Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 23 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 266 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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266 Zur Kant- Stif tung gerade Juden reichlich beisteuerten, allerdings nur einst in einem Privatbriefe Mer die in der Königsberger Hinteren Vorstadt lebenden Juden geprägt hat: „Die unter uns lebenden Palästinenser" in edlem Sinne zur Wahrheit. Wie würde der große und unsterbliche I. Kant, der in Königsberg auf daS regste mit den englischen Kaufleuten I. Green, Motherby verkehrte, heute staunen, wenn er auf den jetzt mit Millionen vom Deutschen Reiche subventionierten blühenden Ost messen der Kaufleute am Pregelstrande jüdische Minister aus dem nahen Litauen vom Königsberger Oberpräsidenten begrüßt und gefeiert sähe und hörte, weil auf dem durch die Juden des Ostens vermittelten Handel mit Polen, Litauen und Lettland (Riga) die Zukunft der leider jetzt isolierten Provinz O st - Preußen beruht . . . Auch die Königsberger Synagoge der Ehafsidim erwähnt I. Rosenthal als gewissenhafter Chronist auf Seite 35 und 36 seiner Schrift mit den Worten: „Der Gottesdienst der Königsberger Anhänger ist nach dem Ritus des Großrabbi Schneers o n, auch Lädier oder Libawetscher, nach den gleichlautenden Orten in Westrußland genannt, geordnet. Bemerkenswert ist die innere Verbrüderung unter den Mitgliedern, die gegenseitige innige Anteilnahme in Freud und Leid ..." Seit zehn Jahren, seit 1911, besitzt auch das Y> Kilometer von Königsberg entfernte Ostseebad Cranz eine neue eigene Synagoge, zu deren Errichtung der Vater dieser großen und schönen Idee, Georg Marx, neben einem Darlehn von 30 000 Mark auch den ersten namhaften Beitrag zeichnete . . . Der größere Teil der schönen Festschrift ist jedoch der am 25. August 1896 — also vor 25 Jahren — eingeweihtcn Neuen Königsberger Gemeindesynagoge in der Lindenstraße am Pregel gewidmet, zu deren Errichtung Moritz Simon ein Legat von 200 000 Mark stiftete und dessen Vergrößerung auf eine halbe Million Mark der unermüdlichen Arbeit I. Bambergers und Professor Samuels zu danken ist. Die Schrift I. Rosenthals, welche auch das Leben der Kantoren H. W e i n t r a u b (aus Dubno) und Ed. Birnbaum genau schildert, ist mit vier schönen Bildern und fleißigen Quellennachweisen ausgestattet. M. F. Der Lhanukalruchter. as vielfach wiedererwachende Interesse westeuropäischer 'S /Brpjf» des Judentums für jüdische Kunst hat sich vornehmlich dem Chanukaleuchter zugewendet, der selbst in religiös weniger interessierten Familien gerne wieder als Schmuckstück des eigenen Heimes Eingang gefunden hat. Der Unterzeichnete konnte dies gerne feststellen, nachdem er in Nummer 11/12 (1917) der Zeitschrift „Ost und West" zwei Menorahs veröffentlicht hatte, die er von kriegsbeschädigten Schlossern nach seinen Entwürfen hatte Herstellen lassen. Zahlreiche Anfragen — richtig aus Ost und West — über Art der Ausführung, Preis, Größe usw. belehrten ihn Mer das größere Interesse, das man wieder diesem kunstgewerblichen Gegenstand zollte, der ja, mit dem erhebendsten Moment der Geschichte Israels zusammenhängend, eigentlich in keinem jüdischen Haufe fehlen sollte. Der Verfasser war bei seinen Entwürfen von der Ansicht ausgegangen, daß dieses kunstgewerbliche Motiv, das zu allen Zeiten von Wischen Künstlern gerne verarbeitet worden' war, sich auch Wandlungen im Gefchmacke und nach Forderungen der Gegenwart anzupassen geeignet sei. Die Herstellung in Silber und Bronze mußte hierbei ausgeschaltot werden. Die Not der Zeit hat in letzten Jahren sogar zum Holze gegriffen; doch haben die hierbei verwendeten Formen wenig Anklang gefunden; auch ästhetifch scheint mir Holz zur Aufnahme eines bveünenden Gegenstandes nicht einwandfrei. Anders das geschmiedete Eisen. Dieses war in allen schweren Zeiten der gegebene Ersatz für edlere Metalle; über seine künstlerischen Vorzüge ist Wohl kaum ein Wort anzusügen. In der hier beigegebenen Abbildung bringt der Unterzeichnete einen neuen Entwurfs zur Schau, dessen Ausführung in der Kunstgewerbeschule Breslau erfolgte, in der Klaffe des Herrn V o n k a, der als einer der anerkanntesten Meister der neuzeitigen Kunstschmiedoarbeit bekannt ist. Nachstehend seien kurz die künstlerischen Erwägungen wiedergegeben, die mich bei den drei Entwürfen leiteten. Nummer 1 zeigt eine rein zweckliche Form, die mit dem Urbild der Menorah wenig gemein hat. Die acht Lichter sitzen auf ebensoviel lotrechten Stützen, die sich schmiedetechnisch klar und absatzweise aus dem Mittelteil entwickeln. Von den drei Mustern ist dieses zweifellos dasjenige, das rein technisch-künstlerisch die beste Lösung zeigt. Nummer 2 und 3 sind dem Urbild des sie'benarmigen Leuchters näher stehend. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Leuchter mit diesem Urmotive die begehrtesten sind. Man will mit dem Anblick des Ehanukaleuchters auch die Erinnerung an den siebenarrnigen Leuchter verknüpfen, der neuerdings immer mehr als Symbol des Judentums anerkannt wird. Hat doch selbst der achtarmige Leuchter, den das .Kunstgewerbe der Vorkriegszeit in ungezählten Stücken in jüdischen Familien verbreitete, dort Anklang gefunden. Und doch ist gerade die Umwandlung der Siebenform in eine Achfform, eine derbe Vergewaltigung, da nicht mehr zwei mal drei, sondern zwei mal vier Arme verwendet sind und die Betonung der Mitte, die ästhetisch unerläßlich ist, gänzlich fortfällt. Der hier abgobildete Leuchter steht dem Urbild am nächsten. Der Mittelschaft endet in einem kunstvoll gearbeiteten Knauf (Granatapfel); die drei Arme wachsen wie beim Uvlenchter aus ihm hervor, wobei die beiden äußersten durch weitere „Abzweige" die siebente und achte Lampe tragen. Die neunte Lampe ist vorn: an untergeordneter Stelle angebracht. Statt der Oelnäpfe können auch! Kerzenhalter angebracht werden. Nummer 3 löst die Frage >einer Anordnung von acht Lampen auf sieben Stützen. Der Mittelschast ist hier nämlich aus zwei lotrechten Stützen gebildet, deren Zwischenraum beiderseits von einem sehr beliebten Motiv der ostjMischen Kunst ausgefüllt ist: dem Fr chajim, der (wie der Mittelschast) aus dem Fußgestell heranswächst. y Zwei andere Muster können nachstehend nur kurz beschrieben werden, da deren Wiedergabe sich leider als untunlich erwies. Den Vertrieb der Leuchter hat die Jüdische Kunstgewerbestubc der Frau Dr. Freu/denthal, Breslau 13, Goethestraße 11, übernommen. (Siehe im Inseratenteil dieser Nummer.)