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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 296 (sequence 2)
Language
German
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296 kleinsten jüdischen Gemeinden darauf anzusehen, selbst wenn sie bis an die Grenze der Opferwilligkeit gehen. Ob wir den jüdischen Lehrerstand erhalten wollen, ist mehr als je die Frage der Gegenwart. Der Nachwuchs aber fehlt, wenn ein Seminar nach dem anderen seine Pforten schließt und die Gemeinden die materiellen Bedingungen der Zeit nicht erfüllen wollen. Vom Mischen Heldentum. ie Makkabäevgeschichtv ist charakteristisch für das jüdische Heldentum, dessen Auffassung von der gewöhnlichen wesentlich verschieden ist. Der jüdische Held ist kein Eroberer, kein Festungserstürmer, sondern der Mann von Geist und Herz, der Träger -einer Idee, der mit Mannesmut und SÄbstlosigkeit für die Ideale seines Volkes in Zeiten der Not in die Schranke tritt und Gut und Blut willig opfert. Darum sind unsere Helden nie rühm- und beutesüchtige Eroberer gewesen, sondern mutige und wackere Verteidiger der geistigen Güter des Volkes. Das Geistige, das Ideale war es, «das ihnen stets wie eine Feuerfäule voranleuchtete und ihnen die HÄdenkrast verlieh, die sie zum Siege führte. Die Idee verkörperten sie in allem, für das sie kämpften und stritten. Das Land, für das sie kämpften, war nicht ihr Vaterland im üblichen Sinne, das Land ihrer Ahnen, sondern vielmehr das heilige Land, das der Welt den einzigen Gott und der Gesamtmenschheit ihre Sittlichkeit gegeben; Jerusalem war nicht bloß die Residenz, sondern zugleich der Sitz des gottgeweihton Heiligtums. Darum gibt es auch rat Judentum wenig Heldenverehrung; denn, war der Kamps zu Ende und wurde in die Siegesposaune gestoßen, so war es stets der Sieg der Idee, der das Volk begeisterte, und in dieser Siegesfreude eMickte man .die Lorbeerkränze für die heldenmütigen Taten. Dies zeigt uns auch die MaKabäergoschichte, die uns in diesen Freudentagön wieder ins Gedächtnis zurückgerufon wird. Wir ehren das Andenken dieser wackeren Streiter Israels, indem wir aus das Ziel, das ihr Heldenkamps gegen die ruchlosen syrischen Scharen zeitigte, besonders Hinweisen: die Wiedereinwöihung des Tempels. Es ist so recht bezeichnend für Ne jüdische Art, daß kein Heldenfest, wie es bei anderen Völkern üblich war, sondern ein Weihefest, ein Fest des Lichtes für ewige Zeiten eingesetzt wurde. Der Kamps der Makkabäer war eben ein Kampf für ein Ideal, für die Idee des Judentums; es war der Kamps der Sittlichkeitgogen die Unsittlichkeit, der Kampf des geläuterten GvtteSglaubens gegen den finsteren Götzendienst. Deshalb sollen wir in der Freude über den Sieg der erhabenen Idee des Judentums das Andenken der Helden ehren, welche dieser Idee zum Sieg verholfen haben. Ja, der Kampf der Makkabäer war ein Kampf um die Wahrheit, ums Licht, weshalb in den fröhlichen Tagen des Chanukafestes die Hellen Lichtlein an ihre Heldentaten erinnern sollen. Die hellschimmeruden Lichtlein sollen aber nicht bloß erinnern, sondern auch belehren und anspovnen, es jenen Helden gleichzutun. Die bösen Geister sind noch nicht überwunden. Ne Finsternis spukt noch allenthalben, und der Kampf um Aufklärung und Menschlichkeit muß heute energischer geführt werden denn je. Unter der Macht boshaften Konkurrenzneides und alter Vorurteile haben wir Juden aufs neue überall mehr oder weniger zu leiden, und unsere heiligste Aufgabe, wie die der Edlen aller Nationen, muß >es sein, diese Mächte zu brechen und die Finsternis zu verscheuchen. Die Geschichte lehrt uns, daß aller Judennot, der geistigen wie der materiellen, nur durch Verbreitung von Wissen und Wahrheit