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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-11-25 · Heft 24 (25.11.1921) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 24 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
Seite 282 (sequence 12)
Language
German
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genommen worden; in denen blieb auch. das.BM der Tiere. Die Gewohnheit des Verspeisend eines Lammbratens behielten die Israeliten gern bei; nun. meine Herren, lieben wir an unseren Festen nicht auch einen guten Braten? An dem Opfer, welches vor bald 1900 Jahren fiel, sind die Juden als Volk so unschuldig, wie unser christliches Volk es zur Zeit der Zauber-.und Hexenprozesse war. Wie solche, wie Kriege von einer Kamarilla ins Leben gerufen werden, welche die tausend- und abertausendköpsige Masse fanatisiert, so wurde damals — wir sprechen von überlieferten Erzählungen — eine Horde von urteilslosen Menschen hypnotisiert. Ihr ,gib uns Barrabas frei' wird von Vollsaufwieglern, die sich Christen zu nennen wagen, noch heute politisch ausgenutzt. Die uns von Herrn Professor Karneuden vorgetragene Wissenschaft fällt in sich selbst zusammen; ich behaupte: es gibt keinen Ritualmord, und stütze meine Behauptung auf die Tatsache, daß ein solcher noch niemals nachgewie.sen werden konnte." Auf die Gutachten der Sachverständigen folgten die Zeugenvernehmungen. „Musketier Stani Baschkes, Sie haben den ermordeten Knaben entdeckt. Wie geschah dies?" fragte der Vorsitzende. „Ich sah was in der Ecke von dem Flureingang," antwortete der Zeuge in militärischer Haltung, „das war die Ecke bei der Treppe nach oben, und da ging ich ran und wollte sehen, was das ist, und sehe einen Jungen, ganz tot, und da rannte ich über den Flur in die andere Ecke gegenüber, da wohnt der," er wies mit dem Finger auf den Angeklagten, „und da klopf' ich mit der Faust an die Tür, und er kommt ganz zrtt'rig raus, und ich schrei ihn an: ,sieh mal dahin!' und er schreit: ,Herr Soldat, tun Se mer nischt, ich will Se geben all mein bißchen Geld, was ich Hab!' Ich Hab' aber ausgespuckt, weil ich gleich gemerkt habe, warum er's sagt, und schimpfte ihn ,Blutmörder', und alle Leute kamen, und ich holte die Polizei." Aus dem Zuhörcrraume kamen Rufe und hörbare Bemerkungen: „Das arme Wurm!" „Die unglücklichen Eltern!" „Meine dürfen nie zu Juden!" „Das ist ja ein verwünschtes Pack!" „Wenn wir die doch los werden möchten!" „Dann brenn' ich ein Freudenfeuer an." „Die gehen schon nicht." „Wo anders kriegen sie's nicht so gut." „Na, na, verwöhnt werden sie bei uns gerade nicht." „Unsere Juden nebenan geben immer für die Stadtarmen." „Mir hat eine Judensrau mein Kleines gesund gemacht, wie ich schon dachte, es stirbt." „Wenn das Schwatzen der'Zuhörer nicht aushört, lasse ich den Saal räumen", ries der Vorsitzende. „Angeklagter, was haben Sie auf die Schilderung des Zeugen zu erwidern?" „Hab' ich doch bekommen einen mächt'gen Schreck, wie er hat gehämmert an meine Tür, hochverehrenswerter Herr Richter; Hab' ich gedacht, er will mer schlagen tot, Hab' ich ihm lieber geben gewollt mein bißchen Geld." „Der kommissarischen Untersuchung zufolge ist die Leiche von Ihrer Wohnung aus in die Ecke des Hauseinganges geschleppt worden. Auf Ihrer Türschwelle wurde ein Ihnen gehörendes blutiges Messer gefunden." „Halt' ich doch gerade abgestochen den Fisch, was wir wollten essen Erew Peßach," jammerte der Synagogendiener. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. D ieHuldig u n g d e r F e st e". Bon S. Ehaim, Obersekretär der Shnagogengemeinde Köln. Verlag Joachim Fink, Köln am Rhein. — Ein sinniges, aus religiöser Empfindung und poetischem Können entsprungenes Merkchen, das in glücklicher Meise die Darstellung der jüdischen Feste aus Wort und Ton auibaut und sich im Lichte der Menorah zil einem blühenden * Kranze vereinigt. Schlicht und warm in der Sprache, lebendig und l zeitgemäß in der Auffassung, hier und da mit einem Körnchen guten Humors, verdient das Merkchen weiteste Verbreitung und wird nicht nur dem Leser eine angenehme Stunde bereiten, sondern insbesondere r bei geeigneter Aufführung die Herzen der Jugend zu erfassen und sie mit religiösem Empfinden zu erfüllen imstande sein. R. " * ■ — Liladenu. Hebräisches Lesebuch von Moses Woskin- Nehartabi, mit Bildern von Raphael Chamizer. 