Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4 Audienz empfangen. Xt* Weizmarm hatt^Gelegenheit. dem Reichspräsidenten die Ziele be* Zionismus auscinanderzuf jefeen und ihm über den Stand der zionistischen Bewegung zu berichten. Tr. Wei-mann äußerte sich sehr befriedigt über die chm zuteil gewordene freundliche Ausnahme. - - Tags vorher wurde Dr. Weizmann in etwa halbstündiges Audienz vom Reichskanzler Dr. Wirth empfangen. Wahrend der Unterredung, die auch allgemeine Fragen berührte, gab der Reichskanzler seiner Sympathie für die zionistischen Beltrebungen Levhasten Ausdruck. . . *! , Der Staatssekretär des Aeußern v. Ha n re L gab zu Ehren Tr. Welzmann* ein Frühstück. r. . . - - . M Li LS. Zahresronfereaz V des RheLnifch-Weftfälifche« srabbiüerverBsm-es. Die Konferenz war besucht von den Rabbinern Castro (Köln), L L v i d (Bochum). Dünn e r (Köln)- E s che L b ach e r (Düffeldors). Ferlchenseld (Köln), lö-a UL ine x (Geljenkirchen),, Ja cs b (Dortmund). Levi (Kreftw-i Klein (Düsseldorfs Kober (Köln), Kronheim (Dortmund). Reu m a r t (Duisburg), Norden (Elderseld), Samuel (Essen), Steint hat (Münster). Sche ste» towitz (Köln). - " Den Jahresbericht erstattete der Vorsitzende Dr. Escheldacher. Der Bericht weitete sich zu einer großzügigen Darstellung der geistigen Strömungen, der sozialen Fragen und wirtschaftlichen Röte des gegonrvärtigen Judentums und zeichnete die daraus dem Rabbiner erwacyrenden Ausgaben. Sehr zu fernem Leidwesen sei dieser selbst in wirrrchastliche Kampfe hineingezogen worden. UebeceinstimmenO m r Allgemeinen Rabbrnervervaud erhöbe er. die Forderungen: Einordnung rn die staatliche Bcjvtdungsoronuug und Sicherstellung von Ruyegeyatt und Hinrervliebencnvcrsorgung. AVer er werfe auch hru aus die durch Reiigions- und ReprÜjentationspslichten bedingte höhere Levcnshaimng des Rabbiners urrd verlange eine gerechte Behandlung in der Frage der Kajualien, der Entschädigung für den Religionsunterricht mrd der bejonderon anittichen Zuschüsse. — Un» ^raa>:et aller Röte der äußeren Lage dürfe 0er Rabbiner nie veriäumrn. sernerjeits den sozialen Schaden und dem geistigen slotstandc nr den <»emcrnden das größte Augenmerk zu wrdmeu. Die Bemühungen der Kantoren. Rcligionslchrer und sonstigen Kultusdcamren um würdige Stellung und auskömmliche Besoldung habe <r zu uruerstützem Einem weiteren Abbau von Lehrerseminaren nach der Auslösung der Lehranstalten in Kassel und Hamwver müsse rm Interesse der jüdischen Schule gesteuert werden. Wenn erlesene Kräfte dem Judentum verloren gehen (Redner nennt Max Schcler. Lrro Ktemperer und andere), jo sei dies eine ernste Mahnung für d"n Aabvuwr. Ein. erfreuliches Leichen für die steigende Würdigung rurseres Standes ist die Einrichtung neuer Rabbinate im Rhornland (M.-GlaDkach und Saarbrücken). Mit Worten ver Zu- Vorsicht Mießr der Rodrwr seiner Bericht. . ... T^. vjaevt drückt den. Tank der Versammlung aus. Zu den er^eulichea Momenten rechne er auch das Erscheinen eines Werkes wie ,Xtc alt-erfische Religion und das Judentum" von Dr. Schefte- .lowitz (Mitglied unserer Konferenz).' on Ergänzung des Jahresberichts gibt Dr. Samuel eine Dar» ftettung der Verhandlungen mit dem .Berein israelitischer - Lehrer von nland und Westfalen" zur Anvahmrng einer ArbeitsgemeiN' schaff auf dem Gebiete des Religionsunterrichts. 2 k Beratungen find zu einem gewissen Abschluß gediehen. Die Kernpunkte sind: Tie Rabbiner verzichten auf die amtliche Leitung des Religionsunterrichts nt den öffentlichen Volksschulen, erhalten über Mitbestnrunrmgsrecht in den Konferenzen: sie verbinden sich mir den Lehrern und gebildeten Laren zu gemeinsamer Förderung der Schulinteressen der jüdischen Jugend. Erhöhung der Leistung durch gemeinsame Arbeit und Austausch der Erfahrungen sei das einzige Ziel. Tie Versammlung nimmt sowohl dcn Hauptwie den Ergänzungsbericht in Behandlung. Dünner (Köln) hält einen Normalvertrag für den Rabbiner für wünschenswert. Galliner (Selsenkirchen) bedauert, baß die Einheit der Gemeinden durch gewisic Bestrebungen unausgesetzt bedroht wird; diesen Bestrebungen fei mH aller Entschiedenheit cntgegettzutreten. Tie Einheit und Geschlossenheit der Gemeinde müfle gerade in der Gegenwart besonders geschützt werden. Zum Unterrichrsproblem urrd zu bcc. Aruxir^omorr^chai: ^vr^chea Radbinrrn. urrd Lehrern äußern einige Redner -^r; prätrisE^u Durchführbarkeit;, die meisten desmcwort^ 'Vör^äge des. Referenten, Dr.Iacob,ver»velst