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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-11-25 · Heft 24 (25.11.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 24 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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85. Jahrgang. Nr. 24 BcrUn’25‘Novcmbcr 1921 Vellage zur „Allvemeinen Leitung deß Judentums". LorrrsponvrnZm unL Aachrichtm. Srutschland. L2 Berlin, 22. November. Seit mehr als Zehn Jahren besteht die Israelitische E r z i e h u n g s a n st a l t f ü r geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz (Mark). In dieser Zeit hat sich das Bedürfnis in immer steigendem Maße herausgestellt, für diejenigen Insassen, die durch die Anstalt nicht so, weit gefördert werden können, um in das Leben hinaus entlassen zu werden, ein Dauerheim zu schaffen. Auch die zahlreichen Anfragen, die ständig bei der Leitung eingehen, lassen erkennen, daß ein Notstand in dieser Hinsicht besteht, und die Schaffung eines solchen Dauerheims eine dringende Ausgabe der jüdischen Wohlfahrtspflege ist. Nur der Umstand, daß bei der jetzigen Teuerung die Errichtung eines Anstaltsgebäudes und der Unterhalt eines solchen Instituts überaus kostspielig ist, hat den Vorstand der Anstalt davon zurückaehalten, diesem Projekte, dessen Ausführung ihm auch von der Zentralwohlfahrtsstelle dringend nahegelegt wird, näher zu treten. Neuerdings hat sich dem Vorstand eine Möalichkeit eröffnet, in der näheren Umgebung von Berlin ein Anstaltsgebäude kostenlos zur Verfügung gestellt zu erhalten, das sich -im wesentlichen für das geplante Dauer-Heim gut eignen und nicht allzu große Umbaukosten erfordern würde. Gestützt auf diese Möglichkeit hat der Vorstand des Vereins Beelitz beschlossen, sich ein Bild von dem Umfange des Bedürfnisses einerseits und anderseits von den zur Verfügung stehenden Mitteln zu verschaffen. Dabei wird besonders damit gerechnet, daß ersahrungsaemüß die Angehörigen älterer Schwachsinniger geneigt sind, das Erbteil der dauernd Unterzubringenden der Anstalt zu überlassen, und daß manche Wohltäter, die Verständnis für die seelische Not der Angehörigen von erwachsenen Schwachsinnigen besitzen,. geneigt sein dürften, größere Summen für das segensreiche Werk zur Verfügung zu stellen. Daher erläßt der Verein Beelitz zurzeit an sämtliche jüdischen Gemeinden Deutschlands Fragebogen, die sich mit der Feststellung der Personalien erwachsener Schwachsinniger beiderlei Geschlechts und mit der Ermittlung der für das Projekt eventuell zur Verfügung stehenden Mittel befassen. Da es in Großgemeinden schwer sein dürste, das erforderliche Material beizubringen, so wäre es erwünscht, wenn die Leser dieses Blattes das Vorhaben durch ihre Mitarbeit unterstützen würden. Fragebogen sind in jeder gewünschten Zahl durch das Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W 35, Steglitzer Straße 9,1, zu beziehen. Berlin, 22. November. Ter Verein „Lehrlinosheiin Pankow" hielt am 7. d. M. unter den: Vorsitz des Herrn Lachmann- M o s s e seine ordentliche Generalversammlung ab. Im Aufträge des Kuratoriums erstattete Direktor Israel den Verwaltungsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Das verflossene Jahr war für den Verein ein schicksalschweres und sorgenvolles. Am 8. September vorigen Jahres wurde ihm der langjährige erste Vorsitzende und Mitbegründer, Herr vr. b. e. R u d o l f M o s s e, durch den Tod entrissen. Der Verein verliert in ihm seinen bewährten Führer und Leiter, der trotz seiner umfangreichen beruflichen Tätigkeit mit warmem Herzen und opferwilliger Bereitschaft allezeit die Bestrebungen des Vereins gefördert hat. Sein Andenken wird deshalb in dem Verein und der Anstalt nie erlöschen. Außerdem, hat der Verein seinen langjährigen Schriftführer, Herrn Justizrat K r a f t, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niederlegen mußte, verloren. Herr Justizrat Kraft hat 25 Jahre mit Umsicht und Eifer sein Amt verwaltet und sich dadurch unvergängliche Verdienste-um die Entwicklung des Vereins erworben. Zu diesen schmerzlichen Verlusten kam noch die schwere Sorge der , Beschaffung der Existenzmittel für die Anstalt. Durch die herrschende ' Teuerung sind die Ausgaben gewaltig gestiegen. Dank dem Opfer-' sinn edler Glaubensgenossen ist es gelungen, das Defizit zu decken und hat der Verein die Hoffnung, daß sein allseitig anerkanntes