gesteuert werden kann, und daß das Judenelend mit dem Sieg der Wahrheit verschwindet. Die Chanukalichter scheinen mit einer -deutlich vernehmbaren Stimme uns zu mahnen: Zündet Lichter an! Verbreitet die Wahrheit! Blicken wir nach dem Osten, wo unsere Glaubensgenossen in der Furcht vor Plünderun-g, Schändung, Verstümmelung, Mord und Brand ihr Leben fristen, nach der Ukraine, wo die Leiden -sine schier unvorstellbare Furchtbarkeit erreicht haben — überall, wohin wir schauen, tönt -uns der Mahn- und Weckruf entgegen: Helfet und kämpfet für Wahrheit, Recht und Frieden! Sucht Rassen- und Klassmhaß, Aberglauben und Vorurteile zu beseitigen, kämpft für wahre Zivilis-atron und Kultur, dann wird Israel von seinen Qualen und Leidm erlöst sein! Der Sieg der Wahrheit, des Idealismus wird die Erlösung Israels anbahnen. Makkabäer tun uns not. Sie sind vielleicht vorhanden, aber sie zersplittern! sich, weshalb ihre Taten nicht den erwünschten Erfolg Habens Sie müßten sich zusammenbun und mit vereinten Kräften kämpfen. Wir sprechen ja auch nicht von Juda Makkabi, sondern von den Makkabäern; denn der einzelne vermag wenig auszurichten. Der Kamps ist groß und bedarf deshalb zahlreicher Kräfte. Wen« nun Ne Männer, die reich an ideellen und materiellen Gütern, an Geist und Herz sind, mit vereinten Kräften für Recht und Gerechtigkeit, Zivilisation und Menschlichkeit kämpfen, unverdrossen den Kampf für Ne Wahrheit führen, -dann wird auch uns ein gleiches Los zuteil wie den Makkabäern: der Sieg des Rechts. Emil Gabriel (Offenbach a. M.). Mochenlchsu. Berlin, 19. Dezember. i^-n der Sitzung des Preußischen Landtages vom 10. d. M., \ bei der zweiten Beratung des Bergetats, berührte Abgeordneter Hein zelm ann (U. Soz.) unliebsame Vorgänge in Oeynhausen, die, wie er ausführte, nicht zuletzt durch aufreizende Reden des deutschnationalen Abgeordneten Pastor Koch hervorgerufen worden seien. Ein kriegsbeschädigter Kurgast Cohn sei behelligt worden, als er während eines Kurkouzerts beim Deutschlandlied sich nicht erhob. Der Mann, der einen O b e r s ch e n k e l s ch u ß hatte, wurde beschimpft und derart bedroht, daß er über Nacht abreisen mußte. Der Abgeordnete führte Beschwerde über schwarze Listen, mit denen von mitteldeutschen Unternehmern die Freizügigkeit der Bergarbeiter beschränkt werde. Dann folgte die zweite Beratung des Kultusetats. Abgeordnete Frau Dr. Wegscheider (Soz.) begrüßt es, daß wieder ein parlamentarischer Minister an der Spitze der Kultusverwaltung steht und daS verfehlte System der Fachminister aufgegeben sei. Nun muffe aber dev Minister zu den dringendsten Fragen Stellung nehmen. Das gegenwärtige Verhältnis zwischen Staat und Kirche fei nicht dauernd haltbar. Die Trennung muffe praktisch durchgeführt werden. Die höheren Schulen dürfen nicht durch zu hohe Schulgelder den Minderbemittelten verschlossen werden. Abgeordneter Dr. v. Campe (D. Bp.) sieht die Aufgabe des Unterrichts darin, den wahren deutschen Gei st im Volke wieder zu wecken, der über alle Unterdrückungsabsichten der Feinde hinweg die ganze Nation zu einigen berufen sei. Hätten jetzt unsere Universitäten Männer hervorgebracht, wie Fichte, Schleiermacher, Kant — unser- Sturz wäre nicht so tief gewesen, wie er es tatsächlich gewesen. Freilich vor mehr als hundert Jahren habe Preußen den besten Mann, den es hatte, an die Spitze des Kultusministeriums gestellt — Humboldt. Bei uns habe man einen Mann wie Adolf Hosfmann ins Kultusministerium berufen! Das war gewiß, ein Witz der Weltgeschichte, aber ein schlechter und beschämender. (Beifall.) Weiter werde es notwendig sein, die vaterländische Gesinnung in unserem Volke zu

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