Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 6 (13.1.1838)
- Date
- 1838-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 0« n. IM»»,,. Allgemeine Zeitung des Zndenthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer attergnädigster Concession.) Leipzig, den 13. Januar 1838. Zeitungsnachrichten. London, 20. Dec. Sitzung des Oberhauses vom 18. Dec. Als die Bill über den Nachlaß eidlicher Erklärungen bei Uebernahme von Municipal-Aemtern für Quaker und Herrnhuter heute in den Ausschuß gekommen, stellte Lord Brougham den Antrag, daß sich die Bill, nicht blos auf die Quaker, mährischen Brüder und Separatisten beschränken, sondern daß sie auf alle Klassen und Sekten ausgedehnt werden solle, welche irgend einen Gewissenseinwurf gegen die fragliche Erklärung hätten. Lord Holland äußerte, daß wenn der vorige Redner auf Abstimmung beharren sollte, er für seinen Antrag stimmen würde. Indessen müsst derselbe so abgefaßt werden, daß er mit dem Titel und Eingänge der Bill übereinstimmte. Der Bischof von London bemerkte, daß, wenn der Antrag des Lords Brougham durchginge, die Personen, welche städtische Aemter übernähmen, nicht mehr zu erklären nöthig hätten, daß sie Christen wären. Er fei gar nicht dagegen, den Quäkern, mährischen Brüdern und Separatisten die gewünschte Erleichterung zu gewähren, glaube aber, daß gegenwärtig keine Veranlassung sei, das wichtige Princip der Zulassung auch von Nichtchristen zu erörtern. Der Marquis v. Bute bedauerte, diesmal anderer-Meinung sein zu müssen als seine Freunde um ihn und der sehr ehrwürdige Prälat, gegen welchen er stets die größte Ehrfurcht.gehegt habe. Die Bill sei mangelhaft, und er halte daher die 'vorgeschlagene Abänderung für eine wahrhafte Verbesserung. Lieber wäre es ihm allerdings gewesen, wenn die Bill mit einer solchen Verbesserung schon vom andern Hause herauf geschickt worden wäre. Der Marquis von Lansdowne erklärte es für seine Pflicht, sich dem Anträge zu widersetzen, nicht etwa weil er dem Principe desselben abhold sei, sondern weil er glaube, es wäre besser gewesen, ihn nicht in die vorliegende Maßregel zu mengen. Die Bill sei von den Ministern nicht als aus irgend einem großen Princip ausgehend vor das Haus gebracht worden, sondern blos, um großen praktischen Uebelständen abzuhelfen, welche bei dem gegenwärtigen Zustande des Gesetzes in großen Städten obwalteten. Lord Brougham machte auf den Widerspruch aufmerksam, der in der Schlußfolgerung des vorigen Redners herrsche, und berief, sich auf die von Diesem überreichte Bittschrift der Gesellschaft dec Freunde, welche Bittschrift von dem einflußreichsten Theile derselben, von dem jährlichen Ausschüsse, herrühre. Dieser Ausschuß, besitze das Vertrauen dieser Religionsgenossen, und es sei daher klar, daß die Bill ihnen gar keinen Nutzen bringe. Der Marquis,v. Lansdowne erwiderte, daß er zwar allerdings irgend eine fernere Maßregel wünsche/ aber nicht zugeben könne, daß eine so umfassende und weitreichende Aenderung in die vorliegende Bill gebracht werde. Zu gleicher Zeit müsse er läugnen, daß die.Bill auf dem von dem Bischöfe von London angeführten Principe beruhe. Die religiösen Ansichten eines jeden Menschen ruhten zwischen ihm und Gott, und wären kein Gegenstand für menschliche Untersuchung. .Der Bischof von London sprach die Hoffnung aus, daß, so lange die herrschende Religion und die Politik des Staates im Zustande gegenseitiger Unterstützung sich befinden, es wenigstens irgend einen Prüfstein des christlichen Glaubens eines Menschen geben werde. Der Antrag des Lords Brougham wurde ohne Abstimmung verworfen, und die Bill ging in ihrer ursprünglichen Abfassung durch den Ausschuß des Hauses. — In der Sitzung des Oberhauses am 19ten wurde die Bill aus dem Ausschüsse eingebracht, und, ungeachtet nochmaligen Widerspruches von Seiten Lord Brougham's, angenommen. — Der Sheriff Sir Moses Montesiore, Herr D.Salomons und HerrZsaac Goldsmid hatten vorgestern in Downing-Street eine Unterredung mit Lord'Melbourne und dem Marquis von Lansdowne; die Unterredung betraf die Angelegenheiten der Israeliten. —. 22. December. Die Zeitungen enthalten einen Protest der Lords: Brougham, Radnor, Denman und Holland in Bezug auf die mehrgedachte Bill, die Municipalamts-Eide betreffend, dec durch folgende Gründe motivirt ist. Weil die Bill sich nur auf drei Klassen von Dissenters beschränke, obgleich als Zweck derselben angegeben werde, denjenigen Abhilfe zu gewähren, die sich durch Gewissensscrupel verhindert fänden, die geforderte Erklärung abzulegen, und obgleich als Grundsatz der Bill ausgestellt sei, daß keine Klasse von Menschen um ihres religiösen Glaubens willen von bürgerlichen Aemtern ausgeschlossen werden dürfe; zweitens weit die Verletzung dieses Grundsatzes und die Unbill gegen Alle, welche auf diese Weise von denWohtthaten der vorgeschlagenen Acte ausgeschlossen würden, nicht etwa durch die bedeutende Zahl derer, welchen sie Abhilfe gewähre, entschuldigt werde, denn diese Zahl sei höchst geringfügig; drittens weil die Forderung jeder religiösen Glaubens-Erklärung überhaupt ein Verstoß gegen die achte Religionsfreiheit sei und von dem Grundsatz ausgehe, daß der Staat ^ein Recht habe, sich um den Glauben feiner Unterthanen zu bekümmern, eine Annahme, die stets der Stützpunkt der Intoleranz gewesen sei und dazu gebraucht wer-