Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 23 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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- 3 Gemütes jederzeit selbstlos in den Dienst seines heiligen Glaubens stellte, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Die „Freie Vereinigung süc die Interessen «des orthodoxen Judentums", Abteilung Schlesien, der Vorstand der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Breslau, die Jugendgruppe der Agudas Jisroel, der Verein Machstke Thora, die fromme Bruderschaft der „Achtzehn Männer", allwo der Verklärte überall eine führende Stellung einnahm, sind in tiefe Trauer versetzt und widmen ihm die ehrenvollsten, rührendsten und ergreifendsten Nachrufe. Das Andenken an diese geistig und seelisch gleichermaßen hochstehende Persönlichkeit wird nicht nur bei seinen Gesinnungsgenossen, sondern in der gesamten Judenheit für alle Zeiten in Segen unvergessen fortleben. In Halberstadt, der Heimat seiner Gattin, der Stätte, der er seine talmudische und kaufmännische Bildung dankte, wird Aron Kober seine letzte Ruhestätte finden. Die Ueberführung der Leiche nach dein Hauptbahnhof am 1. November, mittags, bedeutete eine wahrhaft imposante Trauerkundgebung und legte beredtes Zeugnis von der großen Wertschätzung ab, welcher sich der Verewigte in den weitesten Kreisen erfreuen durfte. Diese wohlverdiente allgemeine Teilnahme möge der leidgeprüften Familie zum Tröste und zur Erhebung in ihrem großen Schmerze gereichen. 22 Dresden, 4. November. Der auf kommerziellem und gemeinnützigem Gebiet weit über Dresden hinaus bekannte und geschätzte Großindustrielle Kommerzienrat Max Elb beging am 29. v. M. in aller durch den Verlust seiner Lebensgefährtin gebotenen Stille seinen 7 0. Geburtstag. Ein Förderer von Wohltätigkeit und Wissenschaft, hat Max Elb nicht nur feine in jungen Jahren begründete Firma zu großer Blüte gebracht, sondern auch in hervorragender Weise — er gehört seit langem zu den Führern der Dresdener Israelitischen Gemeinde — sich stets als bekenntnistreuer Jude betätigt und nimmt regen Anteil an allen Bestrebungen, die zur Hebung des deutschen Judentums dienen. Da in derselben Woche auch der andere derzeitige Vorsteher, Herr Oskar Lesfer in Dresden, seinen 70. Geburtstag feierte, wurde dem Doppelereignis zu Ehren eine Art F e st g o t t e s d i e n st an: Simchath Thora veranstaltet durch eine herzliche Ansprache des Rabbiners Prof. Winter und Aufrufen der beiden Jubilare zur Thora. Möge ihnen beiden ein froher Lebensabend beschieden sein! §2 Magdeburg, 4. November. Zugunsten der „Opserwoche" des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fand am 20. v. M. in der Magdeburger Synagoge ein von unserem Kantor Mar Teller im Aufträge der hiesigen Ortsgruppe des C. d. St. j. G. arrangiertes stimmungsvolles Konzert statt. Eine zahlreiche Gemeinde von Zuhörern lauschte den mit feinem Verständnis zusammengestellten Tonschöpsungen, um deren Wiedergabe sich namhafte Künstler hohes Verdienst erwarben. Herr Organist Kitzel bereitete mit einem Orgelvorspiel, dem Präludium und der Fuge in C=moll von I. S. Bach die Stimmung vor: dann wechselten geistliche Lieder von Schubert und Brahms mit Orgelvorträgen, von Cello und Violine begleitet, ab. Frl. von Ferenczys, der Opernheroine unseres hiesigen Stadttheaters, außergewöhnlich voller Sopran, der in Schuberts „Allmacht" die andächtig Lauschenden mit elementarer Gewalt zu packen wußte, und Frau W e i l e - M a st i n g s weiche Sopraustimme kamen in ihrer Schönheit voll zur Geltung und überwanden die akustischen Mängel des Gotteshauses. Besonders h>?rvorgehoben sei Herr Max Teller, der mit einer Arie aus dem „Elias" von Mendelssohn-Bartholdy sein tüchtiges Können und in jeder Beziehung sich gewappnet zeigte und auch im Duett mit Fräulein von Ferenczy seinen Teil zum Gelingen des Abends beitrug, wie auch Herr Walter Capell, der Baßbuffo unserer Oper, durch seinen wohlklingenden Baß erfreute. Im Zusammenspiel mit der Orgel bewiesen sich Herr W. Schul und Herr W.Lindecke, Mitglied des städtischen Orchesters, als ausgezeichnete Meister von Violine und Cello und wußten im „Largo" von Händel, vor allem aber im „Kol nidrei" von Bruch einen Beweisihrer Kunst zu liefern. Mit dem „Concert posthidium" von Riemenschneider beschloß Herr- Kitzel die wirkungsvolle Feierstunde, die, wie zu hoffen, auch den eigentlichen Zweck ihrer Veranstaltung erfüllt hat. L2 Magdeburg, t November. Eine erhebende Feier fand aur Sonntag, den 30. Oktober, vormittags 11 Uhr, auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe statt. Sie galt >der Denkwalsweihe für die im Weltkriege gefallenen Krieger