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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-28 · Heft 22 (28.10.1921) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 22 (28.10.1921)
Date
1921-10-28
Page
Seite 251 (sequence 5)
Language
German
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verband Groß-Berlin zwei« Berliner Ajbiei'tu'ngen <tuf, „rveil über- . wiegend jüdische Zusammensetzung «einen. koliosfälen Scheiden für den Jüngsturm darstelle". Der Elternveriband der. Mbtei'lungen erschöpfte die zuilässigen Rechtsnütel. Drv>hdenr «der engeve Bor stand, unter <m= . «deren der langjährige Leiter, Generalmajor Hedicke, das Vorgehen mißbilligte und seine Aem-ter mederlegite, wurde di«e Bersüaung von allen- Instanzen des Vereins ,gebilligt. Es wurde hierbei bekanntgegeben, daß von jetzt an der Verein seine Rekrutierung nach „deutschvölkischen" Grundsätzen betreiben würde, das heißt, daß Juden und - Abkömmlinge von Juden nicht mehr Mitglieder werden dürsten.. Wir nehmen an, daß jetzt zum Leiter dieser preislichen Veranstaltung Knüppel-Kunze ermmnt werde, und das Ganze wird man dann körperliche und geistige Ertüchtigung nennen können. * Die auferstandene hebräische Sprache. Heber Eindrücke von, dem in Karlsbad abgehaltenen Zionistenkongreß berichtet die „Frankfurter Zeitung"; .das Blatt veM'rindet vor allem, daß die hebräische Sprlache von den Toten auserstanden sei': „So ganz abgestorben war sie nie. Für die des Talmuds Beflissenen hatte sie immer eine Art Lebendigkeit bewahrt; die frommen Gelehrten hatten niemals aufgehört, sich ihrer in Traktaten und Responsen zu bedienen, und halb verschollenen Zweigen des Judentums, so namentlich den eingeborenen Juden vom Jemen, war sie sogar Muttersprache geblieben. Doch zu wirklichem Leben wurde sie erst wiedererweckt, seitdem der Zionismus den mystischen Traum von der alten Heimat zum Ziel tätiger Bemühung gesetzt hat. Den europäischen Orientalisten aber sei, falls sie es noch nicht wissen, berichtet, daß es ihre aus der spanisch-portugiesischen Ueberlieferung des Judentums stammende Aussprache ist, die sich im Gegensatz zur deutsch-polnischen durchgefetzt hat. Die Neuhebräer sprechen so, wie einige von ihnen es am Gymnasium und auf Universitäten, lind nicht, wie ihre Massen es im „Cheder", in der ostjüdischen Religionsschule, gelernt haben. Der phonetische Unterschied liegt hauptsächlich in einem Vokal, der von jenen als a, von diesen als o gesprochen wird. Der Naturlaut der Befriedigung, der Erlösung hat über den des Mißvergnügens und Jammers gesiegt. * Resolutionen der Emigrationskonferenz in Prag. Von der Emigrationskonferenz, die im Anschluß an den Zionistischen Kongreß in Prag tagte, wurden folgende folutionen angenommen: Die Emigrationskonferenz hält es für dringend, daß die künftige Emigrationszentrale alle Mittel in Bewegung setzt, damit die Hindernisse, die der Auswanderung der Juden aus Osteuropa, insbesondere aus den Pogrom gebieten entgegenstehen, endgültig aus der Welt geschafft werden. Weitere Aufgabe der Emigrationszentrale ist es, in den Transemigrationssländern die Durchwanderung formell zu basieren und die Ermöglichung der formellen Bedingungen durch die Schaffung der Wanderungsmöglichkeiten dnrchzuführen. Die Konferenz hält es für eine der wichtigsten Aufgaben des jüdischen Volkes und aller jüdischen Instanzen, durch ein geschlossenes solidarisches Vorgehen die Oesfnung einer Reihe von für die Einwanderung geeigneten Ländern zu ermöglichen. Die Zentrale soll für diese Aktion an alle jüdischen lokalrechtlichen Institutionen und alle politischen und gesellschaftlichen Organisationen überhaupt appellieren und zugleich durch die internationalen jüdischen Organisationen eine einheitliche Aktion beim Völkerbunde veranlassen. Vereinheitlichung der Emigrationsarbeit. Da die Interessen der Emigration vollständige Einigung durch die Tätigkeit der auf diesem Gebiet wirkenden Gesellschaften erforderlich machen, beauftragt die Konferenz die Zentrale, bezügliche Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Organisationen aufzunehmen. B ankkommiss i on. Die vom Referenten der Bankkommisston, Dr. Bernhard Kahn, vorgelegten und angenommenen Resolutionen lauten: Es wird einstimmig Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Emigrationsbank bejaht, ebenso einstimmig betont, daß die an der Konferenz fehlenden großen jüdischen Organisationen zur Mitwirkung zu gewinnen sind. ungeachtet des rein charitativen und philanthropischen Charakters derselben. Die Bant soll die bestehenden ähnlichen jüdischen Gesellschaften nicht beeinträchtigen, sondern, soweit es geht, fördern und sich ihrer bedienen. Sie soll sich zunächst nur mit Geldüberweisung befassen und im Namen keinen Titel führen, der mit Emigration zusammenhängt (Jüdische Zentralbank). Ihr Tätigkeitsgebiet kann die Bank bloß mit ausdrücklicher Zustimmung der Gründerkörperschaften erweitern. Die Bank wird eine A.