Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 22 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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--— 2 ein Schwiegersohn des vor einer Reihe von Jahren verstorbenen Professors Dr. Emanuel Mendel, dessen Leben und Wirken dem deutschen Judentum zum Ruhme' gereichte; M. F. Danzig, im Oktober. Die Danzig er Indische Gemeinde hat zum Gedenken an ihre im Weltkriege gefallenen Mitglieder in der Neuen Synagoge eine Ehrentafel anbringen lassen, die'am 9. d. M. in einem feierlichen Akt enthüllt wurde. Als Vertreter der Behörden wohnten diesem Akt der deutsche Reichs- und Staatskommissar Regierungspräsident Fo er st er, der Präsident des Volkstages Studiendirektor Dr. Treichel, die Senatoren S ch ü m m e r und I e w e l o w s k i sowie Polizeidirektor Froböß bei. Das geräumige Gotteshaus war bis aus den letzten Platz gefüllt. Der Gedächtnisakt, der in den Rahmen einer Seelenfeier gespannt war, wurde durch Orgelspiel und Chorgesang: „Der Mensch, der Blume gleich sind seine Tage" eingeleitet. Daraus sang Frau Hirschberg-Jewelowski das Lied „Seele, was betrübst du dich", dem als weiterer Sologesang „Herr, was ist der Mensch", von Oberkantor M e i s e l vorgetragen, folgte. Dann ergriff der erste Geistliche der Gemeinde, Rabbiner Dr. K a e l t e r, das Wort zu seiner Predigt. Er rief die Erinnerung wach an die allgemeine Begeisterung jener unvergeßlichen Augusttage des Jahres 1914, als ganz Deutschland wie ein Mann sich erhob, um für die heilige und gerechte Sache zu kämpfen und zu sterben. Wir alle haben die Sache unseres Vaterlandes als gerecht, als rein und hehr empfunden. Dies heillige Gefühl, das kein Zjwieiisel und kein Unglück .oder Haß aus der Seele roden kann, gibt uns die rechte Stärke für das Gedenken an unsere Toten, die, von dem gleichen Glauben entflammt, ihr Kostbarstes, ihr Leben, dahingegeben haben. Trotz des unglücklichen Kriegsausgangs ist ihr Tod nicht umsonst, nicht unnütz gewesen. Einst wird der Tag herausziehen, der dieses Sterbens Sinn und Nutzen zeigen wird, wenn §'her Geist der Brüderlichkeit und Kameradschaftlichkeit und Menschlichkeit gegen den Wahn des Hasses mit zwingender Gewalt sich, erheben wird. Darum sind, wie es auch im Talmud heißt, unsere Toten, die ihr Leben für eine gerechte Sache Hingaben, nicht gestorben: einst öffnen sich die Gräber und lebendig steigen.sie heraus' 'als Bringer des FriödeM und als Geister der Versöhnung im deutschen Vaterlande und in der ganzen Welt. Ter Geistliche weihte sodann die auf der Westseite im Innern des Gotteshauses angebrachte Ehrentafel, aus der die Namen der 56 Helden verzeichnet stehen. Hierauf trug Hauptkantor P essen bei geöffneter Bundeslade den von seinem Lehrer Wilhelm K lei n, Oberkantor an der Neuen Synagoge zu Berlin, komponierten „El molerachamim" vor. Die Gemeinde lauschte dem Gesänge in tiefer Ergriffenheit. — Ein Gebet und Chorgesang: „Es wird nicht untergehen" schloß die eindrucksvolle Feier. S£g Breslau, 21. Oktober. Am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau werden im Wintersemester 1921/22 die Vorlesungen über Talmud und Dezisoren in herkömmlicher Weise weitergeführt: im Oberkurs übernimmt sie zum großen Teiil Herr Seminar^ rabbiner Professor Tr. Michael Guttmann, zum anderen Teil Herr Dr. Rabin. Im übrigen werden folgende Vorlesungen gehalten: Herr Professor Dr.. Guttmann liest: Geschichte der Halacha. Herr Dr. He ine mann liest: Hebräische Grammatik mit Uebungen; ausgewählte Stetten des Pentateuch mit Targum und Raschi; Erklärung schwieriger Haftaroth; die Religionsphilosophie der jüdischen Neuplatoniker und der Kabbalisten; Homiletik nebst Uebungen. Herr Dr. L e w k 0 w i tz licht: Das Judentum und die Religionsphilosophie der Gegenwart (Einführung in die systematische Religionsphilosophie); Lektüre von Simmel „Die Religion" und „Lebensanschauung" (für Fortgeschrittene); Uebungen zur jüdischen religionsphilosophischen Literatur der Gegenwart) (Buber, Brod); Geschichte des Unterrichts- Wesens in ihrer Beziehung zum Religionsunterricht. Herr Dr. Rabin liest: Einleitung in das Fünfbuch der Thora; die Weisheitsliteratur nebst Erklärung schwieriger Stellen; die Wiederherstellung des jüdischen Staates unter Cyrus und seine innere und äußere Entwicklung unter der Perserherrschaft; Uebungen über das Sendschreiben des Gaon Scherira; die Erklärungsmethoden der jüdischen Kommentatoren des Mittelalters mit Uebungen; neuhebräische Uebungen; die neuhebräische Literatur (Abendvorlesung mit hebräischen Zusammenfassungen). Die Vorlesungen beginnen am 1. November. m. Ha«ltburg, 21. Oktober. Frau M 0 r i tz' W a r b u r g , die Gattin des