Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 21 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Szeged 2× ep/1048127
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tut§ Szeged meldet, einer der tapfersten Soldaten im Weltkriege. Als ganz junger Soldat wurde er mit der goldenen Tapferkeitsmedaille. dreimal mit der großensilbernen, der kleinen silbernen und der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Einmal rettete er seinen verwundeten älteren Bruder, der Offizier im Infanterieregiment Nr. 46 war. Im stärksten Granatenseuer eilte er zu ihm und schleppte ihn aus der Feuerlinie. Hierfür erhielt er die große silberne; die goldene Medaille -erhielt er dafür, daß er auf dem Doberdo mit zwei Maschinengewehren und einigen Leuten den Sturm der Italiener aufhielt, wodurch er vielen unserer Leute das Leben rettete. Wie aus Szeged gemeldet wird, fand dort das Leichenbegängnis Franz Bachs unter imposanter Beteiligung mit nu.M arischen Pomp statt. Zur Trauerzeremoime erschien eine Deputation der in Szeged stationierten Offiziere mit dem General-, obersten Bela Stahlenberg an der Spitze. Oberrabbiner Dr. Adolf Löwinger hielt eine ergreifende Trauerrede, worauf sich der Reserveoberleutnant Moritz Dick im Namen der gewesenen Kameraden vom Toten verabschiedete. „Niemals," sagte er, „kam von seinen Lippen während der schlimmsten Entbehrungen und der größten Gefahr eine Klage. Nur in letzter Zeit meinte er bitter: „Also auch die Franz Bach sind keine Ungarn mehr?" „Hier an deinem Grabe," schloß Dick seine Rede, „geloben wir. daß, wie wir dem Glauben unserer Bäter treu bleiben, wir, wie in der Vergangenheit, auch heute Ungarn sind und dies bis zum letzten Atemzuge bleiben." Nach der Rede gab die Ehrenkompagnie die Generaldecharge ab. Die Militärkapelle spielte den Hymnus. Damit schloß die erhebende Feier. Von Kob und ssern. — Zum 75. Geburtstag des Geheimrats Professor Dr. A lbert Moss-e hat der Berliner Magistrat nachstehendes GlückmmuMch reiben an> den Jubilar gerichtet: Hochverehrtester Stadtältester! Zum heutigen Tage drängt es uns. Ihnen! von Herzen kommende Glückwünsche dar zu bringen und der ausgezeichneten Dienste zu gedenken-, welche Sie der Stadt Berlin uw Ehrenamt geleistet haben. Als eines unserer tätigsten und erfolgreichsten Mitglieder. dessen Klugheit., Tatkraft und juristischer Scharfsinn und Uueiaennützigkeit so nft der Berliner Bürgerschaft von größtem Vorteil gewesen. b>leiben 'Sie uns intreuer, dankbarer Erinnerung,. Wir wünschen aus-ricktig und herzlichst, daß Ihre Gesundbeit sich recht bald wieder bessern und daß Ihnen im Kreise der Familie noch lange Jahre körperlicher ltnib* geistiger Rüstigkeit besckieden sein mögen. Magistrat. Boß. — Der Leiter der Abteilung IA„ der soa-ena nuten politischen- Abteilung., des Berliner Polizei-Präsidiums, Aegiierunasrat Dr. Weiß, ist zum Ob erreg ierungsrat ernannt worden. — Die Firma Hermann Tietz hat in ihren Berliner Häusern — Leipziger Straße und Alexanderplatz (3. Stock, Wirtsehastsabteilung —- eine überaus reichhaltige und sehenswerte Einbruch- und Diebstahlschutzausstellung verbunden mit Verkauf arrangiert, deren Besichtigung wir unseren Lesern sehr empfehlen. — An das Preußische Kultusministerium ist eine kleine Anfrage gerichtet. was es dagegen zn tun gedenke, daß Schüler und Lehrer des Gyuumsiums in Neu-Stettin auf ihren Allsflügen mehrfach ein Lied mit dem Refrain gesungen haben: „Wir brauchen keine Judenrevublik!" — Aus K 5 uigs b e r g i. P r. wird berichtet: Das 25jährige Bestehen der hiesigen Synagoge'wurde durch einen Festgottesdiellst gefeiert. Mit etirem Orgelspiel des Organisten Beyer begann die stimmungsvolle Feier. Der Chor sang dann lmter der Führung Louis Badrians den Psalm 24: „Erhebet, ihr Tore, eure Häupter." Nach einem Gebet des Rabbiners Dr. Lewin brachte dann neue Oberkantor Manfred L e w a n d o w s k i einen von seinem Großonkel, Professor Lewandowski, komponierten Sologesang zu Gehör. Die Festpredi-gt knüpfte Rabbiner Dr. Löwin an das Schriftwort: „Die Ehrfurcht gebietend ist dieser Ort.". — Aus W r e s ch e n wird uns geschrieben: Kultusbeamter W. Sil b e r st e i n , der eine lange Reihe von Jahren in der hiesigen, israelitischen' Gemeinde amtlich tätig ist,.beging in diesen Tagen seinen siebzigsten Gebn-rtsta>g. Die Geuieinde ehrte -ihren aimMiiTucn Angestellten durch Darreichung einer ansehnlichen Geldsumme. Die Gemeindenntglieder erwiesen besonders dem Jubilar die gebührende Anerkennung durch manni-glfache Aufmerksalnkeiten. Frühere Mitglieder, die du-rch die -Politischen Verhältnisse genötigt waren, -Wre'schen zu verlassen, gedachten in der Ferne dies Gefeierten durch