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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-18 · Heft 8 (18.1.1838) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 8 (18.1.1838)
Date
1838-01-18
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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52 schon aufgehört hat, der Sache nach, ein Zsraelit zu sein. Allgemein gilt der Spruch im Talmud: „obgleich er gesündigt, ist er darum nichts destoweniger ein Israelit/' ohne Rücksicht auf,die Materie der Sünde zu nehmen, ob sie das Glauben, oder das Thun betreffe. Aus dem Umstande, daß man, nach rabbinischen Satzungen, durch (Übertretung gewisser Religionsgebote, oder durch das Läugnen gewisser Glaubenssätze die, jedem Israeliten inwohnende Fähigkeit für die Verrichtungen gewisser religiöser Handlungen verliert,- ist noch nicht ohne Sprung zu folgern, daß man zugleich dadurch aus der israelitischen Religionsgemeinschaft als ausgestoßen zu betrachten sei, da es nur der Berichtigung solcher Jrrthümer und der wahrhaften Besserung des religiösen Lebens bedarf, um ihn wieder in den Schooß der Religion 1 zurückzuführen und die mom entan verlorene, religiöse Capacitat wieder zu verleihen. Ja, die größte der Sünden, der religiöse Selbstmord, die Gotteslaugnung, vernichtet noch immer nicht an dem Israeliten die, von der Geburt an, an ihm haftende, unveräußerliche und unzerstörbare Glaubensgemeinschaft. Und hat er sie auch sein ganzes Leben hindurch gelaugnet und sie von sich auch äußerlich abzustreifen gesucht, so wird ihm, wenn er auch nur in der Sterbestunde sich bekehrt und sie wieder anerkennt, diese seine Sünde verziehen, während ihm für jedes andere sittliche Gebrechen, deren er sich gegen seinen Nebenmenschen schuldig machte, nur im Falle er dasselbe thatkräftig wieder gut macht, Vergebung werden kann, wie das Maimon. Buße, C. 3, 14. nach talmudischen Principien ausdrücklich lehrt. In diesem Sinne sind alle im gedachten Abschnitte auseinandergesetzte Bestimmungen hinsichtlich der, den israelitischen Charakter aushebenden, Sünden zu verstehen. (Schluß folgt.) Literarischer Salon. ortsetzung.) - Notizen über hebräische Handschriften, aus einem Schreiben von vr. Delitzsch. — Die königliche Bibliothek zu Dresden ist eben so arm an «hebräischen Handschnften, als sie arabische, persische und türkische im Ueberfiuffe hat. Doch sind unter den wenigen einige von bedeutendem Werthe. Unter diesen ist eine sehr alte Handschrift des CommentarS zum Pentateuch von Jbn-Ezra, und eine noch ältere von den acht astrologischen Abhandlungen desselben Verfassers, die unter dem Gesamttitel Reschit Chokma begriffen werden. Letzteres Werk, welches bisher wohl noch von Niemandem zu literarischen Zwecken durchmustert worden ist, bietet eine überraschend reiche Ausbeute für die Geschichte der jüdisch-arabischen Philosophie und Naturwissenschaft. Ferner findet man dort das neunte Buch deS arzneiwiffenfchaftlichen Werkes El-Manfuri von dem bei den lateinischen Aerzten dcö Mittelalters unter dem Namen Rhasis hochgefeierten Araber. Dieses neunte Buch behandelt in 97 Capiteln die Symptomatologie und Therapie von 97 Krankheiten. Auf den arabischen Text folgt der hebräische Commentar; beide sind in dem unter dem Namen Mualak bekannten hebräischen Cursiv geschrieben. Ein anderer Codex, geschrieben 1344 in Coblenz, enthält einen pentateuchischen Commentar des sonst unbekannten Ben- Zur, mit Berücksichtigung Tanchuma's und Jbn-EzraS. Cod. 442 ist ein prächtiges Bibelmanuscript, auf Pergament, mit der Paraphrase unmittelbar nach jedem Bibelverse und durchweg mit figurirter, auf das kunstreichste mit der Feder gezeichneter Masora. Der Schreiber nennt sich Eliezer Levita, Sofer maha ran d.i. ohne Zweifel so viel als mahir, der gewandte, der geschickte. Die