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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 306 (sequence 12)
Language
German
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306 Literarische Mitteilungen. n= Y o arbook o 1‘ thc Central Conference of A ui e r i c an R a 1> b ls, Volume XXXI. Der 31. Band des Jahrbuchs der Zentralkonserenz amerikanischer Rabbiner ist kürzlich erschienen. Das Buch enchhält einen Bericht üiber die in Washington stattgehiabte R-ubbinerzusammenkunft und bringt einen interessanten Ueberblick über -die Fortschritte des Judentums in Amerika während des Jahres. Die Eröffnungsrede 'des Präsidenten und die Berichts der verschiedenen Komitees zeigen die weitausgedehnte Tätigkeit der Konferenz und weisen auf die Tatsache hin, daß die Konferenz in jeglicher Bewegung, die eine Verbesserung der amerikanischen Judenheit zum Ziele hat, eine führende Rolle spielt. Ein ausgezeichneter Artikel, welcher der Versammlung vorgelesen wurde und der weitesten Oesfentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, trägt den Titel „Das Verhalten der Juden gegen den Nichtjuden" und ist von Professor Jacob Z. Lauterbach verfaßt. In diesem Aufsatz gibt 'der Verfasser einen Ueberblick über die jüdischen Quellen und widerlegt glänzend die so oft erhobene Anschuldigung, daß der Jude in Gesetz und Sitte sich deutlich vom Nichtjuden unterscheide. Dieser Aussatz ist zur allgemeinen Verbreitung im Sonderabdruck erschienen und kann vom Herausgeber des Jahrbuchs bezogen werden. Des hundertjährigen Geburtstages Adolf Jellineks gedenkt Harry H. M a y e r in seinem Aufsatz^ „Die Geschichte der jüdischen Predigt mit besonderer Berücksichtigung Adolf Jellineks". Die Reihe der Aufsätze schließt eine interessante Abhandlung von A. Leo Weil über die Wirkung der Kartzst aus die Zuhörerschaft. Herausgeber des Jahrbuchs ist Rabbi Jsaac E. M a r c u s o n, Macon (Georgia), 810 Spring- Street. A. K. * — Dr. Rieger, Landesrabbiner (Braunschweig): Vom Heimatsrecht der deutschen Juden. Philo-Berlag, Berlin 1921. Diese Schrift gehört zu den besten Veröffentlichungen des erfolgreichen Verlages. Daß das Thema leider wieder so stark aktuell geworden ist, gehört zu den traurigsten Zeichen unserer Zeit. Aber eine nach Form und Gehalt idealere Bearbeitung dieser Frage ist kaum denkbar. Auf dem engsten Raume wird eine solche Ueberfülle alten und sehr viel neuen Materials Zusammengetragen, daß der vorurteilslose Deutsche Zu der Ueberzeugung kommen muß: an dem Heimatsrecht der deutschen Juden in geschichtlicher, kultureller, sprachlicher und die äußeren Sitten und Lebensgewohnheiten angehender Beziehung kann nicht im geringsten gezweifelt werden; denn Rieger läßt hier die.objektiven Tatsachen in ihrer ganzen Eindringlichkeit sprechen und das macht seine Ausführung unwiderlegbar. Dazu kommt die Vornehmheit des Tones, die jeder Gereiztheit ermangelt und die Lektüre der Schrift höchst anregend macht. Leider steht die ganze Ausstattung des Büchleins in umgekehrtem Verhältnis zu seinem hohen Wert. Der Verlag müßte es trotz der hohen Papier- und Herstellungspreise ermöglichen, eine ansprechende äußere Form für solche auf die weitesten Kreise berechneten Publikationen zu finden; denn das Auge will nicht verletzt sein, wenn das Herz befriedigt ist. Daß wir aber trotzdem der Schrift die denkbar weiteste Verbreitung wünschen, ist so selbstverständlich wie die Wahrheit, die sie kündet. Spandau. Dr. L ö w e n st a m m. * — Jüdischer Alma n a ch 5682 (1921/22). HerauSgegeben von Raphae/l Chamizer. Leipzig 1921, Verlag von M. W. Kaufmann. Dieser Almanach ist etwas anders als üblich. Seine einzelnen Stücke bilden, abgesehen von einem kürzeren literarischen Teile, ein einheitliches Ganzes: eine Blütenlese der markantesten Zeugnisse aus der Entwicklung des Zionismus. Von einem im Jahre 1840 in der Zeitschrift „Der Orient" abgedruckten „Aufruf an das jüdische Volk" über Rabbi Hirsch Kalischer (Drischath Zion), Moses Heß (Rom und Jerusalem) und Dr. Pinsker (Autoemanzipation) führt der Weg zu Theodor Herzt und an den Kongressen vorüber zum Palästina-Mandat. Der