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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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0 mtf ihn eingestürmt, und als er seinen Stack erheben wallte, um sich zu wehren, sei ein Mann in Zivil, der sich nachher als Kriminalbeamter entpuppte, auf ihn losgekammen und habe ihm erklärt, daß er ihm zur Wache folgen falle. Entgegen der Bekundung des Kriminalbeamten und eines zweiten hinzugekanunenen Kameraden desselben behauptete der Angeklagte, daß ihm die Erkennungsmarke erst vorgezeigt worden sei, als er sich weigerte, dem Zivilisten, der ihn am Arm gepackt hatte, zu folgen. Wenn er sich lasgerisfen und mit den Füßen gegen den Erdboden gestemmt habe, so sei dies vor dein Augenblick geschehen, als sich der Kriminalbeamte als solcher legitimiert habe. Sein Verlangen, daß auch sein Angreifer mit zur Wache müsse, habe der Beamte ignoriert, ebenso das Verlangen mehrerer jüdischer Augenzeugen, die auf der Wache vernommen zu werden verlangten. Wie dem Angeklagten von mehreren Seiten,, ii. a. auch von einem durch den Kriminalbeamten mittels Notpfeife herbeizitierten uniformierten Polizeibeamten bestätigt wurde, hat er auf dem Wege zur Wache keinen Widerstand geleistet. Der große junge Mann, der den Angeklagten beleidigt hatte, war Übrigens von den Polizeibeamten nicht mehr aufzufinden. — In der mehrere Stunden währenden Verhandlung machten die Zeugen einander in vielen Punkten sich widersprechende Aussagen. Der Amtsanwalt hielt einen Widerstand für erwiesen und beantragte gegen den Beklagten. 150 Mark Geldstrafe. — Rechtsanwalt Dr. Weil sprach seine Verwunderung darüber aus, daß in keinem der vorhergegangenen Exzesse ein Strafverfahren eingeleitet worden sei und nur hier, in der verhaltmsinäßig harmlosen Sache, fei eine Anklage gegen' einen Juden, der beleidigt fet, erboten worden'. Der Angeklagte miifi? freigesprochen werden, da dieser nicht im Bewußtsein war, Widerstand gegen die Staatsgewalt zu leisten. — Das Gericht erkannte aus Freisprechung, weil der Tatbestand nicht genügend zu klären war. L2 Berlin, 11. Oktober. Die Fr-ei'e Jüdische Volkshochschule eröffnet ihr 9. Trimester Herbst 1921 mit einer Reihe iuteressauiter Vorlesungen,. Es werden folgende Herren lesen: Rabbiner Dr. Baeck über „Die Entwicklung der religiösen' Ideen im Judentum": Dr. Bergmann über „Tie Bibel und wir"; Dr. Bernfeld über „Die bebrüt sckD Literatur seit Beginn des 19. Jahrhunderts": Rabbiner Dr. B l e i ch r oId e: „Talmud-lektüre"; Regierung^ rat Goslar über „Judentum und Sexualethik": Rechtsanwalt Gronemann über „Das jiddische Theater", mit Dairbietnngen von Schauspielern desi Jüdischen Künstlertheaters: Studien,rat Hä min e r ste i n: „Modernes Hebräisch für Geübtere"; Dr. Heinem ann über „Die Weltreliaionen" (vergleich.'.nde religionsphilosvphische Betrachtungen); R. Hirschfeld über „Geschichte des jüdischen Gottesdienstes", 1. Teil, mit Lichtbildern: Dr. I t e l s o n über „Spinozas Philosophie und die jüdische Weltanschauung: Dr. Me i s l über „Die jüdische Geschichtsschreibung"; Rabbiner Dr. R o s e n th a l: „Hebräisch für Anfänger": E. Toeplitz über „Die Kunst und das religiöse Leben der Juden", mit Lichtbildern; Dr. T o r c zy n e r über „Probleme der Bibelwissenschaft", 1. Teil (Vorlesung in hebräischer Sprache); Rabbiner Tr. Warschauer über „Religiöse Grundfragen". Vortragszyklus von Iran W r o n s k y , Dr. S e g a l l, Dr. L a m müber „Jüidi'sche Wohlfah-rtsipflege" mit Führungen durch jüdische Wohlfahrtsanstalten. — Neustadt (Oberschlesien), 7. Oktober. Der erste Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe der „Heimattreuen" veröffentlicht eine Kundgebung, in welcher es heißt: „Anläßlich der sich namentlich an Sonntagen ereignenden antisemitischen Pöbeleien lege ich hiermit mein Amt als erster Vorsitzender der Bezirks- und Ortsgruppe der Heimattreuen nieder. Meine Arbeit galt der Heimat und dem Baterlande, für welches zwei Brüder ihr Leben gelassen haben. Als letzter wollte auch ich, mich fürs Vaterland betätigen und empfange nun den gewissen Dank, worüber ich quittiere . . . Anständige Selbstschützler! Warum duldet ihr diese euch kompromitierende Gesellschaft? Zu dem albernen Gerede über die Judenrepublik bemerke ich, daß der Reichspräsident, Reichskanzler und Preußische Ministerpräsident ebensowenig Juden sind wie die Verräter Graf Oppersdorf, Svhotta, Strzoda und das Gesindel, welches jetzt die Straßen und Lokale unserer Stadt verunziert. Gegen die Polizei, welche dieses schändliche, undeutsche und unchristliche Treiben duldet, erhebe ich den Vorwurf der mangelnden Pflichterfüllung. Dr. Stern, Rechtsanwalt." r. Breslau, 7. Oktober. Auf Einladung des Lehrerkollegiums hatte