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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-11-25 · Heft 24 (25.11.1921) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 24 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
Seite 274 (sequence 4)
Language
German
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274 des Häushaltsausschusses über den V o r a n schlüK 4921 bis D28, der . nach der zuletzt noch vorgenommenen Aenderung nunmehr Pro Jahr mit einer Endsumme von 2 325 000 Mark abschließt. Ms nötivendig erweist sich die Anstellung eines hauptamtlich tatiMa besoldeten Oberratsmitglieds. Das Verordnungsblatt soll ausgebaut werden. Als Zuschuß zu dem Aufwand für die israelitische Landesbehörde sind 140 000 Mark für ein Jahr eingesetzt. Die Zuschüsse zu den Rabbinergehältern betragen 100 000 Mark, zu den Gehältern der Religionslehrer und Kantoren 900 000 Mark. Zur Unterstützung des Unterrichts in den Filialorten sind 60 000. Mark, für Instandsetzung der Gebäude 100 000 Mark .ausgeworfen. Dem Penfionsfonds werden insgesamt. 438 100 Mark zugeführt, darunter 100 000 Mark Fontsverstärküng. Für die "Filialorte wurde die Veranstaltung wissenschaftlicher Vorträge durch die Lehrer gewünscht. Angeregt wurden der Ausbau der- Wanderbibliothek" Notwendig, wäre es, daß die Gemeinden bei entsprechenden' Anlässen das Friedrich- Luisen-Hospitz in Bad Dürrheim bedenken. Als Steuerfuß ergibt sich von den VermögenssteueransMägen 4,5 Pfennig von 100 Mark, von den Einkommensteueransätzen 31,5 Pfennig - von 1 Mark. Der G-esamtvoranschlag wird einstimmig genehmigt. Namens der Gehaltsregelungskommis'ston berichtete Synodalmitglied Müller (Heidebberg) über die Vorlagen bezüglich der Gehaltsverhältnisse der Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren und deren Ruhegehälter. Die Vorlaaen erwiesen sich angesichts der Wirtschaftsverhältniffe'als sehr notwendig. Wertvoll ist die Neustaffelung der Grundgehälter. Ohne einen sozial gesicherten Religionslehrer gehen die Landgemeinden zugrunde, weshalb eine entsprechende Regelung notwendig ist. Auch die Landgemeinden müssen sich an entsprechende Ausgaben für religiöse Zwecke gewöhnen. Die in der Verordnung sestgelegten Sätze gelten als Mindestsätze. Die den Kultusbeamten gebrachten Opfer werden sich lohnen. Durch die Gebaltsregelung soll der Geist des Vertrauens in alle Organe der Landeskirche getragen werden. Zur Einzelberatung äußerten sich Synodalmitgl'ied Grzymisch (Bruchsal), Vertreter des Oberrats Dr. Loewh (f^reiburg). Svnodalmitglied K a s s e w i tz (Freiburg) weist darauf bin, daß die meisten Ausgaben der Landeskirche direkt oder indirekt den kleinen Landgemeinden zugute kommen, und betont, daß die Svnode für die Lebrer alles tat, was möglich war, wenn man auch gern weiter gegangen wäre. Der Religionsunterricht auf dem Lande läßt viele Wünsche übrig. Schuld daran ist in der Hauptsache das Schwinden des religiösen Sinnes. Die Rabbiner sollten öfter als bisher in die Landgemeinden kommen. Wir müssen die Landgemeinden wieder zur ulten Höhe bringen. Hierauf werden die Vorlagen über die Gewährung von Ruheaehalt und über die Gehalts- Verhältnisse der Rabbiner, Religionslebrer und Kantoren, sowie über die Dienstverhältnisse der Religionslehrer und Kantoren einstimmig angenommen. Die Festsetzung der Teuerunaszulage für Rabbiner, Lehrer und Kantoren mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 auf 25 Prozent des Grundgehalts und der Kinderzulage wird einstimmig genehmigt. Auf eine Anfrage von Synodalmitglied O. Je s elf ohn (Mannheim) teilt der Vorsitzende des Oberrats Straus mit, daß alles getan wird, alle Steuerzugänge rechtzeitig zu erfassen. . Shnodalmitglied Dr. Jeselsobn (Mannheim) weist darauf hin, daß es unbedingt nöt'g ist, den Lebrerstand zu verringern, da man am Ende der Mittel ist. Wenn auch Kündigungen unmöglich sind, so sollte man deshalb bei erledigten Stellen an Einsparung von Lehrerstellen denken. Ebenso sollten auch vornehmlich nur seminaristisch vor gebildete Lebrer und möglichst Badener angestellt werden. Shnodalmitglied Dr. Darmstädter (Ladenburg) tritt ebenfalls für Einsparung von Lehrern ein, lveist jedoch auf. die darin liegende Gefahr für die Lockerung des religiösen Lebens bin. — Konferenzrabbiner Dr. Löwen stein (Mosbach) tritt für Lehrerkonferenzen ein und hebt die Bedeutung der Lehrer für die kleinen Gemeinden hervor. Vorsitzender des Oberrates Dr. Straus erklärt, daß all die Anregungen bereits bisher in der Praxis betätigt wurden. — Ein Antrag Sch l o ß b e r g e r