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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-20 · Heft 2 (20.1.1919) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 2 (20.1.1919)
Date
1919-01-20
Page
Seite 20 (sequence 10)
Language
German
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Mrrsrer der JslamLurrde. der rastlose Forscher, der sich nie Ruhe gegönnt hatte, zur ewigen Ruhe eingegangrn, nachdem er sein vorbildliches Leven und Wirten mit ewigem Ruhm dedeckt hatte. Fanusek b’schaloni! Er ruhe in Frieden! Dr. L. iu M. Eur Erinnerung an Dr. Sambergrr. ic Synagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. hat kürzlich den 25. Todestag Bambergers in pietätvoller Weise begangen. Aber Bamberger war eine so mitten im öffentlichen jüdischen Leben stehende Persönlichkeit, daß über die Synagogengemernde Königsberg hinaus die weite jüdische Oeffentlichkeit einen Anspruch hat, aus dem Leben dieses seltenen Mannes einiges Nähere zu erfahren. I. Bamberger wurde am 5. November 1834 zu Angenrod, Kreis Alsfeld (Hessen), geboren. Borgebildet auf den Gymnasien zu Fulda und Gießen widmete er sich im Winter 1854/55 auf der Landesuniversität Gießen dem Studium der airreftamenttichen Theologie und der Philosophie, bezog Ostern 1855 die Universität und gleichzeitig das unter Leitung von Zacharias Frankel stehende Jüdisch-theologrfche Seminar zu Breslau. Am 17. August 1859 lourde er von der philosophischen Fakultät der HaU versität Gießen auf Grund der eingereichren Schrift: „lieber das Thaarich des S. Schulam nach arabischen und syrischen Quellen" und des mit dem Prädikat multa mm Isuich.» abgelegten Rigorosums zum Toktor der Philosophie promoviert. Fm März lsr»5 erhielt Bamberger die Rabbinatsautori- »ation. Haben auch die Geistlichen aller Konfessionen keinen leichten Stand, denn sie sollen ja das Ideal selbst erfüllen, das sie predigen, so nt die Stellung des Rabbiners in der Königsderger Gemeinde besonders schwierig, weil diese eine bunte Karte religiöser Anschauungen darstellt. wie ne auf gleich kleinem Raume kaum irgendwo vorhanden sein mag. Kanzelredner und Seelsorger für alle Meinungsverschiedenheiten zu sein, erforderte eine Gottesgabe, die auch bei reichem Wissen nicht viele besitzen, die Gottesgabe der öltugheit. Bamberger besaß sie in sehr hohem Grade. Diese Anerkennung ist ihm denn auch von seinen eigenen Amtsgenossen uneingeschränkt zuteil geworden. - In dem Bewußtsein: „Wer die Jugend hat. hat die Zukunft", widmete er dem Religionsunterricht seine besondere Aufmerksamkeit. Die leuchtendsten Vorzüge seiner Begabung zeigten sich aber besonders in seinen Kanzelreden. Tie Religion begleitet den Menschen von der Wiege bis zum Grabe Alle großen Wendepunkte unseres Taseins weiht die Religion mit ihrem Segen, umgibt sie mit ihrem Tröste. *>at die Kanzelpredigt und Seelsorge des Verewigten auch die ganze Gemeinde mit Tank erfüllt - - wie dankbar war erst jeder einyllne ihm für die Art seinerFamitienreden! In den Fahren seiner Amtszeit war eine Generation vergangen und eine neue aufgeblüht. In jedes Haus ist er gekommen; groß war die Zahl der von ihm eingesegneten Kinder, der von ihm getrauten EhepaareTgrotz war die Zäh^derer, die er aus dem letzten Wege begleitet hat. Die Kunst der Jndividualifierung war ihm im höchsten Grade eigen. Dielen bedeutenden Menschen hat er den letzten Nachruf gehalten: für alle hatte er das richtige Wort gefunden und immer die Saite getroffen, die im Herzen wrderklingt. Für die vom Schicksal weniger Begünstigten wn Bamberger oft die erste Hilfe, stets aber die letzte Zuflucht. Er vermittelte, daß der Ueberfluß der Reichen der Not der Armen zugute kam. denn er besaß beider Ohr. Wenn auch alle Gemeinden mehr oder weniger ihren geistlichen Führern ein ähnliches Lob spenden können, unsere Königsberger Gemeinde verdankt ihm noch ein besonderes Werk, das ist die Neue Synagoge. Zwar ist dieses Gotteshaus ein Zeichen der Opferwilligkeit der Gemeinde, angeregt, aber zu diesem Opfer und unermüdlich angeregt hat Tr. Bamberger. Darum erachtete es der Gemeindevorstand als eine wohlverdiente Huldigung, daß die Bestattung Bambergers, als er am 26. Oktober 1896 gestorben war, von der Neuen Synagoge aus erfolgte. Mit besonderen Empfehlungen von seinen Lehrern Frankel, Graetz und Joel und dem Professor der semitischen Sprache an der Universität Breslau, Tr. Magnus, ausgerüstet, bewarb er sich um die nach Saalschutz' Tode vakant gewordene Predigerstelle zu Königsberg i. Pr. und wurde unter 21 Bewerbern durcü gcn»enisamen Beschluß der Gemeindekvrperschafren vom 23. Januar 1865 zum Prediger gewählt mit der Verpflichtung, die Nachfolge im Rabbrnat bei einrretender Vakanz zu übernehmen. Nachdem der damalige Rabbiner Mecklenburg am 6. April 1865 verstorben war, wurde Bamberger am 25. Mai 1865 vor versammelten Gemeindekollegien durch den damaligen Vorsitzenden des Vorstandes, „den alten Gabriel", dessen Andenken sich in der Gemeinde noch heute piätvoll erhalten hat, in sein Amt als Rabbiner der Synagogengemeinde eingeführt. Don seinen damaligen Wählern haben schon alle den Tribut zahlen müssen, der allem Irdischen beschieden ist: doch wenn auch die Menschen dahingehen und wechseln, so bleiben doch ihre Werke und Einrichtungen, und so kann aus dem Urteil des vergangerren Geschlechts heraus es heute noch ausgesprochen werden: Bamberger war eine Zierde der Gemeinde und hat seinem Amte - zur Ehre gereicht. Sein Tod hat tiefe schmerzliche Bewegung | yervorgerufen. nicht *uu: bei seiner Familie, nicht nur in der! hiesigen Gemeinde, mit der er so tief verwachsen war, sondern i auch bei seinen Amtsgenossen in ganz Deutschland. Aber auch noch weit darüber hinaus, überall, wohin die aus Ruß-; lau) Vertriebenen über Königsberg ausgewandert sind, in i Nordamerika und Argentinien, ivird bei Nennung seines Namens der alte Segensspruch ausgerufen: „Das Andenken des Gerechten gereiche zum Sogen." Königsberg i. Pr. I o s e f R o s e n t h a t. Rabbiner Dr. I Bamberger, rteb 5 'November 1834 zu Augenrod, geft. 26. Oktober - in Königsberg i. Pr.

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