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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 299 (sequence 5)
Language
German
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treten zu können, haben sie überall Einkaufsgenossenschasten gegründet, welche nn die Mitglieder ti>ie Waren zum Engrospreise abgeben. Ueber die jüdischen Kolonien in, Brasilien weiß der Bericht nicht viel Günstiges zu sagen. Die älteste von ihnen, die bereits 1903 begründete Kolonie Philippsson, irn Umfange von 4472 Hektar und die weit umfangreichere Waldkolonie Ouatro-Jrmaos -mit 92 000 Hektar, beide im Staate Rio Grando do Sul gelegen, zählen gegenwärtig 106 Familien mit 1300 Seelen. Philippsson war von jeher das Schmerzenskind der loa gewesen. Das umsa-vgreiche Terrain von Ouatro-Jrmaos wurde im Jahre 1910 von der Ica. offenbar als günstiger Gelegenheitskauf, mit der Absicht erworben, daselbst jüdische Waldarbeiter zu beschäftigen, um sie bei passender Gelegenheit als Kolonisten' anzusiedeln. Die Kolonisten bauen Getreide, Tabak usw. und bestellen eine Art Wurzelpflanze, Maniok genannt, die getrocknet und gemahlen wird'. Daneben wird einige Industrie getrieben. So besitzt Ouatro-Jrmaos bereits eine Sägemühle uiid eine Oelpresferei. In Philippsson befinden sich eine Getreidemühle und eine Ziegelei. Kanada. In Kanada arbeitet die loa durch Vermittelung einer von ihr 1910 in Montreal eingesetzten Direktion, zu der gleich nach Beendigung des Krieges die Beziehungen wieder ausgenommen wurden. Es stellte sich herausdaß die Lage der von ihr in Kanada begründeten resp. subventionierten 11 Kolonien sich inzwischen ganz wesentlich gebessert hat. Sie haben jetzt alles, was sie brauchen, und haben sogar bereits gelernt, daß Schuldein auch bezahlt werden müssen. So haben die bis dahin so schlechten Zahler im Berichtsjahre 37 000 Dollar zurückgezahlt, wofür freilich 73 andere Kolonisten neue Schulden im Betrage von 31596 Dollar ausgenommen haben. Im ganzen wurden seit 1903 nicht weniger als 1276 Einzeldarlehen im Gesamtbeträge von 387 229 Dollar gewährt. Wieviel davon inzwischen zurückgezahlt sind, verschweigt der Bericht. Im übrigen ist das ausgeliehene Kapital ziemlich sicher, da die 600 Kolonisten mit 2500 Seelen 60.700 Hektar Land im ungefähren Wert von 4% Millionen Dollar besitzen.. Ihr Viehbestand wird auf eine Million, ihre Geräte auf 500 000 Dollar geschätzt und ihre Jahreseinnahme mit einer Million Dollar, bewertet. Vereinigte Staaten von Nordamerika^ Ueber die jüdischen Kolonien und! Einzelsarmer in den Vereinigten Staaten geht der Bericht ganz kurz hinweg, was um so bedauerlicher ist, als die Zahl der jüdischen Landwirte in diesem glücklichen, wirklich freien Laave größer ist, als in allen Kolonisationsgebieten außerhalb Rußlands, zusammen. Man erfährt nur, daß die „1a and las" (Jewish Agricultural and Industrial Aid Society) sich unter Zurückstellung ihrer industriellen Bestrebungen immer mehr auf die Fördern.Dg des Ackerbaues einstellt. Sie sendet Wanderredner in die Kolonien aus, erteilt Rat und Auskunft in allen .landwirtschaftlichen Angelegenheiten und ist der Kolonisten bei der Auswahl ihrer Niederlassung und beim Ankauf von Land mit Rat und, was wichtiger ist, auch mit Tat behilflich. Im Vorjahre hat die „1a and las" 444 Darlehen im Betrage von 416 854 Dollar bewilligt u ad aus Rückzahlungen und Zinsen 270 000 Dollar, vereinnahmt. Cypern und Kleinasien. Ja Cypern vegetieren 3 kleine jüdische Ansiedelungen: Margo, Cholmakchi und Kuklia mit im ganzen 36 Familien mit 169 Seelen, die zusammen 1480 Hektar bestellen. Die jüdischen Ansiedelungen in Kleinasien sind im Kriege wohl zugrunde gegangen oder doch eingeschlasen. Nur von Or-Jehuda, daS vor dem Kriege noch eine Ackerbauschule war, hört man, daß die Kolonisten infolge hoher Preise für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse ohne Zuschuß auskomwen koiMten. Ueber Palästina saßt sich der Bericht sehr kurz. In den unter Verwaltung der Ica stehenden Kolonien (es sind 'ungefähr ')5 v. H. aller dortigen jüdischen Ansiedelungen) leben gegenwärtig mehr als 10 000 Seelen. Die Getreideernte war im Berichtsjahre ziemlich gut, aber die Preise sind stark gesunken, während die Löhne und die Preise der Industrieartikel teuerer denn je waren. Nur die Besitzer der Apfelsinenpslanzungen haben gut abgeschnitten, trotzdem gerade sie auf die so teuer gewordene fremde Arbeit angewiesen stnd. Polen. Die Tätigkeit Iber Ica