Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 2 (20.1.1919)
- Date
- 1919-01-20
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
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15 iüi) diese Aücksichtcn fliütflicfjcmwfc gewichen sind, wäre es gerade;» verhängnisvoll, neue Schablonen und neue Scheidewände innerhalb der Judcnheit zu errichten und den Weg der »eien Entfaltung aller Kräfte damit zu belaste». Dt e h r a l s je bedürfen wir heute der Einigkeit, und jede Zersplitterung wäre ein Unglück. Die Aufgäbe der Juden kann nur sein, Klarheit; u schaffen und nicht die Verwirrung noch;u vergrößern. Mochrulchsu. Berlin, 16. Januar 1922. ie „Germama" beschäftigt sich in bemerkenswerten Ausführungen mit den „völkischen"Berirrungen des ^genannten „Hochfchukrings deutscher Art", bei dessen Begründüng unter anderen auch General Ludendorff Pate gestanden hat. Das Berliner ZentrüknEgän "fuhrk' chkersu rn der '.'Lummer vom 3. Janlmr aus: .Welche Benvirrung vre völkische Ideologie in den Köpfen der jugendlichen Studenten anrichtet, davon gibt fast jeder Bericht über eine Hochschulringstagung, fast jeder programrnatifche Artikel in den Hochschulbeilagen der Rechtspresse und die völkifchstudentische Fachpresse Zeugnis. Das Neueste hat sich anläßlich des Freiburger Hochschulstreites der Professoren v. Below und Kantor oroicz ein völkischer Anonymus in einer Zuschrift an die katholische „Freiburger Tagespost" geleistet. Gr schreibt nach der „Kölnischen Volkszeitung": „Am neuen Werk ist ein neues Geschlecht, das wieder an den Svnnenglaubcn der Väter anknüpft, der deutschen Väter, und es ablehnt, sich von dem ersten jüdischen Tefaitisten (gemeint ist euer Christus» Vorschriften machen zu lassen! Unser deutscher Bismarck steht uns ,yi hoch, weltenhoch über jedem internationalen Juden — Heine er nun Professor Karitorvwicz oder Jesus von Nazareth!" Angesichts solcher Lästerungen versteht man es schwer, wie ein Teil der katholischen Studentenschaft noch Mitglied eines Verbandes bleiben kann, der von sich aus nie von Leuten wie dem Verfasser obiger Zuschrift abrücken wird, sondern der im Gegenteil durch seine antisemitische und auf attgermattischheidnischen Kult eingestellte Phraseologie und Versammlungs- : gestaltung und vermöge des natürlichen Schlvergelvichts der! Masse seiner „antiklerikalen" Mitglieder solchen Haßausbrüchen geradezu Vorschub leistet. Es ist übrigens noch dlrrch- . aus unerwiefen, daß den geistigen Vätern und Drahtziehern : des Hochfchutringes die Pflege des „Völkischen" wirklich j Herzenssache ist, oder ob das „Völkische" nicht mehr oder! weniger als schützendes Schauziel \n dienen hat, hinter dem in unbeobachteter Regsamkeit die eigentlichen putschistischen! oder parteipolitischen Ziele verfolgt werden. Wir sind uns < der Schwere des Verdachtes wohl bewußt, den wir damit! aussprechen. Aber es gibt doch zu denken, wenn sich unter! den in Breslau unter dem Verdacht der Mitwisserschaft am j Morde Erzbergers Verhafteten ein Mitbegründer und Führerz ausschußmitglied des Deutschen Hochschutringes, Friedrich z Koppe, befindet. Es gibt zu denken, daß sich die wichtigsten! Geschäftsräume des Hochschulringes über ein Jahr lang in! einem Bureallhause in Berlin (Schellingstraße 1) befanden, das durch die „Nationale Vereinigung" des Kapp-Putsches! bekannt ist, und in dem heute noch in der Hauptsache deutschnationale Geschäftsstellen arbeiten. Es gibt zu denken, daß sich die „Jugendbewegung" Hochschulring kürzlich einen Fördererkreis von Alten Herren hat gefallen lassen, dessen 47 Vorstandsmitglieder nach der Statistik eines Berliner Blattes fast ausnahmslos der deutschnationalen Volkspartei angehören, - und unter denen sich neben Ludendorff, Professor Seeberg und! Professor v. Below lFreiburg) nicht weniger als sechs ehemalige Militärs und zehn derltschnationale Parlamentarier