der Shnagogengemeinde zu Magdeburg. Es starben 32 Mitglieder den Heldentod für das Vaterland — eine Anzahl' Vermißter nicht einbezogen. Das Denkmal — ein Meisterstück der hiesigen Baubank — ziert die acht Heldengräber mit den Grabsteinen, -die die Namen der Heimgegangenen tragen. (Weitere Ueberführungen nach hier waren nicht zu ermöglichen.) Außer zahlreichen Mitgliedern der Gemeinde und den Hinterbliebenen der verstorbenen Krieger waren erschienen: der Oberpräsident, der Persönlich einen Kranz niederlegte, ein Vertreter des Regierungspräsidenten, der Polizeipräsident, Vertreter der Militärbehörde, der Oberbürgermeister, Stadträte und Stadtverordnete mit ihrem Vorsteher-Stellvertreter. Ekugeleitet wurde die Feier mit dein Liede: „Ich hatt einen Kameraden," von der Militärkapelle ausgeführt, das eine erschütternde Wirkung ausübte. Die Weihrede hielt in der ihm eigenen schwungvollen Weise, tiefe Ergriffenheit airslösend, Rabbiner Dr. Wilde, der während des ganzen Krieges als Feldprediger beim A. O. K. IV tätig war und mit dem E. K. II. und dem Ritterkreuz 1. Klasse mit Schwertern vom Kgl. Württ. Friedrichsorden ausgezeichnet worden ist. Dann wies der Vorsitzende des Vorstandes der Shnagogengemeinde, N. Simon, in treffenden Worten auf die Bedeutung dieser Wechestunde hin, dankte den Vertretern der Behörden für ihr Erscheinen und dem Künstler für das wohlgelungene Werk und gelobte namens der Gemeinde, das Denkmal in treue Obhut zu nehmen. Nachdem Kantor Teller ein hebräisches Trauerlied stimmungsvoll vorgetragen, endete die allen unvergeßliche Feier mit dem von der Militärkapelle intonierten Gesang: „Wie sie so sanft ruhn." Ba-d Homburg, 4. November. Am 26. v. M., abends, versammelte sich die hiesige Jüdische Gemeinde vollzähligim großen Saale des „Schützenhofes", um mit ihrem nach Lübeck berufenen geistigen Führer, Rabbiner Dr. Winter, nochmals einige Stunden zu verbringen und ihm Gelegenheit zu geben, sich von ihr zu verabschieden. Die Feier begann mit einem einleitenden Vortrage des Herrn Dr. Winter über die Erziehung der Jugend zu religiösem Denken und Fühlen und über das Verhältnis der Religionswissenschaft zu dem übrigen Geistesleben des Heranwachsenden Menschen; dieser Vortrag führte auch in beredten und ergreifenden Worten die Bedeutung der Jugendfür die Zukunft vor Augen. Aus der Menge der dann folgenden Ansprachen ersah man, in welch vielfältiger Weise sich der Scheidende im Vereinsleben der hiesigen Gemeinde betätigt hatte, wie er Jugendorganisationen schuf und förderte und wie er den Talmud-Thora-Nereins Herr S. L e vy und Herr S. Acker m a n n hiesigen Tätigkeit ganz besonders gefördert und dadurch das religiöse Empfinden und insbesondere auch das Zusanunengehörigkei1'sgefühl der Gemeindemitgli^der gehoben hatte. Nachdem viele Vertreter der Schüler, Jugendgruppen und -Kränzchen gesprochen hatten, die ihm auch Andenken übereichten, richteten namens des Vorstandes des Talmud-Thora-Vereins Hern S. L e v h und Herr S. Acker m a n n anerkennende Worte an den Scheidenden. Namens des Vorstandes der Gemeinde sprach Herr I. B r a u n s ch w e i g , der das stets gute Einvernehmen des Herrn Dr. Winter mit der Verwaltung der Gemeinde hervorhob. Als Freund sprach Herr Rechtsanwalt Dr. B. Wiese nt hak Abschiedsworte, in denen er zunächst mit der Schilderung der allenthalben bekannten hingebungsvollen früheren Tätigkeit des Scheidenden in Myslowitz begann und ihn als Pionier des Ostens pries, der auch während des Krieges in seiner jahrelangen Tätigkeit als Feldrabbiner in Litauen sich der durch die Kriegsverhältnisse bedrängten Glaubensgenossen mit wahrhaft sozialem Empfinden angenommen habe. Herr Dr. Wiesenthal pries sodann in Herrn Dr. Winter den edlen und guten Menschen, der mit warmem Gemüt und grenzenloser Güte sich die Liebe und Verehrung aller Gemeindemitglieder erworben, freundschaftliches Empfinden jedem entgegengebracht und in jedem ausgelöst habe. Ferner hob der genannte Redner hervor, daß der Scheidende es verstanden habe, die guten Beziehungen der verschiedenen Religionen am hiesigen Platze zu pflegen und zu fördern, und -gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Dr. Winter seiner neuen Gemeinde auch in dieser Beziehung zur Zierde gereichen möchte. Schließlich sprachen noch Herr Bamberger. der insbesondere das tiefe talmudische Wissen des uns Verlassenden pries, und ferner Herr Kantor Herz, der ebenfalls das harmonische Zusammenarbeiten mit seinem Vorgesetzten hervorhob und ihm Segenswünsche mit auf den Weg gab. Herr Dr. Winter dankte mit ergreifenden Worten, wobei er den ganzen Glanz seiner Beredtsamkeit nochmals erstrahlen ließ, erörterte noch einmal seine