Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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11 Unterkommen habe. Die Packer hatten in Der Eile auch meines BirrschLn-Ksffer mitbefördert. Meinr^chwLgerin' lieb mit den meinen auch diesen öffnen in der Anffcht, daß er mein Eigentum sei, unr Sachen auszuhängen und dergleichen. Da fand sich dies Messer. Ich erkannte sofort dessen Wert für die Verhandlung; zu oft war mir im Laufe von Unterhaltung^n gesagt worden: .wenn dies Indizium fehlt, steht das Urteil fest*. Ich wollte die Nacht vor meinem Dienstantritt auf unserem Gut verbringen, nun aber stand fest vor mir, waS ich zu tun hatte: ich mußte der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen." -Zeuge Baschkes/ sprach der Vorsitzende, „treten Sie vor/ Der Aufgerufene wantte heran. ,Mie kam das Mordinstrument in Ihre Hand?" JBoit Serjus". stieß er heiser hervor. „Darf ich zwecks Ergänzung meines Plaidoyers das Wort ergreifen. Herr Präsident?" „Ich'bittet erwiderte dieser dem Verteidiger. „Der ermordete Knabe hatte zu irgendeinem Zwecke ein vielleicht an falschem Orte liegendes, vielleicht aus einenr Fach in, der Wohnung entnommenes Messer bei sich, wahrscheinlich, um eS nach Erledigung seines Auftrages dem Shnagogendiener hinunterzubringen. Mt diesem Unglücksinstrument, das er dem Kinde entriß, durchschnitt Baschkes den Hals Le2 armen Geschöpfes. Nachdem er eS iu die Morvecke zurückgeschleift hatte, trommelte er an die Tür des JsaschuS. der in seinem Schreck sein Fischmesser fallen ließ; den Augenblick der kurz daraus entstandenen allgemeinen Verwirrung benutzte der Mörder zu seiner Manipulation des Vertauschens. Besser als jedes andere Beiseitebringen erschien ihm die Bergung in seinem Koffer, an welchen niemand außer ihm herankam. Tie so rasche Versetzung seines Herrn ahnte er so wenig wie dieser selbst: daß von den in dem EutShause wohl zahlreich vorhandenen Schlüsseln einer zu dem Koffer Paßte, dessen Schlüssel man gewiß abhanden gekommen glaubte, ist wohl kein Wunder. Ich beanttage die Freisprechung des Angeklagten/ Die Geschworenen waren infolge des Zwischenfalles der diesem voraufgegangeaen Aufforderung des Vorsitzenden noch nicht gefolgt. Jetzt erhob sich, nachdem sie einige Augenblicke leise miteinander gesprochen, ihr Obmann. Er sagte: „Von dieser Stelle aus verkünde ich unseren Beschluß/ „Unseren Beschluß", wiederholten seine Mttichter. „Ter Angeklagte ist unschuldig an der Ermordung des SerjuS Derjack/ . „Simeon JsaschuS, reichen Sie mir Ihre Hand", neigte sich der Vorsitzende zu dem nun leuchtenden Auges zu ihm Aufblickenden. „Sie sind frei; ich wünsche Ihnen Glück", und fest und warm klang feine Stimme, „eS gibt keinen Ritualmord/ Der Saal leerte sich; auf den Korridoren bildeten sich Gruppen. „Wie nur konntest du so schnell zurückkehren?" fragte Miriam: ihre Augen waren feucht. Und: „Herr Haupt, mann, Herr Hauptmann^ David drohte scherzhaft mit dem Finger, „der neue Dienst wird mit Festungshaft beginnen felbstgegebenen Urlaubs wegen/ - „Ohne Sorge", lacyre Dangerdio. „Ich telegraphierte dem höchsten Chef meines früheren Regimentes, dem Fürsten Garda-Stöwer; er wirkte mir — ebenfalls auf telegraphischen: Wege — den Urlaub aus: die Nacht gehörte noch mir: der amtliche Brief wird mich wohl im Hotel erwarten. „Wann mußt du fori von uns?" fragte Miriam.- ..In zwei Stunden geht mein Zug. Lebewohl sage ich dir schon jetzt/ David Rosenbaum trat zurück. Dangerdio reichte ihm die Hand: „Ich sehe ein. daß Mriam recht hat und", seine Stimme zitterte leise, „ich werde überwinden. Sie beide werden ihr Volk heben: wollte Gott, die Arbeit an dem unsere»: käme in die rechten Hände: sie muß tiefer gehen als die Ihre. Sie haben, verzeihen Sie den Ausdruck, das Jüdettum zu beseitigen, den Schachergerst der unteren Schichten zu be- ~ kämpfen. Wir müssen das Anttchristentum töten, die Heuchelei, welche unter dem Decknamen Christt die gedankenlose Nachplapperei der Massen züchtet. Das ist schwer, denn Vieser Kampf muß gegen obere Schichten geführt werden, gegen eine Menfchenklaffe, welche unter dem Schutze einer 'Tarrnkappe arbeitet.