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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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SS. Jahrgang. Nr. 21 Berlin, 14. Oktober 1921 Der Gemetndebote. Vetlase zur „Attgemeinen Leitung de§ Judentums". korrrsponLmzm unv Mschrichtrn. Lrutschisnd. <rxv Berlin, 11. Oktober. Vor «einigen Tagen wurde im Reichs- -arbeitsmimsterium ein „Reichshilfsaus schuß für Oppau" gegründet, »dem Vertreter der 'höchsten Behörden, der Industrie, der organisiertiein Arbeiterschaft, der großen Wohilsiaihirtsver-bänbe interkonsesstoneller wie auch konfessioneller Art angehören. Als Vertreterin jüdischer Interessen ist die Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden (Berlin) dem ReichshilMusischuß beilge treten- und» richtet daher nn die gesamte jüdische Bevölkerung in Stadt und Land die Bitte, sich -an dem Hilfswerk für die Opfer des Oppauer Unglücks aufs wärmste zu beteiligen. Spenden werden entgegengenommen aus Postscheckkonto Ludwigshafen Nr. 15 000, Frankfurt a. M. Nr. 55 000 und Berlin Nr. 117 000 (Reichshilfsausschuß für Oppau). B. T. Berlin, 11. Oktober. Geheimer Justi z ra t Professor Dr. A'l'b-er.t Mos sie beging am 1. d. M. seinen 75. Geburkstaig. Er blickt auf eine selten ,große und- «erfolgreiche Arbeitsleistung zurück, von der mau hoffen möchte, daß sie noch nicht 'abgeschlossen ist. In den verschiedensten! Gebieten und auf, den verschiiiedensten Plätzen! hat er seinen juristischen Scharffinn, seine aus-gebr-eiteten Kenntnisse und seine außerordentliche AribeiMvaist im Dienste großer Aufgaben! verwertet. Es mag, daran« erinnert werden-, daß, nun schon vor Jahrzehinten, als die Aiusarblei'tung der japanischen Verfassung und die Neugestaltung der Gerich>tsb-arkeit in Tokio! aus der Dag-esordn'unig staulden, id'ie japlajnische Regierung ihtm den Mntvag miachite, nach Japanzu -kommen, wo er dann während' eines mehrjäihri-gen AusentlMiltes eine inhohem Maße anerkannte reso'rmatorische Leistung vollbrachte. Nach Deutschland zurückgekehDt, setzte er die unterbrochene richterliche LalUfbahn fort und wurde nach ei'ni'ger Zeit in Königsberg zum Oberlandesgerichitisrat ernannt. Er wurde' Mitglied der Justizprüsungsk.0'mim-issio!n, und die Mni-g'sbe'rgler Universität ehrte -ihn durch V>er!leihiuu«g, eines! P r o f e s s or e n t i t e -l s und der Ehren d o k t o rw ü r d e. Als er «ans dem Königsbevgier Amte Wed, wbr.de er in Berlin zum Stadtrat gewählt Er nahm diesen Posten an und gewann sehr bald einen hiervorragsenden Einfluß iu> fast allen Zwieigen, der städtischen Verwialtung. Die Klugheit, Umsicht und Grüudlichlkei't, mit -denen er wichtige Verträge, zum Beispiel den Vertrag mit der Straßenbahn, ausarbeitete und zustande brachte, wurden einmütig gerühmt. Sein schwankender Gesundheitszustand nötigte ihn dann leider, aus der Leitung des BeMner Staddoesens auszuscheiden. Auch jetz't .alber wollte er sich keine Ruhe .gönnen, und er setzte vor allein die Bioarbieiibung und Hera-usigabe des Litthauerschen Handelsgesehb'uchies fiort, die er schon früher «unternommen hatte. Obwohl er in der -Staid'tvierwaltrrn'g eine amtliche Stellung uicht mehr einuimnit, ist er ein Ratgeber gM-iebe'n, an «den man sich in ßhmierigen Fällen wendet. Das Ansehen- und di-e Au-tori'tät, die er bei allen Parteien besitzt, haben sich durch die politischen Wirrenhindurch unvermindert erhalten. Gehieimer Justizrat Professor Dr. Albert Mosse ist seit einer Reihe von Jahren erster Vo-rsitzend-er des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft «des Judentums. — Berlin, 11. Oktober. Vertreter des Min i ft c r tu m s des Innern besuchten kürzlich die JnMu'tionendes Jüdischen Arbei!terfü'rsor>geam'tes. Außer zwei hohen Beamten« des Mnisteriums ivar d-er erste Direktor der LandesgrenzpoBiizei! ers«ch«ienen. Die Herren besichtigten nach eingehender Rücksprache im Generalsekretariat!des Arbeiterfttrsorgeamtes die Abfertig-ungs'- und Durchreise kommission, ferner wurde die Nähstube besichtigt sowie 'das- Zuflnchtsheim in den Räumen des alten Krankenhauses in Augenschein! genommen.' An« den Besuch der Räume des Arbeiiterfür'so'rgeamtes in der Au-guststrnße schloß sich eitie Inspektion des Flüchtliugisheimis in der Wilesenstra.