auf Vereinigung verschiedener BeZirksshnagogen wird dem Oberrat als Material übergeben. Abgeordneter Schlesinger 'bittet, Pforzheim hierbei nuszunehmen. — In Aenderung der Besteuerungsordnung vom 6. September 1895 wurde beschlossen, für jede weitere Klasse den Normalsatz um je 100 Mark zu erhöhen und des weiteren den Oberrat zu ermächtigen, bei besonderen . Umständen , an Stelle der dreijährigen / steuerlichen' Enischätzungsdauer eine jährliche Einschätzung stattfinden zu lassen.' ... . / Y Y ' Aus. die verschiedenen Anfragen bezüglich 'des S t a n d e s...d e r neuen Kirchenverfassung teilt Vorsitzender des Oberrates Dr. Straus mit, daß in der letzten Ausschußsitzung vom Oktober vorigen Jahres Dr. Simon zum Vorsitzenden des Verfassungsausschusses gewählt wurde. Auf mehrere wiederholte Anfragen teilte Dr. Simon mit, die Vorarbeiten machen Fortschritte, jedoch erst zu Beginn der Synode hörten wir, daß der Unterausschuß sich in der Hauptsache aus den Entwurf Dr. Pfälzer stützt. Dr. Simon erklärte mündlich, in etwa 14. Tagen den Entwurf vorlegen zu können. Wir wollen hoffen, daß im Januar eine Synode zur Durchberatung der Verfasiung einberufen werden kann. Vorsitzender, Dr. Stein dankt dem Oberrat für seine weittragenden Vorlagen, den Hilfsarbeitern des Oberrats für ihre wertvolle Arbeit, weist schließlich auf die Bedeutung der steuerlich wichtigen und, notwendigen Entschädigungen hin, anerkennt den guten Willen der Synode zur Erreichung des Möglichen und dankt dem Landtag für die Ueberlassung der Räume. — Synodalmitglied Kässewitz weist auf den harmonischen Verlauf der Tagung hin, was ein Verdienst des Präsidenten ist, dem namens der Synode der Dank ausgesprochen wird. (Beifall.) — Vorsitzender des Oberratt Dr. S t r a u s weist auf die vorbildliche Leistung der Synode hin. dankt den Abgeordneten und vor allem dem Präsidenten für seine vorzügliche Geschäftsführung und schließt die Synode um Sy2 Uhr. * Die Hilfe für Rußland und die Repräsentanz der jüdischen Organisation. Ter Vorsitzende des Internationalen Roten Kreuzes, Herr Gustav Ador, ehemaliger Präsident der schweizerischen Revnblik, hat sich an das Exekutivkomitee der jüdischen Weltbilfskonfereuz mit dem Vorschlag gewandt, in die spezielle Kommission,'der die Hilfsaktion für die hungernde Bevölkerung Rußlands unter Leitung Fritjof Nansens untersteht, einen Vertreter entsenden zu wollen. Das Exekutivkomitee hat den Vorschlag angenommen und zu seinem Vertreter Herrn A b e r s o n in Genf ernannt. # Jüdische Waisenkinder ans der Ukraine. Aus Bremen wird unter dem 16. November gemeldet: In Bremerhaven kamen gestern morgen mit dem Dampfer „Möwe", der im Anschluß an die Dampfer der U. S. Lines-Norddeutscher Llovd die Verbindung Bremen—Danzig unterhält. 52 jüdische Waisenkinder aus der Ukraine über Danzig an, um mit dem Dampfer „America" nach New-Dork weiterbefördert zu werden. Die Eltern der unglücklichen Kinder sind den furchtbaren Wirren zum Opfer gefallen, die in Rußland im Gefolge der Revolution und der vielen Aufstände gegen die Soivjetregierung immer wieder ausbrachen. Der NorbldDuitsche Llovd ließ es sich nicht nehmen, die Bedauernswerten vor ihrer Weiterreise in der Lloydhalle mit Schokolade und Brot reichlich zu bewirten. Im übrigen bemühten sich ein Hilfskomitee und der Jüdische Hilfsverein in Bremen um die Kleinen und erfreute sie mit süßen Spenden. Um 12 Uhr trat die „America" dann ihre Reise nach New Nork an, um die Kinder öl* ersten Teil einer großen Zahl von Leidensgefährten in ihre nene Heimat in den Vereinigten Staaten zu überführen. & Jüdische Emigrationskonferenz in Paris. In Paris fand eine von der „JCA" einberusene Emigration? konserenz statt, die beschloß, in Verbindung mit der in Prag beschlossenen Emigrationszentrale zu treten. Der „Hias"-Vertreter Held und Dr. Bernhard Kahn wurden beauftragt, die Verhand langen zwischen diesen beiden Körperschaften zu führen. An der Konferenz in Paris nahm auch, Dr. Paul Nathan teil. Es ist die - das erstemal seit Kriegsausbruch, daß ein Vertreter deutscher Juden auf einer jüdischen Konferenz in Frankreich anwesend ist. Auf der Konferenz kam unter anderem auch das Schreiben Lucien Wolf? an Nansen zur Sprache, worin sich Wolf gegen die Vereinbarungen gewendet hat,, die die Exekutive der jüdischen Welthilf?- konserenz mit der litauischen Regierung getroffen hat bezüglich Erlaubnis der Einreise nach Litauen für russische Emigranten, da dadurch angeblich die Exekutive der Welthilsskonferenz die Emigration

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