Herausgeber hat daraus verzichtet, in eigener historischer Darstellung den Weg zu beschreiben; er will vielmehr dem Leser die bezeichnendsten Etappen nahebringen, so wie sie von den schöpferischen Geistern ursprünglich erreicht und fest ausgebaut worden sind, indem er die Werke selbst sprechen läßt. Die Auswahl ist mit unleugbarem Geschick getroffen. Jeder, der sich mit dem Problem des Zionismus ernst befassen will, wird sich an der Zusammenstellung der aus den entlegensten Stellen Zusammengetragenen Beiträge freuen und aus ihnen reiche Belehrung und Anregung schöpfen. — Daneben bringt der Almanach einige hebräische Legenden in deutscher Fassung ides Herausgebers (aus einer demnächst erscheinenden Sammlung) sowie zwölf zum Teil bisher ungedruckte Heine-Briefe — davon drei auch im verkleinerten Faksimile — -aus dem Besitze des Herausgebers, die einen interessanten Einblick in des Dichters persönliche Verhältnisse in seinen letzten Lebensjahren gewähren. — Besonders hervorgehoben zu werden verdient die hervorragende Ausstattung des Buches, die den verwöhntesten Geschmack erfreuen muß. Cohn (Leipzig). * —- Bero Berlin ge r: Von Wiege zu Wiege (Der kleine Rav). Humoristi'schf-satirisches Gebräu. Berlin, Louis Lamm, 1921. Preis 4,50 M. In kecken Streichen schildert der Verfasser den Werdegang eines Knabens von der Wiege zum Rabbiner und bis ihm schließlich wieder e.'n kleiner Knabe in die Wiege gelegt wird. Berlinger findet dabei Gelegenheit, in berechtigter, scharfer, aber doch witziger und nicht verletzender Weise die Zustände in dem Gemeindeleben der deutschen Judenheit zu kritisieren. Wie famos schildert er die Allmacht des Parnes oder den Verlaus einer Repräsentantenversammlung. Wie glänzend trifft er die Hohlheit, die unser jüdisches Gemeindeleben in mancher Beziehung ausweist, und stellt ihr den Geist der Thora gegenüber! Vielleicht erreichen diese leichten Verse, die möglicherweise in unseren heutigen Zeitläufen eher Leser finden, als fchwerleibige Folianten, daß man einsteht, daß in unserem offiziellen jüdischen Gerne indeleben manches faul ist und daß die Zeit der Umkehr nicht verpaßt werden darf. Breslau. Dr. Willy Cohn. Mchrrrmlsuf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die jüdische Religion in Gegenwart und Zukunft. Offene Worte an meine Religionsgenossen von Neman CpxJ), Leipzig, Verlag von Gustav Engel, 1921. Grabstein-Inschriften (hebräisch und deutsch) in Poesie und Prosa, für alle vorkommenden Fälle. Von Lion W o l f s. Verlag von Gustav Engel, Leipzig, 1921. Gold- und Papiergeld. Die Bedeutung der Goldwährung im Leben der Gegenwart und das Eisen, gemeinverständlich dargestellt von Professor Dr. Lassar-Cohn, Königsberg u Pr. 1922. Leipzig, Verlag von Leopold Voß. Blätter der „Neuzeit". Erstes Heft: Deutsche Klassiker im Getto. Eine Aufsatzreihe von Samuel Meisels. Inhalt: Lessing — Goethe — Schiller — Heine — Gutzkow — Nietzsche. 1922. Verlag „Die Neuzeit", Wien. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Von Semi Meyer. Vendt & Klauwell, Langensalza. 1921. Das Hohelied der Liebe. Verdeutscht von Martin Thilo, Lic. theol. Dr. Phil. A. Marens und E. Webers Verlag (Dr. jur. Albert Ahn), Bonn, 1921. Das Hohelied. Neu übersetzt und ästhetisch-sittlich beurteilt von Dr. Martin Thilo, Privatdozent an der Universität Bonn. A. Marcus .und E. Webers Verilag (Dr. jur. Albert Ahn), Bonn, 1921. Druckfehlerheeichtigitng. Der Artikel von Bernhard T r a u b e n b e r g in Nr. 25 d. Jahrg.: „Berliner Religionsschulreform" ist an einer Stelle durch die Unvorsichtigkeit eines Setzers leider verstümmelt zum Abdruck gekommen. Der auf Seite 288 unten beginnende Satz „Wer, wie ich, usw." muß, richtig wiedergegeben, lauten: „Wer, wie ich, ein volles Menschenalter die Entwicklung des reichshauptstädtischen Religionsunterrichts zurückverfolgen kann, wird geradezu entsetzt sein bei dem Gedanken, daß die skandalösen Zustände von damals wieder herrschend sein sollen: das Interregnum, die Vogelsreiheit, die Willkür, die absolute Gesetz- und Regellosigkeit." Die Redaktion.

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