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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Mittwoch, 4. Januar 1 922, vormittags 9 Uhr: 1. Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Baeck (Berlin); 2. „Unser Gottesdienst". Referent: Herr Rabbiner Dr. Salzberger (Frankfurt a. Main). Aussprache. 3. „Unsere Jugend". Referent: Herr Erich Bayer (Breslau), Vorsitzender der Arlbei-tsgemeinschaft jüdischliberaler Jugendvereine. Aussprache. 4. „Unsere Gemeindepolitik". Referent: Herr Rechtsanwalt Dr. Rridols Geiger (Frankfurt a. M.) Aussprache. Um 1 Uhr findet ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, zu dem die Berliner Vorstandsmitglieder die auswärtigen Delegierten einladen. Da seit dem Jahre 1912 keine ordentliche Hauptversammlung stattgefunden hat, ist möglichst zahlreiche Beschickung der Taigrmg aus sämtlichen Teilen des Reiches erforderlich. Um diese zu ermöglichen, werden den Mitgliedern des Hauptvorstandes, je einem Delegierten der Ortsgruppen und für Orte, in denen keine Ortsgruppe besteht, die Mitgliederzahl aber mindestens zwanzig beträgt, je einem Vertreter die Reisekosten dritter Klasse für Hin- und Rückfahrt vergütet; auf Wunsch wird auch für Unterbringung in Privatquartieren gesorgt: Orten, an denen die Mitglieder zahl zwanzig nicht erreicht, wird empfohlen, sich mit Nachbargemeinlden zur Entsendung eines gemeinschaftlichen Delegierten zu Vereinen. Die Anmeldungen zur Teilnahme an der Tagung und dein geineinschaft-> licheu Mittagessen sowie die Anträge auf Unterbrinajung in Privat^ auartieren müssen bis spätestens zum 25. Dezember an die GeschäWstelle der Vereinigung, Berlin W 8, Mauerstraße 22, erfolgen. Der neue Satzung,sentw'urf itrtib etwaige Thesen der Herren Referenten gehen den Mitgliedern rechtzeitig zu. Anträge zu den Punkten der Tagesordnung müssen von den Teilnehmern der Tagung bis spätestens zum 28. Dezember schriftlichder Geschäftsstelle mitgeteilt werden. &&& Berlin, 20. Dezember. Am Sonntag, den 18. d. M., fand in der Synagoge der Gemeinde Adaß Jisroel eine von den Dozenten und Kuratoren des Rabbinerseminars veranstaltete! Trauerfeier für den verstorbenen Rektor des Seminars, Professor Dr. David H o f s m a n n , statt. Die Trauerfeier, die in altjüdischem Geiste vor sich ging, wurde mit dem Vortrag des 16. Psalm eingeleitet. Die Gedächtnisrede hielt Dozent Dr. Wohlgemutst; für das Kuratorium sprach Rabbiner Dr. W r e s ch n e r (Samter). Nachdem ein Zögling des Seminars in bewegten Worten den Schmerz der Schüler des Verblichenen zum Ausdruck gebracht hatte, hielt Herr Dozent Kaplan eine Rede in klassischem Hebräisch und trug dann vor offener Lade das Rl-mow-Raebamim-Gebet vor. Das Kaddischgebet beschloß die würdige Trauerfeier. FI. W. Berlin, 20. Dezember. Die politischen Verhältnisse in den Synagogengemeinden der ehemals beittfcFiert Provinz Posen haben viele jüdische Bewohner bewoaen, ihre Heimat zu verlassen und anderweitig sich anzusiedeln. So ist Berlin ein Sammelort der Flüchtlinge geworden. Nachdem sie hier ihre Eristenz gefunden, trachten sie danach, ein Einigungsband, wie es von jeher uns Juden eigen gewesen, durch Vereinsgründung zu erreichen. Es wird beabsichtigt, in Berlin den Verein Anschei-Ehessed, Verbrüderung der Wohltätigkeit, wie solcher in der Synagogengemeinde Posen jahrelang hindurch bestand, hier weiter zu führen. Ein Ausschuß von zwölf Personen hat sich bereits zusammengetan und bemüht sich, Mitglieder für den zu gründenden Verein zu werben. Der Verein hat die Aufgabe, die Kranken zu besuchen, die Bedürftigen nach Möglichkeit zu unterstützen und Tote zu bestatten. Ferner soll der Verein dieselben religiösen und Humanitären Tendenzen in sich aufnehmen wie der Mutterverein in der Stadt Posen und möglichst den Zusammenhang hier ansässiger Posener aus Stadt und Provinz bewirken. Er soll auch ferner als eine Stätte der Beratung und des gesellschaftlichen Verkehrs für die Mitglieder ausgebaut werden. R. Königsberg i. Pr., 16. Dezember. Die von der Synagogengemeinde kürzlich veranstaltete Gedächtnisfeier für Dr. Isaak B a m b e r g e r aus Anlaß der 25. Wiederkehr seines Todestages nahm einen überaus würdigen Verlauf. Vertreter der beiden Gemeindekörperschasten der Synagogengemeinde mit ihren Vorsitzenden Justizrat Holz und Professor Dr. Rudolf E o h n, viele Freunde und Anhänger Bainbergers waren mit den nächsten Angehörigen an seinem Grabe auf dem neuen jüdischen Friedhof vor dem Königstor erschienen, um dem Verewigten ihre unauslöschliche Dankbarkeit, Verehrung und Liebe über das Grab hinaus 31t bekunden und zu bezeugen, daß das Andenken an Bambergers reich gesegnete Wirksamkeit sich als ein „monumentum