Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 8 (18.1.1838)
- Date
- 1838-01-18
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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3i Anordnungen ausgeführt wurde. Jovenus, als dem Haupt unter den Juden, ward die höchste Ehre zu Theil, indem er seinen Tod durch die Hand des bejahrten Rabbi empfing, der unmittelbar darauf die traurige Pflicht an sich selbst erfüllte. Alles dies ward in der Stille der Nacht ausgeführt; der folgende Morgen sah die Mauern des Schlosses von Flammen umgeben, und nur wenige erbärmliche Feiglinge auf denselben, des Schwertes unwürdig auf ihre tobten Brüder hinweisend. Als die Thore sich öffneten/ bewies sich die Wahrheit derRe de des verstorbenen Rabbi, denn die Masse durch die verlassenen Vorhöfe dringend, und in ihrer Hoffung sich getauscht findend, rächte sich auf der Stelle an den feigen Elenden, die es nicht verstanden, ehrenvoll zu sterben. Dies ist die Geschichte der Juden von Dock, von denen sich, nach den Erzählungen der Geschichtschreiber,- etwa 500 freiwillig den Tod gaben. Theologie. Haben die Zudeu Glaubeusartikcl oder nicht? Vom Rabbiner H. (Fortsetzung.) Ist nicht nach Kants Theorie der Begriff von Lohn- und Strafwürdigkeit, oder die Nothwendigkeit der Vergeltung der alleinige Erkenntnißgrund aller dieser Po-' stulate; wie kann also „Vergeltung," ein apriorischer Satz Glaubensartikel sein? Müßte nicht demnach das Sittengesetz selber, zum Glaubensartikel Werdens Ist es nicht für das Wesen einer Religion überhaupt gleichgiltig, aus welcher Erkenntnißquelle ihre Wahrheiten fließen? Ist jeder Israelit verbunden mit Kant, Fichte, Schelling, Heget, Herbart rc. zu philosophiren und seine Glaubensartikel mit jedem Thronwechsel der Schulweisheit abzuändern? Wodurch ist also die aufgeworfene. Frage durch die Intervention des könkgsberger Philosophen erledigt worden? Warum hatMaimonides Glaubensartikel aufgestellt, da er als treuer Anhänger und ängstlicher Nachtreter des Aristoteles zu seiner Ke.it gewiß doch keine Ahnung von Kants kritischen Operationen haben konnte? Aber die Frage über die Statthaftigkeit von Glaubensartikeln in der israelitischen Religkonslehre hat mit allen diesen Speculationen durchaus nichts zu thun. Hier fragt es sich nicht, ob sie gewisse Vernunft- oder historische Glaubenswahrheiten habe? woran noch Niemand gezweifett: sondern, ob in dem Aggregat von Glaubenslehren auch solche herauszusi'nden seien, die vermöge ihrer großem Allgemeinheit zu Grundtehren oder Fundamentalsätzen sich eignen, d.h. solche, die dem Gebäude der Religionstehre zur Grundlage dienen. Diese Frage kann von einem doppeltem Gesichtspunkte aus aufgefaßt werden, nämlich: 1) in Rücksicht der Form, und 2) des Inhalts. In Ansehung der Form gestattet sich die Frage aus folgende Weise; ob sammtliche Glaubenslehren der jüdischen Religion in eine solche Form der Ueber- und Unterordnung gebracht werden können, daß sie dadurch ein wisse n sch aftl ich es Gepräge bekämen? Diese rein logische Operation -einer wissenschaftlich zusammenhängenden Anordnung'von Lehrsätzen zu einem abgeschlossenen Ganzen ist natürlich nur dann möglich, wenn gewisse Lehrsätze durch ihre größte Allgemeinheit, oder ein allgemeinster Satz, wie in andern systematisch abgerundeten Wissenschaften, an die Spitze gestellt werden kann, und ihre Lösung hätte zuvörderst nur e.in rein wissenschaftliches, formelles Interesse und wäre zunächst Gewinn für die Methode. In Bezug auf den Inhalt, ist die Frage wichtiger und ihre Beantwortung von weit größerer Bedeutsamkeit für das Wesen der Religion selbst und das Heil ihrer Bekenner. Sie zerfallt aber in zwiefache Betrachtungsweise; nämlich: 1) ob gewisse.Sätze der Religionslehre Bedingungen aller übrigen sind, d. h. daß sie sofern den andern zur Basis dienen, daß ohne ihre Anerkennung das Fürwahrhalten der übrigen ihrem Bekenner durchaus keinen israelisch - religiösen Charakter gibt, und daß Jeder, der sie nicht anerkennt, dadurch aufhört der israelitischen Glaubensgemeinschaft anzugehören; und 2) ob diese Satze nicht nur Bedingungen, sondern zugleich Grund aller übrigen sind, daß alle andere Satze aus ihnen abgeleitet werden, und daß Jeder, der sie als wahr anerkennt, nothwendig gezwungen ist, sich zu allen Folgesätzen zu bekennen, die durch sie begründet sind. Diese Frage, sie möge von was immer für einer Sekte betrachtet werden, kann allerdings verneint werden, ohne das Wesen der Religion im Geringsten zu verkennen. Denn es laßt sich, ohne gegen ein anerkanntes Religionsgeseh zu verstoßen, wohl annehmen, daß alle Lehrsätze der Religion einander coordinirt sind, und daß eine logische Operation von Ueber- und Unterordnung auf dem Gebiete der israelitischen Retigionslehre durchaus nicht stattfindet z daß alle ihre Lehrsätze von gleich 'großer Wichtigkeit sind, und daß man durch das Anerkennen einiger ihrer Lehrsätze eben so wenig schon den ganzen Kern der jüdischen Lehre in sich ausgenommen, als man durch das Nichtanerkennen weniger