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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-11-11 · Heft 23 (11.11.1921) · p. Seite 262

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 23 (11.11.1921)
Date
1921-11-11
Page
Seite 262 (sequence 4)
Language
German
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262 Wahrheit verlangte, sagen: „daß, wenn es eine göttliche Offenbarung gegeben habe, nur der kleine Flecken Erde des Heiligen Landes dessen gewürdigt worden sei; daß, wenn Himmelsboten herniedergestiegen seien, um den Menschen Trost und Belehrung zu bringen, sie in keinem anderen Lande als in diesem gesehen worden seien. Wenn für die Menschheit ein Erlöser erschienen ist und Apostel ihn mit ihrer frohen Botschaft bekanntgemacht haben, so sind sie lediglich aus dem Schoße des jüdischen Volkes hervorgegangen. Israels Ursprung, sein Fortbestand in Elend und seine Erhebung aus der Niedrigkeit in der Gegenwart bürgen für seine Notwendigkeit auch in der Zukunft." Vielleicht hat an dieser Zukunft auch Bismarck gedacht! A. K. Wochenschau. Berlin, 7. November 1921. ie Regierungskrise in Preußen -ist nun behoben! Die große Koalition ist am 5. d. M. zustande gekommen und hat die Bildung eines neuen Ministeriums ermöglicht, das in den nächsten Tagen im Landtag sein Programm entwickeln wird. Es ist ebenso wie gegenwärtig das Reichsministerium, da Walter Rathenau und der Justizminister Schiffer, der schon als Oberlandesgerichtsrat in Oberschlesien längst getauft war, aus parteipolitischen Gründen aus der Reichsteitung geschieden sind, völlig judenrein. Weder der neue, sozialistische Ministerpräsident Otto Braun noch der neue, ebenfalls den Mehrheitssozialisten zugehörige Handelsminister S ier i n g sind Juden oder auch nur Judenstämmlinae; der neue Kultusminister, Dr. Otto Boelitz, ist Mitglied der Deutschen Volkspartei und strenger Anhänger der konfessionellen Schule. Damit sollten eigentlich die Antisemiten so ziemlich zufrieden sein. Das Gegenteil ist der Fall. Namentlich die „Deutsche Z e i t u n g" tobt bereits wieder heftig gegen Otto Braun als Ministerpräsidenten und auch an der Ersetzung des Innenministers D o m i n i c u s durch den Sozialisten Severing hat sie, angeblich wegen der Frage der Ostjuden, allerhand auszusehen . . . Wir Juden sind froh, daß das ueue Kabinett endlich zustande gekommen ist; wir werden seine Taten abwarten und hoffen, daß in Preußen wie im Reich Ordnung herrschen wird. * Wer ist der Mann? Die „Münchener Post" vom 24. Oktober bringt neue Enthüllungen über die antisemitische Mordorganisation in München. Dabei teilt sie mit, daß „als.Hauptgeldgeber für die ganze antijüdische Bewegung ein in Berlin wohnender Amerikaner in Betracht komme". Warum nennt die „Münchener Post" nicht den Namen dieses Amerikaners? Die Sache ist doch wichtig genug, um bis in ihre Wurzeln verfolgt zu werden. Die im Sommer des laufenden Jahres vom Hilfsverein der Deutschen Juden in Deutschland eingeleitete Sammelaktion für die Pogromgeschädigten in der Ukraine nimmt, wie uns mitgeteilt wird, einen guten Fortgang. Der Appell des Hilfsvereins, der bei den deutschen Juden niemals ungehört verhallt ist, hat seine Wirkung nicht verfehlt, wo es sich um ein unsägliches Massenunglück handelt, wie es selbst die jüdische Geschichte nicht kennt. Es laufen täglich Spenden von zahlreichen Gemeinden, bis in die kleinsten herab, ein. In großen Gemeinden, wie z. B. Frankfurt a. M., Breslau, Leipzig ist die Sammlung mit größter Energie in die Wege geleitet worden und die Resultate werden sicherlich den Erwartungen, die an die Opferwilligkeit der deutschen Juden geknüpft werden, entsprechen. Gleichzeitig mit der Geldsammlung ist auch eine Kleider-, Wäsche- und Schuhzeugsammlung eingeleitet worden, gleichfalls mit fthr gutem Ergebnis. Es sind Maßnahmen