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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 300 (sequence 6)
Language
German
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300 S. A. Poznan skl. m 6. d. M. ist in Warschau Rabbiner Dr. Samuel Abraham P o z n a n s k i im Alter von 56 Jahren plötzlich verschieden. Mit ihm ist einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten dahingegangen. Es gibt kaum ein Fach der jüdischen Wissenschaft, dem er nicht seinen Forschungseifer, fast kein Gebiet unserer Literatur, dem er nicht seine Aufmerksamkeit zugewendet hat. Sein besonderes Interesse galt der Geschichte und Literatur der Karäer; seine letzte Arbeit auf diesem Gebiet ist erst vor kurzem in der „Monatsschrift" (Heft 4—6) erschienen. Er befaß in vollem Maße die Vorzüge, die Jochanan den Sakkai seinen gelehrtesten Jüngern nachrühmte: er glich einer stets wachsenden Quelle und zugleich einer ausgekalkten Grube, die keinen Tropfen verschwinden läßt, und zeichnete sich vor vielen anderen verdienten jüdischen Gelehrten ganz besonders dadurch aus, daß er nicht nur der hebräischen Sprache in seltener Meisterschaft mächtig war, sondern .daß er auch einen großen Teil seiner Arbeiten in dieser feiner Lieblingssprache veröffentlicht hat. Samuel Abraham Poznanski, dessen Leben und Wirken nach Gebühr zu würdigen wir uns für eine spätere Zeit Vorbehalten, war ein Zögling der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und wurde nach Absolvierung seiner Studien vor ungefähr 20 Jahren zum Rabbiner und Prediger an den Tempel in Warschau berufen, wo er, von der Liebe und Verehrung seiner Gemeinde getragen, eine segensreiche Wirksamkeit auch aus sozialem Gebiete entfaltete. Obwohl er sich offen zum Zionismus bekannte, erfreute er sich nicht nur in hohem Maße des Vertrauens seiner dem Fortschritt huldigenden Gemeinde, sondern er genoß auch hohe Achtung und Anerkennung bei der polnischen Regierung, die in ihm den würdigsten Vertreter der polnischen Judenheit ehrte und erst vor kurzem seine Wahl zum Oberrabbiner von Warschau trotz allen Intrigen und öffentlichen Protesten einer verblendeten Orthodoxie bereitwilligst bestätigte, wie sie ihn schon früher, seine wissenschaftliche Bedeutung würdigend, mit der Leitung des Staatsseminars für jüdische Lehrer betraut hatte. Nun ist er im besten, schassensfreudigen Alter aus dem Leben geschieden, ein großer und treuer Sohn Israels, der sich schon bei Lebzeiten ein bleibendes Denkmal errichtet hat. Schalom l’mischkabo. A. K. Mitteilungen über die Arbeit kür bas Liblinthebswelen in Lres-Asrse!. Bon der Hauptsammelstelle, Prof. Dr. Heinrich L o e w e, Berlin NW 52, Flemrningstraße 12. ir hatten erwartet, daß vom XII.Zionistenkongreß aus, der im AXs September in Karlsbad abgehalten wurde, eine neue Epoche auch für das palästinensische Bibliothekswesen Zu datieren sei. Bisher ist davon noch nichts zu merken. Um die Bibliothek bei einem Jahreszuwachs von rund 15 000 bis 20 000 Bänden einigermaßen sachgemäß zu verwalten, wäre ein jährliches Budget von 12 000 bis 13 000 Pfd. Sterl. nötig gewesen. Das könnte nicht bewilligt werden. Um aber den Betrieb wenigstens so weit zu führen, daß wir den dringendsten Bedürfnissen gerecht werden könnten, beantragten wir ein Budget von 5000 Pfd. Sterl., obwohl wir genau wußten, daß wir dann genötigt seien, weitere größere Mittel auf privatem Wege aufzutreiben. Aber auch das konnte uns nicht bewilligt werden. Nach vielen Mühen wurde uns zugestanden, daß wir 3000 Pfd. Sterl. aus dem regulären Etat erhalten sollten, daß aber, wenn die Eingänge größer wären, als man im Voranschlag angenommen, uns aus den Ueberschüssen weitere 3000 Pfd. Sterl. zugesührt werden sollten. Wir müssen uns also bescheiden, daß in diesem Jahre die Bibliothek noch nicht in den Stand gesetzt werden kann, der für die Bedürfnisse der Jerusalemer Bevölkerung, der werdenden Landsiedlung und der entstehenden Universität notwendig ist. Jetzt macht sich noch ein zweiter Notstand geltend. Ehe irgendeine Erweiterung der Bibliotheksarbeit in Angriff genommen werden kann, muß vor