Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 25 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 3. Der Antrag des „Verbandes jüdischer Francn für Kttl-turarbei-t in Palästina": Der Jüdische Frauenbund möge es fernen angeschlosienen Verbänden anheimstellen, ihr ideelles <und materielles Interesse für kulturelle Frauenarbeitsin Palästina Zu bezeigen, wird angenommen. 4. Die Versammlung beschließt, daß alle dein Bunde angeschlossenen Vereine und Ortsgruppen sowie die bestehenden Anstalten nach Möglichkeit versuchen, das Patronat, d. i die völlige Versorgung für ein Ukrainer Waisenkind, zu übernehmen. Das Wesentliche an allen Beschlüssen' ist, daß der Jüdische Frauenbund immer wieder seine Aufgabe darin sieht, die jüdischen Frauen aller Richtungen za sammeln, damit sie gemeinsam „die Kulturforderungen des Judentums und der Frauenbewegung verbinden und sie mit immer neuem Leben durchdringen." Die Tagung wurde eingeleitot durch einen Begrüßungsabend, der irr Ansprachen und Gesang den Arbc-itstagen einen festlich-frohen Auftakt zu geben wußte. Junge Menschen, aus verschiedenen Richtungen und Parteien wollten zeigen, daß eine gemeinsame Verantwortung sie teilnehmen läßt an den jüdischen Frauen fragen, daß sie bereit sind, an ihnen mitzuarbeiten. BeEn, 6. Dezember. Der Hilssverein der deutschen Inden, der bei .tont Hilsswerk für die ukrainischen Juden seine organisatorische und pekuniäre Mithilfe leiht, nimmt auch an der Waisensürsorge in verschiedener Form tätigsten Anteil. Was in seinen Kräften steht, bietet er aus, damit der Durchzug ukrainischer Waisenkinder, die in Sammeltransporten über Deutschland einer neuen Heimat Zugeführt werden, möglichst schnell und behaglich vonstatten geht. Im Sommer dieses Jahres hat der Hilssverein Transporte ukrainischer Waisenkinder, die nach Kanada und Argentinien bestimmt waren, bei ihrer Ankunft an der deutschen Grenze durch seine Beamten in Empfang nehmen und bis zur Westgrenze geleiten lassen. Bei der Durchführung von Transporten über Berlin sorgt für die Unterbringung und Verpflegung der Kinder der dem Hilfsverein angegliederte Bahnhofsdienst, dem besondere Räume am Schlesischen Bahnhof Zur Verfügung stehen. Vor kurzem ist ein Transport von 90 Kindern über Berlin gekommen. Es gehen jetzt monatlich unter Führung der Gesellschaft „Hias" von Warschau über Danzig und Bremen regelmäßig mehrere Kindertransporte nach der Neuen Welt. Ueber den Transport, der am 15. November Bremen verließ, geht uns der folgende Bericht zu: „Ein Transport jüdischer Pogromwaisenkinder (im ganzen 59) kam Dienstag, 15. November, mit dem Llohddainpfer „Möve" in Bremen an, um gleich am selben Tage mit dem großen Schnelldampfer „Amerika" die Weiterreise nach Amerika anztltreten. Ein Kulturmensch kann sich kaum vorstellen, was das Wort „Pogromwaisen" bedeutet, Vater und Mutter erschlagen, Bruder und Schwester ermordet. Viele dieser unglücklichen Neberreste blühender Familien sind noch scheu, verängstigt, noch heute vom Gespenst des Pogroms verfolgt. Es ist ein mühseliger, dornenvoller Weg, den die Kleinen hinter sich haben. Welch ein Glück, daß mitfühlende Menschenherzen sich dieser armen Geschöpfe liebevoll annehmen. So groß das Elend, so reich die Hilfe. Ter Transport wurde durch den Vertreter des Hilfsvereins in Bremen, Herrn Rabbiner Dr. Rosenak, empfangen und dann wettergeleitet. In dankenswerter Weise stellten sich die Damen des Schwesternbundes der Kaiser-Friedrich-Loge zur Verfügung. Vom Norddeutschen Lloyd ivar der Leiter der Zwischendeckabteilung mit seiner Frau anwesend, die sich gleichfalls in rührender Weise um die Kinder bemühten. Die Uebersahrt Volt Danzig nach Bremen haben die Kinder gut überstanden. Tie Seelust hat ihren Appetit angeregt; es war eine Freude zu sehen, wie sie sich die dargereichten Leckerbissen schmecken ließen. Bei der Ankunft lvurden sie in den geräumigen Lloydhallen mit Schokolade und Kuchen, Tee und Gebäck bewirtet. Vom Damenkomitee hatte jedes Kind eine Düte mit Obst und Gebäck empfangen. Auch Spielsachen wurden den Kleinen gereicht. Der amerikanische Arzt nahm eine gründliche Untersuchung vor. Bis auf einzelne wenige wurden alle als gesund befunden. Unter den Klängen der Schiffsmusik bestiegen sie den Dampfer „Amerika". Mit herzlichen Dankesworten verabschiedeten sie sich, indem sie den Rabbiner baten, sie zu segnen. „Gott segne und behüte euch!" Aus vielen Kehlen kam das Wort und schallte hinüber zu jenen, die, wie zu hoffen steht, einer besseren, menschenwürdigen Zukunft entgegengehen." Außer den Damen und Herren des Hilfsvereins- und