sich am letzten Sonntagvvrmiittag! eine Anzahl früherer Schülerinnen der Industrieschule im Klubzimmer der Lessing-Loge zusammengefunden. zu einer ernsten Beratung über das Schicksal der Anstalt. Hauptlehrer Moops fetzte in einer kurzen Ansprache auseinander, daß es die Pflicht derer sei, die einst die Grundlagen ihrer Bildung und damit ihrer jetzigen Lebenslage in dieser Schule erworben haben, nun auch für den Fortbestand der gefährdeten Anstalt zu sorgen. Seine Worte fielen auf guten Boden, denn nach einer langen Aussprache, in der die gleiche Meinung, die Schule, die seit länger als einem Jahrhundert bis in die Gegenloiarit so viel Segen 'gestiftet und für di,e Zukunft zu stiften' berufen' sei, müsse unbedingt erh,alten bleiben, zutage trat, einigten sich alle Anwesenden dahsn, in die -Hils'sarbeüt einzutreten und' sowohl «in ihrem Bekanntenkreise einmalige Beiträge zu sammeln wie auch Mitglieder ßit werben. Mit gutem Beispiel vorausgehend, zeichneten sich alle, einige mit namhaften Beiträgen, in die Mitgliederliste ein und spendeten zugleich einmalige namhafte Beiträge, die in ihrer Gesamtsumme mehr als 3000 Mark betrugen. Es steht zu hoffen, daß es dem Eifer -der Werbenden gelingt, weite Schichten für die -Erhaltung der Schule zu interessieren. r. Breslau, 7. Oktober. Die Freie jüdische Volkshochschule beginnt ihr 5. Halbsemester am 1. November mit einem reichhaltigen Programm. Vor uns liegt das Vorlesungsverzeichnis: Dr. Willy E o h n : Der Kampf um die Emanzipation im 19. Jahrhundert. Frau Dr. Fuchs-Hes: Menschheiksprobleme bei modernen Dichtern des Auslandes in ihrem Verhältnis und im Vergleich zum Judentum. Do>ze>n't Dr. Hei nema n n, Charakter.köpse jüdischer Denker. Dr. Manuel Joel: Rasse und Judentum. I. Kultur und Rasse. Dr. K a p l u n - K o g a n : Hauptprobleme der jüdischen Wirtschaftsgeschichte. Assessor Dr. Marc u s: Grundlagen der bisherigen jüdischen Kolonisation und der zukünftigen jüdischen Arbeit in Palästina. Frau Dr. Mei d ne r: Einstein, seine Persönlichkeit und seine Lehre. Fräulein Dr. M o r a w s k i: Nietzsches Beziehungen zu Juden und Judentum. Rabbiner Dr. 'S i m o n s o h n : Vorlesungen und Hebungen über den Midrasch. Rabbiner Dr. V oge l st e i n : Das Ostjudentum. <r/D Breslau, 7. Oktober. Herr Professor Dr. Michael G n t t - mann in Budapest hllt einen Ruf, an dais Breslauer Jüdisch-theologische Seminar als Nachfolger des jüngst verstorbenen Semiuarrabb'iners Dr'. Horowitz erh,alten -und angenommen. Professor Gri.ttmann steht im 49. Lebensjahr und hat sich durch eine Reihe von B-ervffentlichiungen -auf dem Gebiete der Talmu^oissens-ckast, insbesondere durch die ersten zwei Bände einer von ihm verfaßten talmudischen Enz-yK-opäd'e, einen bedeutenden Namen gemacht. Eine Erweiterung des Lehrstoffes am Seminar w-ird insofern eintreten, als auch nenhebrü'lscke Sprache und Likevalt-ur gelehrt werdön wird. — Die Vierteilung der Fächer auf die einzelnen Dozenten wird etwa die folgende fein: Professor Guttmann: Tailmudische Mcher; Dr. Heinemann Reli'gio-nsphilio'soph'l-e des Mittelalter-,s, hebräische Grammatik, Homiletik; Tr. Lewkolvitz: Neuere Nelig'bnsph'ilosophie, Pädagogik; Dr. Rabin: Bibelexegese, jüdische Geschichte, Neuhebräisch. Nähere M'ibteiln'ngen über die Vorlesungen bleiblein Vorbehalten. M. Hamburg, im Septembbr. Die Deutsch-Jisraielitische Gemeinde hat den Verlust eines hervorragenden Mitgliedes zu beklagen. Leopold Durlacher, der Mitbegründer der Firma Sociedad Vinicola L. u. S. Durlacher, ist nach längerer Krankheit im 67. Lebensjahre aus dein Leben geschieden. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Wohltäter der Armen, die ihren Helfer und Berater verloren haben. Zur Trauerseier, die im 'Sterbehiaufe in der Heim- Hude rstraße stattsand, >h,atte sich -eine anfzer ordentlich große Trauergemeinde eingesnuden, unter der sich auch viele Vertreter der Hlandelsnnd Mnanziwelt befanden-. Die Gedenkr-ede hielt iHerr Rabbiner Dr. A. Loewenthal (Berlin), der, anknüipsend an ein Schriftwort, den Lebensgang, des Verblichenen schilderte, dessen Wirken und Streben nicht nur ein Segen für seine Familie und seine Gemeinde, sondern auch für die Notleidenden war. Sein Andenken wird ein unvergeßliches sein. Hierauf widmete der Präsident der Steinthal-Loge dem teuren Bruder herzliche Worte des Dankes. Der große Leichenzug bewegte sich nach dem Ohlsdorfer Friedhof, woselbst nach Gebet und Segen des Geistlichen die Beisetzung der irdischen Ueberreste stattsand. 6. T. Leipzig, 7. Oktober. Die zweite Sitzung des Deutschen O r i e n t a l i st e n t a g e s in Leipzig brachte Fragen von allgemeinen! Interesse. Die Borträge hatten der Afsyriologe Bruno

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