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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 244 (sequence 10)
Language
German
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244 gebilde unter britischem Schutze, der dereinst, ja schon heute, Beschränkung durch Britanniens Politik bedeuten muß. Einer schwachen Türkei allenfalls konnte ein deutscher Zionist bis 1918 träumen, Hoheitsrechte für die Autonomie der Juden abkaufen zu können; für Britanniens Imperialismus aber bedeutet Palästina heute die Brücke nach Indien und nur zum Scheine das Heim der Juden. Das lange vor dem Zionismus bei Deutschen, und wohl auch arideren europäischen Juden höchsten, geistigen Ranges, gültige Ideal, dem sich die Laufbahn der Judenheit feit vier Menschenaltern in allen Landen westlich von Polen wirklich bereits nähert, scheint mir nicht erschüttert durch den Antisemitismus, jenen historischen Veranlasser des Zionismus. Verschiedenheit der Volkstümer und ihren Gegensatz nimmt der Historiker als notwendig gegeben; auch Rheinländer und Pommer unterscheiden sich ja stark und heiraten einander selten; erkennt nur jeder die Vorzüge des anderen Stammes, so lernt er unter starker Gesellschaftsordnung auch die ihm fremden Züge dulden. Während Verfasser den „Bund britischer Staatsbürger jüdischen Glaubens" (vermutlich eine Entsprechung unseres „Zentralvereins") höhnt, weil nicht jenes Bürgertum, sondern die Jüdischkeit deren Lebensblut ausmache, scheint mir das Sonderdasein der Judenschaft moralisch gerechtfertigt, wenn jede ihrem Wirtsvolke zwar politisch treu und geistig, seelisch und in Lebensgewohnheit eng verbunden, doch eigene Weltanschauung, unbekümmert um die die Oeffentlichkeit beherrschende Konfession, vertritt, dieser also den für jeden Fortschritt gefährlichen Schein alleiniger Möglichkeit benimmt, ferner sich bewußt bleibt besonderer Rasse, Anlagen und Ueberlieferungen, sodann Menschenliebe ohne Volksschranke betätigt und endlich sortfährt, die Religion mehr und mehr zu ethisieren. Natürlich weich' ich als Deutscher auch in Beurteilung des Deutschen von Dr. Salaman ab. Er schrieb unter Kriegsfeuer rind Ententehetze. So schweigt er über die Verdienste Deutscher um Palästinas Waisen, Kranke, Schulen und Altertümer. Wie wenig -doch schließlich Nationalhaß gegen Besiegte diese freie Seele befleckt, offenbart jene Rede vor seinen siegreichen Soldaten. Da zitiert er ihnen einen poetisch und ethisch gleich hoch zu bewertenden Midrasch: Als beim Triumphlidde der Israeliten, ob des Unterganges der Aegypter, die Engel des Himmels mitsingen wollten, mahnte Gott: „Wie könnt ihr jubeln beim Tode meiner Geschöpfe?" Lkinr Sukko. 3SS3 asm. dir zum Fest der Hütten ein Sukko, schlicht und klein! Durch ihr Dach aus Laubgeflechte leuchte mild der Sterne Schein. Deine Hütte, leicht gezimmert, bietet nicht dem Wetter Trutz; fühlst dich doch in ihr geborgen wie in Gottes mächt'gem Schutz. Blickt auf dich das Heer der Sterne freundlich durch das Laubgewind', ahnst du deines Vaters Nähe als sein schlitzbedürfstges Kind. Jeder Stern, ein Auge Gottes, hält ob deinem Haupte Wacht; macht die Hütte dir zur Feste und erhellet deine Nacht. Darum bau' zum Fest der Hütten deine Sukko dir in Treu', daß sich Hoffnung und Vertrauen dir im Herzen stets erneu! Schreitest du durch Glut und Wüsten wie die Väter deine Bahn, findest du aus Nacht und Nöten einst wie sie dein Kanaan. e l f e n k i r ch e n. S. K a tz. Bn jFall Lerjack. (4. Forts) Von Lydia Auerbach. B ie ist eine gute Frau", Miriam blickte ihr sinnend nach, „und doch — und doch nicht frei von dem unseligen Wahn, zu gutmütig, es gerade herauszusagen und doch in ihm befangen." „Weil sie, gleich Taufenden und aber Tausenden, zu einfachen Gemütes ist, das Lügeugewebe, die Beweggründe der gewissenlosen Verhetzer zu erkennen, welche die Gedankenlosigkeit des Volkes skrupellos benutzen, um es ihren politischen Zwecken dienstbar zu machen", sprach Leunant Vangerdio bitter. „Gemeinsam mit ihren Geisteslenkern werden diese Tausende von Nachbetern uns vernichten, wenn Jsaschus verurteilt wird." Deo Offizier schwieg. „Halten Sie es für möglich, daß er verurteilt wird?" Bange Furcht lag in ihrer Frage. „Der Staatsanwalt wird seine ganze Macht einsetzen", lautete die Antwort. „Ist es derselbe, der Benjamin Rosenbaum verurteilt wissen wollte, weil er bei dem Pogrom den Schuß abgab? „Derselbe. Ich las in verschiedenen Blättern, daß der Knabe nur seinem noch nicht strafmündigen Alter seine Freisprechung verdanke. Daß niemand verletzt, daß von den Angegriffenen Mord und Brand gefürchtet wurde, wußte Mokannes denr Gericht als ganz unerhebliche Nebensache zu insinuieren." „Nun sind wir verloren." „Es würde Revision eingelegt werden, wenn der Tempeldiener verurteilt würde." „Unsertwegen wird kein zweiter Gerichtshof den ersten bloßstellen." „Wie es auch kommen mag, Miriam, Ihnen soll kein Haar gekrümmt werden, und auch Ihrem Vater nicht", setzte er hinzu, als sie eine abwehrende Bewegung machte. „Sollte der Pöbel sich seinen Erfolg zunutze machen wollen, so durchsprenge ich seine Kette, reite nieder, wer mir in den Weg kommt und führe euch hinweg, mitten durch Mord und Totschlag." „Mein Vater bleibt bei seiner Gemeinde, und ich stehe bei ihm." „Wenn du mir doch Botschaft senden könntest wie früher, da mein Bursche zu eurem Mädchen kam. Ich wollte, nicht gerade er hätte die Tat entdeckt." „Auch ich wäre glücklich, er hätte unsere Anna nie gesehen. Nun er nicht mehr zu uns ins Haus kommt, wird er sie gewiß an dritter Stelle sprechen, und sein Haß gegen uns wird sich auf sie übertragen."

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