Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Jahrgang. Ne. 1 'Et, , B*tU*' *■ 5““r ,MJ ■‘MtKägt zur Setarag deK : SMxKsMWru WL Mschrichttn. .. LwtkchlsyL; » H Berit», L Januar. Am 2». v. M. stattete Tr. Weiz. mayndem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin einen Besuch ab. Er'wurde im PrLsidialzimmer des Verwaltungsgebäudes feier« lich empfangen. Ter Vorsitzende der Gemeinde. Geheimrat Stern, hielt an Dr. Weizmann eine Ansprache, in welcher er semer Genug tüung Äit8dr»»«L dab. daß der Berliner. Geuceinde die Ehre dieses Besuches Zutrit werde. Jur weiteren führte er aus, daß man ^7?*^ der zionistischen Bewegung Bewunderung zollen muffe, wie immer man sich zu ihr sonst stellen mag. Ter Vorsitzende der SKMsentMtxmy^ GowvrLevat Plotke. versicherte nmnenvor Nvplras«Mrch«wer1m dar BbrKnor Eemvevrde, der ja «uch >ewchhrtp zwmstrsche Fuhwer mvsehdrvn, daß sie die Jdyen deS GasteS zu würÄiye« wrffr und daß döe Berkmor Jiedarhinrt sicherlich das große jüdische Werk dps Lufbcms Paläftirras nach prüften MtLrstützM NLWde. . Aks ältester Gam«mdevabvmer sprach hierauf Rabbiner Dr. Weiße, der besonders die religiöse Bedeutung des KorerÄrrus herv^rhob. Dr. Werzmanrn enveDorte in cmor Anspruch^/ m der n«r bcrorrte. es fei ihm eine hohe Ehre, von smrr der größten und bedcmterrdston jüdisclpn Gomeinidon der Welt m dieser ßroundLichen Weife mrsgenoamvew zu werben. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Parteiurvterschiede zwischen den Juden angesichts der großen Aufgabe, die denr Gcfm.rtjudentum gestellt sei, zurücktreten und daß alle Juden in gleicher Weise ihre Uräftr ffir den Aufbou dos rüvestyen PcüüftU« ernfehen werden. Hierauf wurde ein Frühstück emgenomnwn, tu besinn Verlauf noch Dr. Sandler als V ar stand-i-nri^ed dar Gemeinde und a?ter Ziomst einen Toast auf Tr. Wr«Vnmrrmausbvachto. §2 Verkitt, 3. Januar. Irr der vor kurzem ftattgesturdencn Kartellsitzung der Jüdischen Arbeitsnachweise wurde zunächst der GeichLsts- und KassenoerrchL gegeben, ^lus deunelben geht hervor. daß die ausgleichende ArbeirsvermittLuttg, die das Kartell ima'v I ten angeschtofsenen Arvertsnachwcistn durchprftchren hat. aus den verschiedensten Gründen nicht urehr so stark in Anspruch genommen! wird, und daß es sich Oeshalo bei fcu llu kosten eittpfnhrt. <cUv Hurorganisation des bisherigen Arbeitsplanes vorzunehmen. Tie an» geschlossenen großen Arbertsnackuveise sollen als Provinzial- oder LandeSardeitsNachweise sich durch A.-N.-Kommisfronen in den Mittelstädten und durch Bertrauensperfoucn in den kleinen Städten und auf demLmrde eine Ausbreitung ihres ArbertsgebreteL schafserr.. Die.Geschäftsstelle des Kartells wird nach wie vor . den .Jnsammenhang mit der. allgeureinen Arbeit aufrechterhalten^ Anregungen, Erlasse und Verordnungen weitergeben usw. Die Zusammenstellung von Dertrauensmannerlisterr des In-und AusiandrS istÄr Bearbeitung: hierzu werden aus der Versammlung verschiebend Anträge gestellt. Tie jüdische Presst, die Arbeitsämter rnrdbie ZentratwohlfahrtLsLeLv sollcir zur Dlitardert hinzugc^ogen werden. Auch eine möglichst enge Zusammenarbeit, der Arbeiter» . fürsovgeümter und der jüdischen Arber tsäurter mit den Arbeitsrrach. werrsen des Jüdischen Frauenbundes soll angeregt werden. Tie neu redigierten tzerbsätze sür dre Arbeitsnachweise werden mit geringen Abänderungen angenommen und dann die Anträge, die noch auf der. Tagesordnung stehen, erledigt. Zn einer sehr ergiebigen Aus» spräche führtendie beiden Anträge der Ortsgruppe Elberfeld, die dähirr'Kchen. Kartell und Hauptstelle für Berufsberatung der Juden, weibliche Abteilung mögen, da der jüdische'Schrvesternberuf säst völlig zuversanden droht, in eine Prüfung der Lage der jüdischen Krankenschwester eintveben, prüfen, ob die heutige Vorbildung ge. nügt. ihre materielle Exrsteyz genügend gejuyert ist, Satz Mni6)e Ortsgruppen urch Vereine mir. voller Verantwortlichkeit für den Beruf der jüdischen Kranke nschtvester eintreteu und Propaganda dafür machen können. Ter Verband für jüdische Krairkenschrvesteru hat aus Berlin, Köln. Frankfurt.a. M.. Effen rnrd Leipzig .zu dieser Aussprache seine-Vertreterinnen entsandt. Ter Nachwuchs