Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 25 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229507--76502-3289100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 12. Israelitische Waisenanstalt 2000 Mack. 13. Jüdisches Studenten-- heim 1000 Mark. In der anschließenden geheimen Sitzung stand die GewährungverschiedenerBeihilfen zur Erledigung. Fr. Halderstadt, 2^ Dezember. Der hiesige Verein „Israelitisches Heim „Neweh Menuchoh" gewährt Zurzeit 9 Insassen, 8 Frauen und 1 Mann, ein friedvolles Altersheim. Die Zahl ist deshalb so gering, weil infolge der Wohnungsnot von dem zu Heinizwecken seinerzeit gekauften zweiten Hause leider noch kein Gebrauch gemacht werden tonnte. Da die Teuerung weitere Fortschritte macht, verdient der vom Minister des Innern als milde Stiftung anerkannte Verein die Unterstützung unserer Glaubensgenossen. Nach 8 12 der.Satzungen übernimmt der Verein gegen eine Stiftung die Verpflichtung zum Andenken an Verstorbene im Heim 1.-während des Trauerjahrs das Knddischgebet und 2. immer am Todestage ein Licht zu brennen und das Kaddischgebet verrichten zu lassen. Dem Vorstand des Vereins gehören zurzeit an Rabbiner Dr. A u e r b a ch, Arthur H e l f t, Dr. med. Auerbach, Julius Meyer. Die dauernde Mitgliedschaft des segensreichen Vereins „Neweh Menuchoh" erwarben infolge Stiftung des Herrn A r o n H i-r s ch in Berlin von 2000 Mark Frau Rosa Auerbach >g,eb. Hirsch anläßlich ihres 76. Geburtstages und infolge einer Stiftung von- 3000 Mark Herr Aron H i l d e s h e iru e r anläßlich seines 70. Geburtstages. L. Mainz, 2. Dezember. Unter lebhafter Anteilnahme der staatlichen und städtischen Behörden, der Schuldirektoren, des Eisenbahnnnd Landgerichtspräsidenten, -des Vorsitzenden der Handelskammer u. -a. m. sowie .eines großen Teils der Mainzer jüdischen Bevölkerungfand in der hiesigen Hauptsynagoge die feierliche Enthüllung der Ehrentafeln zum Gedächtnis an die im Kriege gefallenen 66 Gemeindemitglieder, gleich 2,02 Prozent der hier wohnenden Israeliten, statt. Im Vorort Bretzenheil fielen fünf Söhne aus zehn jüdischen Familien. Die Abnahme der Verhüllung -erfolgte durch zwei jüdische Frontkämpfer, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klasse. Die Namen der Gefallenen sind alphabetisch geordnet. Aus -mehreren Familien sind zwei Söhne gefallen, ans mancher Familie der einzige Sohn bzw. Kind, viele der Eltern sind ihren Söhnen bereits in die Gruft nachgefolgt. In feiner überaus eindrucksvollen Weiherede hob Herr Rabbiner Dr. Le v i hervor, daß der Vorwurf, die Juden seien schuld am Kriege, ebenso unbegründet sei wie derjenige, daß die Juden revolutionären und destruktiven Tendenzen hauptsächlich huldigten. Kein gläubiger Jude wird auch nur einen einzigen Stein vom Vau des Vaterlandes reißen. Die, die uns als Schädlinge angeheftet vierden, waren unserem Bekenntnisse schon untreu, ehe sie an .der Sache des Vaterlandes rüttelten. Die Tafeln sind künstlerisch -ausgesührt und mit entsprechenden hebräischen Sprüchen verziert. Stimmungsvoll wurde die Feier eingeleitet durch ein freies Vorspiel für Orgel nach dem Motiv: „In der Heimat, in der Heimat, da gibt's ein Wiedersehen." Es folgten das Solo „Ruht in Frieden, alle Seelen" von Schubert, -der Chor: „Enosch kchozir jomow" von Lewandowski, dann nach der Weiherede (Psalm 61,5) der Chor: „Seele, was betrübst du dich?" von Stäab. Von gleich gehobener Stimmung war der Schlußchor: „Ich hat einen Kameraden", der zumal auf die anwesenden Nichtisraeliten eine äußerst starke Wirkung hervorries. — Unser Herr Rabbiner Dr. Levi betätigte sich in jüngster Zeit mit großem Erfolge in Wort und Schrift in der Abwehr antisemitischer Angriffe, an denen es auch hier nicht fehlt. Deutsch-Oesterreich. F. Wien, im November. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde hatte viele Jahre hindurch keinen neuen Tempel gebaut, wohl, weil sie der Meinung war, daß ihre Tempel i n der Stadt genügten und daß alle, die an einem feierlichen Gottesdienste teilnehmen wollten, einen solchen in der Stadt finden könnten. Das war wohl eine Zeitlang möglich, aber doch nicht für die Dauer. Eine ständige Wanderung nach der Stadt wurde für die entfernter wohnende jüdische Bevölkerung unmöglich, als diese zunahm und immer mehr wuchs. So war es besonders mit dem Bezirk „Favoriten" der Fall, welcher a-n der Peripherie Wiens gelegen ist. Hier besaß man noch im Jahre 1896 eine eigene gemeinsame Gebeistätte im zweiten Stock eines Geschäftshauses, die aber weder würdig noch geräumig genug für die zahlreiche jüdische Bevölkerung war. Daher entschloß man sich, einen schönen Tempel zu