Bibliothek zu Wolfenbüttel besitzt außer drei werthlosen und auch schon vielfach collationirten Bibelhandschriften folgende hebräische Codices: 1. ein Theil des großen Werkes Jad von Maimuni, groß Fol., auf Pergament, ein Geschenk, welches 1665 ein halberstadter Jude dem Herzog August machte; 2. Eliezer Natani über die Berechnung des Noviluniums; 3. Das Geheimnis des Cherubinen-Wagens, und das Buch Jezira, von Elia Levita; 4. Juda Gasit Commentar zum Lied am Meere; 5. Meschobeb Netibot, von Samuel ben-Saadia Mastu t, dass, auch in Oxfort; 6. Ein Band Miscellen, unter diesen der Katechismus Lekach Th ob von Jaget Monselice, und ein Büchlein mit dem Titel: Asis Rimonim (Granatäpfelmost); 7. zwei Sidurim, pap. u. perg.; 8. .J bn-Roschd's Commentar zu Aristoteles nagt (fvaixfjs äy.Qoaauog, in dem Cursiv der Levante; 9. Der erste Theil von Jbn-Sina's Kanon, geschrieb. von einem gewissen Jakob Chalfan mit Masket-Charakter. Auf der Bibliothekzu Halle fand ich 1. einen Pentateuch, breit Folio, mit Masora und Haftharen, der bei der Eroberung von Patras im Kriege Venedigs mit der Pforte von einem gew. Herrn von Seidel erbeutet wurde; ein Pentateuch mit Onkelos, geschr. von Benjamin ben-Imanuel aus Norcia, voll, in der Grafschaft Roffena in einem Städtchen am Crostolo a. m. 5034. Die Haftharen sind später a. m. 5279 von Daniel ben-Samuel aus Rosse na hinzugeschrieben. 3. DerSohar im Auszuge (Pi rscliij ot So har bekizur); 4. Biurim über Behaji, ein in unzähligen Erpl. vorhandenes, werthlvses Mscr.; 5. Kanfe Jona, in 5 Theilen. Dies die dem Fremden zugänglichen Codd. der Universitätsbibliothek. Die Waisenhausbibliothek besitzt einen großen Schatz arabischer Handschriften, zum großen Theil auS dem Nachlasse des Damasceners Salomon Negri, der eine Zeitlang am Collegium orientale daselbst Lehrer war, und eine bedeutende, aber ungeordnete'Masse gedruckter hebräischer Werke, die einst die Bibliothek des bekannten institutum Judaicum ausmachten. Die.leipziger Universitätsbibliothek besitzt mehre werthvolle Codices, die, wie das Fell zu Kolchis, bewacht werden. Unter diese gehört ein codex pictoratus, ein Machsor auf Pergament, mit prächtig bunten Gemälden ausgestattet, ganz alterthümlich in seiner Anlage, enthaltend vieles Ungedruckte, namentlich die grandesken aramaischen Poemen Meir Jsaaki's aus TroyeS. Ein .Codex, das berüchtigte Chizuk Emu na enthaltend, hat einen Anhang noch gänzlich unbekannter Gedichte vom Verfasser dieses Fortalitium.. Ebenso bedeutend sind die natruwiffenschafrlichen Werke Jbn-Ezra's über den Himmel, über die kritischen Tage, über die Conjunkturen der Planeten; über die Fruchtbarkeit und die Einfiüffe des Himmels auf den Landbau, über Nativiraten, und seine Einleitung zur Astronomie (Cod. 1466. 1468.). Von dem berühmten jüdischen Arzte Isaak besitzt die Pauliner-Bibliothek folgende Werke: de diaetis, diaetae universales, diaetae particulares, de diaetarum utilitate, de febribus, de naturis cibovum, de urinis, regiinen acutomm. Ferner das Compendium des Kanon von Jbn-Sina in 1313 jambischen Distichen, arabisch überschrieben: El-Manzhumeh li-t-tybb (Gedicht von der Arzneiwissenschaft, et. Cod. Dresd. descripsit II. O. Fleischer, Lipsiae, Vogel 1831. S. 20.), oder Urgusa, das jambische Gedicht, von Er-Rägason (das jambische Metrum). Hierdurch« erklärt sich der hebräische Name Arguza. Das Lehrgedicht zerfällt in zwei Theile, einen theoretischen und praktischen. Der theoretische handelt über Begriff und Eintheilung der Medicin, über den menschlichen Organismus, über die Krankheiten, ihre Ursachen und Svmptome; der praktische über Jatrik im engeren Sinne und Chirurgie. (Fortsetzung folgt.) Redacteur: vr. L. Philippsim. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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