Zusendung von Glückwunfchscl-veiben. und wertvollen Geschenken. Herr Silberstein ist noch -körperlich und -geistig frisch und versieht sein Amt in gewohnter Weise. - Man schreibt uns aus Breslau: Fern von der Heimat verschied jüngst in 'Berlin Plötzlich der Hande-lsgerichtsrat Rudolf Goldschmidt, eine der angesehensten' Persönlichkeiten der- Kaufmmnnswelt feiner Vaterstadt, im 49. Lebensjahre. — In Breslau ist Herr JuDus Hör Witz, Mitarbeiter 'der Firma Ed. Meilschowsky, nach 52jähriger Tätigkeit verschieden. Der Verewigte, 1853 geboren, stammte aus Ostrowo und trat 1870 als Lehrling in die genannte Firma ein. Er nahm stets regen Anteil an den inneren Vorgängen des Judentums und war zirka 40 Jahre Mitglied der Chewra Kadischa. Ehre seinem Andenken! — Der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg hat den Architekten Dr.-Jna. Block und Dipl.-Jng. Hochfeld die Ausgestaltung des Kriegerehrenfriedhofes der Gemeinde nach ihren Entwürfen übertragen. Mit den Vorarbeiten ist bereits begonnen. Auf mehreren Gedenktafeln, die auf dem Ehrenfriedhof Ausstellung finden, sollen andi die Namen aller jüdischen Kriegsgefallenen Hamburgs verzeichnet werden, auch jener in Feindesland-ruhenden. - Wie ans Halberstadt gemeldet wird, gingen bei der Verwaltung des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel für Ukrainehilse bis ietzt mehr als eine Million Mark ein. — Handzettel antisemitischen Inhalts wurden am Samstag, 17. September, in München von Angehörigen der aintisemi tischen NationakfoZiialistischen -Arbeiterpartei vom Rathau sturm, später von Autos auf die Straße, am Sonntag bei der Parade und nachmittags auf der Festwiese Geworfen. Die Zettelverteiler sind ermittelt. — In Köln verschied die wegen ihrer Herzensgüte und Frömmigkeit allgemein verehrte Greisin Frau Johanna B >e e r m a n n, geborene Gebert, und-wurde unter großer Beteiligung in der Ehrenreche beigesetzt. Ihr Schjwiegersohn Rabbiner Dr. Caro (Köln) und ihr Sohn Bezirksrabbiner Dr. Beer »m a n n (Hei-lbvonn) hielten ergreifende Nachrufe. — Aus Karlsr n h e wird geschrieben: Staatspräsident Trunk sagte im> Landtag in einer giroßen politischen Rede: „Als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1918 'die großhierzogliche Familie im Karlsruher Schlosse bedroht war, hat sich nicht -einer von den vielen Hunderten in Karlsruhe wohnenden Offizieren zum Schutze des Großherzogs eingefunden-. Nur der damalige Minister des Innern, Dr. Ludwig Haas, ein Jude., hat an der Spitze -von viersig ' Soldaten den Großherzog geschützt." — Anläßlich -der gegenwärtig in Genf tagenden Versammlung des Völkerbundes übergab das Komitee der Liga jüdischer Frauen in.Genf den Delegierten und Berichterstattern sämtlicher Länder eine Anzahl Dokumente betreffend. Verfolgungen und Niedermetzelun-aien der Ju-den in- Ost- und Zentraleuropa. — Aus O l m ü tz wird geschrieben: Gelegentlich der Anwesenheit des Präsidenten. Mafaryk wurde auch eine Mordnung der jüdischen Kultusgemeinde empfangen. Präsident Masaryk entgegne te aus die Vegrüßnugsaufprache des Rabbiners Dr. Oppenheimer -mit folgenden Worten: „Ich bin, immer objektiv gewesen und will meine Objektivität auch weiterhin bewahren. In der Tschechoslowakischen Republik sollen alle Religionen und Nationen vollständige Freiheit genießen, und ich will mich dafür einisetzen, daß dies nicht nur aus dem Papier geschieht. — Auf Betreiben der lokalen jüdischen Sektion der russischen kommunistischen Partei wurde der hebräische Unterricht im jüdischen Gymnasium in S m o l e n f k verboten. Der vom Leiter des Gymnasiums an die russischen Zentralfowjets gerichtete Protest wurde zurück gewiesen. — Aus W a r s ch a u -meldet das I. K. B.: In den nächsten Tagen soll die erste Verhandlung gegen die oberschlesischen Exzedenten stattfinden, die vor einiger Zeit -in Lodz die jüdische Bevölkerung -arg mißhandelt haben. Als Hauptzeuge der mißhandel-ten Juden erscheint der Bürgermeister von Lodz, der mehrmals Augenzeuge solcher wüsten Judenschlägiereien gewesen ist. — Nach einer „Temps"-Meldung aus Warschau kündigt die Presse an, daß der Justizminister einen Gesetzentwurf über die Abschaffung der Beschränkung der Rechte der Juden vorgelegt habe. -- In Mexiko wurde mit Hilfe der „Bne Brich Loge" in Amerika (Sitz des Präsidiums in Chicago) ein internationales Flüchtlingsheim in großem Stile eröffnet. Die Anstalt dankt ihr Entstehen der Initiative und der kräftigen Mithilfe des Herrn Isidor Slobotzky (eines Frankfurters), dessen Appell rasch ein Echo in allen jüdischen Herzen gefunden hat. Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlm-Frredenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.