Bestreben, das Handwerk unter unseren jüdischen Glaübensgenossen zu verbreiten, ihm immer neue Freunde und Gönner Zufuhren wird, die den Bestand der Vereinsanstalt stets sichern werden. Zum neuen Vorsitzenden wurde Herr Lachmann-Mosse und zum Schriftführer Herr Dr. Zwillenberg gewählt und von der Generalversammlung bestätigt. — Der zweite*Punkt der Tagesordnung war der Bericht der Revisoren. Auf Antrag des Herrn S. Kaiser, der die Revision vorgenommen hatte, erteilte die Versammlung einstimmig dem Schatzmeister und Kuratorium Entlastung. Bei den hierauf vollzogenen Wahlen wurden die Herren Siegfried Kaiser und Hugo Krebs als Revisoren und die Herren E. Pinkus und A. M a r k u s als Stellvertreter gewählt. Sodann wurde der'Etat nach den vom Kuratorium festgesetzten Richtlittien angenommen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende schloß mit Dankesworten an die Erschienen die Versammlung. Berlin, 22. November. Frau Josefine Levh- Rathenau, die Gattin des Berliner Fabrikbesitzers und früheren Stadtverordneten Dr. Max Levh und eine Cousine Walter Rathenaus, ist im Alter von 44 Jahren einem schweren. Leiden erlegen. Die Entschlafene stand zu Lebzeiten in der vordersten Reibe aller in der sozialen Tätigkeit wirkenden Berliner Frauen. Während des Krieges begründete sie gemeinsam mit Dr. Gertrud 'Bäumer den Nationalen Frauendienst, den sie während des Krieges in Berlin leitetet Politisch bat sie sich erst seit der Revolution betätigt. Sie gehörte dem Parteiausschuß der Deutschen demokratischen Partei an. — Am 18. d. M. fand im Sterbehause Brückenallee 33 die Trauerfeier statt, der zahlreiche Leidtragende, besonders Frauen aus allen Kreisen der Bevölkerung, beiwohnten. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Boeß und Bürgermeister- Ritt e r vertreten, das Bezirksamt Tieraarten, dem Frau Dr. Levh- Ratbenau anaebört batte, durch den Bürgermeister Doflein und fast sämtliche Mitglieder des Amtes. Ferner waren erschienen der ehemaliae^Ntinister Rathenau, zahlreiche Mitglieder der Stadtverordneten- und Bezirksversammlung sowie Abordnunoen von Frauenvereinen, Behörden und Instituten, denen die Verstorbene im Leben nahe bestanden bat. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. Bürgermeister Do fl ein sprach das Beileid der Stadt aus und Stadtverordneter Martin gedachte ibrer als Vorstands Mitglied dev Demokrat!Wett Partei. Ministerialrat Dr. Gertrud Bäum er schilderte ihr segensreiches Wirken für die Frauen. — Die Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung aus dem Alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee. S/jjö Berlin, 22. November. Am 30. Oktober würdig in München die dortige zwM-te Loge des Unabhängigen Ordens B'ne Writh, die Jesaja-Loge, als 86. im deutschen Distrikt begründet. Es ist erfreulich, daß nunmehr auch die jüdischen Staatsbeamten in verhältnismäßig großer Zahl den Weg zur Loge gefunden haben. Die Installation wurde vom Großprästdenten, Geh. Justizrat Timend orfer, unter Mitwirkung des Vizepräsidenten, Bankier Lisser (Hamburg), vorgenommen. — Am 6. November d. I. wurde in Stolp in Pommern, die 87. Loge, die Jeremia-Loge, begründet. Auch diese Installation wurde von Herrn Geheimrat Timend orfer geleitet, während al§ Vertreter der Grobloge die Herren Justizrat Moritz (Stettin) und Sanitätsrat Goldschmidt (Berlin) mitwirkten. — Am 13. November d. I. wurde in Tilsit die Installation der 88. Loge des Unabhängigen Ordens Wne Writh des deutschen Distriktes, derLogezuden dreiErz - Vätern, vorgenommen. Die Installation wurde von dem Vizepräsidenten Justizrat Dr. Kuznitzki und unter Mitwirkung von Sanitätsrat Dr. Goldschmidt (Berlin) geleitet. — Am Sonntag, den 20. November, wurde die 89. Loge, die Jacob-Herz-Loge in Nürnberg, als die zweite in dieser Stadt unter dem Großpräsidenten, Geheimen Justizrat Timendorser, installiert. $£& Berlin, 22. November. Der vom Hilssverein der Deutschen Juden vor einiger Zeit übernommene jüdische Bahuhossdien st am Schlesischen Bahnhof in Berlin wird entsprechend der dauernd steigenden Zahl von Emigranten weiter I ausgestaltet. Die technische Arbeit liegt in den Händen eines besoni deren Ausschusses. Der Bahnhofsdienst ist, in den letzten Wochen! namentlich stark von größeren geschlossenen Transporten und solchen Auswanderern in Anspruch genommen worden, die über Nacht in

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