Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 26 (23.12.1921)
- Date
- 1921-12-23
- Page
- Seite 301 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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801; v . Zum Drucke einer größeren Propagandaschrift gab uns Herr Dr. Chwolles in Hamburg-Bahrenfeld 5000 M. Durch Referendar Dr. Adolf Rosenberg, Essen, wurden uns 6000 M. zugesandt. Ferner haben gelegentlich des Kongresses in Karlsbad die Brüder Siegfried Hirsch, Halberstadt, und Dr. Hermann Hirsch, Jlseburg, den Betrag von 10V 000 Mark gestiftet, um eine Bibliothek für das Technikum in Haifa zu errichten. Die Stiftung soll ein Andenken an ihren unvergeßlichen Bruder sein, der, kurz vor Abschluß seiner Prüfung in den chemischen Wissenschaften stehend, an den Folgen eines Leidens gestorben ist, das er sich in französischer Gefangenschaft zugezogen hat. Diese Jofeph- Hirsch-Sliftung wird die Grundlage' der jetzt in Angriff genommenen Bibliothek des Haifaer Technikums bilden. Die Anforderungen an unsere Bibliotheken in Palästina wachsen täglich. Wir bedürfen jetzt auch namentlich der Förderung der Jaffaer Bibliothek Scha'ar Zion. Aber unsere Mittel sind noch immer sehr gering. Die Bibliothek hat ein Bankkonto unter dem Namen Professor Dr. Heinrich Loewe, Separatkonto Jerusalem-Bibliothek, bei der Filiale ehemals Meyer Cohn der Discontogesellschast, Berlin, Unter den Linden 11, sowie beim Postscheckamt Berlin blIV 7 ein gleichnamiges P o st - scheckkonto Rr. 35002» Mron Friedmann. Zum 40 jährig.Amtsjubiläum am i. Januar 1922. Bon Emanuel Kirfchner (München). ohe Wertschätzung, gepaart . mit freuttdschaftncher Zuneigung, Ergriffenheit/gepaart mit freudiger Anteilnahme, erfüllen mich in dem Augenblick, da ich als Weg- und Zielgenosse Leben und Wirken unseres Jubilars zeichnen will. Verzichtend hierbei auf einen Flug ins Reich der Phantasie, der Schönfärberei, darf ich mich auf Tatsachen stützen, auf Ergebnisse einer überaus segensreichen vierzigjährigen amtlichen und außeramtlichen Tätigkeit in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die in hohem Maße geeignet sind, sowohl Verehrung wie auch Hochachtung und liebevolle Dankbarkeit bei Mitlebenden und Mitstrebenden auszulösen. Wie erst aus der harmonischen Vereinigung und Durchdringung von Tonika, Terz und Dominante ein voll- und wohlklingender, weithin tönender Akkord erwächst, so ergibt sich auch die Respekt einflößende Persönlichkeit Friedmanns aus seiner Wirksamkeit auf drei sich gegenseitig ergänzenden und durchdringenden Tätigkeitsgebieten, auf dem Gebiete des Kantorats, auf dem des schaffenden Musikers und auf literarischem Gebiete. Zum erfolgreichen Ghasan, zu dem hervorragenden Vertreter des Kantovenstandes, legte Friedmann den Grund in seiner östlichen Heimat. Dort wirkte er von Kindesbeinen an in den Chören berühmter Chasaninr jener Zeit/ dort lauschte er mit empfänglichem Sinn ihren phantafiereichen, glutvollen gottesdienstlichen Vorträgen und dort fand er reiche Gelegenheit, die Schätze des traditionellen Synagogengesanges sich anzueignen. Die Erreichung «dieses Zieles aber gewährte unserem Kunstjünger, dessen Blick aufwärts und vorwärts gerichtet war und blieb, der seine Ideale höher gesteckt hatte, keine innere Befriedigung. Auch dann nicht, als ihn schon damals ein Hauch des modernen Gottesdienstes aus den Werken Sulzers, Naumburgs und Weintraubs anwehte. Nach deutscher Bildung und Kultur, nach systematischer Durch-- und Ausbildung lechzte seine wisfendurstige Seele, und so erblicken wir im Jahre 1879, nach kurzer Amtstätigkeit als Kantor in Bütow, den 24jährigen Friedmann als Schüler in der Lehrerbildungsanstalt zu Berlin, wo er zu Füßen unseres Meisters Lewandowski sitzen durfte und in heißem Bemühen sich innig vertraut machen konnte mit den modernen, von Schlacken und Geschmacklosigkeit befreiten fynagogalen Gesangsweisen. Schon am 1. Januar 1882 tritt er als Kantor in den Dienst der Berliner Jüdischen Gemeinde und seit Jahrzehnten waltet er seines heiligen Amtes als würdiger Nachfolger berühmter Vorgänger in der alten Synagoge in der Heydereutergasse. An dieser altehrwürdigen Stätte wirkte und wirkt er nicht nur durch sein noch heute klangvolles, sympathisches, durch Schulung veredeltes Organ von tenoralem Timbre, nicht nur durch seine meisterhafte Beherrschung der verschiedenen synagogalen Stilarten überlieferten und modernen Gepräges, noch tiefere und nachhaltigere Wirkungen erzielt er durch seinen aus tiefreligiösem Gemüte hervorquellenden Vortrag, durch die ihn erfüllende und begeisternde „Kewonoh" beim Gebete, die er mit suggestiver Kraft auch auf seine ihm andächtig lauschenden Zuhörer zu übertragen versteht. Sie lieben und verehren in ihrem Oberkantor ebenso den vorbildlichen „Scholiach zibbur" wie den frommen, charaktervollen, friedliebenden Menschen, bei dem Amtsführung und Lebensführung in seltener Uebereinstimmung sich decken. „Da lifne mi attoh omed" beherzigt Aron Friedmann nicht nur, solange er im Gotteshause vor dem Schulchan steht; auch im trauten, glücklichen Familienkreise, auch draußen im Leben ist durch diesen Leitspruch sein Wollen, Fühlen und Denken geadelt und geweiht. Dieser stete Aufblick zu Gott zeitigt aber auch in unserem Jubilar jenen hohen Idealismus, der für seine selbstlose, stets opferbereite Lebensbetätigung so überaus kennzeichnend ist. Nicht als Sinekure betrachtet er sein ihm übertragenes Amt, sondern als weitgespannten Rahmen, den in nie erlahmender Schaffenslust er bemüht war und bestrebt ist, durch künstlerische und wissenschaftliche Werke auszufüllen. Musikdirektor Aron Friedmann, Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.