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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-01-06 · Heft 1 (6.1.1922) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 1 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 einen permanenten Ausschuß, dem u. a. die Arbeiterführer Etting Arber, Frumkin und Dorn angehSren. IK, .. „tzaarez" zufolge sollen in der Verwaltung Palästinas wichtige Veräuoerungen -evorsteherr. Palästina soll in vier Verwaltung-- kreise eingeteilt werden, und zwar: 1.. Jerusalem. Jaffa mW llmgelnrng; 2. Sichem 3. Haifa und 4. Liberias. Durch diese Einteilung werden viele Beamte überflüssig und werden in andere englische Mandatsgebiete abkommandiert werden. General Ttorrs. der bisherige Gouverneur von Jerusalem. soll in die Verwaltung des Sudan versetzt werden. XMtritt des Jerusalemer Pottzeichefs. Wie auS Jerusalem gemeldet wird, hat der Polrzeichef des Jerusalemer-Distrikts um seine Amtsenthebung nachgesucht. Wie verlautet, soll er zu diesem Schritt aufgefordert worden ftin angesichts der ungenügenden Sicherheitsmaßnahmen, die er hatte treffen müssen, um Ereignisse, wie die des 2. November, zu verhüten. <H» Todesurteil. Ver den Unruhen arn 2. November wurde bekanntlich der Rabbiner Salman Rubin von einem Araber tätlich angegriffen und erlag bald darauf seinen Verletzungen. Das außerordentliche Gericht verurteilte den Araber wegen Mordes zum Tode. J.C.B. Sir Hölle der AKrsins. Don Tr. I. Eisenberg (Tobrisch b> Prag.) er Krieg hatte dieses kleine weihrussische Ländchen. diese Kosakenmutter. an die Oberfläche gebracht. AlS die Armeen der Mittelmächte nach Besetzung Polens (1916) sich diesem Landsttich genähert hatten, da wurden sie von der dortigen Bevölkerung mit offenen Armen empfangen und als Befreier vom Zarenjoch begrünt. Ihre Abgesandten weilten dararrf in den Residenzstädten Zentraleuropas. um die künftigen Beziehungen der Ukraine zu den großen Nationen festzulegen und sich deren Schutz zu sichern. Letztere hofften aber auch, daß die reiche, schwarze Erde des Ostens ihre Schatze ihnen offenbaren und bessere Lebensmöglichkeiten eröffnen werde. Die ersten Anfänge von Handelsbeziehungen wurden schon eingetenet, an welchen auch die Juden hervorragenden Anteil nahmen. Nun kam der Zusammenbruch und darauf folgten die Friedensverträge. die daS genannte Ländchen seinem Schicksal überließen. Kein Präsident wurde auZ Amerika nach der Ukraine gesandt, um ihre Geschicke zu lenken. Ter alte Haß zwischen Ukrainern und Polen loderte von neuem auf. Haidauraken und Hetmane. Banden- und Heerführer tauchten aller Orten auf und zerwühlten dieses von Anarchie, heimgesuchte Ländchen. Was Wunder, daß die jüdische Devölkerung das erste Opfer solcher anarchischen Zustände bildete! Wehe, wenn solche verwilderten Massen kern Gesetz und keine Regierung über sich kennen und chre Wut an wehrlosen Bürgern auSlaffen! Wehe, wenn die Bestie im Menschen erwacht und von &Uid RegMrg, fei türm SiUeNgesetz gezähmt wird! Wie ein wilder Wasserstrom, der in seinem Lauf Muren verwüstet und Städte in Wüsteneien verwandelt, so wälzten sich die entmenschten Massen Weißrußlands über Städte und Gemeinden, alles mordend, sengend und plündernd. Die Zeiten EhmelnickyS (1649—1650) feierten nunmehr chre Auferstehung. Sämtliche Grausamkeiten und Marterqualen, mit denen vor vier Jahrhunderten jene vertierten Banden jüdische und polnische Gemeinden vertilgt hatten, wurden in der gegenwärtigen Nachkriegszeit gegen jüdische Männer und Frauen, Greise und Kinder in Anwendung gebracht. Diese traurigen Ereignisse lehren, daß grausame Triebe, die dem Instinkt eines Volkes innewohnen, selbst nach