rür die jlwische Krankenschwesterist außerordentlich gering, weil der Beruf nicht nur äußerorventttch hohe Ansprüche an die körperliche Konstitution stellt,' sondern auch einen selbstlosen, gereiften und gütigen Menschen verlangt. Sehr erschwerend wirkt auch der späte Eintritt in den Beruf, der frühesten» vom 2v. Lebenqo^r ab erfolgen kann. Die wenigsten-Mädchen find in der Lage, solange ohne Erwerb durchguhalte»r. . Die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes für jüdische Kranknrpflege betont, daß der Beruf der Kvankensthwester nicht als. ein Enverbsderuf aufgemßt werden darf und daß mir eine straffe. Orgarrüation uns helßm kann. Die Gemeinden wlltem wenn sie Bedarf axt. Htai^amUr^iutmn hiLen, sich nur an den Verband mit. seinen vielen Ortsgruppen werden. Die geeigneten Mädchen unlsstn-eventuell auf Gemeirwekoften äusgrbildet werderr. Alach der Ausbildung tyver Jahves soll die Schvefter zu ihrer weiteren Ausbildung noch im.Dienste der Anstalt bteibem dafür aber zur Verfügung gestellt werden. Die bcste Vorbereitung der Schwestern sei die Au^bikdunz im Haushalt, und vielfach lauen die KranLenhäustr die jungen Mädchen sich vorher in ihren Wrtschafks. und Burearrbetrieben ein Jahr vorbilden. Auch die Alotwendigkeit, unsere Mädcl-en mel)r als bisher allen praktischen und hausivirtfchastlichen Berufen zuzuführen, wird allgemein anerkannt, mrd eine Kommission, bestehend aus Frau. Trotz (Köln), Frau Samuel (Elberfeld), Frau Aasianer (Frankfurt a. M.), gewählt, die alle diese Fragen prüstn und fördern wird. Ter Plan der Geschäftsstelle, innerhalb der einzelr:en Provinzerr und der Larrdesverbünde eine selbständige organisirne Arbeirsverminlul^ einzuruliren. wird angenommen und diese Arbeit dem Landesverbarrd Meinland urrd Westfalen gemeinsam mit der Lrtsgruppe Elberfeld-Bararen übertragen. Berll», 3. Januar. Wir erhalten mir der Bitte rrm Veröffentlichung nachstehenden Aufruf, denen Beachtung wir unseren Lesern wärmsten» empfehlen. -ln die jüdische Gesellschaft; Aus Lüdrußland gelangen Nachrichten zu uns, bei deren Andören jedes jüdische Herz erbeben muß. Tie jüdischen Kolonisten befinden sich um Rande des Nu ins. Tas Lebensfähigste uno kraftvollsre Gebiet unseres Wirtsll^aftslebcns. der Ursprung und Born all unsrer Kolonrsationsversuche. der Herd der gesamten jüdischen Larrdwirrschafr. der bereits ietzr Hnnderttanstnd» non Prionen zäblr tx^denftandigfte Gebiet in unserem zerrütteten Leben ist nahe daran, von Grund 2U3 zerstört zu werden. Zuerst brach über die Kolonien eine 9reihc von Pogromen herein: viele Kolonrsterrfamilien find abgeschlacbLt. Hauser - rurd ^peiü^r. lebendes und totes Inventar sind in erheblickrteyr Maße e.usgeplündert und geraubt worden. Die jüdischen Kolonisten wchrren sich und hosfren gleich allen anderen Jtldeu apf beffere Lenen. Ta wurden sie in diesem Jayre von emem neuen Unbeil, eirrer furchtbaren Mißernte. de^maefuchL In der überwiegenden Mehrzahl dcr Kolomen wurde nich." einm»7i so viel gcerrrtet. wie ge'ät worden war. Tie brcrlos gewordene B»' yölkepung flüchtet aus den Hcimaidörstrn. indem sie die spärlichen Ueberreste ihres Besitzes prersgrbr. Hungernde Kinder, rrren auf der Landstraße umher, und berreln um ein Stückchen. Brot nrr sich und ihre Eltern. Ein großes Nationalvermögen, das viele gefellschakrli<L>' Energie und viele Volksopstr kofrerc. gehr seinem endgüln'gen Urrtergang entgegen. . - Das aber darf nicht ^schehenl Die jüdischen Kölomsten müssen .zur Ernte de» nächsten Jahres mit Brot versorgt werden! Die jüdischen Kolonisten müssen mit den nötigen Sämereien und landwirtschast!iä)en Geräten zur Bestellung und Bebauung ihrer Aecker versorgt werden! Wir jüdisä>en 'Schriftsteller und gesellschaftlich tätige Mämvr er« achten es als unsere heilige Vsticht. unS an unsere Brüder dw^errs und jenseits des Ozeans mir dem Nust zrr wenden: Netter die jüdischen Kolonien vom Nnrergange! .Zugleich damit erachten w-.r es aber auch als unsere unsere Brüder in Amerika darauf ausmerNam zu mache:;, daß. indem sie den jüdischen Kolomsten ihre Unterstützung anseveihen lassen, sie dessen eingedenk bleiben müssendaß sie es nicht mir Atmvstne^npfünger»: pr