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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-01-06 · Heft 1 (6.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 1 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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L 'fulhtrdim' und wivtsrhnsrlichcv ßefcid cin- ^oltor mtftnotio* nalen GeistrHLebens. -- Der Kamvf um di« politische Geltung de- Bürgerrums in Deutschland war beim Beginn deS Krieges ^»och nicht ausgekämpft. Das Bürgertum hatte sich nicht die polittschen -Rechte und nicht die EimvirtungSmöglichkeit auf die politische Führung des Reiches errungen, die eS auf Grund seiner wirtschaftlichen Macht rmd feiner tatsächlichen Leistungen für den -Staat beanspruchen konnte und die zu seiner eigenen Sicherheit wie der des Staates notroendig waren. Daß dieser Ausgleich nicht erreicht worden war. bedeutete einen der großen Schwächepunkke des Deutschland vor dem Kriege. Die Erweiterung der politischen Rechte, die das Jahr 1918 dem deutschen f^olke gebracht. Hütte, zehn Jahre früher erreicht, Deutschland das bittere Schicksal des Politischen Zusammenbruchs vielleicht erspart. Heute ist ein großer Teil der demokratischen Forderungen erfüllt. Die äußeren und inneren Bedingungen^ unter denen sich jetzt dir spat errungene Demokratie in Deutschland auswirken muß. sind aber die' denkbar ungünstigsten. Das Erbe, das die deutsche Republik angetreten hat. ist kein leichtes. Der Reichtum Deutschlands, den die Tüchtigkeit unseres Volkes in langer aufbauender Arbeit geschaffen, ist nahezu vernichtet. Wir kämpfen heute um wirtschaftlichen Wohlstand, nicht mehr um.Weltmacht, sondern um unsere Existenz. Das deutsche WirtschastSgefüge aufr«htzuerhalt«m, das der ungeheuren Belastung durry die als Folgen des Krieges übernommene internationale Verschuldung zu erliegen droht, ist für oas deutsche Volk die Vorbedigung für seine Hebensrnöglichkeit. Bricht die deutsche Wirrschast zusammen, so. bedeutet das Armut und Verelendung, politisches Chaos und das Ende des Reiches. Niemand auf der Welt, selbst die nicht, die Deutschland am wenigsten freundlich gesinnt sind, können ein solches Ende wünschen. Das Problem ist, die Welt von dieser Lage der Tirwge zu überzeugen und ihr klarzumachen. daß sie am Schicksal Deutschlands interessiert ist. Wenn dies bis zu einem gewissen Grade gelungen ist, so ist dies nicht zum geringsten ein Verdienst der deutschen Presse. In diesem Sinne wünsche ich dem .Berliner Tageblatt" für die nächsten fünfzig Jahre seines Bestehens erfolgreiche Arbeit im Dienste des Wiederaufbaues Deutschlands und der Welt. O Zu Ehren res Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Profesior Dr. Chajrm Weizmann, fand am 21. Dezember eine von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im großen Scvcrl -der Philharmonie veränstältere Deizrüßungsstier statt, an der viel« imifen&e der Berliner Judenschaft teitnahmen. Ter große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Reichsregierung war durch Herrn Ministerialdirektor v. Schubert vertreten, der in.Begleitung des Referenten für jüdische.Angelegenheiten, Herrn Profesior Dr. Sobernheim, erschienen war. Die Jüdische Gemeinde war vertreten durch den Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Stern, und den Vorsitzenden der Mpräsentantenversammlung, Gewerberat Platte.' Außerdem war eine große Anzahl von prominenten Persönlichkeiten des jüdischen Berlin anwesend, darunter der Präsident d.r Großloge U.O.B.B.. Justlzrat Timendorfer, der Vor* sitzende. des.. Deutsch-Uraelitischen. Gemeindebvndes, Profesior Kali scher, u. v. a. Als Profesior Weizmann. begleitet von den Herren des Landesvorstandes der Z. D. f. D.. sowie den vorübergehend in Berlin weilenden Mtgliedern der Erekurwe; Dr. Georg Halpern und Lichtheim das Podium betrat, erhob sich die ganze Versanunlung zu einer minutenlang andauernden herzlichen Lvation. Nachdem Dr. Rofenberg als DorsitzerÄ>er der Borzammlung namens Der Brrciaer Jioniftiscrstrr Bereinigung die Versammlung -eröffnet und die Vertreter der R.^rung forme, der jüdischen rmd zeonrsttfchen Behörden .begrüßt hatte, ergriff das Wort der Vorsitzende der. Z.D. f. D., Herr Felix Ro ße n d l ü t h, um Professor Weizmann in h e b r ä i s ch e r und deutscher Ansprache namens der deutschen Zionisten zu begrüßen. Die hebräische Ansprache Roserrbtüths wies das Gepräge des imverfälschten ^bmismus anf. mrd so mancher dürste dabei im stillen gesprochen haben: Gepriesen sei der, der die Zeiten ändert.