allem die Raum frage der Bibliothek gelöst werden. Das jetzige von der Bne-Brith-Loge Jerusalem zur Miete genommene Gebäude reicht in keiner Weise mehr aus. Es ist bis in die letzten Winkel hinein mit Büchern ausgestopst. Die letzten aus Berlin gesandten Kisten konnten nicht ausgepackt werden. Und doch hungert das Land nach Büchern. Jetzt werden wir Mietsräume in der Nähe der Bibliothek hinzunehmen müssen. Aber das bedeutet nur einen kurzen Aufschub in der Raumfrage. Für diese gibt es nur eine Lösung: den Bau eines besonderen Bibliothekgebäudes. Ein solches Bauwerk muß jetzt sofort in Angriff genommen werden, und es besteht Aussicht, daß noch in diesem Jahre mit dem Bau begonnen -werden kann. Dann wird Jerusalem ein großes jüdisches Monumentalgebäude besitzen, das von der neuen jüdischen Siedlung errichtet worden .ist und das keine Synagoge ist: das erste große, in die Augen Menide, einer «gewaltigen Kulturausgabe dienende jüdische Prosanbauwerk in der heiligen Stadt! Inzwischen gehen die Sammlungen für die Bibliothek ihren Gang. In Frankreich hat die Groupe des Etudiants Sionistes in Paris die Arbeit für die Bibliothek ausgenommen und eine Reihe von jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten interessiert. Der „Matin" brachte einen Artikel zugunsten der Universität und Bibliothek Jerusalem und jetzt »entsteht eine „Soci6te des Amis de l’Universite Hebraique de Jerusalem“ mit Orts- und Bezirksgruppen. In Pö'lien, \m bisher für die Bibliothek keine organisierte Arbeit war, wird jetztsolche von Warschau aus in Angriff, genommen werden. In der Schweiz sind bisher rund 500 Bücher und Broschüren von der Gesellschaft „Pro Bibliotheca Judaica“ gesammelt worden. Direktor Escher von der Zentralbibliothek in Zürich tritt in warmherziger Weise für die Jerusalem-Bibliothek ein und hat sich zum Dublettenaustausch bereit erklärt. Die Sammelfteüe in Deutschland hat in letzter Zeit wieder Bücherschenkungen bekommen, und zwar von Dr. Albert B a e r, Berlin (wertvolle juristische und volkswirtschaftliche Literatur); Rudolf Bermann, Wien; Cand. agr. Benzion Buschansky, Bonn; Dr. Bruno Feilchenfeld, Berlin; Waisenhausdirektor Dr. Sigmund Feist, Berlin; Mordechai Gottfried (Jsch Jehudi), Wien; Dr. Kurt Joachim Grau, Berlin-Neukölln; Georg Hepner, Charlottenburg; Salomon Hepner, Charlottenburg (wertvolle hebraistische Werke); Rabbinerseminardirektor Professor Dr. David Hossmann, Berlin; Schmuel H o m e l s k i aus Kiew; Hermann Jacob, Stettin; Dr. Fritz Kahn, Berlin; Lehrer Willy Katz, Stadtlengsfeld! i. Thür.; Zahnarzt Dr. L i ch t w i tz, Guben; Dr. Richard L o e w e, Berlin; Ludwig M a y e r, Berlin; Dr. M. M a h e r s o h, n, Berlin- Hermsdors; Frau Geheimrat Dr. Minden, Berlin; M. R i w k e ß, Berlin; Obersekretär Joseph Rosenthal, Königsberg i. Pr.; Dr. Ernst Samuel, Eydtkuhnen; Dr. Abraham Schlesinger, Buchau am Federsee; Abraham Sperber und Frau, Ber-lin (wiederum wertvolle hebräische Werke); Professor Dr. Ludwig Stein, Berlin (immer je zwei Exemplare wertvoller philosophischer Schriften); Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Berlin; Frau Siddy Wronsky, Berlin. An Jahresbeiträgen für die Bibliothek erhielten wir: Von Willy Abramczhk, Verlin-Grunewald, 500 M.; Joseph Altm a n n (in Firma Fraenkel, Buchhandlung) 300 M.; Dr. Aron Barth, Berlin („Trotz Klerikalismus"), 200 M.; Lippmann Bloch, Breslau, 500 M.; Justizrat Dr. M. Bodenheimer, Köln, 200 M.; Hugo Less e r, Breslau, Siegfried Lesse r und Salo G u t t m a n n, Beuchen O.-S., 5000 M.; M a r c u s s o h n, Berlin, 200 M.; Kaufmann Rosenberg, Stettin, 300 M.; Sanitätsrat Dr. Salomon Steinthal, Berlin-Halensee, 200 M.; Beer Su do witsch, Leipzig (2. Rate für 5681) 500 M.; durch Simon Strauß in Cassel von Max Feldstein, Julius Schartenberg, Theodor Saumann, Dr. Ernst Sau* rn ann, Dr. W e i ß b e ck e r, Dr. S a l o rn o n, Res. Dr. S t e r n, Rechtsanwalt Dalberg, Levi Heinemann sen., sämtlich in Cassel, je 100 M., zusammen 900 M.; ferner ein E i n z e l beitrag von Nestor I a c o b y, Berlin, 20 M.

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