-G. mit bevorrechteten Gründeraktien. Sitz ist London, mit Korrespondenzfilialen in allen Orten, wo ein ähnliches jüdisches Institut nicht besteht. Gründungskapital 50000 Pfund, eingeteilt in 100-Pfund-Attien. In den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien und anderen überseeischen Ländern werden Saving-banks in Verbindung mit der Zentralbank gegründet. Die Tätigkeit soll sobald wie möglich beginnen, auch wenn nur ein Teil des Aktienkapitals, vorhanden ist. Die anwesenden Organisationen verpflichten sich zur Tragung der Gründungsspesen. Konzentration der jüdischen Massen. Die Zentrale soll bei der Regulierung der Emigration dafür sorgen, daß diese Regulierung womöglich zur Konzentration großer und geschlossener Gruppen in bestimmten Gegenden sichre, und das in einer Weise, die am besten die Möglichkeit der nationalen Entwicklung derselben garantiert. J. P. Z. * Demonstrationen und Zwischenfälle in Wien. Wien war am 13. d. M. abendS der Schauplatz großer Kundgebungen, die zum Teil antisemitischen Charakter trugen. Sie nahmen ihren Ausgang von einer großen Frauenversammlung irr der Volkshalle, die unter der Tagesordnung: „Wir können nicht weiter!" eittberusen war und gegen die fürchterlich überhandnehmende Teuerung Stellung nahm. Nach der Versammlung, die einen sehr bewegten Verlauf nahm, zogen die Teilnehmer in einem Zuge von mehreren tausend Frauen zum Parlament und verlangten dort stürmisch Erklärungen der Regierung. Finanzminister Gürtler hielt eine Ansprache, in der er sagte, daß es der Regierung iutmöglich sei, für die billige Lieferung des Brotes an die Bevölkerung etwas zu hm. Die neue Politik des Landes müsse auf deu Abbau "der staatlichen Lebensmittelzuschüsse gerichtet sein. Die Regierung könne nur noch für die Minderbemittelten eintreten. Die Demonstranten setzten ihren Weg in geschlossenen! Zuge fort, und alle Versuche der Polizei, sie zu zerstreuen, scheiterten an dem Widerstande der Frauen. Es gelang einer starken Menge, unter die sich auch noch Pöbel gemischt hatte, über die Ringstraße in die innere Stadt zu ziehen.. Zahlreiche Personen, die den besseren Ständen angehörten, wurden angehalten und verprügelt. Auch Automobile wurden angehalten, ihre Insassen herausgezogen und tätlich angegriffen. Vor der Oper kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Die Menge rief immer wieder: „Gehen wir zu den Schieberhotels und holen wir uns die Wucherer -heraus!" Tatsächlich kam es vor den Hotels Bristol, Imperial i und dem Grandhotel zu wüsten Szenen zwischen! den Demonstranten und den Hotelgästen. Nachdem diese Vorkommnisse längere Zeit gedauert hatten, gelang es der Polizei, die Demonstranten endlich aus dem Schwarzenbergplatz auseinanderzutreiben. Man erwartet auch für die nächste Zelt neue Demonstrationen der Arbeiterbevölterung, die durch die Ueberhandnahme der Teuerung in heftige Erregung versetzt worden ist. * Faltenlasseu der Anklage gegen Rabbiner Dr. LSw. Laut Meldung ider Budapester Zeitung „Nholcz Orai Ujsag" wird die Staatsanwaltschaft die gegen Oberrabbiner Dr. Jinmanuel Löw von Szegedin auf Grund 'der bekannten Provokation des getauften Inden Hollossy erhobene Hochverratsanklage nunmehr endgültig fallen lassen. Diese, wie es nun scheint, endlich endgültige Erledigung der „Affäre Löw" dürfte von der Judenheit aller Länder mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen werden. .1. P. Z. * Um die Naturalisation Edgar Speyers. Aus Loubon wird unter dom 15. Oktober geschrieben: Am nächsten Montag beginnt vor dem Londoner Gerichtshof der Prozeß über die Frage, ob die Naturalisation Edgar- Speyers gemäß dem englischen alten act gültig sei. Edgar Speyer

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