ße. Die Herren unterrichteten sich eingehend über die vom ArbeiLerfürsorgeamt getro'ffenein hhgien-ischen' '.Miaßnah-mien und, über den Erfolg in der Gindämmung von ansteckenden Krankheiten. Wie wir hören, war nian allerseits von dem Ergebnis des Befu«ches außerordentlich befriedigt. N. C. Berlin, 11. Oktober. Das neu begonnene Jahr 5682 brachte dem Israelitischen Lchrerinnenheim in Lichterfelde «einen unersetzlichen, Verlust!. Die Bewohnerinnen des Heimisi beklagen den Heimgang ihres von ihnen hochgeschätzten Leiters, 'des ersten Vorsitzenden vom Verein Israelitisches Lehrerinnenheim, Dr. Albert Oliven. Mit inniger Verehrung hingen die alten Damen an ihrem Gönner und Vorgesetzten. Die sonnige Natur des Verewigten, sein warm Pulsierendes Herz für fremde Sorgen, mb Kümmernisse verliehen Wärme und Beruhigung den Bedrückten. Stets war sein Bestreben darauf gerichtet, das Heim «den Bewohnerinnen zur wirklichen Heimat zu .gestalte. So hinterläßt Herr Geheimrat Dr. Oliven denn -in diesem Verein eine Lücke, welche kaum ausfüllbar. Trotz seiner sehr beschränkten Zeit, welche Fülle vornliebevoqer Fürsorge w-i-dmete -er nnausgesetzt — sechzehn Jahre hindurch — dem Heim! Neben den in Lankwitz von Dr. Oliven gemeinsam mit seinen: Freunde Geheimrat Dr. Fraenkel, -geleiteten Nervenheilanstalten, widmete sich der -Verblichene ganz besonders seinen: Ehrenamt als Generalsekretär des von Leyden begründeten Deutschen Zentralkomitees für ärztliche Stuoienfahrten. 1901 trat er in den Vorstand ein, um dann für die Folge -als alleiniger Leiter in hervorragender Weise sich zu betäti>gen. Auch die letzte große, vor kurzer Zeit stattgehabte Studienreise ins Salzkammergut und Tirol war in allen Einzelheiten von ihm vorbereitet wo-rden'. Die fortschreitende Krankheit hinderte Dr. Oliiü'Gn selbst daran teilzunehmen. Als Doyen dieser Studiengesellschaft an fremden Höfen erwarb sich der Heiimgegangene infolge seiner vornehmen, eindrucksvollen Persönlichkeit, seiner hervorragenden Sprachgewandtheit und nicht zuletzt seines liebenswürdigen Wesens höchste Anerkennung und Ehrungen. Seine Kollegen verehrten und liebten ihln; auch ihnen bedeutet sein HinWng unersetzlichen B c rifwt sü E. M. Berlin, 11. Oktober. Welch «ciußerordeirtliiichen AusscklwUlNg die Jüdische 'Gemein.de «in Berllin in den -letzten Jahrzehnten zu verzeichnen hat, «erwies sich au«ch' an .dem?lnwach.sen d'es Jüd'ischen Religionsvereins Steglitz-Friedenau. Bei seiner Gründung nur aus 30 Mitgliedern bestehend, hat dieser Verein heute eine Mitgliederzahl von annähernd 400 Glaubensgenossen. Vor kurzem fand in der Aula des Gynmalslums in der Homuthstraße, die dieser großen Gemeinde zunächst noch immer als Betsaal dienen muß, ein Festoottesdienst anläßlich des 20. Jubiläums der Gemeinde statt. Rabbiner Dr. Weiße und Oberkantor Davidsohn waren hierzu berufen worden und entledigten sich ihrer Aufgabe in außerordentlich «eindrucksvoller Weise. Rabbiner Dr. Weiße entllmrf ei-u interessantes Bild über das Entstehen dieser Gemeinde, die er mit begründen half. Nicht von dem Vergangenen sprach er, auch nicht so sehr von der Gegenwart als wie insbesondere von der Zukunft, für die wir unsere ganze Arbeitskraft einstellen müssen. Jüdisches Leben in inniger Verbindung mit religiösem Empfindenbedeutete den Inhalt semer Festrede. Oberkainloiv Dav>idsohn! mnrahiinte die Predigt mit besonders weihevollen Festgesängen solvohl im Freitagals auch im 'Sabbatgottesdienst. Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde nahm dessen Vorsitzender, Geheinrrat Dr. Ster n, am Gottesdienst teil. Abordnungen der meisten religiösen Privatgemeinden Groß-Berlins nahmen an der Feier teil. Das größte Verdienst an diesem Werke hat sich der Begründer des Vereins, Herr S. Gottschalk, erworben, der in den langen Jahren in - rastloser Arbeit seine Tätigkeit in den Dienst dieser guten Sache stellte. Berlin, 11. Oktober. Eine Hakenkreuzlerausschreituug gegen jüdische Passanten bildete den Ausgangspunkt einer Anklage loegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, die kürzlich den Studenten Walter K r o t o s ch i n e r vor das Charlottenburger Schöffengericht führte. — Am 25. Februar «d. I. hatten Hakenkreuzjünglinge gelegentlich eines „Sonntagsbummels" Exzesse mit antisemitischem Einschlag.veranstaltet, die mit einem Sturm auf die Schillingsche Konditorei endeten. Als der Angeklagte den Kurfürstendamm entlang kam, stieß er ans eine Ansammlung von etwa 300 Menschen, aus der antisemitische Schimpsworte herausklangen. Plötzlich sei ein großgewachsener junger Mann von hinten auf ihn losgekommen und habe ihm das Wort „Judenjnnge" Zugerufen. Als er sich umdrehte, habe der junge Mann, den er mit seinem Spazierstock vou sich stieß, dcrs Wo-rt wi«ederhiökt; vim'ge H«a.kenkr>euzlier seien

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