläumsgabe überbrachte er das neu vearbeitete Werl des Rabbiners Tr. Baeck ..Tas Wesen des Judentums". Rührend war cs. als zwölf Waisenkinder vom II. Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Pankow unter Führung des Direktors G r u n w a l d erschienen, um den Jubilar, der zum Kuratorium des H. Waisenhauses gehört, durch eine Ansprackje und einige Lieder zu erfreuerr. Für den Liberalen Verein für die Angelegercheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin kam der Vorsitzende Herr Justizrat Tr. PlonSker überbrachte herzliche Glückwünsche und sprach seinen Tank aus für alles, was Herr Benas Levy für das liberale Judentum geleistet l)at. Auf jede Ansprache antwortete der Iubirlar in längeren Ausführungen und dankte allen voller Frische und in trefflichen Reden. Viele Hunderte von Glückwunschtelegrammen und Briefen waren eingetrossen. und kostbare Geschenke sowie prachtvolle Blumen spenden wurden vom Personal und von den Geschäftsfreunden sowie von den Angehörigen dargebracht. Tie Jubiläumsfeier, die in den Geschäftsräumen der Firma Benas Levy. Spandauer Straße..41, stattfand, verlies in harmonischer Weise. Sie wurde erngeieitet mir dem Gesang einer Begrüßungshymne, die Lverkanwr Magnus Tavidsohn. der sie eigens für das Jubiläum komponiert hatte, mit seiner mächtigen, wohlklingenden Stimme vortrug. Zum Schluß sang Frau Tr. Levy das Hälletujah von Hummel. Mehr als Jw Besucher hatten sich eingefunden und vereinten sich zu einem solennen Frühstück, das durch Vorträge und Trrnlfprnche gewürzt wurde. Tie selten schöne Jubiläumsfeier wird noch lange in der Erinnerung aller Teilnehmer lebendig bleiben, und wünschen wir dem so geehrten Jubilar, daß es ihm vergönnt sein möge, noch recht lange m geistiger und körperlicher Frische feinen Beruf auszuüben uufr seinen hohen Idealen mit dem gleichen Euer wie bisher sich zu widmen, zum Nutzen unserer Glaubensgemeinschaft und zur Freude der Seinen tt»»d eines großen Kreises von Bekannten und Freunden, hip itm kennen und lieben und seine Lebensarbeit schätzen und würdigen. * Rabbiner Dr. H. A. tlobel. Tie deutsche Indenschaft hat einen äußerst schmerzlichen Verlust erlitten! Am 24. v. M. ist der Rabbiner der Israel!tuchen Gerncinde zn Frankstrrt a. M. Tr. N. A. Nobel nach kurzem Kran.kenUig<r nn Alter von 50 Jahren verschieden. Mir ihm ist einer unsrer populärsten und geachtctesten Rabbiner dahingegangen, cm treuer Fühwv ferner Gemeinde, en^ Zierde feiner Berufsgenoffen. Im! Jahre 1871 als Sohn des Haiverstiidrer Klausraobi-wers Io fei Nobel geboren, genoß er seine Uwologische Ausbildung am Ber liner Rabbinerseminar, studierte zugleich Philosophie an der Berliner Universität unverlangte auf Grund einer Tissertation über Schopenhauer die wohlverdiente Tottorwürde. Er wirkte dann ungefähr 14 Jahre als Rabbiner in Königsberg, Köln, Leipzig und Hamburg, erwarb sich überall zahlreiche Freunde und Verehrer und wurde 101". nach dem Hinschtiden des unvergeßlichen Tr. Markus Hvrvwitz, von de Frankfurter Israelitischen Gemeinde zu dessen würdigem Nachfolger berufen. Hier entfaltete er gleich seinem berühmten Vorgänger eine vom Geiste des Friedens und der Versöhnung beseelte Wirksamkeit, die ihm zur Ehre und der Gemeinde zum Segen gereichte. Seine tteberzcugnngstreue, die ihn durchglühende Kraft des Glaubens erfüllte auch feine Predigten und Vorträge, die nie ihre Wirkung auf die Zuhörer verfehlten. Ter Heimgegangene, der neben vielen anderen Ehrenämtern auch den Vorsitz im Allgemeinen deutschen Rabbinerverband innehatte, war ein Mann der Tat und Initiative, der für feine hohe Ideale verfolgenden Ziele weite Kreise zu ge winnen verstand. Er besaß neben klassischer Bildung in hohem Maße iK'bräifd*' Kenntnisse und talmud'sche Gelehrsamkeit und verband, wie 'hm nachgerühmt wird, feine Liebe für die Wissenschaft des Judentums ..lnit dem deutschen Geistesleben. vor allem mit Goethe, in eenen Wesen er sich immer wieder aufs neue versenkte". Als treuer Sohn Israels lrahm er an allen Bestrebungen; die zur Hebung und Kräftigung des In' dtntums und feiner Lehre dienen, den regsten Anteil. Er kannte gber auch die jüdistlie Volksseele, verstand, wie nur wenige, ihre Regungen