Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 21 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 M eigner (Berlin'), der Aegyptologe Adolf E r nr a et n (Berlüi) und der Jndologe Ernst Sieg (Göttingen) übernommen. Professor Meißner stellte die neuesten Ergebnisse -der Keilschriftsorschung dar. Als erstes behandelte er die Frage der babylonischen' Chronologie, die jetzt viel weiter geschichtlich zurückreicht und sich fast lückenlos geschlossen hat durch die Listen der Dynastien. Sodann schilderte er das Rechtsleben Babyloniens nach neuen Quellen. Hammurabis Gesetzbuch erweist sich jetzt als die Uebernahme und Gestaltung eines weit älteren sumerischen Rechtes, von dem wir Stücke besitzen. Die Rechtsgedanken, die sich in den gesetzlichen Bestimmungen darstellen, führte der Vortrag besondersanschaulich aus. Zum Beispiel am Gedanken der Schuvdfrage bei einem Vergehen. Familien- und Eherecht, Adoption und Leviratsehe, Pacht und Zins, Fragen des Grundrechtes zogen an dem Hörer vorüber. Besonders wirkungsvoll war die Darstellung religiöser Texte, die im Kult des Mardut ihren Mittelpunkt haben und das Epos von der Weltschöpfung als das Kultlied des Neujahrfestes erkennen lassen. Es fehlt nur ein Jahr, dann ist seit dem Tage, «da die Entzifferung der Hieroglyphen begann (14. September 1822), ein volles Jahrhundert verflossen. So lag es nahe, darzustellen, was die Aegyptologie seither erreicht hat. Ihr ehrwürdiger Altmeister Adolf E r m a n schilderte in einem von seinem Humor durchleuchteten Vortrag, welche Schwierigkeiten die Aegyptologie zu überwinden hatte, ehe sie ihre Texte annähernd zu verstehen vermochte. In der Eigenart der ägyptischen Schrift, die keine Vokale schreibt und oft auch Konsonanten ausläßt, liegen die Schwierigkeiten. Vor allem war ein Lexikon ein dringendes Erfordernis. An solchem hat Erman mit zahlreichen Mitarbeitern seit 24 Jahren gearbeitet. Wie die gewaltige Arbeit durchgesührt ist, welche Erfolge sie auf, etwa lAi Millionen Blättern nieder gelegt hat, das wurde höchst lebendig vorgeführt. Die Vollendung des großen Werikes ist in sechs Jahren zu erwarten. Ganz neue Forschungen über das „Tocha rische" trug Professor Sieg vor, der die Anfänge der Entzifferung schon 1908 vorgeführt hat. Im Gebiet von Tursan sind Zahlreiche Handschriften in indischer Schrift gefunden worden, die nach einer Beischrift zu einer uigurischen Handschrift aus dem Jüdische-n in die Tochari-Sprache übersetzt sind. Daß es sich um dasselbe zentralastatische Volk handelt, das die Griechen Tocharer nennen, ist klar. Es hat sich aber ergeben, daß hier zwei verwandte indogermanische Sprachen vorliegen: neben das Tocharische ist die Sprache der Aue-tschi getreten. In einer Schilderung des Formbaues dieser Sprachen erbrachte Professor Sieg den überzeugenden .Beweis, daß in ihnen eine indogermanische Sprache vorliegt. Ihre Literatur ist ausschließlich buddhistischen Inhalts. Es sind Uebersetzungen indischer Werke, deren Originale zum Teil nicht erhalten sind. Alle, die die Tagung miterlebt haben, sind einig in dem Wunsche, daß die Vorträge durch Druck ein dauernder Besitz der wissenschaftlichen Bildung werden müssen. Das ist nun ermöglicht durch die Umgestaltung der „Zeitschrift der Deutschen morgenländifchen Gesellschaft". Sie wird in Teilen erscheinen, von denen einer alle allgemein interessanten Forschungsberichte bringen wird. Daneben flehen dann die Hefte für die einzelnen Forschungsgebiete. 22 Karlsruhe, 7. Oktober. Der „Bund Israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen in Baden" (Geschäftsstelle: Karlsruhe, Kronenstraße 15) hat sich in diesem Jahre mit der Entsendung erholungsbedürftiger Kinder in Kinderheime, auf das Land und in die Schweiz mit erfreulichem Ergebnis betätigt. 126 Kindern konnte ein Erholungsaufenthalt verschafft und zu körperlichen Kräften verholfen werden. In der Schweiz standen dem Bund 48 unentgeltliche Plätze zur Verfügung. Drei Beamtenkinder fanden Aufnahme in dem Erholungsheim der Augustin-Keller-Loge am Züricher See; in der Heilstätte Etania in Davos konnten 15 tuberkulöse Kinder zu einem vierteljährigen Aufenthalt untergebracht werden, itnb 30 Kinder folgten einer Einladung der Ferienheimkommission. des Israelitischen HilMond8 in. Luzern zu sechswöchigem Erholungsaufenthalt. Diese Schweizer Plätze wurden auf folgende badische Städte verteilt: Mannheim 16, Heidelberg 6, Pforzheim 11, Karlsruhe 12, Freiburg 1, Breisach 1, Ettlingen 1. Weitere 21, zum größtenteil herzleidende Kinder waren in dem Israelitischen Erholungsheim zu Nauheim unter gebracht, 4 Kinder auf dem Lande und 53 Kinder in