Logenkomitees, das sich der Kinder annahm, gebührt dem Norddetitschen Lloyd und seinen Vertretern für die besondere Fürsorge, die den Kindern aus der Seefahrt und im Hafen zuteil wurde, wärmster Dank. ### Berlin, 6. Dezember. Unter großer Beteiligung fand am 22. v. M. auf dem Friedhof der Adaß-Jisroel-Gemeinde die Bestattung Professor Hoffma n n s statt. Die in der Synagoge voraatgegangene Trauavseier wurde nach einem Psalmenvortrag durch eine warmempfundene Ansprache Dr. Meier Hildesheimers namens der Gemeinde eingeleitet, woraus im Aufträge des Kuratoriums des Rabbi nerseminars Herr Hermann Gumpertz (.Hamburg), für die Schaß-Chewra Herr Adolf Prager das Wort ergriffen. Aus Jtvent Friedhofe sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. M u n k. Jhnr schloß sich ter Sohn des Heimgegangenen, Rabbiner Dr. Hoffmann (Breslau), an, woraus für das Dozentenkollegium des Nabbinerseininars Herr Dr. Grünberg, für die ehemaligen Schüler Rabbiner Dr. Bon.di (Mainz) und Rabbiner Dr. Cohn (Basel) dein Schmerze um den Verlust des Meisters und Führers erschütternden Ausdruck verliehen. Besonders ergreifend war zuletzt die Ansprache eines der gegenwärtigen Schüler des Heimgegangenen, des Seminaristen Julius Merzbach. Die übrigen noch vorgemerkten^Redner, die Vertreter ter Synagogengemeinte Breslau, der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, des Buntes gesetzestreuer Gemeinden, der Weltorganisation „Agudas Jisroel" und ihres deutschen Gruppenverbautes sowie der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M., mußten auf das Wort verzichten, weil die sinkende Sonne eine weitere Fortsetzung der Träueransprachen unmöglich machte. F. C. Berlin, 6. Dezember. Eine zahlreiche Teilnehmerschast versammelte sich am letzten Sonntag im Israelitischen Lehrerinnenheim zu Lichterfelde zu einer Trauerfeier; sie galt den Manen der jüngst verstorbenen Borstandsinitglieder: Herr Dr. Albert Oliven und Frau Jda Gntmann. Herr Handelsrichter, Dr. h. c. Wolf N ette r, derneugewählte erste Vor-sitzende des Vereins Israelitisches Lehrerinnenheim, hielt eine Ansprache für die beiden Geschiedenen. Er gedachte in warmen anerkennenden Worten der Verdienste des Geh. Dr. Oliven um das Heim und gleicherweise der zwanzigjährigen Tätigkeit von Frau Jda Gut m a n n an dieser Stätte. Die Gedächtnisrede hielt Herr Rabbiner Dr. Baeck. Gesang, Cellovortrag und Klavierbegleitung gäben der würdigen Feier ein weihevolles Gepräge. r. Breslau, 28. November. In der am 21. d. M. stattgehabten Sitzung der Repräsentantenvprsammlung hielt ter Vorsitzende, Professor Dr. Wohlauer, dent verstorbenen Vorstandsmitgltete Louis Löwenthal einen ehrenvollen Nachruf, und das Kollegium ehrte dessen Andenken durch Erheben von den Plätzen- Gemäß einem früheren Beschlüsse der Versammlung: legte der Vorstand die spezialisierte Ausstellung über die Arbeiten aus tem Coseler Friedhof vor. Es wurden ansgegeben für den Ehrensriedhof- 210 004,07 Mark und für die Errichtung neuer Felder 129995,03 Mark. Für die Beschaffung neuer gottesdienstlicher Räume beschloß man die Einsetzung einer Kommission. Einem Dringlichkeitsantrag zufolge beschloß man, für bessere Erwärmung ter Synagogen zu sorgen. Die Anträge, betreffend die Besoldungsordnung, Dienstanweisung, Eingruppierung der Beamten, Gehälter der Angestellten usw., wurden ter erweiterten Gehältskommiffion zwecks weiterer Vorberatung überwiesen, und sie wurde ermächtigt, etwaige Vorschüsse zur Auszahlung bringen zu dürfen, und zwar bei Gehältern bis zu 10900 Mark 600, bis 20000 Mark 1000 Mark, und über 20 000 Mark 1500 Mark. Soll die Kommission höhere Vorschüsse feftsetzen, dann seien diese zu zahlen. Nach dein Abschluß der einzelnen Verwaltung beträgt die Einnahme der Hauptverwaltung für das Rechnungsjahr 1920/21 2 674 557,07 Mark, die Ausgabe 2 542 343,77 Mark, so daß ein Ueberschuß von 132214,20 Mark verbleibt. (Im Vorjahre war ter Ueberschuß wesentlich größer.) Die Verwendung des Ueberschusses beschließt man, wie folgt: 1. Zu,r Verstärkung des Versicherungsfonds 100 000 Mark. 2. Zuwendungen sollen erhalten: 1. Israelitische Altersversorgungsanstalt 5000 Mark. 2. Israelitisches Siechenhaus 3000 Mark. 3. Jüdisches Schwesternheim 5000 Mark. 4. Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger Kinder 5000 Maxk. 5. Industrieschule 5000 Mark. 6. Israelitisches Speisehaus 1600 Mark. 7. Jüdischer Frauenbund 1000 Mark. 8. Säuglings- und Kinderheim 1000 Mark. 9. Verein jüdischer Frauen: Kindergarten und Kinderhort 800 Mark. 10. Israelitischer Mädchen- Hort 800 Mark. 11. Israelitisches Mädchenheim 1600 Mark.