auf dir ostjüdifchr Jugend, die.cheute ,in, Pen. jogenannten Talmud-Thora-Schulen ersaßt wrrd. weil die Eltern'mit ccm von der Volksschule vcrar.zttiluv. jüdischen Wijsen nicht -zufrieden find. Vorschläge, die. von Dr. 2 acod m dieser. Hinsicht gemacht lverden, übernimmt det neue Vorstand als Material. Zum Schluß dcr.'e in gehenden Erörterung werden folgende Beschlüsse-gefaßt: Der Rheinisch-westfälische Rabbinerverband erklärt ein ZujammenarbeitenderRabdiner und Lehrer aus dem Gebiete der religiösen Erziehung der Jugend für geboten unv spricht sich aus: l. sfir die Bildung von wissenschaftlichen Bereinigungen von Rabbinern .und. . Lehrern behufs Pflege.. veligwnswrffcnjchasrlicher und. religionspadggogijcher Fragen; 2. Mr die Bildung örtlicher Ausschüße. denen Angehörige' beider Stände wie auch Vertreter der Ettern.angehören, hie nach Maßgabe der örtlichen Verhalnisie der religiösen .Erziehung, insbesondere, dem Religionsunterricht aller Schulgattungen ihre Tätigkeit widmeft — ' Stach, der. Mittagspause beginnen Die wissenschaftlichen ^Refträre. Mitglieder der jüdischen Lehrerschaft Kölns nehmen aus Einladung teil. 1. Tr. $ ac o b spricht über .Die Weisheit Josephs^ (in Form einer Predigt zu Mikez). Unter. Weisheit verstand das ganze Altertum, alles. göttliche und weltliche Wissen vorn Himmel wie von d^r Erde, von Natur und Menschenleben. Wir dürfen nicht gering davon denken; wir wissen heute, .wieviel wir Aegypten und Babel verdanken. Ader eine neue Weisheit ist mit Israel in die Welt gekommen. Loses ist der erste, der sie verkörpert. Gott redet aus chm und waltet in chnr. Diese Chochma beherrscht seitdem das jüdische Volksleben; ihr find große biblische Schriften gewidmet. Ter Talmud stellt den Weisen über den Propheten. Tie Weisheit ist der Zndcgrisj der Ideen, von denen die Welt lebt, sie entwafsnet die Diener der bloßen Klugheit, sie legt Gott alles zu Füßen. — In den Tagen der Makkabäer standen griechische und jüdische Weisheit einander gegenüber, die jüdische trug den Sieg davon. Religion ist nicht biwungsjeindlich, wenn nur Wißen und Bildung nicht religionsfeindlich find. Im Bilde des Messias glänzen Weisheit und Gottesfurcht. 2. Den zweiten Vortrag hielt Dr. Samuel über ^Grundsätzlicht's zum Unterricht in der jüdischen Geschichte'. (Ihm ist vom Zentral^ ausschuß die Absafiung eines Lehrbuches über diesen Gegenstand über- > tragen.) Er führt ungejähr aus: Ziel des Unterrlchrs in der! jüdrsclzea Geschichte muß sein. Gottes Walten ur ihr als Fortsetzung der in der Brbcl dargelegten Leistung nachzmveijen und Israels Verhalten zu den neuen Erlebnissen in einer immer wechselnden Umwelt darzustellen. Wie Gott mit Israel neue Wege ging, jo schuf Israel sich neue geistige Wege zu Gott. Wohl muß die Gegenwart der AuS gangspuskr für den Darsteller mrd wahrer jein, aber gerade wer die Vergangenheit kennte rvirp in der Gegenwart selbst kerne so rmzwerdeurige. .Einheit sehen, daß er zum^ Lobredner einer Richtung aus Kosten -allex anderen. Ü-. h.< aus Kosten der . Wahrheit. und Gerecht tigkevt^wird^ Jüdische Geschichte ist n-cht Alrertumskundc; bei letzterer genügt das Wissen; GeschichtL-der. pigeuen Borzert soll lebendige Kraft für den Bau der. Zukunft ^Slöscn. .. Me Blätter der jüdischen Geschichte müfien dem Nachweise diNren, daß das Judentum auch in seinen neuen Tascinssormen der Ausgabe nicht, untreu geworden ist. Priester,Lehrer und Wohltäter der.Völker zu sein..— Was die Stofswahl vetrifft, so muß das Literarische eingeschränkt, dagegen die Ausemarrdersetzung mit. Hellenismus/ Christentum. Islam. Parsismus breiter angelegt werden. Don dibirschen Ton eärzusühre». empficjAt sich nicht. Dagegen ist aus die Belebung durch Sage und Dichturrg mit. Recht in den anregenden Derhandl':^- .der .Vereinigüng israelitischer Lehrer und Lehrerinnen jn Frankjurr a.;*34- und l:L. Sitzung) hingewiejen worden« 3. Ein weiteres Referat erstattet Tr. Norden über den Siddur des R. Jacob Emden „Amude schamaftm-. Das Werk ist nicht so sehr für den Gottesdienst denn als Erbauungsduch gedallst. Dafür spricht die Freiheit der Anordnung, die starke scphardisch^ und chassidifche Anklänge hat. die Auslassung brkamtter Stücke, die Abweichung in den Lesarten. Bemerkenswert ist Emdens Eintreten für die Schire hajfrchub. die er gogm Den Vorwurf des Panchsismrrs > verteidigt. Wenig bekannt ist, daß' er ungrachler sel^iec HZegi»rschaft I gegen R.-Jonatan Givefchütz Anhänger der KsbDala-rvar.