drei Abteilungen unter eigener Leitung in einem jüdischen Gasthaus auf dem Lande. Darunter befanden sich Kinder aus Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Freiburg und Konstanz. Eine ziemlich große Anzahl Kinder, die in der obengenannten . Zahl nicht einbegriffen sind, gebrauchte eine Kur im Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dürrheim. Außer diesen Entsendungen wurden von unseren Ortsgruppen in, Mannheim, Heidelberg, Pforzheim usw. direkt Kinder auf das Land und in Kinderheime geschickt. Neben dieser Kinderentsendung bearbeitete der Bund alle die übrigen an ihn gestellten Anforderungen, wie die Entsendung erholungsbedürftiger Frauen und Mädchen in Erholungsheime, die Stellenvermittlung, die Gewährung von Ausbildungsbeihilsen und anderes mehr. Dolen. W. Posen, mi Oktober. Ein „piolnisches^ Zentr.a!>ausro!!tung!^ komimando und Platzkommando für die Stadl Posen zuv Aus^- rottung der. Deuttschen und Juden" versandte unlängst, nach den: „Posener Tageblatt", in Posen folgendes Sendschreiben: „Ultimatum! Unsere Emigranten- und Arbeiterarmee fordert Sie und alle Ihre Genossen auf, sich baldigst ans Posen zu verziehen, andernfalls unsere Gewaltaktion recht böse einsetzen wird, und ein jeder von Euch wird gleich auf der Stelle kaltgemacht, denn dann bringen nur jeden deutschen Michel und Juden ohne Ausnahme um. Dieses Ultimatum bist Du verpflichtet, allen Deinen deutschen Glaubensgenossen und Bekannten sofort bekanntzumachen und ihnen zu eröffnen, daß sie es ihrer deutschen Negierung und allen Deutschen sowie ihren eigenen Mitgliedern verdanken können usw." Nur raus! gilt die Parole. Solche aufreizenden Worte schüren den Haß des unwissenden Volkes und verursachen Ausschreitungen und Tätlichkeiten gegen die Geduldeten. In vielen Städten der Provinz Posen verlassen die bedrängten Juden Grund und Boden und ihre Habseligkeiten, der angedrohten Gefahr ihres Feindes zu entrinnen. Sie haben große Mühe, in Deutschland, wie dies in Berlin mehrfach der Fall ist, Niederlassung und Existenz zu finden. Angara. Z. Budapest, Im Oktober. Das Spital der Poster Jf'raetii'- schen Neligionsgemeinde ist im Laufe dieses Sommers um drei wichtige Institutionen bereichert worden. Es sind dies: das unter Leitung Dr. Jakob Justus stehende Röntgen-Laboratorium, die unter Leitung Dr. Desider Vandors stehende physikalische Heilanstalt mit Elektrizitäts-, Fango- und Wasserheilabteilnng, und das unter Leitung Dr. Desider Vandors stehende physikalische Heilanstalt mit liche Untersuchungen. Diese drei neuen Institutionen wurden der Oeffentlichkeit am 30. Juni in feierlicher Weise übergeben, wobei der verdienstvolle Spitalschefarzt Dr. Heinrich Benedict, der Präsident der Spitalskommission Dr. Samuel Löw, der Präsident der Pester Israelitischen Religionsgemeinde Dr. Franz Szekely in gehaltvollen Ansprachen die Bedeutung der neuen Institutionen für die kranken Mitmenschen beleuchteten. Wir bemerken nur noch, daß das Spital der Pester Israelitischen Religionsgemeinde den nurnorus clausus für Angehörige anderer Konfession nicht anerkennt, sondern seine Heilinstitutionen .allen Heilbedürftiaen in gleicher Weise eröffnet, ohne erst zu fragen, welcher Konfession sie angehören, daß aber dieses Spital ausschließlich von den Beiträgen jüdischer Philanthropen erhalten wird. — Das ungarische Taablatt „Pesti Naplo" veröffentlichte vor kurzem einen Bericht über die Säuglingssterblichkeit in Ungarn und über die Tuberkuloseabteilnng des Stefanie-Kinderspitals. Darin heißt es: „Ein besonderer Gebüudeflügel, eine sonnige Terrasse, in drei Sälen achtzehn Betten, ein Operatronssaal. ein Laboratori.um, ein Bad — die uns der Spende der Frau Bachruch ,im ersten Kriegsjahre eingerichtet wurden. Ihr Gatte, ein Juwelier, wollte ihr anläßlich der silbernen Hochzeit ein kostbares Juwel schenken; sie aber erbat sich lieber das Geld und gab es dem Professor Bokay. So kam die Tuberkulosesektion zustande. Ein wahres Schmuckkästchen und das Juwel darin: die 'aufblühende Gesundheit lungenkranker Kinder." Wer ist Frau Bachruch, die sich das herrliche Juwel gesichert hat? Eine Angehörige des destruktiven Judentums, das in seiner Destruktionswut so weit geht, nichtjüdischen Kindern eine Heilstätte gegen die verheerendste der Seuchen sichern zu wollen! — Vor kurzem hat der 27jährige Szegeder Möbelfabrikänt Franz Bach, der im Kriege sein linkes Auge verloren hatte, in seiner Vaterstadt Selbstmord verübt. Der junge Mann fühlte in letzter Zeit auch im rechten Auge große Schmerzen und befürchtete, ganz zu erblinden. In seiner Verbitterung nahm er sich das Leben. Bach war, wie „Vilag"