Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 22 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- Seite 252 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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252 ist der Sohn des verstorbenen Gustav Speyer und ist in Frankfurt a. M. 1862 geboren. Er mar Teilhaber des. Bankgeschäfts Speyer, das Filialen in . London. Frankfurt. und New York besitzt. Im Alter von 24 Jahren kam Speyer nach England, wo er sich 1892 naturalisieren ließ. Hier wurde er Chef, der . Firma Speyer Brothers und Präsident der. englischen Untergrundbahn, ... 1900 wurde er Baronet und 1909 Staütsrat. Im Mai 1915 erbot er sich.zum freiwilligen Verzicht auf seine Baronie und seine Mitgliedschaft im geheimen Staatsrat. Doch erwiderte Asquith, der König sei nicht in der Lage, diesem Ersuchen stattzngeben. Kurz darauf verließ Speyer London und begab-sich nach , Amerika, wo er sich jetzt noch aufhnlt. * Hardings Neujahrswunsch an die. Juden. Präsident Ha r d.i n g übermittelte an'lWlich des Rosch-Haschanahi- Festes durch die New-Yorker „J>e>wifh. Tribüne" folgende. Botschaft an -die Juden: „Aus Anlaß der Feier des Niosch«-.Hasichanah'-Festes freue ich mich, meine besten, Wünsche und mein Wohlwollen.für die jüdische Bevölkerung in den. Vereinigten Staaten und ihre Waubiensbrüder in. der ganzen Welt zürn Ausdruck bringen zu. können. Wir .können uns nicht oft genug der großen Dienste e r i nn cm, w e l che d a A j ü d i f ch e V.o Ik der Wel t ge - l e i ste t hat nn d n o ch h e u te lei stet. Es ist ein gutes Gesicht, zu wissen-, daß wir in etiner Zeit beben, in der veraltete Vorurteile fast überwU'nden sind, und daß in Erkenntnis dieser Tatsache die Nützlichkeit des jüdischen Volkes für die gesäurte Menschheit zusehends zunimmt." Bei uns, in der Alten Welt, sind die veralteten Vorurteile noch lange nicht überwunden, sie haben sich in letzterer Zeit leider verjüngt. J. P. Z. * Amerikanische Hilfsarbeit sür Palästina. Tie im „Palestine Development.Council" organisierte Brandeis- Gruppe hat die Gründung. einer Kreditunion und Volksbank in Palästina aus einem am 18. September unter Vorsitz von Judge Mack int Office von Nathan Straus stattgefundenen Meeting beschlossen. Anwesend waren, u. a. Oberrichter Brandeis, Stephen Wise, Nathan Straus, Mary Fels, de Haas u. a.; de Haas erklärte der Presse, daß der Palestine Development Council eine Palestine Cooperativ Company mit einem Aktienkapital von einer Million Dollar organisiert habe. Tie Aktien sollen kommende Woche zur freien Placierung liberiert werden. Die erste Biertelmillion Dollar soll benutzt werden zur Gründung einer Kreditunion und Volksbank in Palästina. Ter größte Teil davon ist bereits gesammelt worden und wird sich in einigen Wochen der Kassierer des Council, Sol. Rosenbloom aus Pittsburgh, mit einigen Kollegen nach Palästina begeben, um die Bank zu organisieren. J. P. Z. * A-us und über Palästina. Dr. Thon, der Vertreter der Zionist Commission in Jerusalem, führte neuerdings beiln Oberkommissar Beschwerde über die ungemein strenge Interpretierung, der palästinensischen . Einwanderungsbestimmungen, welche die angemessene Ausnutzung., der guten Beschästigungsn u sstchten unmöglich macht,, Dr.. Thon legte .besonderen-Nachdruck darauf, daß Palästina,. A r be i t e r benötige, und daß es eine kurzsichtige Politik fei, gerade diese für den Wohlstand des Landes, überaus wichtigen KräfteFernzuhalten., Er, Thon, müsse diesen Zustand um so mehr bedauern, als es jetzt in Palästina genügend Arbeitsgelegenheiten gebe. Als Beispiel führte'er zahlreiche Ballgesellschaften an, die in nächster Zukunft ihre Arbeiten in Jerusalein,.Jaffa und Haifa beginnen werden. Sir Herbert Samuel nahm die Ausführungen Dr. Thons mit größtem Interesse entgegen und versprach, die Lage genau zu untersuchen- und demgemäß neue.- .Verfügungen, zu treffen. Nach amerikanischen und palästinensischen Blättermeldungen bringt das Judentum -der Vereinigten Staaten unter -dem Eindruck der Ergebnisse des Karlsbader Zionlistenkong-refses- -.der Wirtschaft-' liehen Entwicklung Palästinas erhöhtes Interesse -entgegen. So hat die „American PÄtzstme Company" vor kurzem ^in -Jaffa eine Niederlässung eröffnet, die sich ausschließlich der- Kreditgewährung äil Klein- und G'rvßkachlente widmen wird.