Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 2 (20.1.1919)
- Date
- 1919-01-20
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3229509-3229511--76549-3289167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Aufgabe der jüdischen Angestelltenschaft sein, ilnn die Folgen seine» Verhaltens fühlen zu laüen. » Ausländer In Deutschland. Eine sehr interessante, offenbar amtlich inspirierte 'Notiz ging vor einigen Tagen durch die gesamte deutsche Presse. Tie Notiz besagte, daß in Teutschland etwa 250000 bis 300 0 0 «> ruijifche Emig ranten anwesend seien, die nahezu alle unerlaubt über die Grenze noch Teutschland geflüchtet seien. Obwohl eine derartige Zahl russischer Flüchttinge in Teutschland durchaus unerwünscht sei, fei es zurzeit aus tatsächlichen Gründen nicht möglich, diese Menschen zwangsweise abzuschieben. Tiefe Notiz ist besonders interessant im Hinblick auf die Feststellungen des „Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Teutjchmnvs", die genau ergeben haben, daß sich zurzeit in Teutfchland noch etwa 55000 bis OOUOO ostjüdische Flüchllinge ailfhalten. Hierin stno alle diejenigen cinbegrifsen. die seit dem Ausbruch des Krieges, also feit dem 1. August 1914 bis zum 1. Januar 1922, nach Teutschland gekommen find, also insbesondere auch diejenigen, die auf Veranlassung der Obersten Heeresleitung als Arbeiter während des Krieges nach Teutschland gebracht wurden. Es ist allerdings zn berücksichtigen, daß die Zahl der jüdischen Flüchtlinge ursprünglich erheblich höher war. Ter Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes als der Spitzenorgamfation der großen deutsch-jüdischen Verbünde ist es gelungen, etwa 50 000 der jüdischen Flüchtlinge den Weg in die Emigrationsländer zu bahnen. Tie antisemitische Hetze von der Ueberschwemmung Teutschland» mit Ostjuden fällt damit in ein Nichts zusammen. Es ist damit klar erwiesen, daß die osrjüdijche Einwanderung nur einen kleinen Prozentsatz der gesamten Einwanderung von Ausländern ausmacht, insbesondere wenn man berücksichtigt, daß in der oben erwähnten Zahl von 2500U9 bis 2>0000 rullljchen Flüchtlingen die übrigen zahlreichen Ausländer östlicher Staaten, die zurzeit in Deutschland ureigen, wie auch die Ausländer aus den übrigen Staaten nicht einbegriffen Und. während unter den 550uo ostjüoischen Einwanderern auch die aus den polnischen, galizischen und ungarischen Gebieten stammenden inbegriffen stnd. O PoLuische Verssfsu»g»tee«e. Warschau. Januar. Für die Polen zugesprochcnen Teile Oberschtcfiens wird gegenwärtig eine besondere Infanteriedivision formiert, zu der sämtliche polnischen Armeekorps ans dem ganzen Lande Mannschaften stellen. Tie jüdische Bevölkerung Polens ist durch die Nachricht aufgebracht, baß taut Generalstabsbefehl die Abkommandierung jüdischer Mannschaften zll dieser Division verboten sei. Tie jüdische Sejmfraktiou hat bereits an den Kriegsminister eine Beschwerde gerichtet, worin sie darauf hinweist, daß dieses Verbot gegen die polnische Verfassung verstoße. Ferner wird aus Warschau unter dem 5. Januar gemeldet: In letzter Stunde wurde von dem polnischen Außenminister ein letzter Versuch unternommen, den absoluten Boykott der jüdischen Bevölkerung rm Wilna-Geb.ete gegenüber den von Zeligowsti angeordneten Wahlen zu dem sogenannten dekorativen Landtag ab- .zuwenden. Auf seine Einladung hin trafen in Warschau die Vertreter der Würmer zionistischen. orthodoxen und demokratischen jüdischen Partei ein. denen von polnischer Seite gegen Zugeständnisse auf dem Gebiet jüdischer kultureller Autonomie als Gegenleistung vorgeschlagen wird, eine Erklärung zu veröffentlichen, worin das Judentum des Wilna-Gebietes zur Beteiligung an den Wahlen aufgefordert werde. Tie Einreichung.einer jüdischen Liste wäre freilich, selbst wenn sie beschlossen würde, gegenwärtig nicht mehr möglich, aber auch eine Erklärung, wie die verlangte, würde für Polen ein wertvolles Aktivum sein. Tafür, wie aus polnischer Seite die Situation beurteilt rvird, ist die soeben aujtauchende Kandidatur des ehemaligen polnischen Geschäftsträgers in Berlin. Szeveko, charatterislisch. Szevckos nationaldemotratische Freunde wünschen ihn auch