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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-28 · Heft 22 (28.10.1921) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 22 (28.10.1921)
Date
1921-10-28
Page
Seite 253 (sequence 7)
Language
German
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- 253 Christen Anspruch erhöhen haben, diesdas Grab Rahels ist. Es handle sich also jetzt da>rüm/ gleich jedem Versuch der Streitigm-achung entgegenzutreten. Man -dürfe darüber nicht mit Schweigen^ hinweggehen, und wendet sich Mmaliah .an die Vertreter der Judenheit, sich yniverzüglich energisch.dieser Sache .anzunehmen« und mit allen Kräften gegen die versüße Depossedierung anzutämpfen. J. P- Z. Lur VerttsnMguns der deutschen Juden. Von SamMSvat Dv. L>a ser stei n (>BerMn-Friedenau). ^W^er Verständigung der deutschen Inden steht vor allem J ihre Parteisucht entgegen, obwohl Einigkeit notwendig wäre, um gegen die von allen Seiten drohenden Feinde gerüstet zu sein. Der Antisemitismus hat zwar, solange es Juden gibt, bestanden, ja es hat Verfolgungen gegeben, gegen die die heutigen in Deutschland Kinderspiele sind. Das jüdische Volk ist ihnen nicht erlegen, trotzdem ringsum alle Völker verschwunden sind, deren Machtgröße in keinem Verhältnis zum kleinen Judenstaate stand. Auch ihren politischen llntergang hat die krankhafte Parteisncht mindestens beschleunigt. Die Deutschen leiden in ähnlicher Weise au derselben Krankheit. Gleiche Pole stoßen sich ab. So finden wir gut die Hälfte des deutschen Volkes, das Bürgertum und besonders den Adel, als Gegner der jüdischen Mitbürger. Der letzte Grund ist freilich in dem Grundgesetz der Menschheit zu suchen, daß die träge Mehrheit immer die strebende Minderheit vernichten will. Egoismus und Abhängigkeit vom Gesetz der Schwere, dem Trägheitsgesetz, sind dabei die treibenden Ursachen. Die Judengegner sind durch den Weltkrieg nicht belehrt worden, daß imnter derselbe Grund vorliegt, ob die' Ententevölker gegen das deutsche oder christliche Deutsche gegen Juden feindlich Vorgehen. Der deutsche Antisemitismus scheint sogar eine Erbkrankheit zu sein, und gegen diese gibt eS bekanntlich kaum ein sicheres Heilmittel. Darum ist eine Abwehr bischer immer ohne befolg gewesen. Der Kampf gegen eine Hydra mit vielen üöpfen ist in die zweite Reihe zu stellen, in erster Reihe muß eine Einigung der Juden herbeigeführt werden. Das sollten die Politischen Hauptgruppen deutscher Juden nicht vergessen: die Deutschnationalen, die Zentralvereinler und die Zionisten. Die deutschnationalen oder, wie sie sich nennen, natiolialdeutschen Juden sind durch Abspaltung aus den Zenkralvereinlern hervorgegangen, weil sie ihr Judentum so gering bewerten, daß sie die jüdischen. Interessen für eine zu vernachlässigende Größe halten und vollkommen unter die deutschen nnterordnen. Sie glauben für ihre Person um besten zu sorgen, wenn sie unerkannt in der großen Masse uutertauchen. Ihr Kampf geht hauptsächlich gegen die Zionisten, welche ihr Judentum bekennen und eine politische Erneuerung des jüdischen Volkes in Palästina erstreben; gegen die Zentralvereinler nur insoweit, als sie zu einem halben Programm der Zionisten neigen, eine Zufluchtsstätte der Juden in Palästina zu errichten. Jüdischer Nationalis- >»us verträgt sich nach Meinung der ersten ^beiden Gruppen nicht mit dem deutschen zu gleicher Zeit und für eine Person. Die Juden seien nur eine Religionsgemeinschaft, kein Volk, keine eigene Rasse. Mir aber haben wiederholt Offiziere meines Regimentes an der Front erllärt, daß sie die Zionisten bvn allen Juden am höchsten schätzen, weil sie ihre Nation bekennen. Die Offiziere waren tot ganzen antisemisch gesinnt, nicht gegen einzelne Juden, wie das gewöhnlich ist. Tie meinten nicht, daß Deutschland durch den Zionismus bvn den Juden - entlastet würde, sondern sie verlangten Achtung,jedes