Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 6 (13.1.1838)
- Date
- 1838-01-13
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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22 den könne, jede Art von Verfolgung zu rechtfertigen. — Was anders können wir hierin finden, als abermals den Beweis, daß die geist- und talentvollsten Männer überall die Verfechter der Juden sind? politische Controle. Ueber die Ehebeschränknng in Frankfurt am Main. Der kleinliche Geist engherziger Beschränkung weiß stets sich hinter seine Gründe zu flüchten. So soll die nunmehr aufgehobene Bestimmung in Frankfurt am Main, daß nicht mehr als zwölf Paare Einheimischer von den Israeliten jährlich sich verheirathen dürfen, dazu gedient haben, die jüdische Korporation vor dem Ueberhandnehmen der Armen in ihrem Schooße zu schützen. Nun läßt sich doch nicht voraussetzen, daß unter diesen Zwölfen stets die Reicheren vorgezogen wurden: so ist die Folge, . daß unter dieser Beschränkung eben so wohl die Reichen und Bemittelten litten, als btc- Armen, nicht zu gedenken, daß oft selbst dieAermeren durch Verheirathung Mittel in die Hände bekommen, sich selbst zu nähren, da ja selten Dürftige, die schon vom Almosen leben, heirathen. Es kann also gar nicht im Interesse des jüdischen Vorstandes gelegen haben — und daß dies nicht so war, sieht man aus ihren Protokollen zur Genüge. Aber lassen wir dies, da es aufgehoben. Es frägt sich vielmehr, wenn nicht um gänzliche Aufhebung,- doch wenigstens um Erweiterung der schrecklich kleinen Zahl von zwei solchen Ehen, von denen der eine Theil fremd ist. (Von solchen, deren beide Theile fremd, gar nicht zu sprechen.) Allerdings ist es keinem Staate Deutschlands möglich, so lang die andern ihre Grenzen den Juden der übrigen verschließen, die seinigen Jedwedem und Allen zu öffnen. Dennoch aber wird es stets der Fall sein, daß ein mäßiger Zufluß nie vermehrte Armuth, sondern einen Anwachs in gleichem Verhältnisse herbeiführt, wenn nicht ein ganz besonderer Umstand darauf einwirkt. Es laßt sich dies aus der Erfahrung erweisen. Seit einigen Jahren ist Magdeburg dem Zufluß der überelbischen und auch ausländischen Juden, so wie der altmärkischen überaus geöffnet, die Zahl der Familien hat sich in 4 Jahren um drei Viertel vermehrt, und das Vechältniß zwischen Armen und Bemittelten hat sich dennoch eher gebessert als geschlechtert. — Hamburg ist bekanntlich den Juden so hold nicht, demungeachtet lasen wir in No. 68. S.270. vor.Jahcg.: „Endlich aber besitzen die beiden Gemeinden das unbeschrankte Recht, ohne alle Controle als die der unentbehrlichsten Sicherheitspolizei in Betreff von Vagabunden, nach völligem Gutdünken und unter ganz nach Belieben gestellten Bedingungen, Jeden, dem sie cs gestatten wollen, in ihren Kreis, und mithin in den Hamburger'Staatsverband aufzunehmen rc." Dennoch hat weder Christ noch Jude hiervon wesentlichen Nachtheil verspürt. — Unter allen Bedingungen der Niederlassung ist aber eine jede angemeßner, als die einer Zahl, da sie — höchstens einem statistischen Bureau entnommenen Grund involvirt. T"h e o l o g L e. Die jüdisch-theologische Facnltät. (Fortsetzun g.) Hamburg, d. 25. Decemb. Die Subscription ist seit gestern eröffnet und nimmt einen erwünschten Fortgang. Fast Niemand resusirt, und es sind schon in zwei Tagen über 1000 Thlr. gezeichnet, (worunter Einer mit 1000 Mark B.). An sammtliche contribuirende Mitglieder der Gemeinde werden die Circulare gesandt, und die Herren Collectanten statten einige Tage spater ihren persönlichen Besuch ab. Da die hiesigen Geschaftsverhättnisse indeß es nicht thunlich machen, anders als an Sonntag-Vormittagen diese Umgänge zu halten, so wird es wol einige Zeit dauern, bis die Subscriptionslisten geschloffen werden können. Die eingehenden Gelder sollen einstweilen dem Gemeindevorstand übergeben werden, welcher sich auch zur Entgegennahme bereit erklärt und damit der Sache seine Sanction ertheilt hat. — — Frankfurt a. d. Oder, d. 26. December. Ihr Aufruf in der Allg. Zeit. d. Jud. zur Gründung einer jüdisch-theologischen Facultät fand hier großen Anklang, und wurde noch mehr durch eins vom Herrn Rabb. Holdheim, vergangenen Sabbath (rown r-^n) gehaltene kraftvolle Predigt, die die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt in unserer Zeit zeigt, unterstützt. Die Energie des Redners, wie der homiletische Takt der Predigt machten den besten Eindruck auf das Herz der Zuhörer, und es ist nur zu wünschen, besprochene Rede, die sich eng an die Bedeutsamkeit des Tages schloß, durch dtn Druck veröffentlicht zu wissen. Magdeburg, d. 31. December. Am gestrigen Sabbath wurde hier angefangen, beim Ausrufen zur Thora auch für die projectirte Facultät