Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 26 (23.12.1921)
- Date
- 1921-12-23
- Page
- Seite 304 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Grundlage der echten sittlichen Betätigung erreichbar. Diese liegt in der Uebung des Guten, nur des Guten willen, wie das Ringen nach der Entwicklung unserer Verminst durch kein fremdes Motiv gestört werden darf. Die Fähigkeit zu philosophischem Denken ist uns nicht angeboren, sondern mutz erworben werden gemätz der unsere ganze Ausgabe umfassenden Forderung: „Du sollst Gott lieben", das will sagen: Du sollst Gott und die Welt mit reiner Vernunft erkennen. Ein allgemein menschliches Zieh nicht an die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Israels geknüpft, ist der Extrakt der maimonidischen Lebensanschauung. Getreu seinem starken Intellektualismus, der die Wurzel seines genialen Geistes war, durchtränkt aber auch von dem erhabenen Gedanken des Universalismus, der die Kraft und sittliche Schönheit des ethischen Monotheismus des Judentums ist, hat Maimonides den Kern und Grund der jüdischen Weltausfassung mit einer Schärfe und Allseitigkeit bloßgelegt, die ihn zu dem Typus des jüdischen Philosophen stempelt. Und wenn auch sein mittelalterliches Weltbild von dem unsrigen weit abstehh so ist doch der Weg, den er gewiesen, von allen jüdischen Denkern nach ihm in seiner wesentlichen Richtung innegehalten worden und wird auch von uns nicht verlassen werden dürfen: der Weg der objektiven, echren Aufklärung aus dem Boden der jüdischreligiösen Lebensgestaltung. Mairkabis Lerukung. Von S. A s ch n e r. erloren war das Volk des Herrn. Kleinmut und fremder Dienst umwanden Mit neid'schen Dornen Israel. Die Lehre Gottes lag in Banden. Und schrecklich stöhnten aus der Nacht Siechtum und Sehnsucht, und es schwebten Der Vorzeit Schatten um den Berg, Wo Tempelzinnen klagend strebten, Der Vorzeit Schatten riesenhaft: Moses, er wandelt leidensfahl Und David weinend, seiner Harfe Beredter Mund verstummt vor Qual. Und einer saß und sah und hörte Der Vorzeit Weh. Da wuchs und schwoll Der Zeder gleich aus tiefster Seele Ein heil'ger Wunsch, inbrünstig quoll In heißen Zähren sein Gebet. Unsichtbar stieg er zum Altäre — Und weihte fromm sich Gott dem Herrn. Da glänzten Glorien wunderbare. In seiner Seele weit und groß Erdehnten sich in lichten Schimmern Sein Vaterland, sein Volk, sein Gott, Sein Tempel, blühend aus den Trümmern. O Auferstehung, licht und schön! O Herzensfrühling, goldner Segen! Steh auf, Makkabi, Schwert des Herrn! Führ uns zum Zion, Gott entgegen! Du nahst so schön am heutigen Tag, Dein Auge flammt, die guten Waffen Der Freiheit leuchten, wunderbar Haft du zum Sieg uns umgeschafsen. Es fällt die alte Knechtsnatur, Wir schreiten aufrecht wie die Helden, Die lieblichen, in deiner Schar, Von der Chanukas Lieder melden. Der Leuchter süße Wunder glänzt. Ein Wunderbaum, aus dessen Zweigen Chanukas Jubellichter hold Wie fernstes Deingedenken steigen. Umsponnen von dem alten Traum, ’ Umwogt von heldischen Gestalten, Wird uns zum Staunen Israel, Zur frohen Wahrheit Gottes Walten. Makkabi, Geist der höchsten Glut, Du Gottesleuchte sonder Schwülen, O möcht' auf unsrer Schicksalsbahn Uns nimmer deinesgleichen fehlen. Israel. mit drängenden Gesetzen war man von je bedacht das Häuslein abzuhetzen, das Heil der Welt gebracht, das kühniglich gewiesen den Weg zum einigen Gott; nicht ward '§ dafür gepriesen, es ward zum Hohn, zum Spott! Doch ob von wilden Wettern es immer ward umdräut — es schrieb mit Eisenlettern sich in das Buch der Zeit; es trotzte jedem Sturme, gen Untergang geschützt, und ragt gleich festem Turme, von Wettern rings umblitzt! Die Reiche mögen fallen und Völker rings vergehn; doch nimmer kann verhallen das Wort von Horebs Höh'n, und was aus Feuerbahnen von uächftgem Himmel scholl, das weckte neues Sehnen, und dieses Sehnen schwoll- Und schwellen wird's und treiben in ew'ger Gottesmacht, und Israel wird bleiben ein Sieger in der Schlacht! Erglänzt in späten Tagen der Wahrheit reines Gold! dann wird man Dank ihm sagen, daß es so treu gewollt! Stürmt um der Wahrheit Schanze der Finsterlinge Schar — der Wahrheit heil'ge Wanze ergrünet immerdar- So stehn auf fels'gem Boden, herbduftig an Gezweig, umrauscht vom Bergesodem die Tannen säulengleich! Wie haben sie gerungen mit Wetter und mit Sturm, die Wurzeln felsverschlungen, gleich festgefügtem Turm — Der Wind geht kalt und schneidend, die Blum' erstarrt am lQuell- Umbraust, umstürmt und leidend, f o grünet Israel! Annaberg. Saphra. ver lFall vrrjack. (9. Forts.) Von Lydia Auerbach. ie Geschworenen zogen sich zurück. Bei ihrem Medererscheinen erklärte ihr Obmann, daß dem Gesuche der Verteidigung ftattzugeben sei. Baschkes wurde vorgerusen. „Ich stelle Ihnen die.Vernehmung des Zeugen anheim", bemerkte der Vorsitzende zu dem Verteidiger. „Ich bitte, das Fräulein Bissolster noch einmal eintreten zu lassen, Herr Präsident." Dieser gab die Anweisung zur Erfüllung des Gesuches. „Kennen Sie jenes Mädchen?" fragte der Verteidiger.den Zeugen. „Man oberflächlich. Sie chai mir immer nachgestellt, aber ich wollte nichts von ihr wissen,"