Menschen vor seiner eignen Nation. Daß die vUiden ein eigenes Volk sind, unterliegt keinem Zweifel. Selbst unter den stammverwandten Arabern erkennt mau sie sofort heraus. Friedrich der Große hätte ruhig seine Blumen-^ und Tiernamen sortlassen können, um die Juden genügend zu kennzeichnen: ein Zeichen, wie dieses Genie die preußische Art des Antisemitismus geerbt und beibehalten hat. lieber Rassefragen kann man sich nur einigen niit Leuten, welche Sinn und feines Verständnis dafür haben, sonst werden beide Teile wie Favbenblinde aneinander vorbeireden. Der Rassekenner wird z. B. das magere, langbeinige englische Vollblut und einen stark krummbeinigen Teckel als reinste Rassen ansehen und höchstes ästhetisches Vergnügen daibei empfinden, das dem Durchschnittsmenschen aber als häßlich erscheinen mag. Der Zweck des Tieres bestimmt hauptsächlich das Urteil des Kenners. Mt Bedauern sieht man heute die Zahl der Rassen aller Geschöpfe immer mehr schwinden? DaS Erdbild wird immer abwechslungsarmer und langweiliger. Daher ist die Erhaltung aller Rassen eine wichtige Ausgabe der Menschheit, die Natur in ihrem Streben zu unterstützen, und nicht aus kleinlichem Eigennutz zu zerstören. Die Juden sind zweifellos eine schöne ilnd intelligente Rasse und vielleicht das reinste aller Kulturvölker, reiner jedenfalls als das deutsche Mischvolk. Die Karikatur, welche die Antisemiten von den Juden entwerfen, ist im Aussterben begriffen und eine Folge 2000jähriger Knechtschaft. Ruhelos ist der ewige Jude, Ahasverus, über die Welt getrieben worden. Hetite ist das Judenvolk ein lebender Leichnam, ein Gespenst unter den Völkern ohne Land, das ohne Nerven und Muskeln gehen kann. Von körperlichen Eigenschaften werden hervorgehoben: krumme, große Nase, vorgeschobene Unterkiefer, Plattfüße, lange Arme, kurze Beine, großer Kopf, krumme Wirbelsäule, blasse Glatzen. Von geistigen Eigenschaften ferner: taktloses Benehmen, Protzentum, Geiz, Geschäftsnnd Wuchersinn, Feigheit, Kritiksucht usw. Man könnte dazu oft krankhafte Liebe der Eheleute und der Eltern zu ihren Kindern rechnen, wodurch allerdings das vorbildliche Familienleben der Juden entstanden ist. Alles sind Erscheinungen der langen Knechtschaft. Man vergleiche doch die Deutschen heute und vor dem Kriege, und mit Leichtigkeit findet man alle jene Eigenschaften, sogar in verstärkten i Maße Widder und noch viele andere schlechte dazu, z. B. Trunksucht, Kapitalverbrechertum usw. Dabei handelt es sich kaum um ein Jahrzehnt. Ein Volk hat überhaupt keinen Charakter. In jedem Volke schlummern alle Eigenschaften des Menschen, welche verkümmern oder geweckt werden, je nachdem sie durch die Widerstände des Lebens gebraucht werden oder nicht. Ein Volk, welches Männer wie Mosis, Jeremias, Christus, Paulus, Spinoza. Marx hervorgebracht hat, kann kein minderwertiges sein. Es ist ein Witz der Weltgeschichte, daß die christlichen Völker einen Abkömmling des verachteten Judenvolkes als ihren Gott und Heiland verehren. Die Antisemiten empfinden ganz richtig, ivenn sie zum Wotan, dem heidnischen Germanengott, zurückkehren wollen. Aber nur ein geknechtetes Volk konnte eine Reihe solcher religiös- und sozialdenkonder Männer allerersten Ranges hervorbringen, niemals einen Goethe, der nur in Freiheit entstehen kann. Allerdings haben die Juden bekanntlich ans fast allen Gebieten führende Männer hervorgebvacht, gerade in Deutschland, nur im Handwerk und Ackerbau sind sie ebenso zurückgeblieben wie im Militür- und Bvamtenwesen, weil ihnen beides zu lange verwehrt wurde. Dagegen stehen sie tot Handel- und Geldwesen an erster Stelle, wozu sie zu lange gezwungen wurden. Die Antisemiten wissen genau die Gründe, sie auszuklären ist ebenso überflüssig wie die Ententevölker übdr die deutsche Gemütstiese. Die Minderheit zu quälen, ist ein sadistisches

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