5691, Leipzig, Verlag von M. W. Kaufmann. Das Interesse für die hebräische Sprache zieht dauernd weitere Kreise. Selbst derjenige, der sie für sich selber als modernes- Ausdrucksmittel nicht anerkennen will, kann nicht mehr gleichgültig an ihr vorübergehen. Die neuere hebräische Literatur, die Denken und Fühlen eines stattlichen Teiles der jüdischen Gesamtheit widerspiegelt, kann nicht mehr unbeachtet gelassen werden. Das vorliegende Lesebuch kann dem Bedürfnis derer entgegenkommen, die sich in die hebräische Sprache einlesen wollen. Gedichte, Stimmungsbilder, Fabeln und Erzählungen machen ohne Schwierigkeiten mit Formen und Ausdrücken der Sprache bekannt, ohne stofflich hohe Anforderungen zu stellen. Ist das Buch auch in erster Reihe für Kinder gedacht, so wird es gerade durch die Leichtigkeit der Methode vorzüglich geeignet zum Selbststudium für Erwachsene, die ihre auf das Hebräisch der Bibel und der Gebete beschränkte Kenntnis aus die zu neuem Leben erwachte Sprache erweitern wollen. Hierbei wird das in Aussicht gestellte hebräisch-deutsch-englische Glossar eine vortreffliche Hilfe gewähren. Was das Buch vor anderen seiner Art auszeichnet, ist der Wert, der auf die Bilder gelegt ist. Sie stehen auf hohem künstlerischen Niveau; fast ausnahmslos in der Auffassung wie in der Gestaltung durchaus hochwertig, bringen sie originelle Gedanken, meist mit anziehendem und reizvollem Humor, zur Darstellung. Auch in technischer Beziehung ist die Wiedergabe der Bilder einwandfrei, wie überhaupt buchtechnisch das Buch jeder Bibliothek zur Zierde gereicht: eine selten schöne Type, hervorragendes Papier, ein geschmackvoller, origineller Einband. Wir können den Verlag zu dieser Ausgabe beglückwünschen und hoffen, daß. der Erfolg der Ausgabe ihn anspornen wird, auf diesem Wege weiterzugehen. Cohn (Leipzig). Mchrreinlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Das H e i l i g ke i t s b uch. Bibel-Lesebuch zum dritten Buch Mose von Rabbiner Dr. B. May, Religionslehrer der Israelitischen Gemeinde , in Frankfurt a. M. 1921, I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Felix Th eilh aber: Der Untergang der deutschen Juden. Eine volkswirtschaftliche Studie. 2., verbesserte Auflage. 3. bis 4. Tausend. 1921, Jüdischer Verlag, Berlin. Die Lehren des Judentums, nach den Quellen. Herausgege-ben vom Verband der Deutschen Juden. Unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. L. B a e ck, Professor Dr. I. E l b o g e n, Rabbiner Dr. S. H o chf e l d, Direktor Dr. H o l z m a n, Rabbiner Dr. L o e w e n - thal. Bearbeitet von Dr. Simon Bernseld. Zweiter Teil: Die sittlichen Pflichten des einzelnen. Berlin 1921, C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Reaktion und Antisemitismus. Zugleich ein Mahnwovt an die akademische Jugend. Von Adam R ö m e r. Berlin 1921, C. A. Schwetschke u. Sohn. Rabbi Herz. Ein Schauspiel in drei Aufzügen. Von. Joseph B e >i f u ß. Verlag Oscar Wohrle, Konstanz 1921. Schriften der Freien Zionistischen Blätter. Heft 1: Jakob Klatzkin. Jüdische Politik. Heft 2: Nachum Gold mann, Bilanz der Zionistischen Politik. Hest 3: Jakob Klatzkin, Forderungen an den XII. Ziomstentongreß. Grundlinien eines Aktionsprogramms. Elijahu ben Zion Sadinsky: Die nationale Sozietät. Beiträge zur Losung der Judensrage im Zusammenhang mit dem allgemeinen nationalen Problem. Freie Zionistische Blätter, Verlag, Heidelberg. 5682 — 1921V22. Jüdischer Alrnanach. Herausgegeben von Raphael C h n mi z e r. ^Leipzig 1921, Verlag M. W. Kaufmann.

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