befinden. Es wird jedenfalls gilt sein, der völkischen „Bewegung" an den deutschen Hochschulen eine größere Aufmerksamkeit als bisher zuzuwenden und jeden Fall erheblicher Diskrepanz zwischen der Meinung der gutgläubigen Anhängerschaft im Lande und der Tendenz der Leiter festzunagetn." * Ein Lieg der Vernunft. Wie das ^Berliner Tageblatt" vernimmt, hat der Hau Pitt uS schuß der deutschen Studentenschaft, der am letzten Sonnabend und Sonntag in Göttingen tagte, erfreulicherweise Ergebnisse gezeitigt, die eine roeitere Ausnutzung der deutschen Studentenschaft durch völkische P a r t e i P o L i t i k verhindern. In Zukunft wird die deutsche Studentenschaft sich klar nach dem Staatsbürgerprinzip znmnnncn setzen und jeder antisemitische K a m p f über die Zulassung einzelner Stu denken, auch der Ausländsdeutschen. wegen ihrer Rgffezugehörigkeit unmöglich sein. Anderseits wird die deutsche Wissenschaft ihre SeldstverwaLtrurgstätigkeir beschränken auf die Aufgaben, die dem Wesen studentischer Selbstverrvaltung entspreckxm. also die wirlschastlicknn und hochschulbürgerlichen Aufgaben sowie die Mitarbeit an den Studicnaufgabcn. Die Austragung von Gegensätzen der Politik oder Weltanschauung innerhalb der staatlich anerkannten Lelbstverwaltnugstörper der LNrdentenschast ist in Zukunft ausgeschlossen. * LSa» die deutsche Presse totschweigt. In der pazifistischen Wochenschrift „Die Menschheit" lesen wir: Aach einer Mitteilung der „Chicago Tribüne ' aus Chicago haben 2<n> hervorragende Juden der Bereinigten Staaten beschlossen, ein HilsswerL zur Bckämpfuug des Hungers in Europa ins Leven zu rufen und dafür 14 Millionen Dollar (gleich etwa 2% Milliarden Mark nach deutscher Währung» zu stiften. Es soll dieses Hilfswerk Zusammenarbeiten mit dem amerikanischen Ernährungshilsswerk und der „Gesellschaft der freunde" lLnüker). Daß die hervorragenden deutschen Antisemiten Gel) für die hungernden deutschen Kinder genistet hätten, ist nicht be kamltgeworden. Es gehr wohl alles für Knüppel nach dem Sm'tem v i» xx z e itno ähnliche menschenfreundliche Zrvecke drauf. * Der Dcutschnotionalc Hondlungsgchilscnverband im antisemitischen Fahrwasser. Ter Deutschnationale Handln ngsgehilsenverband. der es mit feinem völkischen Gewissen in Einklang bringen konnte, zuweilen aus taktischen Gründen bei Betriebswahlen Listelwerbindungen ein zu gehen, durch die auch jüdische Kandidaten seine stimmen erhalten nrußten. ist nunmehr in die Schar der Verbände geraten, die die Judenhetze als Hauptzweck betreiben. Der Deutschuatiouale Handlnngsgehilfenverband gibt ein Blatt heraus, die „Deutsche Handelswacht", in denr man, abgesehen von gelegentlichen Anrempclrmgen jüdischer Prinzipale, antisemitische Ergüsse bisher nicht antraf. Der „Deutschen Handelswacht" scheint aber vor ihrer eigener: üuuren Lauterkeit bange geworden zu sein, denn in ihrer Ausgabe vom 21. Dezember 1921 finden wir unter der Ueberschrift „Stefan Großmann und die Handlungsgehilfen" eine scharfe Verunglimpfung des deutschen Judentums. Herr Stefan Großmann hatte bei einer Besprechung des Schnitzlerschen „Reigen" in einer Form, über deren Geschmack sich streiten ließe, die Befürchtung geäußert, den „Reigen" bald als Sonntags lektüre der Berliner Handlungsgehilfen zu finden. Wenn die ..Handelswacht" hiergegen Stellung nimmt. so ist das ihr gutes Recht, das ihr niemand absprechen wird. Aber Herr Großmann ist Jude, und so erscheint die Gelegenheit günstig, gleich einige Gehässigkeiten loszuwerden. Mit Bezeichnungen. wie L i t e r a t u v j u & c n . v ft - l i ch e Größen, s ch w a r; g e l o ck t e Literaten, wird ein bunter Neige»! aufgeführt, und man wird sogar »vitzig mt) spricht vom „Judenmütchen", da man von Judenmut seltener höre. Wenn der Deutschnationale Handlu»»gsgehilseuverba»»d glaubt, sich solche Beschimpfungen erlauben zu ronucn. so »vird es vor allem