errichten. Der Tempelverein des 10. Bezirks erfreute sich einer Anzahl sehr rühriger und tatkräftiger Mitglieder und Vorsteher, besonders des leider schon verstorbenen Herrn Carl Seligmann und des erfreulicherweise noch lebenden und rüstigen Herrn Jacob S. S t r a ß b e r g. Mit Hilfe eines eifrigen Baukomibees ging man an das große Werk, und am 5. September 1896 konnte der Teinpel seiner heiligen Bestimmung übergeben werden. —- Die Tischri-Feste standen hier im Zeichen der Jubiläumsfeier. Schon am Neujahrsfeste wies der Rabbiner, der seit mehr als 20 Jahren im Verein und seinem Tempel amtiert, Herr Dr. Mandel, aus dieses große, immer denkwürdige Ereignis, auf das imnrer mehr wachsende Interesse der Tenrpelgemeinde für Judentum und jüdisches Leben hin, und am Schlußfest wurde insbesondere das Jubiläum von neuem im Tempel gefeiert mit dem Amtsjubiläum der beiden Männer, die seit Bestehen des Tempels an demselben und für denselben gewirkt haben, des Obmanns Herrn Jacob S. Straßberg und des Herrn Oberkantor Joseph Schlesinger. Da hat der Herr- Rabbiner noch rühmend erwähnt, wie der unermüdlich tätige und sorgsame Obmann bald nach der Einweihung des Tempels unter Teilnahme des Herrn Moritz Faltitschek, der viele Jahre zum Segen des Bezirks wirkt, einen jüdischen S ch u l v e r e i n für den Bezirk gründete und in seinem eigenen Hause (Hasengasse 7) einen großen Saal errichtete und diesen für einen Zeitraum von zehn Jahren unentgeltlich zur Verfügung stellte. Etwa 300 Kinder wurden jahraus jahrein in diesem Schulverein unentgeltlich unterrichtet, und die Schule unter Leitung des Herrn Rabbiners fand immer größere Anerkennung. Seiner großen Einsicht und Rührigkeit ist es zu danken, daß jüdisches Leben im ganzen Bezirke pulsierte. Auch wurde bei der Feier erwähnt, daß es dem Obmann gelang, vor drei Jahren das an -den Tempel angrenzende Halls (Humboldtgasse 25) zu einem verhältnismäßig billigen Preis zu erwerben und durch große materielle Opfer der Vorstands- und Vereinsmitglieder, besonders durch die tatkräftige Unterstützung -des Obmann-Stellvertreters Herrn Adolf Reiß, dieses erworbene Haus derart einzurichten, daß es den Schulzwecken dienen konnte und auch vom Tempel aus ein Zugang zu den Schulräumen'und zum sogenannten Wintertempel möglich-wurde. — Bei dieser schönen, erhebenden Feier im Tempel waren außer den Mitgliedern des Tempelvereins anwesend Vertreter aus den verschiedenen Bezirken: für die Kultusgemeinde (Herr Dr. Krenberger), für den IV.—V., für den VI. Bezirk, für den Verein „Ansche Emesz" (X. Bezirk), für den Zionistischen Verein im X. Bezirk. Die anderen Tempelvereine haben des Festtags wegen nur schriftlich ihre Gratulation übermittelt. — An die Jubiläumsfeier im Tempel schloß sich aus. Einladung des Vorstandes eine Festsitzung im erweiterten Wintertempel an. Hier begrüßte zunächst der Obmann die -erschienenen Männer und Frauen und erteilte dem Vorstandsmitgliede Herrn Armin Klein, das Wort, welcher lebhaft ilnd mit beredten Worten und freudig erregt über die gute Entwicklung des Tempelvereins und sein Wachstum während des verflossenen Zeitraums berichtete und dabei insbesondere die großen Verdienste des seit mehr als 20 Jahren amtierenden Rabbiners um die Förderung aller Vereinsangelegenheiten und -einrichtungen hervorhob. Nachdem sodann der Obmann für das Zahlreiche Erscheinen innig dankte und noch bemerkte, daß er Ne Absicht habe, demnächst die Generalversammlung einzuberufen und derselben den Vorschlag zu unterbreiten, Frau" Bertha S e l i g m a n n aus Dankbarkeit für ihre zur Zeit des Tempelbaues geleisteten .großen Dienste sowie aus Pietät für ihren verdienstvollen Gatten zum Ehrenmitglied des Tempel- und Schulvereins zu ernennen, fand die Feier ihren Abschluß und man ging „freudig und frohen Herzens" auseinander, aber nicht ohne Mißstimmung darüber, daß sich die Kultusgemeinde im allgemeinen wenig um den Tempelverein und seine Existenz kümmert, daß sie namentlich wohl die Steuern erhebt und doch nicht die Sorge für sie und die Angestellten mitträgt. Hoffentlich wird dieser höchst ungünstige Zustand baldigst zum Wohle aller und zum Heile des Tempelvereins die notwendige Wandlung erfahren. Angsrn. 2. Budapest, im November. Das Leichenbegängnis Goldziehers ging in würdiger Weise am 15. November vom Vestibül der Akademie der ungarischen Wissenschaften vonstatten. Oberrabbiner Dr. Fischer, Gemeindevorsteher Bela F e l e k h, der Dekan der philosophischen Fakultät Dr. Josef Siegescou widmeten hier dem Verblichenen warme Nachrufe. Der Leichenzug begab sich hierauf vor den Tempel der Pester Israelitischen Religionsgemeinde,