Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 23 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229505--76469-3289065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 religiösen und sittlichen Prinzipien und nahm nunmehr von der Gemeinde Abschied, für die er alle Zeit die besten Hoffnungen hege. Erst in vorgerückter Stunde schloß die harmonisch verlaufene Abschiedsfeier. tzvllsllü. 22 Den Hang, im Oktober. Die vom 28. bis 30. August in Karlsbad abgehaltene Weltkonferenz des Jüdischen Nationalfonds, die in dieser Form zum ersten Male stattsand, hat während ihrer dreitägigen Verhandlungen eine Fülle sachlicher Arbeit geleistet. Außer dem Direktorium, der Nationalsonds-Verwa-ltung m Erez- Jsrael und dem Hauptbureau waren etwa 30 Sammelstellen teils durch die Vorsitzenden und Mitglieder der Landeskommissionen', teils durch vch leitenden Sekretäre bei der Konferenz vertreten. Die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds hatte einen Bericht vorbereitet, der sowohl im allgemeinen Rechenschaftsbericht der Exekutive an den Kongreß enthalten war, wie auch als Separatabdruck den Konfenenzteilnehnnrn überreicht wurde. Dieser Bericht, der die gesamte Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds vom XI. bis zum XII. Kongreß, also für die letzten acht Jahre, behandelte, führte zu einer, lebhaften Aussprache, die den ganzen ersten Tag in Anspruch nahm. Anr Zweiten Tage konzentrierte sich das Hauptinteresse der Konferenz auf die Frage der l a n d s m a n n sch a f t l i ch e n Kolonisation und den Ausbau der Nationalfon'ds-Organisation durch Schaffung einer K o n st i t u t i o n. Die von den Referenten zu diesen beiden Punkten vorgelegten Thesen wurden mit entsprechenden Abänderungen von der Konferenz.angenommen. Am dritten Verhandtungstag beschäftigte inan sich in der Hauptsache mit der Propaganda, wobei von den Vertretern der Sammelstellen wertvolle Anregungen gegeben wurden. — Auf dem Kongreß selbst trat die wachsende Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds in Erscheinung. In der Sitzung vom Dienstag, den 6. September, erstattete Prof. W a r - b u r g sein Referat, dem gleichfalls der von der Verwaltung des Jüdischen Nationallfonds he rausgegebene Bericht als Grundlage diente. Mit besonderer Genugtuung konnte Pros. Marburg in seinem Referat hervorheben, daß der Jüdische Nationalfonds einen der stärksten Aktivposten der Zionistischen Organisation darstellt. Unter den aus dem Kongreß hervorgegangenen Kommissionen befand sich auch eine spezielle Nationalfonds-Kommission, die sich in mehreren Sitzungen mit den Beschlüssen lind Resolutionen befaßte, die von der Natwnalfonds-WelLkonserenz angenommen wurden. Namens dieser Kommission unterbreitete Prof. Marburg dem Kongreß folgende Anträge: 1. Das Hauptbureau des Nationalfonds i st so r a s ch als möglich nach E re z-Israel zu verlegen. 2. Zwei bis vier Mitglieder! des Direktoriums des Nationalfonds haben ihren Wohnsitz in Erez-Jsrael. 3. Der Kongreß nimmt die Beschlüsse der ersten Weltkonferenz des Nationalfonds in bezug aus den inneren Ausbau der Nationalfonds-Organisationen zur Kenntnis. 4. Ter Kongreß begrüßt das Prinzip landsmannschastlicher Kolonisation aus dem Boden des Nationalfonds. 5. Der Kongreß begrüßt den Kauf von ländlichem und städtischem Boden, den der Nationalfonds in letzter Zeit in Erez-Jsrael durchgeführt hat. 6. Der Nation,alsonds darf in Hinkunst keinerlei Darlehen gewähren, sondern hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschließlich zum Kauf von Boden, dessen Am-elioration und Aufforstung zu verwenden. 7. Der, Kongreß bestätigt die von der Londoner Jahreskonserenz 1920 beschlossenen Thesen, durch die der Nationalfonds zum Träger der jüdischen Bodenpolitik in Stadt und Land Erez-Jsrael 'bestimmt wird. Der erste Antrag wurde mit überwiegender Mehrheit auch vom Kongreß angenommen, die anderen sind dem Aktionskomitee zur weiteren Behandlung überwiesen worden. Somit ist der von zwei Direktoriumssitzungen und der Weltkonferenz einstimmig gefaßte Beschluß wegen der Uebers i e d l u n g des H-auptbureaus des Jüdischen N a t i o - n alsonds nach Jerusalem auch vom Kongreß bestätigt worden. Neben der Weltkonserenz und den Verhandlungen über den Nationalfonds aus dein Kongreß hat auch die während des Kongresses veranstaltete und von Tausenden besuchte Nationalfonds-Ausstellung ein starkes Interesse für den Jüdischen Nationalfonds hervorgerufen. Durch graphische und statistische Darstellungen, Bilder und Karten sowie Bücher, Broschüren, Flugblätter und Sam»-- melmittel der verschiedensten