- Die Gesellschaft, hat bereits ein Aktienkapital von 1500 000 Dollar aufgebracht und will - nunmehr in allen größeren Städten Palästinas Zweigstellen errichten. Zunächst ist die Gründung einer Handelsbank geplant; später, nach Erhöhung 'des Kapitals, soll auch eine Hypothekenbank geschaffen werden. Die Mitglieder der Gesellschaft gehören den ver- - schiedensten Kreisen des amerikanischen Judentums an; Leiter des Unternehmens ist der palästinensische Jude Dr. Bendeblst von dem es heißt, daß er mit den Wirtschaftsverhältnissen des Landes besonders' vertraut sei. In New York hat ferner der „Palestine Development Council" aus einer im Hause des Philanthropen Nathan Straus abgehaltenen Sitzung die Eröffnung einer Kredit- Union und Volksbank beschlossen. Ter Schatzmeister des Council . wird sich' in. nächster Zeit nach Palästina begeben, um das neue Institut zu organisieren. Schließlich verlautet, daß die oppositionelle zionistische Branders-Gruppe eine besondere „Palestine Cooperative Company" ins Leben gerufen habe, die ein Aktienkapital von 1 Million Dollar aufzubringen hofft. In einer seiner letzten Sitzungen nahm.der Völkerbuudsrat den Bericht der ständigen Mandatskommission entgegen. Die Kommission unterbreitete dem Rat verschiedene Anregungen und wies auf die Notwendigkeit hin, der Frage der nationalen Stellung der Bewohner der Mandatsgebiete 'ehestens eine nähere Prüfung ange-deihen zu lassen., Die Kommission gab der Hoffnung Ausdruck, daßdie Textunterfchiede, die zwischen dem englischen Mandatsentwurs einerseits und den französischen und belgischen Entwürfen andererseits . bestehen, keine materiellen Unterschiede in der A u s ü b u n g der Mandate bedingen. Durch -eine Subkommission sollen vervollständigende Jn-formation-en über die nationale Stellung der in Frage stehenden Völkerschaften, -emgezogien werden. Definitive Beschlüsse sollen erst gefaßt werden, nachdem die Bestimmungen über die Ausübung der Mandate festgelegt sind. Z. EL * Der Streit um Rahels Grab. Bor einiger Zeit wandte sich das palästinensische Oberrabbinat an die Gemeinde von Bethlehem mit der Bitte, die Bewilligung für die Vornahme einiger Reparaturen am Grabe Rahels zu erteilen. Die Gemeinde gab dazu ursprünglich ihre Bewilligung, zog sie jedoch nach -einigen Wochen in einem Schreiben an Rabbi Jacob Meir zurück, mit der Motivierung, daß Rahels Grab als heiliger Ort allen Konfessionen gehöre. Die Oberrabbin-er hatten nun mit dem High Commissioner eine Besprechung, der ihnen zufagte, Experten zu entsenden, um die Notwendigkeit von Reparaturen sestzustellen. Falls solche nötig sind, werden sie gemacht werden. Was das Meritum, die Zugehörigkeit des Grabes, betrifft, so werde demnächst nach Palästina eine Kommission kommen zwecks Anstellung von Untersuchungen über die heiligen Orte, die auch über Rahels Grab beschl'ießen wird. Im „Doar Hajom" vom 27. September veröffentlichtnun A. Almaliaheinen Leitartikel über diese jetzt so brennende Frage. Da die Araber Rahels Grab als jüdisches Besitztum nicht anerkennen und es den Juden einfach absprechen wollen, weist Almaliah 'auf Grund historischer Daten nach, daß noch vor mehr als 300 Jahren, und zwar 1615, als Mahmud Pascha zum Gouverneur von Jerusalem proklamiert wurde, zu dessen Zeit der Jischub im Heiligen Landes sich zu entwickeln begann, er die gerechten Forderungen der Juden -anerkannte und ihnen- -das Grab, nachdem er es wieder restauriert hatte, zuerkannte. Aber bereits noch früher, im Jahre 1508, schrieb der arabische Schriftsteller Mugir Edin über dieses Grab, -es als einen heiligen Ort der Juden bezeichnend. Wo waren denn damals -die arabischen Gelehrten und warum beanspruchte damals keiner von ihnen das Grab für die Araber? Wenn inan die Ansichten sämtlicher jüdischen und christlichen Historiographen vom 10. Jahrhundert bis heute verfolgt, so findet man, daß sie alle dieses Grab als jüdisches Besitztum bezeichnen. Wer sich nur halbwegs in der jüdischen Geschichte auskennt, noch von den Zeiten Benjamins von Toledo (1170), Rabbi Psachjah aus .Regensburg, Ramban, Owadjah aus Bartenura, Isaak Caro her bis. 1866, in welchem Jahre Moses Montefiore die Wölbung über dem Grabe wieder Hersteller ließ,^ jeder, der etwelche Geschichtskenntnisse hat, weist,daß, wenn irgendein jüdisches Heiligtum in Palästina . vorhanden ' ist, aus. das bisher weder die Muselmanen noch die