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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-09 · Heft 25 (9.12.1921) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 25 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 294 (sequence 12)
Language
German
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'294 „Der? Der hat ja alleine nichts." „Ist Ihnen von dem Rabbiner Geld versprochen worden, damit Sie verschweigen, was Sie etwa wissen? Vergessen Sie nicht, daß Sie hier unter Ihrem Eide stehen." „Na, daran denk' ich schon, Herr Gerichtshof; >das ist ja rein zum Schemen; so was glauben Sie von mir? Na, was so ne hohen Herr'n sich alles einreden lassen: der Herr Hauptmqnn, ich mache nich orntlich rein, und der Herr Gerichtshof so was . . „Schweigen Sie, Zeugin. Sie 'haben nur meine Frage zu beantworten. Ist Ihnen Geld versprochen worden?" „Ich Hab' doch ,nein' gesagt. Ich bin ein ehrliches Mädchen, und der Stani würde sich auch bedangen «eine zu nehmen,' die ihr Seelenheil verkauft hat ..." Wieder lachte jenes Mädchen im Zuhörerraume. „Gevichtsdiener," sprach der Vorsitzende erregt, „führen Sie die Betreffende vor, welche sich an diesem Orte so ungebührlich benimmt." Der Diener wies ein ungefähr zwanzigjähriges Mädchen an den Richtevtisch. „Wie ist Ihr Name?" fragte der Vorsitzende. „Annita Bissolster", kam die jäh gegebene Antwort. „Sie werden jetzt den Saal verlassen, unter Bewachung bleiben und nach dem Schlüsse der Sitzung erfahren, zu welcher Ordnungsstrafe Sie verurteilt werden. Gerichtsdiener, führen Sie das Fräulein hinaus." „Gestatten Sie mir eine Frage an das Fräulein, Herr Präsident?" wandte der Verteidiger sich an diesen. „Der Zwischenfall hat nichts mit der Verhandlung zu hm", lautete die Antwort. „Trotzdem bitte ich um Genehmigung meines Wunsches." „Wenn Sie durchaus darauf bestehen, bitte." „Ihre ausnehmende Heiterkeit, Fräulein Bissolster," sprach der Verteidiger, „schien mir der Zukunftsaussicht des Fräulein Katti zu gelten; sind Sie Freundinnen?" „Freundinnen!" schrie das Mädchen, „ich kenne sie ja gar nicht, aber viel Glück wünsch' ich ihr mit dem Schuft; mein bißchen Geld hat er mir abgenommen, ihr's wird er schon kriegen, und dann läßt er sie laufen, und wenn sie bettelt und barmt — es ist so weit mit mir —, ich trag' dir nichts nach, ich will für dich arbeiten wie ein Pferd, nur tu' deine Pflicht an mir, laß mich nicht im Elend sitzen! Dann leugnet er's ab, wie er's bei mir macht! Aber zugeschworen Hab' ich's ihm, daß ich ihm den Brei verderben werde, bevor er'n löffelt, und daß ich die Augen offen halten werde . . ." „Führen Sie das. Mädchen hinaus", übertönte, nach einigen vergeblichen Versuchen des Vorsitzenden, den Tobsuchtsanfall des Mädchens zu bändigen, seine Stimme zuletzt doch die ihre. „Ich fahre in den Zeugenvernehmungen fort." „Ich stelle den Antrag, den Zeugen Baschkes noch einmal zu vernehmen", sprach der Verteidiger. „Seine Privatangelegenheiten," widersprach der Staatsanwalt, „gehen diesen Prozeß nichts an." „Trotzdem beharre ich bei meinem Anträge," erwiderte der Verteidiger — „Ich lehne ihn ab," entgegnete der Vorsitzende. „So fordere ich Gerichtsbeschluß." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. " Ignaz v. Döllinger: Die. Inden in Europa. Rede, gehalten in der Festsitzung der Münchener Akademie am 25. Juli 1881. Berlin, Philo-Berlag, 1921. Man kann es füglich bezweifeln, ob es in den Zeiten der gegenwärtigen Drucknot am Platze ist, eine vor 40 Jahren gehaltene Rede neu herauszubringeu! Gewiß gibt Döllinger einen ganz brauchbaren Ueberblick über die Geschichte der Juden in Europa, der vor .allem zeigt, welch unsagbaren Leiden, unser Volk im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war — in Einzelheiten ist dieser Vortrag