Jahrhunderten zu neuer Tätigkeit sich entladen und vor keiner Verzerrung zurückschrerkm. DaS ukrairmschr Volk verehrt seinen NstioQQDNhrer Tarrss SchewtschLnko (1809—1830), erbaut sich an seinen Liedern über Licöemw Freiheit. weint mit chm über ßrhrhurrdertÄange polnische und russische Unterdrückungen. über das Joch der Schlachzizen Und Zaren, über die Bosheit brt Menschen ufw. . Me jmnt* sich aber dieser NationalhervS wundern, wenn sx sehen würde, wie sem geliebtes Volk, das nunmehr keinen Zaren-, und Adeligenorrrck kennt, sich gegen unschuldige Greise und Kinder. Männer und Frauen benimmt! Me würde er weinen, wenn er sehen würde, daß seine geliebte Ukraina, das von ihm benannte „Grenzürnd zwischen Orient und Ohident*. nun von ihren eigenen Mhnen verwüstet werde! „All überall Berge von Wollen umflössen. Mit Jammer besät, mit Blut übergossen.*' Diese Klagwerse SchewtschnlloS schildern nicht mehr die Leiden der Ukrainer unter der Zarenknute, sondern — die der 3uben unter der nun erlösten KosaLmmutter! Der Nationaldichter Predigt Liebe. Paradies des HerzenS, Liebe zur Gerechtigkeit. mtb Frieden allen Menschen: „Und auf der erneuten Erde wird es keine Feinde und Widersacher geben; da wird Liebe zwischen Mutter mib Sohn herrschen und alle werden Menschen fern!* Diese Zukunft prophezeite er seinem Volke, da der Zarendruck geschwunden sein wird. Was für Klagelieder würde er nun anstimmen. wenn er sein Grab verlassen sähe, wenn er sähe, wie seine Landsleute Männer buchstäblich abschlachtey. Frauen unter freiem Himmel vergewaltigen und peinigen bis zum Verröcheln. Kinder und Greise niedermetzeln! Und Europa? Tie Schöpfer der Friedensverträge, die nun das Schicksal der Menschheit in Händen haben, könnten wohl etwas für diese Unglücklichen unternehmen. Allein ihre Sorge um die sog. Kriegsentschädigungen, um die Schadensgutmachungen usw. trübt ihren Blick und macht sie taub gegen die Wehklagen unschuldig LeDender. sowie die Grausamkeiten vertierter Peiniger! Eine Mutter, erzählen der Midrasch, das Evangelium und die arabische Legende (vgl. meine Studien zur Koraneregeie) wurde mit ihren sieben Söhnen vom heidnischen Tyrann mißhandelt, weil sie dem Götzenbild göttliche Verehrung verweigert hatten. Standhaft ertrugen sie die Marterquaten und starben als Märtyrer. Vor ihrem Tode sprach die Mutter zu den Kindern: „Gehet hin zum Stammvater Abraham und Läget ihm: ,Dn hast deiner Idee lediglich ein Opfer bringen wollen, während wir nun sieben Opfer darqebracht haben'/" Auch das östliche Judentum klagt die Westvölker anr.Hhr habt während deS Krieges Opfer gebracht, um eurer ^ee zum Sieg zu verhelfen. Wir aber haben während und nach dem Kriege die blutigsten und siebenfachen Opfer dargebracht und das Ende unserer Leiden ist noch immer unabsehbar! Völler des. Westens, verlaßt die kleinlichen Sorgen um die Aufbringung der Kriegsentschädigungen und Zinszahlungen und eilet zum Schutze Unglücklicher. die eine verwilderte Nation auf die grausamste Weise auszurottrn geschworen hat! Völler des Westens, ein gepeinigter Dolksteil ruft euch um Hilfe an für sich und seine zahllosen Waisenkinder, bevor auch noch diese dem Henkerbeil zum Opfer fallen! Völker des Westens, machet euch nicht mitschuldig an dieser MensckrnscUächterei sowie an der VerwüstungZeines ganzen Landes!* Lum UiÄentzm sa Gstthsrdt Deutsch. 1859 bis 192L Von Professor cemuet Krauß (Wien). fange Zeit habe ich den Mann nur par renomm6 gekannt. infolge ferner zahlreichen Schriften, die jedem Fachgenossen von Wert und Bedeutung waren. Erst anläßlich des Hamburger LrientalistenkongresseS im Jahre 1902 lernten

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