- Dann nahm Dr. Weizmann daS Wort zu einer 'längeren Rsde über die Lage in Palästina und die Aufgabe des jüdischen Volkes. Sr schilderte die Fortschritte der zionistischen Bewegung seit der Konferenz in San Remo, wo die wichtigsten Bedingungen des Mandates für Palästina unter den Großmächten vereinbart worden seien, um dann ettva folgendes auszttfühvcn: Dieses Mandat, dqs mzwffch.Br von dar Großmächten mhaktttch. .lÄttut auch noch nicht formell es ßchLt bis jetzt noch die Ratifikation seitens dos Völkerbundes — anerkannt worden fcscv gewähre der Judacheit das Recht auf om mnionalos Hoi-m in Palästina rmd die BarvchÄgurng. durch eine Körperschaft in allen potitischn urS wirtschaftlichen Lebensfragen Palästinas, die diese nationale Heimstätte angehen. mitzu beraten; ferner lege es der Mandatarmacht die Pflicht auf. durch geeignete wörtschaftliche Maßnahmen die Ein» Wanderungen tto Juden nach Palästina zu ermöglichen. Dorr staatsrechtlichen Tatsachen ausgehend, betonte Dr. Weizmunn, daß not. wendig und wichtig sei, durch pvaktff'che Arbeit dürfe Amxchte zu Machtpositioncar auszugestalterL Die zionistische Lrganiiation sei nicht mehr em Partei mjiJt uro» idevchn Zielen, fordern ditz Aufgaben, die der Aufbau Palästinas stelle, erfordere vcnlpolitische Arbeit. Auf dem Weg zrtr Au-sgestaötuvqg dieselr verpflichtirrdttr Anrechte des jüdischen Volkes seien erhebliche Wvdcrrstärrde zu überwinden. Dabei denke man meist zuerst an die arabische Frage, die keineswegs .ein einheitliches Problem sei. Das national-jüdische Volk begrüße es. daß die arabischen Srüurn« in dem D reieck TaanaskuS— Bagdad- Mekka im Begriffe seien, zur eigenen Staatlichkeit zu gelangen, solange diese Bervegung ihre Ziele rächt auf Kosten des Lebensrvchws des jüdisclzen Volkes in. Palästina zu erreichen strebt. Einsichtige Führer der witional-aräb^schen Bewegung feien sich jetzt schon darüber fUu; daß der Eabisch? LLcsat wicht gegen da^ Judentum, son- -xrn in Fülsiungnahme mit dem Juden^n erstehen müsie. Bon dieser. nationai-nrabisä-an Beiveguarg seien -die Reilmngen mit den Arabern, die in Palästina seßhaft seien, *u untcrfdjeiiöcn. Es handele sich dabei nicht um. .ernen 9Lational.itawnka.mpf, sondern iau lokale Schroierigkovven. die. durch Takt, Weisheit und Gut« überwunden werden maßu-rr. Das %ihifciilyriv Palästinas durch 'die Arbeit der Jrrd^n roevL. du.s bcsw :ein, die Araber davon zu überzeugoir. daß es auch in ihrem Interesse liege, durch gemeinsame Arbeit mit den Juden dire Wohlfahrt, des Landes zu fördern. Tie Lage des Judentums selbst, sei ein viel größerer Widerstand» für die Aufbauarbeit .in Palästina.als die arabische Frage. Das Judentuin Lstvrrrr'pcks sei durch die hiswrüsä-en Ereignff'se der letzten Jahre politisch, urowlisch und wrmschrftlch in Trüimner geschlagen. Die meisten Länder der Welt befänden sich rn scipveren Wirdchasrskrijen. Es würden mindestens noch vier -bis fünf Jahre vergehen, bevor aus diestm Chaos «in Zustand der polirischen rmd rvirtschaftlichen Stabi'ätüt onfftehen könne. Trotzdom müsst die Arbeit m Palästina. . wenn nicht, wertvolle Zeit verlorengohen solle, mit Einsatz aller Krn-sis fortgesetzt wvvden. Die nürrschastliche und kukturelle Turchd7.^?gLMg des LarrdeS mit jüdisch-r Arbeit und jüdischem Gerste müsst rn den nächsten Jahr«r erhvliche Fortschritte machen. Es stien - .da» Älrdcy irr Palästma die Konzessionen für die Wasstrversor-grrng wjiy trie iAektrifi^ierrrng des LrmdeS äbowvagvn wordhar cend in den nächsten Wonaten werde der Bau der jüdischen Urrwersität deginnm. Art und Umsang dieser Ausgaben kennzeichneten schon Ae Ror- .rveudigleir, zu ihrer Bervättigung iu erheblichem Maße intellektuelle . Einwanderer heranzuziehen. Für die Fülle der jüdischen Intelligenz ..in.DeujtschlcMd. ürsbefonrorm der deuffchen ziomfrffcha» Jslgend. boote sich hiev ein -dankbares Arbervsfew für eine Betatigrrntz iin T4«ste eigenen Volkes. Die Ausführung?» Profesior Werzmanns lösten nnnuterrlcrngen DeisuL crus. Männer urro Frarr-n ftimmten dio^HatÄk- UKif)" cm. Während der Derfmnmlung wurde d^u'S L?trfti'na eines Weizmcrnn-Heims rm Rahmen des Jüdischen National« fonds eine Samnrlung veranstaltet. ... . ... ■ m- Während seines AustnihalteS in Berlin wurde Professor Weizmann vorn Reichspräsidenten 8 b e r t in längerer

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