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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-09 · Heft 25 (9.12.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 25 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 vür dessen Loren Oberrabbiner 2>r. Simon H e v e s i eine warme Ansprache hielt, und dann nach dem fernen Friedhose, wo am offenen Grabe der Rektor des Rabbinerseminars, Dr. Ludwig Blau, der Schwiegersohn des Verblichenen, der Keszthelyer Oberrabbiner Dr. Alexander Büch l er. der Generalsekretär der Gemeinde, Dr. Julius G ä b v r. im Namen der jüdischen Hochschülcr Rabbiner Dr. Franz Hevesi und im Namen seiner einstigen Schüler der Direktor des Jüdischen Gymnasiums, Tr. Bernat Heller, von Ignatz Goldzieher rührenden Abschied nahmen. Von Mich und Fern. -- Die Jüdische Gemeinde zu Berlin beabsichtigt, für die im Kriege gefallenen Gemeindemitglieder Gedenktafeln zu errichten. Es ist in Aussicht genommen, die Tafeln eventuell in Gemeindesynagogen anzubringen, wobei etwaigen Wünschen bezüglich einzelner Synagogen möglichst Rechnung getragen werden soll. Sie bittet alle Angehörigen, Name, Alter, Todestag und Todesort dem Baubureau, Berlin, Rosenstraße 2/4, schriftlich mitzuteilen. — Der Verband Groß - Berliner Ortsgruppen des Zentralverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet am Sonntag, den 11. Dezember >1921, mittags 11)4 Uhr, eine Besichtigung der Galerie R u d o l f M o s f e, Berlin W, Leipziger Platz 11/12. Der bekannte. Kunstkritiker Fritz Stahl wird die Führung durch einen Vortrag einleiten. Karten, die nur in beschrankter Zahl zum Preise von 20 M. zur Ausgabe gelangen, sind bei Herrn Geh. San.-Rar Dr. Ludwig Hahn, Berlin MV, Martin-Luther-Straße 20, wochentäglich in der Zeit von 3 bis 5 Uhr zu haben. — Der gegenwärtig in Berlin domizilierende hebräische Dichter Chaim Nachman B^i a l i k hat soeben eine hebräische Uebersetzung von Schillers „Teü" fertiggestellt, die demnächst in der Warschauer Zeitschrift „Hatekusah" (Die Epoche) veröffentlicht wird. Bialik hat auch den „Don Quichote" übertragen .und beschäftigt sich gegenwärtig mit einer hebräischen Ausgabe von Shakespeares „Julius Cäsar". Der Verlag Sthbel (New?)ork) hat mehrere Werke von Rabindranath Ta göre in hebräischer Sprache herausgegeben, darunter „Das Heim und die Welt" in der Uebertragung von David F r i s ch m a n n. — Der von uns in der vorigen Nummer veröffentlichten Rednerliste des Verbandes der Literaturvereine fügen wir nachträglich hinzu: Direktor Dr. Ferst, Berlin N 54, Weinbergsweg 13, mit folgenden Themen: 1. Tie jüdische Nasse (mit Lichtbildern). 2. Sondertypen des jüdischen Volkes (chinesische, indische, jemenitische, afrikanische Juden i usw.), mik Lichtbildern. -7 In der Los sing-Loge zu Breslau hielt Herr j Studienassessor Dr. Willy Cohn einen hochinteressanten Vortrag! über Lassalle und seine Beziehungen znm Judentum. Allseitiger Beifall lohnte den Redner für seine geistreichen Ausführungen. — Die 40. ordentliche Vereinstagung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien findet am Sonntag, den 11. Dezember, vormittags 11 Uhr, in Breslau, im Sitznngssaale der Repräsentanten der Synagogengemeinde iWallstraße 911) statt. — In der Synagoge der Israelitischen Gemeinde zu Rostock ist eine Gedenktafel für die im Weltkriege 1914/IS gefallenem Angehörigen der Gemeinde in Gegenwart einer Vertretung des dortigen Regiments eingeweiht worden. Die Festrede hielt Rabbiner Tr. S i l b e r st e i n aus Schwerin. —- In Lübeck hat die Qberschulbehvrde einen Wortführer des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, den Professor Hofmeister, vom Dienste suspendieren müssen, weil er seine wüste Agitation in die Schule verlegte. Da er auch nachdem die Schüler in sein Haus kommen ließ, verbot der Schulleiter, Prof. Dr. R o s e n t h a l, den Schülern den Besuch der antisemitischen Erbauungsstundcn. Das faßte Hofmeister als „Beleidigung" auf und klagte. Das Schöffengericht verurteilte den Schulleiter, der im Auftrag seiner Behörde handelte, zu 300 M. Geldstrafe und Gerichtskosten. Ist das zu verstehen? — Herr Isaak Langstadt in Nürnberg feierte mit seiner Gattin Helene das seltene Fest der diamantenen Hochzeit in körperlicher und geistiger Frische. - Aus Elberfeld wird uns berichtet: Für besonders aufopfernde Tätigkeit für Qberschlesien hat der hiesige Grotzkausmann Leo Sonnen selb den „Schlesischen Adler- Orden I. Klasse" erhalten. - In Wien ereigneten sich in den letzten Tagen wiederholtschwere Unruhen infolge der stets größer werdenden Teuerung und Not. In Verbindung damit fanden Judenverfolgungen statt. Bei der Börse wurden Bomben geworfen, deren Explosion verschiedene Tote und Verwundete zur Folge hatte. Die