aere perennius“ in den Herzen der Gemeinde erhalten hat. Nach einem weihevollen einleitenden Gesänge des Psalms 103, Vers 15—17: „Der Mensch — wie Gras sind seine Tage, wie die Blume 1>es Feldes, so blüht er", ausgeführt von dem Männerquartett der Neuen Synagoge unter solistischer Mitwirkung des ersten Kantors Lewandowski und Leitung des Chordirigenten V a d r i a n , nahm Gemeinderabbiner Dr. Lewin das Wort zur Gedächtnisrede. Anknüpsend an das Schriftwort Hiob 4,3: „Siehe, viele mahntest du und stärktest schlaffe Hände", ein Wort, das auch das Grabmal Bambergers schmückt, entwarf er in tief empfundener Rede ein Plastisches Lebensbild Bambergers, dessen ganzes Leben und Streben in über 30jähriger Wirksamkeit ein Segen gewesen ist für die Gemeinde, ja weit über die Grenzen dieser Stadt und Provinz hinaus. In den verschiedenen. Organisationen innerhalb des deutschen Judentums stand Vamberger an hervorragender Stelle und war überall ein hochgeschätzter Mitarbeiter. Musterhaft war die von ihm geschaffene Organisation in unserer Stadt zur Zeit der russischen Judenverfolgungen. Die Krönung seines Lebenswerkes bildete die Errichtung der Neuen Synagoge, als deren geistiger Erbauer Vamberger anzusehen ist. Bambergers Name werde mit Stolz und Dank bis in die fernsten Zeiten ehrenvoll in der Gemeinde genannt werden. — Nach der Rede brachte Kantor Lewandowski die Liturgie in der Vertonung von Eduard Birnbaum stimmungsvoll zum Vortrage, worauf mit dem Gesänge Psalm 16, 8, 9: „Ich habe den Ewigen stets vor Augen" die Feier schloß. r. Breslau, 16. Dezember. Angeregt durch die Zentralwohlfebrisstelle der' denti-cheu Juden, hat der „Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Breslau" die Organisation der „Jüdischen Kinderhilfe" für Breslau übernommen. Der „Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Breslau" hatte für den 16. November, vormittags 11 Uhr, die Vorstände der hiesigen Wohltätigkeitsvereme, die Kuratoren der Waisenhäuser, die Vertreter der jüdischen Lehrerschaft und der Vresse zu einer Versammlung in den Sn4l der Lesstnaloae geladen. Die Vorsitzende der Ortsgruppe, Frau Professor Gutt m a n n, bearüßte die zahlreich Erschienenen und machte sie mit dem Zweck der Versammlung bekannt, der erschreckenden Not der jüdischen Kinder zu steuern. In ganz Deutschland solle gesammelt werden und auch unsere altehrwürdige Gemeinde habe an Gabefreundlichkeit noch niemals versagt. Unsere Kinder leiden gemeinsam und in gleichem Maße wie ihre nichtjüdischen Altersgenossen. Von den Millionen, die für die allgemeine „Deutsche Kinderhilfe" gesammelt worden sind, können jüdische Institutionen nur einen Anteil beanspruchen und erhalten, der bei weitem nicht ausreicht, um der wachsenden Not auch nur einigermaßen Einhalt zu gebieten, daher eine „Jüdische Kinderhilfe" einsetzen muß. In zündenden Worten sprach alsdann Herr Seminardozent Dr. Heinemann von der Ehrfurcht vor den? Kinde. Keine Aufgabe sei höher als die Kinderhilfe. Den jüdischen Kindern müsse besonders geholfen werden. In den äußeren' Lebensformen hätten imr uns unserer nichtjüdischen Umgebung assimiliert. Nicht assimilieren wollten wir uns in unserem Familiensinn, in unserer Wohltätigkeit und in unserem Glauben an die Zukunft des Judentums. Das Bekenntnis zu den alten Warten des Judentums solle nicht nur mit dem Herzen, sondern auch durch die Tat bejaht werden. Alsdann forderte Frau Bial aus, die durch die Worte des Vorredners hervorgerufene warme Begeisterung in tätige Kraft umzuwandeln. Es sei eine gebieterische Notwendigkeit, jetzt die Summen zu beschaffen, die erforderlich sind, um den jüdischen Kindern in weitestem Umfange zu helfen. Die Rednern? belegte zahlenmäßig, welche erhöhten Aufwendungen die jüdischen Waisenhäuser und Horte bei verminderter Kinder zahl leisten mühten, und bat, eifrig, für die Sammlung 311 werben. Im Zusammenwirken aller Kräfte hoffe man, ein großzügiges Hilsswerk zustande zu bringen. In der hierauf einsetzenden Aussprache ergab sich, daß nicht alle erschienenen Vertreter von ihren Vereinen zur Unterzeichnung des notwendigen Aufrufes schon hatten autorisiert sein können. Andere Anwesende fürchteten eine Durchkreuzung ihrer bes anderen Wohltätigkeitsbestrebungen, während hingegen andere wünschten, daß die gesammelten Summen ausschließlich in Breslau Verwendung fänden. Die Mehrzahl der Anwesenden Unterzeichnete jedoch den örtlichen Aufruf und erklärte sich somit einverstanden, für alle notleidenden jüdischen Kinder zu sammeln. Seitdem hat dank der hingebungsvollen Vorarbeit der Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes" wie zahlreicher

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