-Lebt wohl — lebt wohl?" Literarische Mitteilungen. B. May: Las Heiligkeitsbuch» Bibel-Lesebuch zum dritten Buch Mose. . I, Kauffmünu, Verlag, Frankfurt a. Main, 1921. Preis 14 Mark -f 10 Tie Spezialforschung hat uns auf allen Gebieten von den Quellen . deS Wissens abgeführt und dafür zahllose Kanäle geschaffen, durch , die die Kenntnisse in die Menge geleitet werden. Hieraus erklärt sich zum großen Teil die Verflachung und Einseitigkeit der heutigen Bildung. Für daS Verständnis des jüdischen Geistes kommt allerdings noch eine erschreckende Interesselosigkeit hinzu. Eine Er» Neuerung des Judentums kann nur durch ein Zurückgehen a:.'s seine Quelle, die Bibel, bewirkt werden: freilich eine Aufgabe, deren Lösung nicht geringen Schwierigkeiten begegnet. Eine feinsinnige Anleitung, wie die ganze Tiefe und der volle Ernst der biblischen Lebensrichtung für Geist und Gemüt des modernen Juden erschöpft werden können, gibt uns dieses Buch des mit Recht anerkannten Reliaionsvädngnn-n ffa fnrr erftcr Linie drnr Unterricht dienen und Lehrern und reiferen Schülern die Dibellektüre fruchtbringend gestalten. Mit der Behandlung der Mitte des Pentateuchs (Leviticus c. 18—27) führt uns der Verfasser in anregendster Weise in den Mittelpunkt des Judentums hinein, daS ihrn nicht Religion in» allgemeine»! Sinne, sondern Kulturlehre ist. Tie sittliche Hoheit und edle Menschlichkeit dieser Kultur wird u»»S im Anschluß an die fundamentalen Satze des Heiligkeitsbuches sowohl in ihren» eigenen tiefen Ideengehalt wie durch Vergleich mit den religiösen und sittlichen Anschauungen der alten Dölker und des Christentums eindringlich vor Augen gestellt. Tie Einleitung ist glücklich gewühlt: die destruktiven Lebenselernente. wie Unzucht und Aberglaube, und die ausbauenden Momente, die in den» Gedanken der Lebensheiliqung durch Erziehung zur Ehrfurcht und zur individuellen und sozialen Sittlichkeit nch vereinigen und in den Festtagsgefehen sowie im Sabbat- und Jobeljahr ihren krönenden Gemernschaftsausdruck gewinnen. Störend wirken einige Einzelheiten. Ter Aberglaube' könnte an einer Stelle ganz behandelt werden, die Uebersehung der Dibelverse ist zuweilen »venig ansprechend („mit S»eL»»en zu Tode werfen"). und die Zitate aus den angezogenen neueren Schriften sind oft zu lang (vgl. das Zitat aus Caro, „Iudengott" und Nobel. „Tor Sabbat"). Eine kleine Unebenheit liegt im Xitel: dreimat das Wort „Buch". Ter unstreitig hohe Wert des Werkes hätte noch ge- . Wonnen, »venn es. »venigstens mit einigen Bemerkungen, das hohe Alter gerade des Heiligkeitsbuches betont hatte, das die Bibelkritik zu den jüngsten Bestandteilen des Pentateuchs rechnet. Im. übrigen aber würde sich der Verfasser ein hohes Verdienst um das Judentum erwerben, wenn er nach dieser Methode noch andere Teile der' Bibel behandelte und der Qesfentlichkeit übergäbe. Spandau. Löwen stamm. » --- Abraham Schlesinger: Einführung in den Zionismus. Verlag I. Kauffmann. Frankfurt a. M.. 1921. Das Problem deS „Zionismus" hat in der letzten Zeit vor. fchiede»»e wissenschaftliche Bearbeitungen gefunden, teils systematischer, teils geschichtlicher Art. Alle diese Versuche h<rbc»r ofcer den Boden der Objektivität verloren. Hier will nun Schlesinger z»»erst einsetze»». Er will demgewaltigen-Stoff--der--verschiedenartigsten Strömungen. Richtungen und Anschauungen innerhalb der zionistischen und der nationaljüdischen Weltansckzauung eine systematische Bearbeitung zuteil werden lassen und aus der Vielheit der Ideen die Einheit herausschulen. So zerfällt sei»» Work in fol^nde drei AvsckMtte: 1.;\ux Ge schichte des Zionsgedankens: 2. Einzelformen des Zionisnius und 8. Tie Eirrheit des modernen Zionismus. Tie Tarstellu»»g ist streng sachlich, nvcm mui/te fast sagen philo'ophiÄz. dom». Schlesingers Arbeiten l>»bon alle einen philvsophisckpn Einschlag, er betrachtet alles fern der Welt von seinem Philowphenst»rhl an", und fcuttt liegt der Hehler »vie die