natürlich -heute Zu übertreffen —, aber die gesamte Einstellung ist doch heute entschieden ablehnend. Die Emanzipation wird im wesentlichen als eine Belohnung dafür dargestellt, daß „die. Israeliten sehr viel von den ererbten Vorurteilen und Gebräuchen abgelegt unlb sich in Sitte und Denkweise den Christen genähert haben". Damit hat eben aber auch eine Auslösung des Judentums begonnen, die zur Katastrophe hätte werden können, wenn nicht rechtzeitig eine gesunde Reaktion eingesetzt hätte und man wieder zur Selbstbestimmung auf sein eigenes Wesen gekommen wäre. Man sollte meinen, der Philo-Verlag sollte lieber auf die. Neuherausgabe derartiger Publikationen verzichten, denn wir sind doch wohl alle glücklich über jenes Stadium hinaus, daß wir uns geehrt fühlen, wenn ein Andersgläubiger etwas Günstiges über unsere Gemeinschaft sagt, sie aber im Grunde doch nicht versteht. Breslau. Dr. Willy Cohn. ' * Der Kl al-Verlag., der vor kurzem in Form einer Aktiengesellichaf.t -auf breiter wirtschaftlicher Basis in Berlin (Verlängerte Eharlottenstr. Id) begründet wurde, hat mit der Herausgabe von hebräischen -und jiddischen Büchern, bereits begonnen. Der Kläl- Verlag hat sich zum Ziele gesetzt, gute Werke aus denverschiedenen Gebieten der klassischen und neueren Literatur Pädago-Kschen, populärwissenschaftlichen und belletristischen Inhalts in moderner AuSsta-ttung zu volkstümlichen Preisen den breiten- Kreisen des jüdischen Publikums zu bieten. Der Verlag verfügt über eine große jüdische Druckerei mit Handsatz und Setzmaschinen und einen den Bedürfnissen der Neuzeit entsprechenden technischen Llpparat. die es ernwglichen, die Ausstattungder Verlagsausgaben aus der Höhe moderner Literaturen zu halten. Die redaktionelle Leitung liegt m den Händen des. bekannten hebräischen Schriftstellers Professor S. Hurwitz. Sprrchlsal. Sehr geehrte Re b a11io n! Sie brachten jüngst die Abbildung einer Meu-orah, die Herr Professor Grotte für die Kunstgewerbestube Freudenthal in Breslau 13, Goethestraße 11, entworfen hat. Ich nröchte Ihre Leser heute auf andere Produkte dys Hauses Hinweisen. Meine Kinder erhielten zu Sukkolh einen wunderschönen Modellierbogen', der eine Sukkah darstellt. Alles ist außerordentlich geschmackvoll künstlerisch hergestellt: die Wände bequem ineinander zu schieben, die Rückwand wohnlich -dekoriert, das Dach aus Laub mit Gi-rlandenschmuck; im Innern ein Tisch mit Stühlen, Lichtern, Kidduschbecher und Barches. Alle Kinder, die das Spiel sehen, sind entzückt, 'selten haben sie mit solcher Begeisterung ein Spielzeug benutzte In diesen Tagen erhielten die Kinder aus derselben Quelle -eine „hebräische Druckerei", wiederum recht geschmackvoll hergestellt; es ist die übliche Kinderdruckerei, nur sind die Buchstaben hebräisch. Mancher Ihrer Leser wird gern diese Spiele als Chanukageschenke verwenden. Sie sind in Berlin durch jüdische Buchhandlungen oder durch Wer u. Freudenthal, NO 18, Große Frankfurter Straße 86, Königstadt 2905, zu haben. Hochachtungsvoll Berlin, 15. November 1921. Pros. Dr. I. Elb o gen. * Herr Rabbiner Tr. Ma r x (Straßburg i. Elsaß) teilt mit, daß ihm von verschiedenen Seiten Nachricht zuging, daß Wanderarme an den Kassen Empfehlungsschreiben von ihm vorzeigen. Ermittelungen haben ergeben, daß diese Empfehlungsschreiben nicht nur in der Unterschrift, sondern auch im Stempel (der dem Amtsstempel nicht ähnlich ist) gefälscht sind. Herr Rabbiner" Dr. Marx weist daraus hin, daß er bisher noch niemanden! Empfehlungsschreiben gegeben hat. Wir bitten Vorzeiger solcher Einpfehlungsschreiben festnehmen und die Herkunft der Schreiben seststellen lassen zu wollen. Berlin, 27. November 1921. Deutsche Zentralstelle für jüdische W a n d e r a r m e n s ü r s o r ge.

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