in Polen (früher Rußland) wurde zwar im Vorjahre wieder ausgenommen, mußte jedoch infolge des Krieges mit Rußland eine zeitlang von neuem unterbrochen werden. Die Domäne von Czenstoniew, die Handwerkerschulen von Czenstochowa, Lodz und Wilna haben den Krieg überlebt und. arbeiten weiter. Die Darlehenskassen von Wilna, Petrikau und Bialistok haben ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. In Kleinpolen (früher Galizien) hat sich die .Domäne von Slobodka-LeHna rssorganistert,. ebenso die 18 Darlehenskassen, welche im Berichtsjahre ihre Funktionen wieder ausgenommen und bereits viel Gutes gestiftet haben. A u s w a n d >e r u n g s w e f e n. Die jüdische Auswanderung, noch im Jahre 1919 ziemlich unbedeutend, ist im Berichtsjahre wieder sehr lebhaft geworden. Dementsprechend hat auchdie Ica diesen wichtigen Zweig ihrer Tätigkeit wieder ausgenommen. In Danzig, Antwerpen, Rotterdam, Gent und vieler anderen Plätzen wurden die früheren örtlichen Organisationen wieder .ausgefrischt und wo nötig, neue ins Leben gerufen. Auch in den Cinwanderungsländern sind alle notwendigen Maßregeln getroffen, um die Emigranten beim Verlassen des Schisses zu 'empfangen, sie weiter zu schassen und ihnen an der Niederlassungsstätte Arbeit zu verschaffen. In Kanada sind allein im Monat November 1920 8—9000 jüdische Einwanderer eingetrossen, und es hat nicht wenig Mühe gekostet, diese Menschenmasse zu versorgen. Rumänien, zu dem noch Beßarabien hinzukam, scheint jetzt weniger jüdische Auswanderer zu liefern. Dagegen haben die von der Ica dort vor 'dem Kriege subventionierten 26 Schulen große Ausgaben , gefordert. Sie haben während des Krieges ihre Tätigkeit einstellen müssen, da sie alle entweder ausgeplündert, einige gar zerstört wurden. Nun find sie wieder im Gange und werden von 5422 Zöglingen regelmäßig besucht. I. Tu ross. m Palfour interpretiert den Begriff „Jewish national hörne"* In den Räumen der englischen Gesandtschaft in Washington empfing Valsour Vertreter der Weltpresse, denen er die verschiedenen Fragen beantwortete. Aus die Frage des Vertreters des New Borker „Jüdischen Tagblatts", ob Palästina als „Jewish homeland" laut der seinerzeitigen schriftlichen Versicherung an Lord Rothschild (Balsour-Deklaration) ein „jüdisches Heim" oder bloß ein „Heim für Juden" bedeute, da doch England, Kanada und jede englische Kolonie den Juden ein Heim mit politischer Gleichheit biete, ebenso wie Amerika, das sicher den Juden ein wunderbares Heim biete, aber weit entfernt sei von einem „jüdischen Heim", erklärte Balsour: „So ein Heim, wie Ihr Juden im englischen Imperium oder hier in Amerika habt, haben auch alle anderen Nationalitäten, wie Deutsche, Russen, Italiener, Syrier usw. Wegen so einer Art kolonialer Ansiedlung wäre es nicht nötig geweien zu sprechen, denn das ist doch ein Recht, das England für alle Nationalitäten in allen Kolonien des englischen Imperiums heilig hält. Aber Heim bedeutet sicher viel mehr als das. Es ist im tresften Sinne des Wortes ein patriotisches Heim für Juden so gut wie für Araber, und wenn die Mandatsrage gelöst wird, wird Großbritannien einen Weg suchen, vollständige Harmonie zwischen Juden und Arabern herbeizusüyren, so wie wir volle Harmonie hergestellt haben zwischen den Engländern und Franzosen in der Provinz Quebeck in Kanada, das dasselbe Heim ist für Franzosen wie für Engländer. - J.P.Z. * Aus und über Palästina. Im Aufträge der amerikanisch-jüdischm Aerztevereinigung hat sich Dr. Hiltow-rtz nach Jerusalem begeben, um die Arbeitm zur Eröffnung 'der Universität zu beschleunigen. Wie Dr. Hitkowitz mitteibte, soll bereits im nächsten Frühjahr mit dem Bau der Universität begonnen werden. Man hoffe, die Universität mit allen Zweigmstituten innerhalb eines Jahres s-ertiWustellen. Zunächst soll die inMzinifche Fakultät eröffnet werden. Es liegen schon bestimmte Zusagen von dm berühmtesten jüdischen Professoren der Welt vor, ihre Lehrtätigkeit an die Universität Jerusalem zu verlegen. Die Zionistische Kommission wird im Lause des Frühjahrs in Jerusalem drei neue Schulgebäude errichten, und zwar handelt es sich um eine Sekundärschule in der Altstadt, eine Elementarschule in der Nähe der Altstadt und um ein Lehrerseminar, dessen Lage noch nicht bestimmt ist. Der Kommission stehen für diesen Zweck 25 000 Pfund Sterling (ägyptische) zur Verfügung, die der Karlsbader Kongreß bewilligt hat. Z. K.

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