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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-01-06 · Heft 1 (6.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 1 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 hm haben, da kr jede llnlctftufcuufl, die •£*« Untciftiitucu £u entern -chrwrr^r herabivürdigt. lieber ganz nU^Kf Ihr nuiftt euch gegenlvärtig hirlten. daß hier nickst von einer Almvseiwerteilung aufs Geratewohl. sondern von einer planmäßig betriebenen landwirtschaftlickzen Hilfsaktion die Rede ist. einer Hilfsaktion. die seitens deren Organisatoren die Erfahrung einer lang' jährigen geiellschrftlichen Tätigkeit unter den Kolonisten erforderlich macht. Daher kann von einer llebergabe der Verwirklichung dieser Hilf^rktion an die Hoover-Adminiftration. wie manche Leute in New Vvrk ^'m:ben. nicht die Rode fein! Rur eine Unterstützung, die ihr Augenmerk hau^t und grundsätzlich auf die Kolonie und nicht auf dev Kolonisten auf die Gesamtheit und nicht auf den einzelnen richtet, eine Unterstützung, die die § e l v st t ä t i g k e i t d e s Notleidenden zur Grundlage hat und die den Charakter eines wirtschaftlichen Aufbaues trägt, mir eine solche, die. weit entfernt davon. Initiative und Tatkraft der Unterstützten lahmzu legen, ihnen im Gegenteil Zuversicht und Glauben an ihre Kraft einflößt und sie zum Zwecke dieser Arbeit organisiert -- einzig und allein eine derartige Unterstützung ist erwünscht, und nur eine solche fordern wir von euch! Aus eben diesem Grunde sind wir der Meinung, daß die von den verschiedenen Organisationen vorzunchnronde Hifsaktion durch die Ge? e l l s cha ft „O r t" (Gesellschaft zur Verbreitung von Handlverk und Landwirtschaft unter den Juden) oder auch im Einvernehmen mit ihr durchgoführt werden müsse, da sie ihrer eigentlichen Aufgabe und ihrer Tätigkeit nach eine Organisation für rekonstruktive Arbeit darstellt. die sowohl über die genügende Erfahrung wie atich über einen weitverzweigten Apparat verfügt und außerdem — ivas die Hauptsache ist — die richtige g efellschaftlrche Beziehung zu der Zache har und sich auf ihre eigenen Ausschüße und Bevollmächtigten in Rußland und der Ukraine stützt. Brüder? Zeit drei Monaten wird in der jüdischen Preffe fortwährend von der verhängnisvollen Lage der Kolonien geredet, fragen wir aber, was dis heute zugunsten der vom Unglück Be-?ri>**ei!e!! geschehen ist. so müssen wir zu innerem Leidwesen antworten: Nichts und wieder nichts! Währenddessen aber steht die ,U'it nicht still. Ter Frühling naht heran, und wenn wir nicht jetzt fitnm die Kolonisten in den Ztand setzen, ihre /Felder zu bestellen, io wird es bald zu spät sein. Wir rufen daher nuferen Brüdern zu: Helfet sofort, rettet die jüdischen Kolonien! Legt die Hilfsaktion in Hände, die keine Almosen verteilen, wndern die jüdische Landwirtschaft in Südrußland aufberuen und rviederdersrellen helfen! A d r a m vwitsch, R. OHcin); Ben - Adir; Baal - Machfcho - rv o t i T r. Eliasckrciv); B e r g e l s f o h n David; Einhorn Tavid; Prof. Frankfurt Z.; F r i f chm a n n Tavid; F r u m k i n I.; wcrijci N.: v» oreirl Sch.; Grotzniann Wi.; Hirsch kan ^Zewr; Prof. Hurwitz Zch.; K a p e l Tr. A. (Mukdonni); Katz Ben-Zion: K re in in M.r Latzki-Bertold: W.; Lestfchinski Jacob; Lion Joseph; NombergCh. T.: Zchncu r S.; Zelr gm a.n n. Tr. Raphael. Singalow s f y, A.; Z1 i f Nach um (Baal Dimjoiy; Tschirikower E. Die Adresse der Zentralver.oaltnng der Gesellsckraft „Ort" ist Berlin XV. Bleibtrenstraße 34;3r>. r. Breslau, 30. Te.zember. In der letzten S i tzun g der Re - präfentantenversammlnng bewilligte man u. a. der Jüdrfchen Arbeiterfürsorge in Breslau eine einmalige Beihilfe von 5000 Mark. Ter Verein „Freie jüdische Volkshochschule" erhielt ebenso emmalig 1000 Mark. Aus Trintzlickstoitsmrtrag Malsch und-Genassen wurde die Beheizung der Leichenhalle und ihrer Marteräume m Cosel besitzlossen. Ter Grabpflegegebührentarif wurde um mehr alr das Doppelte erhöht. Die Crhöhirng der Vegräbnisplatzgcbührcn auf dem Friedhof Lohestrafte wurde wie folgt festgesetzt: für einen Platz der ersten Reihe von 1500 auf 2500 Mark, in der zweiten Reihe von 1200 aus 2000 Mark, für einen Platz am Pflanzensrreisen von 2.'>00 ans 4000 Mark, für einen Platz im Erbbegräbnis von 5000 auf 8000 Marl. Die B.