verewigten Gemeindevorstehers Moritz Marburg und ' Mütter des bekannten Finanzmännes Max Warburg, ist am Tage nach dem Versöhnungstage aus dem Loben -geschieden. Die Ver blicheNe, die im -80. "Lebensjahre stand, Häkte seit Jahrzehnten alle Bestrebungen ihres -unvergeßlichen Gatten - aus dem Gebiete der Wohltätigkeit in hervorragender Weise unterstützt. Unsere Gemeinde hat 'namentlich /betreffs;her UnterstHtzui^ der Schpkertund der Waisenpslege der Familie Warburg viel'zu verdanken. Das neue Schulhaus der Talmudt-Thora-Realschnle hat der verewigte Moritz Warburg auf seine Kosten errichten lassen, auch die herrliche Ausstattung des Aron Hakodesch in der Gemeindesynagoge am Brinplatz ist eine Schenkung der Familie. Die Verblichene erfreute sich wegen ihres reichen - Wohltätigkeitsstnnes in weiteren Kreisen der Bevölkerung hoher Achtung und Wertschätzung. Zu der Trauerfeier, die am Tage vor dom Sukkothfeste im Sterbehause am Mittelweg stattfand, hatte sich eine außerordentlich große Zahl Leidtragender eingefunden. Die D-eutsck>Jsraelitische Gemeinde war durch ihre Rabbiner, Vertreter «des Gemeindevorstan'des, der Repräsentanten und vieler Institutionen . vertreten. Herr Dr. Carl Melchior widmete der Verblichenen herrliche Worte des Nachrufes. Der große Leichenzug, dem als erste Zöglinge des Waisenhauses und Schüler der Talmud-Thora-Schule folgten, bewegte sich über den Grindelhof, am Schulgebäude, wo die Flagge Halbstock gehißt war, und an der erleuchteten Synagoge am Brinplatz vorbei, nach dem Friedhof in Langenfelde. In der Halle' rezitierte Herr Oberkantor Prhsycher in ergreifender Weise das Joschew b fester Eljon, und unter den Klängen des Psalms wurde der Sarg zur Gruft getragen, um an der Seite ihres vor elf Jahren Heimgegangenen Gatten zur letzten Ruhe gebettet zu werden. St Bocholt, 21. Oktober. Am 25. d. M. begeht Herr Lehrer und Prediger Levy Nuß bäum sein 25jähriges Dienstjubiläum in der hiesigen Gemeinde. Geboren am 3. April 1868 zu Burghaun bei Fulda, bezog er, nachdem er sich auf, einem Institut in Maßbach bei Kissingen genügend vorbereitet hatte, im Alter von 16 Jahren die Israelitische Lehrerbildungisanstalt in Würzburg und legte nach deren Absolvierung im Jahre 1886 die Reifeprüfung am Königlichen Seminar in Würzburg ab. Nachdem er zunächst in Hegenheim kn Elsaß und in Merzig an der Saar gewirkt hatte, kam. er im Jahre 1896 nach Bocholt. Durch die hohe Auffassung, mit der er von seinem Beruf -durchdrungen war, und durch sein immerwährendes. Pflichtgefühl, das ihn bei seiner Tätigkeit erfüllte, hat er sich in hohem Maße die Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler zu erringen gewußt. Sein aufrechter Charakter und die stets hilfsbereite- Hand haben ihm nicht nur die Achtung der jüdischen, sondern auch der christlichen Mitbürger eingebracht. Die ehemaligen Schüler haben es sich nicht nehmen lassen, den Jubiläumstag festlich zu begehen. Wir rufen ihm ein herzliches „Ad multos annos“ zu. — Köln, 21. Oktober. Der Borstand des B e r b a n des d e r jüdischen Jugendvereine Deutschlands veranstaltete hier im Anschluß an seine Plenarsitzung eine öffentliche- Kundgebung im Saal der Rheinlandloge. Dr. Cora Berliner (Berlin) eröffnete den Abend mit einer Ansprache. Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel (Berlin) verwies auf die Vorkriegszeit, in der der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands den beachtenswerten Versuch machte, den inneren Kampf des Judentums zu überwinden, Vermittelung jüdischen Wissens zu gewähren und den Antisemitismus zu bekämpfen. Die allgemeine Gärung der Nachkriegszeit erfaßte auch die jüdische Jugend, die sich mit letzter Intensität die Frage vorlegt: Was bedeutet es, Jude zu sein? Die jüdische Jugend prüft sehr ernsthaft die Frage, ob die bisherige Methode der Bekämpfung des Antisemitismus beibehalten werden kann. Der Prüfung dieser Frage werde der.Jugendverband einen Hauptteil seiner diesjährigen Winterarbeit widmen müssen. Unter- Hinweis auf Max Brod verlangt er, daß das Judentum sich mehr als bisher um die Dinge des Tages kümmere. Der Neutralitätsgedanke bedeute keineswegs Blutleere. Der Jugendverband solle auch weiterhin ein gewichtiger Faktor im politischen Leben des deutschen Judentums bleiben. Für seine Stellungnühme seien insbesondere maßgebend das Treubekennknis zum Vaterl a n d , das in der ersten Delegiertenversammlung nach dem Kriege abgelegt worden sei, und die- P a l ä st i n a r e s 0 l u t i 0 n d e r Kasseler F ü h r e r t a g u n g. - Die Mitarbeitan dem Ausbau Palästinas bleibe nach wie vor eine wesentliche Verbandsaufgabe^ Der Karlsbader Zionistenkongreß habe gezeigt, daß das Judentum