Presse schweigt sich aber darüber ans, speziell mit Rücksicht ans das bevorstehende Plebiszit in Westungarn. — Bei der Beratung des Budgets rm österreichischen Nationalrate beantragte -der großdeutsche Abgeordnete Großbauer die Einführung eme^ Judensteuer, und! zwar in der Weise, daß man jeden Juden bis zu seinem 10. Lebensjahre mit 10 000 Kr., bis zu seinem 20. Jahre mit 20 000 Kr. und zwischen 20 und 80 Jahren mit 50 000 Kr. besteuere. — Aus Klausenburg, wird gemeldet, daß die Siebenbürgener „Achusal)" mit dem Jüdischen Nationalfonds einen Erbpachtvertrag aus einige tausend Dunam für 300 jüdische Bauernfamilien abgeschlossen hat, die mit ihren Viehbeständen und mit vollem Inventar demnächst nach Palästina übersiedeln, um im Frühjahr bereits im Lande zu sein. Jede Familie erhält 15 Dunam für gemischte Landwirtschaft. — Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat ein rumänischer Oberst das überwiegend von Juden bewohnte Dorf Secureni am Versöhnungstage von Soldaten umzingeln lassen, damit sie die jüdischen Bauern überfielen. Nachdem die Synagoge gestürmt worden war, wurden die Betenden auf die Felder gejagt und an ihrem höchsten Feiertage zur Arbeit gezwungen. Wer sich weigerte, wurde gepeitscht. Der Uebersall dauerte zehn Stunden, und als die Juden später das Gotteshaus betreten wollten, versperrten ihnen die Soldaten mit erhobenen Waffen den Weg. — Exkönig Karl drückte einem französischen Berichterstatter gegenüber seine Unzufriedenheit mit dem österreichischen Bundeskanzler Schober aus, weil er den „jüdischen" Sozialisten zu viel Freiheiten gewähre. Ebenso sei die Tschechoslowakei nach der Meinung des Exkönigs ein jüdisches Werk. — Vom Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilfskonferenz erhalten wir folgende Mitteilung: Die Delegierten des Exekutivkomitees der Jüdischen Welthilfskonferenz, die Herren Angelo Sulam und Nachmn H e r t in a n n, welche nach Bukarest abgereist waren, uw mit der rumänischen Regierung wegen Einstellung der Evakualion der jüdischen Flüchtlinge aus Beßarabien zu verhandeln, sind vorn Oberkommissariat für Flüchtlingsangelegenheiten beim Völkerbünde in ihrer Mission unterstützt worden. Wir sind in der Lage, mitteilen zu können, daß die Bemühungen unserer Delegation in Bukarest von einem Erfolg in dem Sinne gekrönt wurden, daß die Evakualion von nun ab nur in engierem Rahmen vor sich gehen und dadurch einer bedeutenden Anzahl von Flüchtlingskategorien die Möglichkeit gewährleistet wird, an ihren gegenwärtigen Ansiedlungsplätzen zu verbleiben. — Der bekannte Pariser Philanthrop Leonhard Rvsenthal erklärte sich bereit, 40 jüdische Waisenknaben ans der Ukraine auf seine Rechnung erziehen zu lassen. Es bildete sich ein de sonder es Komitee in Paris, um Vorbereitungen d-'chr gl treffen, auch andere Philanthropen heranzuziehen, damit sie die Erziehung weiterer Waisenkinder übernehmen. — Das in London erscheinende Wochenblatt „Jewish Ehronicle" blickte im vorigen Monat aus ein 80jähriges Bestehen zurück. Es wurde am 12. November 1841 (28. Marcheschwan 5602) begründet und gilt von jeher ' als eine der bestfundierten und bestredigierten jüdischen Zeitungen des Kontinents. Der verehrlichen Redaktion übermitteln wir hierdurch unseren herzlichsten Glückwunsch. Ans Riga wird über die Lage der Juden in Turkestan und Buchara gemeldet: 33 sephardische Juden aus Turkestan sind hier aus ihrem Wege nach.Palästina eingetroffen. Die Erlaubnis zur Ausreise erhielten sie auf Grund des englischrussischen Handelsvertrages, da sie zufällig britische Untertanen sind. Ihren Angaben zufolge beträgt die Zahl der Juden in Kokand 8000, in Samarkand 20 000, in Taschkent 12 000, in Buchara 22 000 und außerhalb der Städte 10 000. Darunter gebe es 50 000 Sephardiln. Oekonomisch sei die jüdische Bevölkerung vollständig zugrunde gerichtet. Tie Beziehungen zu den Mohammedanern und Armeniern seien keinesfalls freundlich. — In Südafrika hat eine starte Bewegung für Erdrosselung der jüdischen Immigration eingesetzt. Man beabsichtigt, im Parlament emen Gesetzvorschlag einzubringen, wonach jeder Einwanderer mindestens 2000 Pfund besitzen müsse. An der Spitze dieser Kampagne gegen die jüdischen Immigranten steht die Tageszeitung „Cape Times", die auf die in letzter Zeit besonders überhand nehmende jüdische Einwanderwlg Hinwerst. Man müsse den Juden helfen, nach Palästina auszuwandern, aber sie hätten kein Recht, die Gestattung der Einwanderung nach Südafrika zu fordern, da sie noch nichts für die Zivilisation der weißen Rasse in Südafrika beigetragen hätten. — Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastvaße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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