getroffen worden, daß die bereits eingelaufenen Kisten mit Kleidungsstücken usw. sowie die in Mrze zu erwartenden größeren Sendungen durch Vermittlung des Joint und seiner Organisationen in Polen und Rumänien den Flüchtlingen aus der Ukraine zukornmen, die vom Notdürftigsten entblößt und obdachlos sich in diesen Ländern aufhalten. Sobald die Möglichkeit vorliegt, werden auch in der Ukraine selbst Kleidungsstücke zur Verteilung gelangen. Vom Hilfsverein werden die ihm übersandten Sachen sofort weiterverschickt. Ein spezieller Delegierter des Hilfsvereins hat sich in Polen über die Verhältnisse informiert und ein Zusammenarbeiten mit den für die Ukraine wirkenden Hilssgesellschasten angebahnt. Die Verwendung der gesammelten Mittel soll sowohl in 'der Ukraine selbst wie auch in den Nachbarländern, wo sich zurzeit größere Massen von ukrainischen Flüchtlingen angesammelt haben, ins Werk gesetzt werden. Es soll Hilfe durch- Arbeitsbeschaffung geleistet werden. Den handwerkskundigen Flüchtlingen werden Werkzeuge und Arbeitsmaterial geliefert werden, mit deren Hilfe ihre Existenz wieder ausgerichtet werden kann. Weiterhin wird die Fürsorge für die Waisenkinder im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel im Einvernehmen mit den Organisationen zur Durchführung gelangen, die sich auf diesem Gebiete betätigen. * Antisemitische Exzesse in Budapest. Aus Budapest wird unter dem 25. Oktober gemeldet: Trotz des Standrechts ist es heute zu Ausschreitungen gekommen, die sich gegen die parlamentarischen und publizistischen Gegner des Horthh-Shstems richteten. Das Horthh-Militär, verstärkt durch „Erwachende" .und bewaffnete Studenten, durchzog den ganzen Tag über die Hauptstraßen und drang schließlich auch in die hauptsächlich von Juden bewohnten Bezirke ein. Jüdische Pasianten wurden schwer mißhandelt, die Cafes und Gasthäuser, in denen jüdische Gäste verkehren, zum Schließen gezwungen. Verschiedentlich wurde geplündert. Die Polizei war dem Militär gegenüber machtlos. Das Gebäude des Demokratenklubs (der Vazsonhi-Partei) wurde gestürmt. Ein Angriff auf die Börse wurde von der Polizei abgewehrt. Die Druckerei „Athenäum", in der der „Az Est" und der „Pesti Naplo" hergestellt werden, wurde vom Pöbel angegriffen und demoliert. * Amerika tmt> das Palästinamandat. Wi-e das „I. C. B." von zuständiger Seite in Amerika erfahren will, werde sich die Konferenz in Washington nur mit den Mandaten der Klaffe 8, aber nicht der Klaffe A, zu der auch Palästina gehört, befassen. Die seinerzeitige Note des Staatssekretärs Hughes habe sich weder dem Palästinamandat als solchem, noch dem Mandatprinzip als Ganzem midy nicht im geringsten wi.derseht. Es könne mit aller Sicherheit erklärt werden, daß diese Note der amerikanischen Negierung in keinem Punkt auf die Errichtung des jüdischen Heims in Palästina Bezug habende Mandatsbestimmungen auch nur irgendwie tangiert. * W a sh i n gton, 28. Oktober. (Reuter.) Staatssekretär Hughes gab eine optimistische Erklärung über die A at s s ichten der A b r ü stu ngskonfere n z .ab. Er sagte, die bereits ausgetauschten Ansichten zeigten, wenn sie natürlich auch im Augenblick nur einen allgemeinen Charakter haben könnten, den lebhaften Wunsch, zu greifbaren Ergebnisse:' zu gelangen. Sie zeigten ferner, daß der Wunsch nach gemeinschaftlichem Zusammenarbeiten bestehe. Der Staatssekretär bestritt, daß die Frage der Gleichheit der Rassen, die von israelitischer Seite aufgeworfen wurde, zur Verhandlung komme, und daß man daran denke, deutsche Vertreter aus der Konferenz in offizieller oder inoffizieller Eigenschaft heranzuziehen. m Nichtststiernng der Einwarrdernng nach Amerika. Entgegen der Meldung von der gänzlichen Sistierung der Einwanderung nach Amerika, von Ende* Oktober, spätestens aber

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