^hl des Rabbiners Tr. Hcppner in Breslau, früher in Kvschmin, zum Stifts' ravbiner der M0ra-Salottwtt-LeipzigerB<thattudraschSnftnng in Breslau an Stelle des bisl)erigeu Tr. Pr yd. der als Rabbiner nach München geht, wurde gutgeheißen. r. $}tt£!au, 30 Dezember. Unsere Stadt und insbesondere die jüdisch^ Gemeinde hat wieder einen schmerzlichen Verlust erlitten. .Mit dem öiiu 25. d. M. nach langen schweren Leiden km 73. Lebensjalwe dahingeschiedenen Geheimen SanitatSrat Dr. Carl Reich betrauert sie einen ihrer besten Bürger und treuesten Sühne, einen ihrer beliebtesten und angesehensten Aerzte. Ausgezeichnet durch volles Vertrauen von Stadt'und Glaubensgemeinschaft gehörte er zwei Jahrzehnte dep Stadtverordnetenversammlung und eine lange Reihe von Jahren der Reprasentantenverlammkung, letzterer auch als stelllxwLretender Vorsitzender, an. Außerdem bekleidete er eine große Anzahl von Ehrenämtern als Vorstandsmitglied von Wohlfahrtsanstalten und Vereinen, allenthalben mit gleich hingebungsvoller Liebe und Tätigkeit ovferfrelidig wirkend, seine Kraft zu deren Förderung euiseyend; mit weisem Rat und warmem Herzen hat er namentlich vielfach Not und Elend zu Lindern gestrebt. Insbesondere steht nicht npr der Liberale Verein für die Interessen der Synagogengemeinde Breslau, sondern das gesamte liberale Judentum Deutschlands trauernd an der Bahre des trefflichen Mannes, der. jede Ueberzeugung achtend, mit jugendlicher Begeisterung bis zum Ende für dessen Ziele vorbildlich emtrat; nicht minder hat er dem Jüdisch liberalen Jugendverein stets sein lebhaftestes Interesse zugewendet, der ihn in Tankbarheit zu seinem Ehrenmitglied ernannte. Mitbegründer der Ortsgruppe Breslau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdisck)en Glaubens, ist er dieser wie später dem Landesverband Mittel- und Niederschlesien jederzeit ein begeisterter Führer und tapferer Vorkämpfer gewesen und hat auch segens- und erfolgreich im Ausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz gewirkt. Ehrenmitglied der Gesellschaft der Freunde, der er als Vorstandsmitglied in der Verwaltung jahrzehntelang unfck-ätzbare Dienste geleistet hat, Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender des Schweidnitzer Torbezirtes, langjähriger Vertrauensarzt der hiesigen allgemeinen Ortskrantenkaffe, wird das Andenken an den aufrechten Mann nicht« nur in seiner Glaubensgemeinschaft, sondern in den weitesten Kreisen unvergeßlich fortleben. -- Hamburg, 30. Dezember. Tas Rep rase nta n tcn ko llegium der Deutsch-Israeli tischen Gemeinde hielt eine Versammlung unter dem Vorsitz Alfred L i s f e r s ab. Ter Armcntommission wurde gemäß dem Antrag des bvmeindevorstandes für das ^«ahr 1921 ein Betrag von 38 000 Mark nachbewilligt, da von dem von den Gemeindebehörden für das laufende Jahr bewilligten Betrag von 162 009 Mart infolge der gesteigerten Ansprüche bereits 150 900 Mark verbraucht worden sind. Ferner wurden dem'Siechenheim 17 000 Mark nachbewilligt. Ter Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung eines Betrage» von 50lt Mark für die ArdeitLrfüesvcgeneüe der jüdischen Organisationen Hamburgs wurde angenonrmen. Als Vertreter des Kollegiums im Jugendamt wurde für den ausscheidenden Rektor Feiner Pa:l Laskar gewählt. München, 30. Tezeniber. In einer hiesigen Versammlung des Teutschvölkischcn Schutz- Und Trutzbündes, in welck^er der Dozent der Wiesbadener Hochschule Paulk über das Thema „Ter Jude und das deutsche Weib" sprach, kam es zu stürmischen Szenen. Eine Frau, die gegen den Redner protestierte, da er nur von der Sinnlichkeit und nicht von der Liebe spreche, wurde als Jüdin bezeichnet. Dies gab Veranlassung zu stürmischen Auseinandersetzungen und zu Tätlichkeiten. Ern Redner bezeichnete es als eine Schmach, einen Redner wie Paulk zu Worte kommen zu lassen. Nachdem einige Teilnehmer entfernt worden waren, konnten die Schutzmannschasten die Ruhe wieder Herstellen. ~ RegerrsSrrrg, 30. Dezember. Eine Eingabe der hiesigen bayerischen Rabbinerkonferenz ersuchte um Entscheidung dahin, daß das Iudengesetz aufgehoben wird. Ein Nachtrag dazu legte das Hauptgewicht auf die Ministerialausführungsbestimmungen vom Jahre 186.3. Es handelte sich dabei um den Rechtsbegriff der jüdischen Kultusgerneinde^ um die Frage ihrer Geltung als öffentlich-rechtliche Körperschaft und eines bejahendenfalls daraus abzuleitenden Umlagercchts. Tw Regien:ng erklärte, daß die Rechtsgültigkeit der Ministerjalbestimmung vom Jahre 1863 schon unter dem alten Recht umstritten war, daß aber im neuen Reckst nad) Artikel 137 der Reicks venassrmg jede Einmisck>ung in innere Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften offenbar ungesetzlich sei. Tie Geltung der bisherigen jüdischen Kultusgcmeinden als Körperschaften ösfentlick)cn Rechts mit dem Rechte religionsgesellschaftlicher Umlagen sei jedenfalls gesichert. - Biberuch, :ro. Dezember. Bor dem hiesigen Schöffengericht kan» die Privatbeleidigungsklage des Rechtsaruvalts Dr. N.athan

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