al» späteren Nachfolger A s k e n a s y » m der poini|a}cii Vertretung venu VoUervuno, da Askenan) der Rechten, .zu weich uuo zu jorocrallunch ist uno zu sehr unter dem Einfluß von Hymans' Konzeptionen sieht. Szcvekos Aufgabe sollte es fein, der Entente kiarzumachen, daß gerade du? nmple Einverleibung Wilna» in Polen auch den Eriteurenueressen am besten diene. So weit meint dieses Lager bereits auf dem Wege vollzogener Tatsachen gelangt zu sein. * Rumänien. Tie rumänische Regierung bereitet eine Amnestie für politische und militärische Vergehen vor. Tic jüdischen Zeitungen fordern die Ausdehnuug der Amneslie auf die im Laufe des Krieges verurteilten jüdischen Soldaten. Tie meisten Urteile gegen sie seien nicht vom Standpunkt der (Gerechtigkeit, sondern von dem des Rassenhasses gefällt worden. Wie wenig diese Urteile der ersten Instanz zuverlässig waren, zeigt der Umstand, daß 150 Juden, die verurteilt wurden, in der zweiten Instanz freigesprochen worden sind. Auch viele der anderen find sicherllch unschuldrg verurteilt. 4 P. 7.. * Hilfe für Warfen und verwahrtoste Sinder. In WoUwmen, Polen und Mitteltitauen befinde« sich mehr als llvvüö Waisenkinder, die ihre Eltern im Kriege oder während der Pogrome verloren haben, und eine ungefähr gleiche Anzahl von verwahrlosten Kindern, die jeder Aufsicht entbehren. Besonders eimst ist die Lage der «linder im Alter von 12 bis 10 Jahren, die» dank der demoralisierenden Wirkung ihrer Umgebung sich mit verschiedenen ungesunden und ihre weitere Entwicklung gefährdenden Beschäftigungen abgeben, wie z. B. Straßenhandel, Spekulationen. Konterbande und manchmal auch Prostitution. Tie Zahl dieser Kinberkategorie erreicht 10 bis 12 Tausend. Tie Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden des früheren riifftfdjcn Reiches, „Ort", hat in einer Reihe von Städten Haud'.rc rke:schulen und Lehrwerkstätten für diese Kindcrkategorie eröffnet; die besonders Notbedürftigen unter ihnen rrerden dort auch verpflegt und mit allem Notwendigen versorgt. Tas Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilfskonfercnz hat der Gesellschaft „Ort" zivecks Unterstützung ihrer Lehrwerkstätten hauptsächlich für Pogromwaisen in Wolhynien, vorläufig 20 000 Tranes .wgewiesen. * Aus und übet Palästi t. Einer Meldung aus Jerufulem Zlifolge ist der Vizekommauoanr des Jerusalemer Polizeidistritts von scruem Posten zurückgetrcten. Wie verlautet, hat er stch infolge der für die mangelhaften Polizeimaßnahmen. am 2. Novenroer erhaltenen Rüge zu d:eicm Schritt entschlresten müssen. Ter High Eommijnoner besuchte in Begleitung des Gouverneurs von Haifa und des Tistriktskommandanren die Kolonie Sichron Jacob, wo er vom Vorstand der Kolonie lind vom arabischen Mukytar aufgewartet und begrüßt wurde. Tie Vertreter beider Volker wiesen auf die erfreuliche Tatsache hin, daß in ihren Tistrikten zwischen j Arabern und Juden Frieden und Freundscl)ast herrschen. Ter arabische Mukhtar schlos; seine Rede mit einem Heil-Aus aus König ‘ Georg und Sir Herbert Samuel und las überdies einen von fünf! arabischen Persönlrchkeüen Unterzeichneten Brief vor, in dem diese ihre! Zufriedenheit mit den jüdischen Nachbarn und mit den von ihnen ge- - leisteten Wohltaten bekunden. Ter Obertommissar dankte den Rednern für den Empfang und sprach seine Freude über das gute! Einvernehmen zwischen Juden und Arabern aus. j Sich zu den Juden wendend, sagte er: „Als ich sah, daß Sie in Ihren? Schulen auch die arabischen Kinder unterrichten, da empfand ich auch.! daß Ihr es wohl verstehet, den richtigen Weg einzuschlagen." Tann I sagte er. zu den Aravern: „Sie können verfiä-ert sein, daß, wenn wir! der Meinung wären, daß die Einwanderung der Juden den Arabern ' schädlich sei, so würden wir die Immigration einstcllen. Ta wir über die klare Ueberzeugung haben, daß das Gegenteil davon wahr sei, wollen wir unsere gegenwärtige Politik fortsetzen. Ich bin überzeugt, daß jene, die durch falsche Berichte zu dem Angriff aus Ghedeca irre-? geleitet tvorden sind, nunmehr ihre Tat bedauern/ J. C. B. | Ter Direktor der JEA in Palästina. Eaptain Henri Frank,! äußerte sich einern Vertreter des J.EB. gegenüber, daß die JEA bei den