Art bot die Ausstellung ein imposantes Bild vom Siedlungswerk in Erez-Jsrael und der Sammeltätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in der Diaspora. Bon Sah und Fern. — Der bekannte Maler Lesser Ury beging am 7. d. M. seinen 60. Geburtstag. Die Berliner Sezession benutzte diesen Anlaß, den Jubilar' zu ihrem Ehrenmitglied zuernennen. Ms Vertreter des Oberbürgermeisters von Berlin gratulierte Stadtverordneter Rosenberg. — Dr. Artur Dinterhat gegen den „Vorwärts", die „Dres^ dener Volkszeitung" und die „Königsberger Volkszeitung" wegen persönlich beleidigender Kritik seiner „deutschvölkischen Tätigkeit" Strafantrag gestellt. Es ist dies der 34. Prozeß, den Dr. Dinier seit Erscheinen seines Ausklärungsbuches „Die Sünde wider das Blut" zu führen hat. Auch gegen Paul Wehland, den Verfasser der ausgezeichneten! Schrift „Die Sünde wider den gesunden Menschenverstand", hat Dinter Strafantrag gestellt und zugleich das ehrengerichtliche Verfahren beim Ehrenhöf des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes beantragt, da Wehland diesem angehört. — Aus Breslau wirld uns geschrieben: Am 18. Oktober starb -im Alter von 86 Jahren nach Mngerem Krankenlager Kommerzienrat Louis Le derma nn. Die Beisetzung erfolgte am 21. Oktober aus Wunsch des Verewigten inaller Stille. Mit ihm ist angesehener Breslauer Bürger dahingeschieden, der sich um das Wirtschaftsleben unserer Stadt und Provinz wohlverdient gemacht hat. — Ferner wird uns aus Breslau mitgeteilt: Der hiesige Kreisarzt Medizinalrat Dr. Israel konnte am 26. Oktober auf eine 30jährige Tätigkeit als Medizinalbeamter zurückblicken. — Der Rezitator Martin Sander, der bei seinen Mitwirkungen in jüdischen Vereinen, seinem Auftreten im „Viktoria theater" und bei seinen Vortragsabenden in Breslau vorzügliche Erfolge bei Publikum und Kritik erzielte, wird in diesem Winter in einer Reihe von Großstädten Deutschlands gastiere,n. — Die Stadtverordneten Wißenhausens bewilligten einen Zuschuß in Höhe von jährlich 5000 Mark zur Unterhaltung der borkigen israelitischen Gemein devolcks schule. — lieber den aus Köln gebürtigen bekannten englischen -Finanzmann Sir E. Cassel, dessen Laufbahg anläßlich seines Todes in jüdischen Blättern gewürdigt wurde, wird jetzt nach „The Universe", der katholischen Wochenzeitung Englands, bekannt, daß derselbe als Katholik gestorben sei. Die Tatsache des Uebertritts zur katholischen Religion sei eine volle Ueberraschung für viele gewesen. Das Begräbnis fand nach römischkatholischem Ritus auf dem Konstil-GreemFriedhof statt. — Die Eheleute Hermann Arensberg und Frau Rosa, geborene Berlin, in Meckenheim bei Bonn feierten am 18. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit. --- In Uffenheim beging Herr Josua F l a m m , Gründer und langjähriger Vorstand der Kultusgemeinde, seinen 70. Geburtstag, aus welchem Anlasse ihm entsprechende Ehrungen zuteil wurden. — Herr Samuel Stern, Ehrenvorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Steele, beging am 4. November die Feier seines 90. Geburtstages. — Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Herr Dr. Georg Cohn, Chef des Ministerium des Aeußern in Dänemark, ist vom König zum Ratgeber des Ministers des Aeußern — für Völkerrecht — ernannt worden. Diese neue Stellung ist eigens für ihn kreiert worben. Er weilte im Juli dieses Jahres, zur Zeit der Völkerbundstagung, in Genf. Dr. Cohn war auch Vertreter des Königs von Dänemark während' der Konferenz der drei -nordischen -Reiche in Malmö 1917. Erlist erst 32 Jahre alt. Als streng religiöser Jude besitzt er eine eigene Synagoge in seinem Hause. — Der bekannte Sanskritf-orscher Professor Sylvain Levi, Präsident der „Alliance Jsraölite Universelle", hak sich letzte Woche nach Indien begeben, wohin er eine Einladung von der Universität in Calcutta und' dem berühmten Dichter Rabindranath Tagore erhalten hat. — M. Alfafsa ist interimistisch zum Geneval,Muverneur von ' Französtsch^Zentralafrika ernannt worden. — Ein Artikel im „Manchester Guardian" beschäftigt sich mit den Bemühungen des Senators Pulido und anderer angesehener Spanier, Juden zur Ansiedlung in Spanien zu veranlassen. Der Artikelschreiber spricht die Ansicht aus, daß die Juden zur Rückkehr nach Spanien bestimmte Garantien verlangen müßten. — Ans Washington wird gemeldet: Der Rabbiner Josef Saul Kornfeld, der im Jahre 1876 in Oesterreich- Ungarn geboren ist, wurde zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Teheran ernannt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlm-Pänkow, 'Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.