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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-23 · Heft 26 (23.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 26 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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85. Jahrgang. Nr. 26 Berlin, 23. Dezember 1921 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner Or. Ludwig kb Nipp ton Vertag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Diese Zeitung erscheint vierzehntäglich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezögen vierteljährlich 3 01 — Postscheckkonto 324. Ultfttfff* Die jüdische VoMschule. Von Dr. S i a f r id Be h r e n s IJIUJUU. (Göttinnen). — Vom jüdischen' Heldentum. Von Emil Gabriel (Offenbach a. M.). — Wvchenschan. — M-tteilunaen über die Arbeit für das Bibliothekswisseni in Erez-Jisr-ael. Von >öer Hauptsammelstelle. Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 52. Flemminastratze 12. — Aron Friedmann (mit Bild). Zum Mjähriaen Amtsjubiläum am 1. J-anuar, 1Ä22. Von E m a n u e l Kirschner (München). — Die Lebensanschauunaen der aroßen jüdischen Denker. Von Rabbiner Dr. Löwen st a m m (Spandau). IV. — Feuilleton: Makkabis Berufung. Von S. Asch ne r. — Israel. . Von Saphra (Annaberg). — Der Fall Berjack. Von Lydia A u e r b a ch. [9. Forts.f — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Druckfehlerberichtigung. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Aeituna des Judentums"): Berlin, Königsberg i. Pr., Breslau, Dresden, Halle, Hamburg, Köln. Gießen. Frankfurt a. M.. Budapest. — Von Nah u n d Fern. Die Mische Volksschule. Von Dr. Sigfrid Behrens (Göttingen), s geht ein Zug nach Erfüllung praktischer Forderungen durch die Welt. Der Gedanke des Wiederaufbaus ist zu einer bitteren Notwendigkeit geworden, ,der sich im nationalen wie im religiösen Leben durchsetzen wird. Zuviel ist der Kultur, ist .der Gemeinschaft durch die Auswirkungen des Krieges und seine Begleiterscheinungen genommen worden. Wir sind zu eng mit der Gesamtheit verknüpft, als daß wir nicht die gleiche Beobachtung in unseren Kreisen sammeln sollten. Fragen tauchen aus, die schneller und bedingungsloser als früher nach Entscheidung drängen, weil wir tiefer als ehedem die Krisis der Gegenwart, die Umwälzung unserer seelischen Einstellung empfinden. Wer es ernst meint mit dem Judentum, kann an der Auseinandersetzung mit dem Gedanken der jüdischen Volksschule nicht gleichgültig vorübergehen. Prüfen wir sie einmal ganz objektiv: sine ira et studio. So sehr die Schule zum Objekt streitender politischer Parteien bestimmt wird, so sehr müssen wir diesen Gesichtspunkt bei der Behandlung einer jüdischen Angelegenheit ausschalten. Wir halben uns längst schon zu der Ansicht bekehrt, daß die Anwendung rein politischer Theorien und gebräuchlicher Schlagworte uns auf ganz falsche Bahnen der Beurteilung drängt. Gewiß wäre die Werale Meinung ausgezeichnet, dem öffentlichen Schulwesen einen simultanen Charakter aufzuprägen. Das aber sitzt voraus, daß diese Auffassung von den überwiegenden Schichten des Volkes geteilt wird. Und niemand wird behaupten, daß das gegenwärtig oder in absehbaren Jahrzehnten der Fall sein wird. Wir müssen damit rechnen, daß man sich auf lange hinaus für die Bekenntnisschule entscheiden wird, schon weil große und maßgebende Parteien sich dafür einsitzen werden. Es handelt sich also für uns keineswegs um Verleugnung eines Programms, wenn wir nach dem Beispiel der Umwelt unsere Entschlüsse fassen: Warum in aller Welt sollten wir Einrichtungen nicht treffen, die, wir für notwendigim Zusammenhänge mit der Richtung der Zeitströmung erachten? Warum sollen wir unser Bekenntnis nicht in der Bekenntnisschule pflegen, wenn es die anderen betonen? Warum sollen wir an einer Theorie sesthalten, die selbst in Menschenaltern nicht durchgedrungen ist? Wir sind falsch unterrichtet, wenn wir glauben, daß die Bekenntnisschule jemals die Gegensätze der Konsissionen verschärft oder das Zusammenleben erschwert hätte. Die Umwandlung, die sich gerade jetzt im Ausbau unseres -Schrckwesens vollzieht, wird durch die jüdische Schule keineswegs ein Hindernis finden, wie praktische Beispiele -hinreichend verdeutlichen. Es mag auffällig erscheinen, daß neuerdings sich liberal gesinnte Theologen für die jüdische Volksschule einsetzen. Aber ihr Liberalismus ist eben frei von jedem politischen Einschlag und darum ein anderer als der landläufige, etwas erstarrte Gemeindelibevalismus. Die Eindrücke der Jugend hafsin nun einmal besonders stark im kindlichen Gemüt. Gerade in den ersten Schuljahren kann die jüdische Schule ausgezeichnet den jüdischen Willen des Elternhauses unterstützen. Es ist notwendig, daß das jüdische Kind einmal durch eine ausgesprochen jüdische Atmosphäre hindurchgeht, und es ist nicht einzusehen, wieso es an Leib und Seele Schaden nehmen sollte, wenn es einmal Sabbatruhe und Festtagsweihe in vollen Zügen genossen hat. Tatsächlich besitzen noch eine große Anzahl jüdischer Gemeinden jüdische Volksschulen, -besonders in mittleren und kleineren Städten. Selbst im westlichen Industriezentrum ist die jüdische VoWschule die Regel. Bedauerlich bleibt, daß die maßgebenden Großgemein-den von sich aus jüdische Volksschulen nicht gegründet haben oder die Initiative erst ergriffen, als die Durchführung erschwert wurde. Fest steht indes, daß 'die führenden Persönlichkeiten der deutschen Judenheit zumeist die jüdische Volksschule durchlaufen haben oder jüdische höhere Lehranstalten besuchten. Eine dauernde jüdische Interessiertheit kann nur quellen aus der innigen Berührung mit jüdischem Leben und jüdischem Geist, aus der unmittelbar gewonnenen Anschauung und Erfahrung. Ganz abgesehen davon, daß das religiöse und Gemeinschaftsleben aus der Verbindung von jüdischer Schule und jüdischer Gemeinde reichen Gewinn schöpfen müßte, zeigt die ganze Frage auch ihre rein materielle Kehrseite. Die Aufrechterhaltung der jüdischen Gemeinden namentlich aus dem Lande ist eine Frage der jüdischen Volksschule, oder besser der jüdischen Volks schult ehr er, die wesentlich berufen sind, Kultus und Kultuseinrichtungen zu pflegen und der Gemeinde das Beispiel jüdischer Persönlichkeiten zu geben. Schwindet der Lehrer, so ist der Gottesdienst in Frage gestellt, im besten Falle privaten oder unkundigen Händen anvertraut. Der Unterricht wird, wenn er überhaupt weiter erteilt wird, aus ein Minimum beschränkt, und die Berührung mit dem lebendigen jüdischen Leben geht verloren. Exempla trahunt. Man braucht sich nur einmal die kleinen und

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