Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 2 (20.1.1919)
- Date
- 1919-01-20
- Page
- Seite 23 (sequence 13)
- Language
- German
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23 kennen, lieben und verehren. Wir kamen gerade hin, als kurz -NTvrher ein grausames Geschick das^chöNk- FamilreMLen'fL^ eine Zeitlang verheert hatte. Ein blühender, hoch begabter Lohn wurde ihnen durch den Tod entrissen und den anderen hatten die Eltern, um ihn den traurigen Eindrücken zu ent» ziehen, nach Deutschland auf die Universität geschickt. So fanden wir das Haus verwaist und in tiefe Trauer versenkt, aber wir verlebten doch köstliche Stunden mit den Freunden. Auch jetzt hatte ihn sein Humor nicht verlassen, obwohl ich oft an die Erklärung Jean Pauls: „Humor ist, unter Tränen Lächeln" denken mußte. Er schrieb mir damals in mein Album: das beste, was ich weiß: „Ausdauer ist das schönste — und Gott möge man um Beistand bitten." Bei diesem Beisammensein wurde auch geplant, daß Gold» ziher wieder nach Schweden kommen sollte, um Vortrage in Upsala zu halten. Aber erst 1! Jahre später sollte dieser Plan ausgeführt werden. Im Herbst 1913 -- also gerade noch vor Toresschluß der guten Zeit — wurde ihm der ehrenvolle Auftrag der Fehr-Rydbergschen-Stiftung. die jedes Jahr im Todesmonat zweier Vertreter der schwedischen Wissenschaft eine Serie von Vorträgen anordnet, in Upsala diese Vortrage zu halten. Er kam Anfang September von seiner Frau begleitet hier an. Trotz seiner 63 Jahre war er, abgesehen von den ergrauten Haaren, so frisch und jugendlich wie im Jahre 1889. Wir sahen die lieben Freunde, obwohl sie in Upsala wohnten, doch einigemal bei uns und in (Gesellschaft. Es versteht sich, daß er auch diesmal gefeiert wurde, wenn auch in stillerer, dem Gelehrten mehr angemessener Weise. Am zweiten Roschhaschanatag hielt Goldziher statt einer Predigt meines Mannes eitlen religiösen Vortrag in der Synagoge. Als ihm mein Mann dann mit warmen Worten dankte, ihrer langen, persönlichen Freundschaft gedenkend, geschah etwas, daß den Zuhörern unvergeßlich sein wird und das kein Auge trocken ließ. Tie beiden Männer fielen sich vor dem Eebetpult um den Hals rrnd gaben sich den Abschieds tust-fürs Leben. Tann zehn Tage nachher betrat am Erew Jomkippur mein Mann zum letztenmal seine geliebte (ranzet. Und nun ist auch er fort, der große Gelehrte, der treue Freund und liebenswerte Mensch. Mörby. Tezemder 19-21. Toni Allein (Stockholm). gruppen. Bei den Nervenkrankheiten zitiert er G. Lppenheim. und wir wollen dessen Worte, weil ne ein sehr wichtiges Kapitel irrürr Judenfrage bet ressen, hier anlühren: „Entschiedenes Uebergewich: unter den aus Rußland zu mir kommenden Kranken haben die Juden. Tie Juden haben anerkannt eine Prädisposition zu Neurosen und Psychosen, besonders den Hang zur Nosopholie (Furcht vor der Krankheit), der uns überall und fast bei jedem dieser Patienten begegnet, mag ihr Leiden nur ein psychisches oder ein körperliches, ein mit wenig Beschrverden verknüpftes oder ein qualvolles sein: der Kranke leidet viel weniger durch seine Krankheit als durch seine Reflerion über dieselbe; ja oft genug bildet dieses sein einziges Leiden." ' Zu den nervösen Leiden find ficher die sogenannten Tesillin lähmungen zu rechnen, Falle von linksseitiger Radialislähmung. die durch das Anlegen der Gebetriemen, wahrscheinlich im kalten Winter, entstanden sind. Was endlich die neuett>Wege zur Lösung der Ra ssoll n d Krankheitsfrage der Juden anlangt, so hangen diese von der Lösung der Judenfrage überhaupt ab. Eine restlose Lösung sei nur in der Möglichkeit einer freien, ungestörten Entfaltung aller jüdisckpvölkischen Kräfte zu erblicken. Zur Lösung der Frage beitragen werde auch die vom Verfasser aufgestellte Spätkindttieorie. Er hat beobachtet, daß in manchen kinderreichen Familien die späten Kinder in auffälliger Weise einem der Eltern in körperlicher, nach mehr in geistiger Hinsicht ausfallend ähnlich sind. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist ihm die möglichst frühe Heirat die Voraussetzung für die Erreichung der Spättinder. und ebenso wün schcnsivcrt ist ihm die Forderung der Vielkinderehe. wie sie der Stotz der alten jüdischen Ehe immer gewesen ist. In einer Viel kinderehe hat es immer Kinder solcher Art gegeben, die ganz besonders die Eigenart der Ahnen bewahrten und die erreichten seelischen, intellektuellen Eigenschaften der Eltern übernahmen Tadurch gewinnt ein reicher ..Kindersegen" eine neue Beleuchtung. Er stellt auch für die heutige Zeit neue Ziele aus. die mehr noch als der Raneneugenik den Forderungen der Kuliureugenik genügen. Wir möchten den wichtigsten Weg zur Lösung der Russe und Krankheitsfrage der Juden vor allem darin erblicken, daß man ihnen in allen Ländern, in denen sie wohnen (und vor allem natürlich in ihrern Heimatlande Palästina), die volle, freie Entfaltung aller in ihnen wohnenden Kräfte und Fähigkeiten ermöglicht, sic den übrige:; Bürgern gle-ick stellt, sie nicht unterdrückt und veno lat oder lnitvr Ausnahmegesetze stellt. Unter der Sonne der Freiheit und (berechtig fcsr rver^en sie körperlich und geistig gesunken: ne werken na.l'ru. blühen und gedeihen. Tas Buch verdient wegen der gewissenhaften, lichtvollen und fesselnden Darstellung der in ihm behandelten Fragen weiteste Verbreitung. Samtätsrat Tr. Scherbe! (Lina i. Pt. m — Sabbatweihe i.V) Betrachtungen in E»e^tfvrm über sämtliche Thvraabschnitte nsw. von Lion Wolfs. Leipzig. Gustav — Heber den heurigen Stand der Rasse- und! Angel. Krankheitsfrage der Juden. Eine Feststellung und neue! Ein ..Schwanengesang" nennt Lion Wolfs dieses Buch als Aus zu ihrer Lösung. Anschließend eine ausgedehnte Biblio- - klang der liturgischen Bücher, die seinem praktischen Sinn für Gottes graphie. Bon Dr. in«!. M. I. Gutm a n n. München 1929.! dienst und gottesdienstliche Anordnung entsprungen sind. Er hat Verlag Rudolph Müller & Sie:nicke. j auch hier aus früheren Quellen geschöpft und ein gutes, brauchbares Eine außerordentlich fleißige, sorg'ame. mir reicher Statistik an:- j Handbuch zusammengestellt. das Abwechslung bringt in den wvchentgestattete Arbeit? Der Verfasser gibt eine ausführliche Darstellung > lichen Sabbat - Freitag-Abendgottesdienst: denn immer dasselbe über den heutigen Stand der Rasse- und Krankheitsfrage der - deutsche Gebet an diesem Gottesdienst wird zur Schablone, verliert Juden, und bei dieser Darstellung des vielumstrittenen Themas be-; den persönlichen Eharakter. und gerade die v e u t f ch e n Gebete sleißrgt er sich einer anerkennenÄverten Qbjektivitäk. Rach ihm gibt ‘ sollen neben den Tagesgedanken auch persönliche religiöse Gedanken cs keine jüdische Rasse, und der Begriff ..Semit" ist ebensoroeuig - wicdergeben. Es liegt auch im Interesse des modernen Gottes einheitlich wie der Begriff ..Arier". Tie Ursache für die typische Rase! dienstes. daß der Inhalt der Thoravorlesung doch in kurzem der und den jüdischen Genchtsansdruck sei. nach Judt. in der fceltfdieit j Gemeinde, die nicht der hebräischen Thoravorlesung folgen kann, znm Bergangentieit der Inden \i\ suchen. „Ter melancholisch schmerzhafte; Bewußtsein gebracht wird. Tie Anregung Wolffs wird auf srnchi Ausdrück (das Nebbich-Genchr'» hat die bereits modellierten Zuge baren Boden fallen, die Ausführung durfte mancher Kollege nch sekundär geprägt." Was die behauptete Rafsenmischung betrifft, so - anders gestalten. -- Weniger Freude und weniger Anklang wird aber hat zwar schon Escn (-9-'» v. Ehr.) durch einschneidende Gesetze : der'elbe Verfasser mit 'einen kleinen ..Gut Jomtob. Humoresken und di? Mischehe aufs strengste verpönt. Trotzdem ist es charakteristisch Erzählungen" finden und ihre Tr".cklegung wäre besser unterblieben seit jenen Zeiten bis aus heute: es floß viel Butt aus dem Juden Mit solchen Mätzchen wird dem Judentum nicht genützt, eher es tum heraus, mir wenig hinein, reit mehr als 2090 Jahren zeiget!; herabgewürdigt. Zudem sind gewisse Zitate iS. M.~» und *l»V) nicht die Juden eine nicht zu leugne,tke Artkomtanz. die ihnen einen ■ richtig wiedergegeben. Scholiach Zibbnr ist ni cht der Seelsorger, gemeittfumen. einheitlichen Typus bewahrt trat.! sondern der Borbcter in der Synagoge. Ehol Hamved gibt cs auch Was die Krankheitsfrage betrifft, jo prüft der Verfasser; am Pessach. nicht bloß am ..La,.bhüttenfeft" iS. *2,. die Beteiligung der Inden genau bei den einzelnen Krmitt-eits' Ulm. F. Straßburger. Literarische Mittellungen.